Diverse professionals discussing logistics and partnerships using a digital world map in office

Wie sieht die Zukunft aus?

Wenn die tektonischen Platten politischer Ordnungen in Bewegung geraten sind, tendieren die Menschen zu verschiedenen Reaktionen. Die einen wünschen sich, dass alles so bleibt wie vor den sich vollziehenden Erschütterungen, andere wiederum wissen sogleich, wer für die Unruhe durch sein Handeln verantwortlich ist und wiederum andere flüchten in Mystizismus, Sektierertum oder schmettern Untergangsgesänge. 

Bei denjenigen, die die politische Verantwortung tragen, ist es im Großen und Ganzen nicht anders. Innere wie äußere Feinde sind ausgemacht, das eigene Handeln wird in keiner Weise durchleuchtet und die wildesten Theorien über Verursacher machen die Runde.

Diejenigen, die trotz der heftigen Bewegungen den Laden am Laufen halten, machen das, was verantwortungsvolle Gesellschaftsglieder immer tun. Sie sorgen sich darum, dass die Produktion von Gütern, die Ver- und Entsorgung funktionieren und sie geben den Menschen Raum, um sich in diesen herausfordernden Zeiten zu kurieren und zu regenerieren. Sie sind diejenigen, auf die es ankommt.

Und gerade der produktive, dienstleistende und versorgende Teil der Gesellschaft findet in dem ganzen Lamento und Getöse nicht statt. Ihnen wird, ganz im Gegenteil, bescheinigt, dass sie ein bisschen faul, heftig überversorgt, unnötig unzufrieden sind und nicht in der Lage, die Komplexität der politischen Tektonik zu verstehen. Dass ausgerechnet eine Klasse, die sich einen Dreck um die Leistungsträger der Gesellschaft kümmert, sie mit derartigen Dummheiten überschüttet, sorgt dafür, dass die Substanz des Gemeinwesens sich schneller verflüchtigt als es bei den heftigen Stößen, die die bisherige Weltordnung heimsuchen, der Fall ist. Die gesellschaftliche Erosion ist selbstverschuldet. Auch, weil die hohen Güter, die jenseits des materiellen Wohlstandes als Gemeingut galten, nämlich unteilbare Rechte und globale Ordnungsprinzipien, durch die dominierende politische Nomenklatura mit doppelmoralischer Finesse zu einer frivolen rhetorischen Floskel hinab gewürdigt wurden.

Da ist guter Rat teuer. Und wenn es überhaupt eine Gruppe gibt, die guten Rat verdient hat, dann sind es die unzähligen tatsächlichen Leistungsträger dieser Gesellschaft und nicht die einfallslosen Phrasendrescher aus dem parlamentarischen Milieu und auch nicht die im Verborgenen sitzenden Couponschneider, die sich permanent im Börsenrausch befinden und die die Werte schaffenden Menschen nur als Kostenfaktor zur Kenntnis nehmen. 

Letztere sind jedoch das Sine Qua Non, diejenigen, ohne die es kein Morgen mehr geben wird. Sie werden entscheiden müssen, in welcher politischen Ordnung sie sich wiederfinden wollen, sie werden darüber entscheiden, was als gesellschaftlicher Wert der Gemeinschaft etwas kosten darf und wofür die erwirtschafteten Werte eingesetzt werden. Die Zukunft, das sei den bellizistischen Schreihälsen, die sich schon lange in den Händen der industriellen Profiteure und der fröhlich agierenden Faschisten befinden, die Zukunft wird liegen in einer Friedensordnung, in Wertschöpfung und gesellschaftlichem Zusammenhalt, der durch Gemeingut entsteht. 

Und es wird neue Partner geben, deren Horizont über den ballistischen Showdown hinausgeht. Allein die Bilanz der jüngsten, interventionistischen und völkerrechtswidrigen Kriege, die vom „Bündnis“ ausgingen, haben nichts als Niederlagen und verheerende Auswirkungen gezeitigt. Von Afghanistan bis zum Iran, nichts als Schutt und Asche, die Stabilisierung autokratischer Strukturen und Massenflucht! Sehen Sie sich die Protagonisten an. Und überlegen Sie, inwieweit Sie ihnen die Kompetenz zusprechen, neue, ideenreiche und Gutes bringende Seiten aufzuschlagen!

Wenn dieses Land und dieser Kontinent noch eine Zukunft hat, dann sieht sie anders aus, als die jetzigen brüchigen Konturen vermuten lassen. Und es werden andere Persönlichkeiten und Charaktere sein, die das Maß der politischen Verantwortung zu würdigen wissen.

Wie sieht die Zukunft aus?
People playing bingo at a fundraiser and a group discussing startup proposals in a town hall meeting

Werte-Bingo und Interesse

Reden wir einmal Tacheles. Man kann sich natürlich zufrieden das Maul lecken, und bei der Meldung, dass zunehmend in Deutschland traditionell ansässige Unternehmen in diesem Land nichts mehr investieren und das Faktum mit der Bemerkung quittieren, manche hätten eben immer etwas zu meckern. Um die eigene Einfalt und Trägheit zu kaschieren, zitiert man den letzten Börsenbericht und schließt sich dem Votum der in Durchhalteparolen verharrenden Regierungsverlautaberungen an. Dort heißt es ja bekanntlich seit Langem, dem Land gehe es besser, als manche Schlechtredner glauben machen wollen. Und schon kann man sich seinen Bauch an der Tischkante zurechtlegen und sich in der eigenen Befindlichkeit schmatzend baden.

