Wochenschau

Die Grippewelle
Flaut jetzt ab
Wahlen
stehen kurz bevor.

Ein Clown
Verhext das Capitol
Waschbären
Werfen Tonnen um.

Ein Eisbär
Tobt in der Sauna rum
Ein Rebell
Behält im Parlament
Die Mütze auf.

Im Kaufhaus
Spielt ein Schlittschuhläufer
Auf der Geige
Und alte Damen
Essen Buttercreme.

Der Nachwuchs
Ist jetzt ausgezogen
Und lässt den Gram
Weit hinter sich.

Am Äquator
Schmeckt der Kaffee süß
Und Chili
Brennt das Heimweh weg.

Wochenschau

Diplomatie: Konfekt und Panda Bären

Das Gebäude der hohen Schule der Diplomatie steht in Asien. Aus einer Welt der lauten Proklamation kommend, konnte auch der Bundeskanzler bei seinem Besuch in der Volksrepublik China einen Eindruck davon bekommen. Erworben hat er sich dieses Privileg, weil er nicht wie ein ungebildeter Besserwisser und gouvernantenhafter Züchtiger bereits im Vorfeld seinen Gastgeber zu maßregeln suchte. Diese Form der Beschädigung des Verhältnisse hatte vor allem die frühere Außenministerin für sich in Anspruch genommen, was zur Folge hatte, dass sie bei Besuchen ihrerseits durch den Lieferanteneingang zu gehen hatte und niemanden von Format der anderen Seite mehr traf. Was als absoluter Tiefpunkt deutscher Diplomatie angesehen werden muss, hat nicht nur dem Verhältnis beider Staaten zueinander massiv geschadet, sondern es wird immer noch in bestimmten sektiererischen Kreisen als feministische Außenpolitik gefeiert, was den Grad der Verwirrung eindrücklich illustriert. 

Wie gesagt, Kanzler Merz ging im Gegensatz zu seinem sonstigen Habitus anders vor, hielt sich vor Mikrophonen mit Kritik zurück, betonte den potenziellen gegenseitigen Nutzen und wurde dafür von der chinesischen Seite, die in einer weit mächtigeren Position ist, fürstlich belohnt. Der deutsche Kanzler wurde mit allen Ehren, die das Protokoll zur Verfügung stellt, begrüßt, es gab ein Sonderprogramm exklusiv für die Besichtigung der Verbotenen Stadt etc.. Xi Jinping demonstrierte bereits damit die strategische Kompetenz der chinesischen Seite. Ein von den USA enttäuschtes Deutschland, das nach Neuorientierung sucht, wäre, sollten sich die deutsch-chinesischen Beziehungen wieder etwas normalisieren, ein geopolitisches Asset. 

Und, wie aus dem Nichts, und als gäbe es die jüngste dunkle Vorgeschichte der diplomatischen Eiszeit nicht, gab es auch noch eine große Schachtel Konfekt. Der chinesische Auftrag über 120 Airbus Flugzeuge, der ein ungefähres Volumen von 40 Milliarden Euro aufweist, ist keine Petitesse. Wer das bei seiner Rückkehr in die kalte Heimat vorweisen kann, wird als erfolgreicher Emissär gepriesen. Zudem gab es noch weitere Vereinbarungen, die den Handel betreffen und, auch das wieder eine typische chinesische Note, die von ihrem Symbolgehalt nicht unterschätzt werden kann, zwei Panda Bären werden zu Forschungszwecken nach München geschickt. Wer weiß, was die Chinesen mit dieser Spezies verbindet, bekommt eine Ahnung von der Dimension des Goodwill. 

Aber so ist es mit der Diplomatie. Das Kritische gehört hinter verschlossene Türen und das Gemeinsame ins Scheinwerferlicht. Ein Hauch davon wäre bei den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland bei Vermittlung der USA wünschenswert. Und man achte genau darauf, wer die so profunden Regeln der Diplomatie befolgt und wer nicht. Während bei den laufenden Gesprächen die ukrainischen Vertreter und die der EU, die nicht einmal am Tisch sitzen, medial herum krakeelen, schweigen sowohl Russen als auch Amerikaner und sprechen nur von Fortschritten. Da mag ein durch was auch immer aufgeputschter Herr Ischinger sich darüber echauffieren, dass auf amerikanischer Seite bei diesen Verhandlungen gar keine Diplomaten, sondern lediglich Geschäftsleute vertreten seien. So, wie diese sich verhalten, verstehen sie mehr von Diplomatie als die mediale Kampfbrigade des selbst ernannten Werte-Westens und seinen sektiererischen Sturmabteilungen.

