War, strange election, impatient crowds

Steht noch dahin!

Es klingt skurril, entspricht aber der bundesrepublikanischen Realität unserer Tage. Immer öfter werde ich Zeuge von Wetten, die sich auf unterschiedlich düstere Szenarien beziehen. Die einen sehen darin den Sieg der AFD bei den bevorstehenden Wahlen in Ostdeutschland. Sie prognostizieren in diesem Fall den direkten Weg in eine nazistische Diktatur und kündigen ihre sofortige Emigration an. Ihr Wettverhalten konzentriert sich auf die Bestätigung der eigenen Hypothese. Was, nebenbei bemerkt, eher psychosomatisch als politisch-soziologisch zu deuten ist. Andere wiederum glauben an eine Eskalation des Krieges mit Russland. Während die einen in diesem Fall auf den Einsatz von Nuklearwaffen seitens Russlands und damit auf das Ende Zentraleuropas setzen, sind andere von einem Sieg über Russland durch die NATO überzeugt und träumen von einem demokratischen und befriedeten Gesamteuropa. Manche wiederum spielen auch in diesen Fällen mit dem Gedanken an Emigration und haben zum Teil bereits Visa, Flugtickets und Bankkonten in Übersee parat.

Wer eher stoisch in dieser Gemengelage verweilt, weil er a) von den verschiedenen, von den monopolisierten Meinungsmaschinen täglich offerierten Szenarien unberührt bleibt und er oder sie nichts mehr von diesem Gebräu ernst nimmt oder weil b) schlicht und einfach die Mittel fehlen, um sich individuell von dannen zu schleichen, das ist der Plebs, die Bevölkerung, und, aus den Augen der Katastrophenfiguranten, die dieses Spiel im Sinne fremder Interessen spielen, der Mob.  Letzterer scheint, bei allen Ablenkungen, Verwerfungen, Nöten und Begrenztheiten dennoch die Größe zu sein, der man so etwas wie demokratische Resilienz zuschreiben kann. Ja, der von den Trägern und Profiteuren des bürgerlich-parlamentarischen Systems so verachtete Mob ist momentan der einzig übriggebliebene Akteur, der die anfangs genannten Szenarien ohne obszönes Wettverhalten beurteilen und vielleicht sogar verhindern kann.

Man möge eine Instanz nennen, der man diese Potenz noch zuschreiben kann! Die so genannte demokratisch-liberale Mitte, die mit ihrem Verhalten in den letzten Jahren den Verdruss bis auf die Spitze getrieben und mit jedem, aber auch wirklich jedem Akt der AFD Stimmen zugetrieben hat? Die einzelnen politischen Individuen im Rampenlicht, die sich durch realitätsferne Erzählungen, durch die Dokumentation ihrer grenzenlosen Unkenntnis einen Namen gemacht haben? Oder ein Kanzler, dessen Label von der ersten Stunde an der politische Betrug war? Die Koalition der selbst deklarierten Demokraten, die eine solche Figur erst ins Amt gehoben haben? Die Lobbyisten der Waffenindustrie, die in jeder Talk Show sitzen? Die Brüller von Parolen der ukrainischen faschistischen Bewegung? Die Propagandisten von Rassismus und Völkermord?  Die billigen Überläufer?  

Ja, betrachtet man das Konsortium, das seinerseits reklamiert, für das Gute zu stehen, dann wird tatsächlich deutlich, in welch prekärer Situation sich die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland befindet. Verursacht durch eigenes Personal, das sich den Weg in die angeblich demokratisch legitimierten Machtpositionen erschlichen hat und nun sein Unwesen im Auftrag von Institutionen und Interessengruppen treibt, die mit dem Standort Deutschland oder Zentraleuropa oder Europa insgesamt nichts am Hut haben.

Das Interessante bei dieser Betrachtung ist die Tatsache, dass die vermeintlich Unwissenden auf der Straße dieses Gewese sehr gut durchschauen. Allesamt und aus allen traditionellen politischen Lagern. Da gibt es keinen Dissens. Das ist ein gutes Zeichen. Ob es reichen wird, dass die negativen Szenarien nicht zur Realität werden? Das steht noch dahin! 

Steht noch dahin!

