Ostenmauer – 102. Nur wir selbst!

September 2018

Wie bei so vielen Weckrufen wird auch nun wieder die alles bewegende Frage gestellt, was sich denn ändern müsse, um die Verhältnisse zu verbessern. Nicht wenige suchen nach einem ausgeklügelten Konzept, das in die Lage versetzt, die vielen Sackgassen, in denen Politik und Gesellschaft stecken, zu überwinden. Die Erwartung wird enttäuscht werden, weil sie bereits einen Teil des Problems mit eingebaut hat. Die Lösung führt in diesem Falle nicht über die Komplexität, sondern über die Vereinfachung. Und sie führt nicht über den Kopf, sondern über den Bauch. Und, das wird für alle aus dem Lager der politischen Couch potatoes, von denen es so viele gibt, das Bitterste, es wird Mut und Aktivität erfordern.

Jeder Mensch ist für das verantwortlich, was er macht und genauso für das, was er unterlässt. Eine Regel aus Moderationsprozessen, die, einmal erklärt, und als Konsens für den Prozess akzeptiert, die Beteiligten in die Lage versetzt, Ungeheuerliches zu produzieren. Stellen Sie sich nun einmal vor: Bei wie vielen Gelegenheiten, bei denen wir uns mit Unsinn, mit Ideologie, mit Propaganda oder mit Fallenstellerei konfrontiert sehen, bei wie vielen solcher Gelegenheiten nehmen wir uns den Mut und die Zeit, und stellen die Frage nach Wahrheit und Klarheit? Sie werden es sehen, wir alle schweigen zu oft, aus Bequemlichkeit, aus Angst und aus Überdruss. Dem ist der Kampf anzusagen, der eigenen Unwilligkeit und Unzulänglichkeit zum zwingenden Diskurs. Alles ist erlernbar, und wer sich dem verweigert, der wird an keiner Lösung aktiv beteiligt sein.

Das zweite Feld, in dem es um die Wahrheit geht, ist das beliebtere, weil es vom eigenen Handeln weit weg zu sein scheint. Ist aber nicht so! Der Anspruch, bei den großen Themen mitsprechen zu dürfen, nährt sich aus der Erfahrung, dass vor der Bäckerstheke oder im Sportverein auch tun zu können. Nur wer sich einmischt, ist dabei. Die Erkenntnisse, die sich auf dem zweiten Feld erweisen, werden niederschmetternd sein, denn sie werden enthüllen, wie viel Unrat wir werden aus dem Weg räumen müssen, um zu dem zu kommen, was Wahrheit und Klarheit genannt werden muss.

Nehmen wir ein griffiges, weil aktuelles Beispiel: Der in in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wie in der politischen Klasse betrauerte Senator McCain aus den USA. Einer der schlimmsten Kriegstreiber und Unterstützer des internationalen Terrorismus wird dargestellt als ein Beispiel für die demokratischen Werte des Westens schlechthin. Nehmen wir das einfach so hin? Finden wir uns damit ab, dass der Chefredakteur des Heute-Journals so einen Unsinn zur Prime Time erzählt? Und nehmen wir es hin, dass der deutsche Außenminister den gleichen Quatsch von sich gibt? Wir wissen, wofür McCain stand, nämlich die Mobilmachung gegen Russland bei Einbeziehung Europas in kriegerische Handlungen.

Wollen wir das? Stellen wir irgend jemanden zur Rede? Wenn nicht, wie glaubwürdig sind wir dann selbst? Und wie viele Beispiele fallen uns ein, bei denen wir seit Jahr und Tag schweigen, obwohl wir alle wissen, dass  die, die diese Geschichten erzählen, zwar einen Zweck im Auge haben, es aber mit der Wahrheit gar nicht so haben. Es wird niemanden geben, der diese Fragen stellt, wenn wir es nicht tun. Es wird niemanden geben, der der Spur nach dem Richtigen folgen kann, wenn nicht wir selbst. Wie gesagt, jeder Mensch ist verantwortlich für das, was er tut und für das, was er unterlässt. Klingt simpel. Ist aber gar nicht so einfach. 

