Archiv der Kategorie: food for thought

Mosaic of World Imperial Zones map labeled British, Spanish, Roman, Mongol, Russian, Ottoman, Persian, Qing, and other empires

Das Mosaik

So macht man das. Zuerst bezichtigt man ein Land, genauer gesagt dessen Staatsoberhaupt, krimineller Taten. Dann beginnt man, vermeintliche Zeugnisse der unterstellten Machenschaften zu vernichten. Dann, in einer Nacht- und Nebelaktion, überfällt man das Land militärisch und entführt den Präsidenten und holt ihn zu sich nach Hause, um ihn in Fußfesseln einem Richter der eigenen Justiz vorzuführen. Mit den in dem anderen Land nun in der Verantwortung Stehenden, die durch die Aktion eingeschüchtert sind, beginnt man Vereinbarungen zu treffen, die sich auf die Ausbeutung der in dem Land vorhandenen Rohstoffe beziehen und den günstigen Zugriff sichern. Gleichzeitig vereinbart mit einem anderen Land, in dem die Goldreserven des überfallenen Landes liegen, dass diese dem Finanzminister des eigenen Landes zur Verfügung gestellt werden, damit dieser dann „die Hilfen“ für das überfallene Land koordinieren kann.

Was sich anhört wie eine Revolvergeschichte eines unbegabten Autors, ist die im Lager der freien Welt kaum kommentierte, geschweige den kritisierte Räuberpistole einer um den Dominanz kämpfenden Weltmacht. Präsidentenkidnapping, Ressourcen- und Goldraub. Das Golddepot Venezuelas bei der Bank of England umfasst 3,1 Tonnen. Dass die so genannten Verbündeten, denen man, wenn man bei seriöser Berichterstattung bleiben möchte, die Bezeichnung als Komplizen geben muss, nicht nur schweigen, wie die teutonischen Weltstrategen, sondern auch noch aktive Hilfe leisten wie die immer bellizistisch außer Rand und Band geratenen Nachkommen des British Empire, dokumentiert einmal mehr den Charakter des Bündnisses. Es handelt sich um ein Syndikat. Und, unabhängig, was als Grund für die Anwendung von Gewalt auch genannt wird: Es geht immer um Ressourcen und Gold. Nie um Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Selbstbestimmung oder Humanität. 

Im globalen Rahmen vermitteln die zur Zeit virulenten Konflikte der USA oder ihrer Komplizen mit dem Rest der Welt den eigentlichen Sinn. Es geht um die Weltherrschaft. Und dabei geht es neben den genannten Ressourcen auch um geopolitisches Gut wie Handelswege und den Zugang zu maritimen Passagen. Nimmt man alleine das chinesische, multilaterale Projekt der neuen Seidenstraßen, dann wird deutlich, warum es in Weißrussland den Versuch eines Regime-Changes genau zu dem Zeitpunkt gab, als dort ein großer Umschlagbahnhof besagter Seidenstraße fertiggestellt war, warum man in Afghanistan einen Krieg geführt hat, warum seit langem der Iran auf dem Zettel einer militärischen Lösung steht, warum Russland filetiert werden soll, was expressis verbis immer wieder von den Agenten der EU laut und vernehmbar formuliert wird. Und letztendlich, warum die Nervosität in Sachen Taiwan so hoch ist, weil dort das Weltzentrum der Chipherstellung ist und es trotz aller andersartigen Berichte exzellente Wirtschaftsbeziehungen mit der Volksrepublik China gibt.

Gelingt es nicht, das Konzept der neuen Seidenstraße zu konterkarieren, gelingt es nicht, Russland zu einem willenlosen Ressourcenlieferanten zu degradieren und gelingt es nicht, das BRICS-Bündnis zu torpedieren, gelingt es nicht, die arabischen Staaten am Petro-Dollar zu halten, und gelingt es nicht, Resteuropa zu einem Militärstützpunkt zu degradieren, dann sind die Träume von der alleinigen Weltherrschaft ausgeträumt. 

Die Komplexität der Agenda zeigt, wie verzweifelt die Lage sein muss im transatlantischen Hauptquartier. Dass die Lage, so brisant und furchtbar sie auch ist, sich noch so im Rahmen hält, zumindest aus der Sicht der Bewohner westlicher Länder, liegt vor allem an der bis jetzt noch an den Tag gelegten Besonnenheit derer, die unisono als das Lager des Bösen bezeichnet werden. Einfach nur die verschiedenen Aktionen bilanzieren. Dann fügt sich das Mosaik zusammen. 