Ostenmauer – 108. Ostwind

Obwohl, soviel mir bekannt ist, bereits Bücher über den Mythos von Geographie geschrieben wurden, wird es wohl ein Rätsel bleiben, warum welche Orte und Himmelsrichtungen auf dieser Welt mit bestimmten Bedeutungen behaftet sind. Und das wiederum hängt von den jeweiligen Betrachtern ab. Manchmal trifft es zu, dass man sagen könnte, je ferner, desto verklärter, manchmal ist es genau das Gegenteil. Und so liegt der Schluss relativ nahe, dass es beliebig ist. Aber es findet statt. In Zentraleuropa, dort, wo wir uns aufhalten, gilt der Osten zumeist als kalt und fremd, der Süden ist von Sinnlichkeit und Romantik überfrachtet, der Westen beschreibt die Sehnsucht des Übergangs und der Norden ist das dunkle Unbekannte, aber nicht Unsympathische. Ein Lump, wer da nicht auch ab und zu an die real existierenden politischen Lager dächte. Der Osten galt politisch lange als feindlich, der Süden steht für die Auszeiten des Urlaubs, der Westen mit dem Sonnenuntergang steht immer für die Transzendenz und der Norden ist vor allem bei den Deutschen Mythos pur, das Eisland mit dem ewigen Feuer, wohin Siegfried seine Reise machte, um das Unbekannte zu erkunden, bevor er heimkehrte und gemeuchelt wurde. 

Dort, wo ich selbst meistens gelebt habe, kam der Wind vom Westen. Weit her über den Atlantik braute er sich zusammen und wehte mal zart, mal peitschenhaft über die Häupter, mal sorgte er für einen klaren Himmel, mal brachte er Wolken und meistens lud er unerbittlich die lang getragene Wasserfracht vom Atlantik einfach ab. Ostwind war und ist eher selten. Wenn ein Ostwind kam, dann sorgte er für gutes Wetter. Das blieb dann wochenlang. Frau Wagemann, eine alte Nachbarin damals im Westfälischen, nannte das dann ein russisches Hoch. Die Leute lachten sie zumeist aus, auch wegen anderer Schrullen, aber sie hatte Recht, denn Herr Valentinic, den ich in Slowenien kennenlernte, erzählte mir das selbe: Er decke das Dach seines Hauses, wenn ein russisches Hoch käme, denn dann gebe es wochenlang keinen Regen. 

Für mich persönlich ist das mit dem Ostwind gar nicht so schwierig. Wie beschrieben, kenne ich den Westwind zur Genüge. Der Ostwind bringt zumeist gutes Wetter und kommt entweder im Hochsommer vor. Oder im Winter. Dann brächte er trockene Kälte – im Vertrauen: Meteorologen sprechen von einem kontinentalen Hoch -, aber das ist mir relativ egal. Wenn mir etwas über das rein Wettermäßige bei der Betrachtung des Ostwindes einfällt, dann ist es die Migrationsroute, die wir alle genommen haben. Von Indien aus über den Kaukasus nach Zentraleuropa. Das lässt sich sprachlich so schön rekonstruieren und der Linguist James Joyce hat bei solchen Übungen, so ganz nebenbei, Weltliteratur geschaffen, die gar nicht vermuten lässt, was der gute Mann so trieb. Er folgte linguistisch-etymologisch dem Ostwind zu seinen Entstehungsquellen zurück und entdeckte große kulturelle Zusammenhänge, die wir immer noch dechiffrieren müssen. Nicht wegen des schönen Wetters, sondern deshalb ist der Ostwind so wichtig. 

Deshalb sei dazu geraten, bestimmte Naturphänomene dazu zu nutzen, spirituell eine mythologische Reise zu unternehmen, um nach dem Beginn und Sinn unseres Daseins zu suchen.  Das inspiriert und lehrt Demut, dieses hohe Gut, ohne das keine wahre Erkenntnis möglich ist. Den Ostwind im Rücken, wie viele Generationen vor uns, die durch ihn beflügelt wurden, nach Westen zu ziehen, das ist ein guter, ein brillanter Anfang. Lasst uns warten, auf den nächsten Ostwind!