Nur wir selbst!
Lunatics playing hazard over map of Europe

Die Einschläge rücken immer näher!

Von denjenigen, die noch heiße Kriege erlebt haben, stammt der Satz, dass die Einschläge immer näher rücken. Bis heute hat sich diese Redewendung gehalten, obwohl die wenigsten Menschen, die sie benutzen, noch genau wissen, woher sie kommt. Sie gebrauchen die Formulierung, wenn sie darauf hinweisen wollen, dass das Unheil, in welcher Form auch immer, näher kommt. 

Manchmal, vor allem im Bildungsbürgertum, spricht man von einer Duplizität der Fälle, wenn zwei Ereignisse oder Erscheinungen, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, gleichzeitig passieren oder den gleichen Verlauf nehmen. Unter diesem Aspekt ist die Aussage, dass die Einschläge immer näher kommen, in beiden Fällen, dem im direkten Bezug auf den Krieg in Europa wie dem im übertragenen Sinne als Formulierung, die ganz allgemein ein Problem, eine Not oder gar den Tod adressiert, die treffende für die jetzige Situation.

Nachdem sich die Bundesregierung durch Willenserklärung und Faktizität offen als Kriegspartei zu erkennen gegeben hat und sowohl aus den Reihen der Regierungsparteien sowie einem Teil der Opposition die Parole ausgegeben wurde, Russland zur Kapitulation treiben zu wollen, besteht kein Zweifel darüber, dass zunächst, wie es die russische Art ist, Schach zu spielen, politisch-diplomatische Einschläge geben wird, und, sollte das nichts bewirken, die Proliferation von Kriegsmaterial wie Know-How auch bis nach Deutschland ins Visier zu nehmen. 

Die politische Aktion wird in der Aufkündigung des 2+4-Vertrages bestehen. In diesem wurden die jetzigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland festgesetzt und abhängig gemacht von einer Friedenspflicht Deutschlands gegenüber allen Unterzeichnerstaaten, wozu eben auch Russland gehört. Diese Pflicht sieht Russland nicht zu Unrecht massiv verletzt. Letztendlich ist dieser Einschlag nicht eine Frage von Jahren, sondern von Monaten oder Wochen.

Ähnlich verhält es sich mit der unmittelbaren militärischen Lage. Auf diesem Feld hat Russland seine Ziele erreicht. Es will den Donbas und die Krim, die Gründe dafür liegen seit langem auf dem Tisch. Die Ausweitung des Krieges auf das Terrain Russlands seitens der Ukraine ist nicht ein Zeichen russischer Schwäche, ganz im Gegenteil, es legt den Wunsch Selenskijs offen, durch eine Eskalation den Krieg am Laufen zu halten und die NATO wesentlich mehr hineinzuziehen, als sie es bereits ist. Man kann davon ausgehen, dass deutsche Waffenfabriken, die die Ukraine beliefern, bereits mit ihren Koordinaten auf russischer Seite einprogrammiert sind. Und je mehr und je schneller von deutscher Seite eskaliert wird, und dafür bürgt der Kanzler und sein Mehrparteien-Gefolge, desto näher rückt der Zeitpunkt, dass es auch auf deutschem Territorium Einschläge geben wird. Und spätestens bei der Anlieferung und Aufstellung der Tomahawk-Mittelstreckenraketen aus den USA ist garantiert, dass hier die akuten Ziele ausgemacht sind.

Der Wunsch, Russland, das größte Flächenland der Welt, in Gänze zu zerstören, wie es von der Regierung bis zur EU-Kommission ausgerufen wurde, beinhaltet tatsächlich keinen Raum für Verhandlungen welcher Art auch immer. Und glaube niemand, dass die momentane Eskalation dazu führen würde, dass die russische Bevölkerung die eigene Regierung stürzen würde. Ganz im Gegenteil. Der Druck, der momentan in der russischen Gesellschaft entsteht, ist der rapide wachsende Wunsch, selbst bei denen, die den Krieg lange skeptisch sahen, der Ukraine endgültig die Kapuze über den Kopf zu ziehen und als Staat aus der Welt zu schaffen. Diese Option steigt im Moment beträchtlich. 

