Die Wahrheit schmeckt umso bitterer, je mehr sie fest Geglaubtes und als unumstößlich Geltendes außer Kraft setzt. Dass die großen Tugenden und Glücksbringer der deutschen Nationalmannschaft seit mittlerweile 12 Jahren auf dem großen Weltturnier nicht mehr zur Geltung kommen, hat verschiedene Gründe. Spiel wie Spielertypus haben sich verändert und der Druck, der durch so etwas wie eine medial erzeugte Öffentlichkeit entstanden ist, zerpflückt die Entität derer, auf die es ankommt. Das gab es historisch schon einmal, 1994, ebenfalls in den USA, als aus dem Team heraus und unter Mithilfe einer Ikone des deutschen Fußballs die Glaubwürdigkeit des damaligen Trainers zerstört wurde. Das war jetzt auch der Fall und ging noch weiter. Es wurden Nominierungen und Aufstellungen aufgrund des äußeren Drucks bewirkt, die allerdings nicht die erhofften Erfolge brachten, wobei die massenhaften Fürsprecher wiederum exklusiv den Trainer dafür verantwortlich machten. So geht das Spiel, das auf keinen Fall zum Erfolg führt. Wer sich von einem gehässigen Laienorchester in seiner Taktik beeinflussen lässt, hat die Rückfahrkarte bereits gebucht. Wenn der Mob die Taktik bestimmt, hast du verloren.
Was auf der damit angesprochenen Seite noch auffiel, war der Ton, in dem die öffentliche Debatte geführt wurde. Lässt man sich die vielen Statements und Kommentare auf der Zunge zergehen, nimmt etwas Abstand und versucht es emotionslos zu beschreiben, dann hatten und haben wir es mit einer Öffentlichkeit zu tun, die mental am Boden liegt, von Defätismus durchdrungen ist und sich durch das Versprühen von Gift Erleichterung zu verschaffen sucht. Wer glaubt, dadurch die Anstrengungen derer, die in der Verantwortung stehen, unterstützen zu können, hat komplett den Verstand verloren. Aber, und das ist eine weitere bittere Wahrheit, es ist auch nicht das Ziel. Wir befinden uns bereits auf dem Feld der exklusiven Zerstörungswut.
Dass, auch das sollte nicht aus den Augen verloren werden, die vermeintlich leichten Gegner nicht mehr behandelt werden können wie vom eigenen Hof aus administrierte Bananenrepubliken oder Reisplantagen, ist bereits ein Ergebnis, das sich im gegenwärtigen Stand des Turniers manifestiert hat. Viele ihrer Führungsspieler haben in den Zentren der Welthegemonie gelernt und sind dabei, das Niveau in den einstigen Provinzen zu heben. Da wird noch mehr kommen, denn die alte Ordnung ist erheblich ins Wanken geraten.
In Deutschland sind die bereits beschriebenen mentalen Defizite benannt. Es soll nicht unerwähnt bleiben, auch wenn das in dem Lamento über das Aus zumindest medial untergehen wird, dass die auf dem Turnier gesetzten Spieler hoch qualifizierte Repräsentanten ihrer Zunft sind. Sie konnten ihr Potenzial nur nicht zur Geltung bringen. Auch darin spiegelt sich der Konnex zum gesellschaftlichen Leben. Die medial dominierte Welt, die durch den Einsatz unzähliger Kretins, die als Experten bezeichnet werden, zu einem Desaster nach dem anderen führen, verdrängt die tatsächlich vorhandenen Stärken und Potenziale aus dem Bewusstsein und nährt somit den Defätismus.
Was dieses Orchester noch kann und wozu es bereits wenige Stunden nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft aufspielt, ist die Zeichnung von Sündenböcken und die Produktion von Feindbildern. Das ist die eingespielte Vorgehensweise, die die Politik in diesem Land seit einiger Zeit prägt und die zu hohen Verlusten und zahlreichen Niederlagen führt. Es fehlt nicht an Technik, nicht an Finesse, nicht an Können und nicht an Wissen. Es herrscht der Dilettantismus, und der macht das alles zunichte. Ordnung und Verantwortung sind nicht gefragt. Soviel zum nächtlichen Ausscheiden.
Fortsetzung folgt.