Das Mosaik
Team using digital devices in neon-lit futuristic Hong Kong

Drei Prinzipien

Manchmal scheint es etwas absonderlich zu sein. Dass man erst bei einem Rückblick auf Ereignisse, an denen man selbst beteiligt war, die Tiefe und Essenz erst richtig begreifen kann. Obwohl alles so geplant, initiiert und gemacht worden war und die Intention deutlich zu entziffern war. Aber im Augenblick der Handlung ist wenig Zeit für eine ausführliche Reflexion. Und so sehr immer betont wird, dass alles, was man in Angriff nimmt, irgendwann auch auf seine Wirkung evaluiert werden muss – meistens geschieht es dann doch nicht. 

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mich noch einmal zu einem Prozess zu äußern, den wir als großen Veränderungsprozess angekündigt hatten und der sich, aus der heutigen Sicht betrachtet, ganz anders als geplant gestaltete. Das, was wir strukturell verändern wollten, ist mittlerweile den Gravitationskräften der faktischen Macht gewichen. Aber der Geist, mit dem wir zu Werke gingen und die Menschen, die wir gewinnen und fördern konnten, sind geblieben. Und sie gehen heute in ganz anderen Kontexten neue Wege.

Allerdings die Prinzipien, nach denen wir gelebt haben, die, so war auch jetzt nach Jahren mein Resümee, die hatten es in sich und sie sind heute mehr denn je ein Qualitätsmerkmal für eine gute Vorgehensweise, der man durchaus den Begriff von Politik zusprechen kann.

Was waren nun die drei Prinzipien, die sich jeder merken konnte, ohne gleich in einem großen Konvolut nachsehen zu müssen?:

  1. Wir leben den Anspruch und halten den Laden am Laufen. 
  2. Wir sind großzügig in den kleinen Dingen und bleiben konsequent bei den großen.
  3. Wir sind loyal nach unten. 

Punkt eins versuchte deutlich zu machen, dass die Leistungen, die man von uns erwartete, erbracht wurden. Allerdings in einem Geist und in einer Qualität, die der formulierten Strategie entsprachen.

Punkt zwei war die ausdrückliche Abkehr von einem kleinlichen Dogmatismus. Wir wollten menschlich sein und die Fehler, die Menschen machen, wenn sie Neuland betreten, nicht skandalisieren. Anderseits sollten die großen Zielsetzungen nicht verhandelbar sein.

Punkt drei sollte deutlich machen, dass wir uns selbst bei Fehlern und Problemen hinter alle stellten, die mit uns zusammen arbeiteten. Wir stellten uns auch bei schwierigen Situationen hinter diejenigen, die für uns handelten und übernahmen die Verantwortung.

Das alles klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich revolutionär, ist aber, bei der Betrachtung aktueller Verhältnisse, nicht das, was man als verbreitetes Phänomen beobachten könnte. Die Resonanz auf diese Erinnerung war überwältigend und die Kritik an bestehenden Verhältnissen wurde sehr deutlich geäußert.

Das Positive bei diesen drei Prinzipien ist ihre universelle Verwendbarkeit. Man kann sie für sich persönlich reklamieren,  in organisatorischen Kontexten, in Betrieben, in Vereinen, in Familien wie in der Politik. Und dieser Verweis hat meines Erachtens besonderes Gewicht. Und es stellt sich die Frage, bei der Betrachtung der aktuell zu beobachtenden Politik hierzulande, ob es den Verantwortlichen gelingt,

  • einen wie auch immer gearteten Anspruch zu formulieren und gleichzeitig den Laden am Laufen zu halten,
  • kleine Fehler und Abweichungen zu tolerieren, aber an den großen Linien festzuhalten und nicht als verhandelbar zu betrachten, und
  • Als Hierarchie loyal nach unten zu sein.

Die Beurteilung dieser Fragen obliegt Ihnen. Ohne sich einer bestimmten politischen Partei oder Richtung verpflichtet zu fühlen, kann die Übung – wieder einmal – Ergebnisse zutage fördern, die es in sich haben.

Drei Prinzipien
Decadent fat pigs in parliament limousines luxury trains

Animal Farm pur!