Die Einschläge rücken immer näher. Und unsere politische Nomenklatura hat alles im Griff! 

Die Einschläge rücken immer näher!
Group of people laughing and celebrating with fireworks and explosions in city behind

Es kommt, was kommen muss!

Man kann das alles auch einmal so sehen: an allem, was die selbst ernannte liberale politische Mitte, die sich als die rettende Gruppe der Demokratie bezeichnet, so von sich gibt, ist vieles falsch, aber auch manches Wahre. Wenn ständig davon schwadroniert wird, dass Russland im Jahr 2028 soweit sei, um Rest-Europa militärisch anzugreifen, dann ist es von der Logik zwar nicht soweit her, dass man dort drüben im Kreml solange warten sollte, bis EU und NATO sich genügend darauf vorbereitet hätten. Aber die Jahreszahl mag stimmen. Und allen, die noch wichtige Dinge zu erledigen haben, sei geraten, sich zu sputen. Denn bis 2028 bleibt nicht mehr viel Zeit. 

Warum das Datum stimmen kann? Weil der Globalstratege aus dem Sauerland von der jüngsten NATO-Tagung in Ankara freudestrahlend zurückkam und als Erfolg vermeldete, dass er erreicht habe, dass Deutschland Tomahawk-Raketen in den USA kaufen und auch hier stationieren dürfe. Dabei handelt es sich um Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 1600 Kilometern, d.h. ihre Wirkung auf Ziele wie Moskau ist garantiert. Er nannte diese Maßnahme das Schließen einer Sicherheitslücke. Nun mag man auch hier sagen, die Sonne der Erkenntnis käme im nebelig-düsteren Sauerland nur selten zum Vorschein, aber für derartigen Sarkasmus ist die Lage zu ernst. Denn, im Gegensatz zur proklamierten Zielsetzung, handelt es sich um die Bewerkstelligung Deutschlands als garantiertes Angriffsziel. 

Geht man nun davon aus, dass die derzeitige selbst ernannte liberale politische Mitte nicht das Bollwerk der parlamentarischen Demokratie, sondern eher deren Konkursmasse darstellt, weil sie vieles repräsentiert, nur nicht den Volonté générale, den Willen des Volkes, denn das hat den militaristisch-imperialen Kurs gehörig satt, und in wessen Auftrag auch immer handelt, dann muss man alles, was derzeit von dort aus als Zielsetzung formuliert wird, mit höchster Vorsicht zur Kenntnis nehmen. Mit einer am Gemeinwohl orientierten Strategie hat das alles gar nichts mehr zu tun. Vielmehr erinnert es an die Diktion von Priestern, die den kollektiven Selbstmord predigen.

Zurück zum Datum. Die jetzt erreichte Zustimmung zum Kauf der Tomahawk-Raketen, der Abschluss der Verträge, der Bau und die Anlieferung aus den USA wird einen Zeitraum bis 2028 in Anspruch nehmen. Und wenn sie denn kommen, dann sind die russischen Raketen ihrerseits längst justiert und programmiert, um zu verhindern, dass die vom imperialen Wahnwitz Ergriffenen nicht die Gelegenheit erhalten, noch einmal Mütterchen Russland anzugreifen. Heute bereits tönen Bundestagsabgeordnete wie die ewig von Vernichtungsphantasien faselnde außenpolitische Sprecherin der EU-Kommission offen vom Ziel einer russischen Kapitulation. Dass man dort alles tun wird, um eine Operation Barbarossa 2.0 zu verhindern, liegt auf der Hand.

Neben dem ganzen Nebel, den die als Strategie kaschierten Phantastereien einer unzurechnungsfähigen Bundesregierung verbreitet, kommt noch eine weitere Dummheit hinzu: Unterschätze nie diejenigen, die du vernichten willst. Und vor allem, wenn sie in der Geschichte bewiesen haben, allen im wahren Sinne des Wortes heimzuleuchten, die sich auf ihrem Territorium in böser Absicht verirren.

2028! Da bleibt nur noch ein Epitaph von Shakespeare übrig: 

Wir wissen nicht mal, wer wir sind. Es kommt, was kommen muss. Und das geschwind!  

Es kommt, was kommen muss!