Es wird sich herausstellen, ob es sich bei dem China-Besuch nur um eine glückliche Episode handelte, oder ob da ein zartes Pflänzchen eines Umdenkens zu sehen war. Zumindest im Bereich der Diplomatie. Wenn beidseitige Interessen auf der Tagesordnung stehen, gibt es genug Stoff für eine konstruktive Unterhaltung. Man lernt die Bescheidenheit in diesen Tagen. 

Diplomatie: Konfekt und Panda Bären

Ostenmauer – 84. Malaysia, 24. Mai 1998

Batu Ferringhi, 24.05. 1998

In der malaiischen New Straits Times steht heute eine kleine Notiz, die mich in meiner Einschätzung bestätigt. KOSTRAD-Chef Prabowo sei seines Amtes enthoben und mit anderen Soeharto nahen Generälen in die Offiziersschule nach Bandung versetzt worden. Jenderal Wiranto habe dies veranlaßt, um sie vor Interessenskonflikten zu bewahren. Wir wissen natürlich mehr. Prabowo hat in der Nacht von Freitag auf Samstag versucht zu putschen und steht mit seinen Gefolgsleuten in Bandung unter Arrest. Mon Jenderal Wiranto hat ihm das Handwerk gelegt und scheint momentan die Instanz zu sein, die Indonesien vor einem noch größeren Inferno bewahrt. Währenddessen ist die Reaktion auf das vom neuen Präsidenten vorgestellte Kabinett lukewarm, was kein Wunder ist, da sich niemand mit Kompetenz findet, der sich in diesem Interimsstückchen auf unsteten Boden begeben will, da noch zuviel nepotistisches Fett in den Korridoren der neuen Regierung verteilt liegt. 

Wir sitzen immer noch auf unserer Insel und machen aus dem uns zugefallenen „Urlaub“ das beste. Wir genießen die hier ausgezeichnet vertretene indische Küche, machen Strandspaziergänge, schwimmen und lesen. So wie es aussieht, fahren wir am Dienstag zurück nach Kuala Lumpur, um zusammen mit den anderen aus der „Botschaftsgruppe“ am Mittwoch zurück nach Jakarta zu fliegen.

Hier im Hotel ist übrigens einige Unruhe innerhalb des Personals ausgebrochen, da am letzten Mittwoch eine schwarze Limousine mit einem Kennzeichen aus Kuala Lumpur vorfuhr, der ein merkwürdiges Ehepaar entstieg. Angeblich handelt es sich um Angehörige der Deutschen Botschaft in Jakarta, doch der Mann sieht aus wie ein Russe und die Frau verbreitet durch ihre Wortkargheit und ihren Strohhut eher britische Unterkühltheit. Merkwürdigerweise spricht der Mann ein beachtlich gutes Malaiisch, aber eben mit einem kantigen Akzent, wie ihn eben nur die Russen an den Tag legen. Hati-Hati, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, und nur Tuhan weiß, ob da nun die Russenmafia oder zwei Pflanzen des ehemaligen KGB ihre Residenz in dem schönen Hotel genommen haben. 

Dazu paßte, daß mich heute am Frühstückstisch der General Manager des Hotels als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland begrüßte. Als ich ihm erklärte, daß ich zwar im Auftrag des BMZ unterwegs sei, aber Berater der indonesischen Regierung sei, begannen auch seine chinesischen Pupillen verräterisch zu flackern. Er stellte uns dann dennoch dem Ehepaar Chap vor, er ein indonesischer Chinese, der allerdings seit 50 Jahren in Europa lebt und sie eine Holländerin, was dann auch erklärt wo. Da Herr Chap in all den Jahren immer in Südostasien geschäftlich engagiert war, freue ich mich schon auf eine Unterhaltung mit ihm, die wir sogleich vereinbart haben. Langweilig ist es hier also auf keinen Fall.

Renate gefallen übrigens die Männer hier viel besser als auf Java, sowohl die Malaien als auch und vor allen Dingen die Inder, was ihr unbelassen zugestanden sein soll und woran sie sich meinetwegen erfreuen mag. Was diesen Aspekt unserer Reise anbetrifft, so zieht es mich allerdings mit aller Macht zurück nach Jakarta…

Malaysia, 24. Mai 1998