Ostwind
Men in suits exchange coins beneath wealthy figures and a golden world map

Die Karriere danach

Wer sich hierzulande für die us-imperialen Interessen und Kriegspläne einsetzt, wird zumindest mit bestimmten Versorgungsbezügen bedacht. Vor allem die Bundesrepublik Deutschland galt lange in dieser Hinsicht als schwieriges Terrain. Weil große Teile der Gesellschaft davon überzeugt waren, dass von Militarismus und geopolitischem Dominanzstreben nichts Gutes zu erwarten war. Zwei verlorene Weltkriege, ein geteiltes Land und über sieben Millionen Tote aus dem eigenen Land, ganz zu schweigen von den entsetzlichen Zahlen in den angegriffenen Ländern reichten vielen Menschen, um sich von einer derartig zerstörerischen Ideologie abzuwenden.  Eine mächtige Friedensbewegung dominierte die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik bis zu dem Zeitpunkt, als sich die eine, als „Schutzmacht“ präsentierende Großmacht mit dieser Attitüde nicht mehr abfinden wollte.

Dass genau dieser Zeitpunkt mit dem Gründungsdatum der GRÜNEN zusammenfiel, ist aus heutiger Sicht kein Zufall mehr. Und dass die Galionsfiguren der dort noch anfangs präsenten Friedensbewegung einem bis heute mysteriös anmutenden Mord/Selbstmord zum Opfer fielen, passt zumindest in der Phantasie in das Szenario eines Polit-Krimis. Fakt jedoch ist, dass es aus dieser Partei heraus gelang, den bellizistischen Imperialismus wieder hoffähig zu machen. Die Protagonisten, ihrerseits auf der späteren Alimentationsliste der tatsächlichen Masters of War in den USA, brachten es fertig, völkerrechtswidrige militärische Aggression als im Geiste des Humanismus und der Verteidigung der Menschenrechte zu kommunizieren. Die Bombardierung Belgrads mit Uranmunition war ein solcher humanistischer Akt und der Trompeter dieses verwegenen Umgangs mit der Logik des Völkerrechts bekam dann auch später von der ihn rekrutiert habenden Madeleine Albright gute Jobs und schöne Tantiemen verschafft. Dass dieser Überläufer zu den Schrecken des 20. Jahrhunderts noch heute auch Foren in der Bundesrepublik bekommt, liegt an der sukzessiven Verwahrlosung von Presse, Funk und Fernsehen. Nichts ist mehr so, wie es einmal vorgegaukelt war.

Dass die Nachkommen dieses politischen Hochverräters, die aktiv beteiligt waren an der seit Jahren heißen Auseinandersetzung mit Russland, verwundert genauso wenig wie ihre Entlohnung für die geleisteten Dienste. Der ehemalige karambolierende Wirtschaftsminister inhaliert mittlerweile die Tantiemen eines dänischen Immobilienunternehmens, welches den klammen deutschen Kommunen Grundstücke abkauft um sie höchst möglich zu vermarkten. Und die ehemalige Außenministerin, bei der sich mittlerweile Tausende von arbeitslosen Ingenieuren aus der Automobilindustrie als Folge des China-Bashing genauso bedanken dürfen wie die ukrainischen Prothesenträger und trauernden Witwen und Waisen, durfte noch ein Jahr auf dem Vorsitz der UN dilettieren und wechselt jetzt nahtlos auf einen Lehrstuhl an der Columbia University zu New York. Bleibt eines zu sagen: wer dient, koste es andere, was es wolle, bekommt die fürsorgliche Hand der Pigs of War zu spüren. Und noch wichtiger. Die eigene Qualifikation ist völlig unerheblich.

Wie man sieht, ist die weitere Entwicklung bestimmter Individuen nach ihrer politischen Karriere hierzulande ein gutes Indiz, um herauszufinden, für wen sie eigentlich unterwegs waren und wen sie ohne mit der Wimper zu zucken verraten und betrogen haben. Und, sieht man sich die Kohorten an, von denen gesprochen werden muss, dann handelt es sich seit langem um kein Alleinstellungsmerkmal der GRÜNEN mehr. Es wimmelt von Figuren, die für alle möglichen Lobbys unterwegs sind. Nur das Interesse derer, die immer noch zur Wahl gehen und glauben, damit etwas bewirken zu können, spielt zumindest in der Wahrnehmung der erwähnten Chargen keine Beachtung mehr. Ganz im Gegenteil. Man macht sich darüber lustig. 

Die Karriere danach