Mit der Realität hat das bekanntlich nichts zu tun. Auch wenn täglich in den Nachrichten Statistiken verlesen werden, die wenig aussagekräftig sind, aber deren Zweck es ist, einen tatsächlichen Aufschwung im Lande zu belegen. Allein diese Tatsache zeigt übrigens, wie sehr der kritische, konstruktive Geist in der Nachrichtenbranche in die Tonne getreten wurde. Ein kleiner Film der BASF, der aktuell kursiert und in dem es heißt, nicht die BASF habe sich von Deutschland abgewendet, sondern Deutschland habe die BASF im Stich gelassen, dokumentiert, dass es nicht nur die Kosten für Energie oder die Steuerlast ist, sondern dass zudem die Verleumdung zu einer salonfähigen Methode in der politischen Kommunikation geworden ist und sie den Standort kontaminiert. In dem Spot wird nicht zurück polemisiert, sondern die Zahlen werden auf den Tisch gelegt, die für ein Chemieunternehmen und seine Konkurrenzfähigkeit essenziell sind. Man weiß, warum das Unternehmen in China und nicht hier investiert. Analoges kann man auch bei der Abwanderung von Automobilproduktion sehen. Wenn man es will.  

Aber in vielen Bereichen fällt es zunehmend schwer, die Grundlagen von Wirtschaft und die Motive von Entscheidungen in Unternehmen überhaupt noch zu Identifizieren. Dass Qualität und Preis einer Ware darüber entscheidet, ob sich ein Produkt auf dem Markt durchsetzt, ist nahezu dem ganzen Konsortium der Entscheider wie Kommunikatoren als Erkenntnis nicht mehr zugänglich. Wenn der Markt für hiesige Produkte kriselt, dann haben sich irgendwo Chinesen eingeschlichen, oder der Russe hat uns den Saft abgedreht oder die Industriekapitäne sind unpatriotisch. Dass es vor allem bei denen nun soweit ist, dass sie sich nicht mehr mit diesem Verschwörungsroman auseinandersetzen wollen, sondern Fakten schaffen, ist im Grunde genommen eine völlig logische Angelegenheit. Denn sie machen das, wofür sie bezahlt werden. Das unterscheidet den Kapitalismus von einer Sekte.

Es ist gelungen, im Sumpf schwammiger Werte die wesentlichen Motive menschlichen Handelns aus dem Bewusstsein einer sedierten Öffentlichkeit zu tilgen. Das Interesse, Resultat von realen Bedürfnissen, ob beim einzelnen Individuum, ob bei einem Wirtschaftsunternehmen oder bei einem Staat, ist der Treibstoff, der Bewegung erzeugt. Die Interessen derer, die von den realen Interessen ablenken und das frivole Werte-Bingo betreiben, ist in der Regel das für ein ganzes Land am wenigsten maßgebliche. Da geht es um materielle Nichtigkeiten im Verhältnis zum angerichteten Schaden und zu einem kriminellen Coup gegen das Gemeinwesen. Das sollte man bei der Beobachtung der Vorgänge immer im Auge haben. Und das unzweideutige Ergebnis wird  sein, dass weder das eigene Interesse noch die eigenen Werte mit dem korrespondieren, was von den Protagonisten der Talfahrt der Öffentlichkeit präsentiert wird. 

Werte-Bingo und Interesse
Various groups of people walking and chatting on a city street with buildings, shops, and graffiti

Urbane Romantik

Aus dem Hotel Bombay
Wankt am frühen Morgen
Ein sichtlich Berührter,
Scheu von dannen.

Im dritten Stock
Steht die blonde Wache
Zieht versonnen lächelnd
Am feuchten Joint.

Der Zeitungsbote
Kommt schnaubend um die Ecke
Und wirft das Journal
Angeekelt in den Dreck.

Die gut frisierte Nachbarin
Fragt, mit aller Freundlichkeit der Welt
Ob es Zeit ist
Die Biotonnen
Vor das Haus zu stellen.

Die junge Schöne
Aus der Mansarde
Macht sich auf
Zum Ehrenamt.

Und der pensionierte Polizist
Von gegenüber
schneidet gut gelaunt
Die duftenden Rosen.

Ein Abgeordneter der Linken
Wirft, ganz selbstvergessen
Seinen Biomüll
In Nachbars Garten.

Der japanische Professor
Trinkt versunken
Seinen Tee
Auf dem blühenden Balkon.

Frühe Hunde bellen
Enttäuschte Kater
Legen sich frustriert ins Bett
Und eine Krähe lacht.

Aus dem Baustellenradio
Von nebenan
Zersägen Nachrichten
Die Atmosphäre.
Urbane Romantik