Manche Entwicklungen muten absurd an. Dennoch sind sie bei näherem Hinsehen völlig normal. Quasi so etwas wie der Lauf der Dinge. Worum es geht? Um die Vorstellung, wie etwas sehr Sinnvolles, aber dennoch Abstraktes gedeutet wird. Die Rede ist von der Demokratie. Momentan ist sie immer wieder Thema. Vor allem im Kontext ihrer Bedrohung. Ob die meisten Menschen, die glauben oder glaubten, in einer Demokratie zu leben, tatsächlich eine elaborierte Vorstellung davon haben, was Demokratie tatsächlich heißt, sei einmal dahin gestellt. Denn eines ist sicher: Dinge oder Zustände, die man selbst weder durch Leistung, Kampf oder Kreativität erworben hat und die einem quasi in den Schoß gefallen sind, werden, je länger man über sie verfügt, immer geringer in ihrem Wert geschätzt.

Aus dem Bauch heraus lässt sich Demokratie beschreiben als ein definierter Rechts- wie Pflichtzustand, als ein Mehrheitsprinzip mit festgelegten Vertretungsregeln. Wer Verfassungsmäßigkeit, Gewaltenteilung, das Mehrheitsprinzip und die Vertretungsmodalitäten negiert, vergeht sich bereits an diesem Gedanken einer bürgerlich-konstitutionellen Demokratie. Das sei betont, weil es sich dabei nicht um eine global geteilte Vorstellung von zeitgemäßer wie guter Regierungsführung handelt. Auch wenn die zeitgenössischen Kreuzfahrer dieses unentwegt behaupten und damit ihre Eroberungskriege zu legitimieren suchen.

Nun geistert das Gespenst seit einiger Zeit durch die größer werdenden Ritzen unserer Gesellschaft, dass die Demokratie bedroht sei. Das ist nicht von der Hand zu weisen, es handelt sich bei diesem Phänomen allerdings um eine chronische Schwäche. Sieht man sich die Effektivität und Legitimität staatlichen Handelns an, so blicken wir auf eine lange Geschichte der Demontage des demokratischen Gedankens zurück. Bei jeder Krise, bei jeder unvorhergesehenen Erscheinung, bei jedem fatalen Fehler politischen Handelns war die Reaktion immer dieselbe: Die Einschränkung demokratischer Rechte, die Reduktion staatlicher und kommunaler Leistungen bei gleichzeitiger Erhöhung von Steuer und Gebühr. Und, ebenfalls gleichzeitig, beim Verprassen kollektiv erwirtschafteter Mittel zugunsten von Menschen oder Gruppierungen, die mit der Vorstellung von Allgemeingut nichts gemein haben. Dass eine derartige Entwicklung Verdruss erzeugt, ist menschlich. So einfach lässt sich die Gemütslage erklären.

Dass nun diejenigen, die für diesen Prozess durch ihr eigenes Handeln maßgeblich verantwortlich sind, „unsere Demokratie“ in Gefahr sehen, wäre nichts anderes als eine provokante, ja dreiste Bemerkung, wenn man ihnen nicht den Trugschluss konzedieren müsste, dass sie das abstrakte Konstrukt einer Demokratie mit ihrer eigenen Vergütung, mit der ihnen zur Verfügung gestellten Infrastruktur, mit ihren Privilegien und mit ihrer Immunität und ihren eigenen Freiheiten verwechseln würden. Das ist natürlich dumm. Und es ist gefährlich. Weil sie glauben, wenn sie an sich denken, dächten sie gleichzeitig an die Demokratie.

Es ist zu raten, die Differenzierung zwischen den Privilegien von Mandatsträgern und der Demokratie sehr wohl zu unterscheiden. Und man könnte sogar der Formulierung folgen, dass von dem schönen Gedanken der Demokratie lediglich noch der Status derer übrig geblieben ist, die sukzessive alles unterminiert haben, was den Charme von allgemein gültigen Rechtszuständen, einem definierten Gemeinwohl und einem tatsächlichen Mehrheitsprinzip entspricht. Dann allerdings, und dieses dann ist gar nicht mehr hypothetisch, haben die Verhältnisse eine Qualität erreicht, die Revolutionen, welcher Couleur auch immer, nahezu folgerichtig auf die Tagesordnung rufen. Ein solcher Zustand ist Animal Farm pur!

Insistieren Sie immer, wenn von „unserer Demokratie“ die Rede ist, was genau damit gemeint ist! 

Animal Farm pur!