Comic text: “Ouch, how do you handle this?”, “Maybe we should read the instructions...”, “I thought this was supposed to be easy!”, and “THE CLUMSY CREW’S BIG IRONING ADVENTURE!”

Die sich beim Bügeln schneiden

Manche schneiden sich auch beim Bügeln. Dieser Eindruck drängt sich bei der Beobachtung der täglichen Aktionen und Äußerungen dieser Bundesregierung auf. Ob es die Verordnungen gegen russische Institutionen ohne Vorlage von belastenden Beweisen ausgerechnet an dem Jahrestag des angeblichen Angriffs auf den Sender Gleiwitz handelte, letztendlich Beginn des II. Weltkrieges, oder um das Verhalten des Finanzministers bei einem Treffen mit 20 Amtskollegen in den USA, und er sich weigerte, auf ein Gruppenfoto mit dem russischen Minister zu gehen. Bei der einen Aktion denkt man an eine sich immer mehr aufdrängende faschistische Tradition in der deutschen Außenpolitik und bei der anderen an die scharfen Kanten eines Bügeleisens. Wie man es dreht oder wendet, ob militaristische Boshaftigkeit oder infantiler Trotz, keine der immer wieder zu beobachteten Varianten der politischen Führung deutet darauf hin, dass man von einer guten Entwicklung für das Land ausgehen kann, in dessen Namen das in jedem Fall absurde Auftreten führen würde.

Nun existieren tatsächlich Stimmen, die die Überlegung zum Ausdruck bringen, dass die an den Tag gelegte Kriegsbereitschaft gegen Russland nur deshalb so unverfroren an den Tag gelegt wird, um einen Ausnahmezustand deklarieren zu können, der die bevorstehenden Wahlen in drei Bundesländern verhindern könnte. Die Gefahr, dass sich dort die AFD nicht nur als stärkste Kraft, sondern als regierungsfähige Partei  erweisen könnte und damit die Demokratie insgesamt auf dem Spiel stehe, sei so groß, dass sie die Bundesregierung veranlasse, einen realen Krieg zu riskieren, um inländisch die Demokratie zu retten. 

Obwohl zu konzedieren ist, dass die handelnden Personen in Verantwortung, durchaus in der Lage sind, sich beim Bügeln zu schneiden und daher durchaus zu derartigen Gedankenspielen in der Lage sind, muss entschieden zurückgewiesen werden, dass die Geisterfahrt, auf der sich diese Republik außenpolitisch befindet, durch alles Mögliche zu erklären, aber weder mit den Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung noch mit dem Erhalt der Demokratie in Einklang zu bringen ist. Vieles dieser und der ihr vorhergehenden Regierungen atmet bereits markant den Verdacht des Landesverrats, man sehe sich nur die Nord Stream-Sabotage und die Reaktion darauf an, und die Demolierung der Demokratie durch zahlreiche, putschähnliche Aktionen, wie zum Beispiel die Wahl dieses Kanzlers und die Beschlüsse zur Militarisierung durch einen bereits abgewählten Bundestag. Dass ausgerechnet die Vertreter dieser Politik für sich reklamieren, die Demokratie retten zu wollen, ist der eigentliche Affront gegen das Volk. 

Insofern sei doch noch einmal und dringlich all jenen zu raten, die jetzt ihre Bühne der Popularität nutzen, um vor der Gefahr für die Demokratie im Gewand der AFD zu warnen, auch nur in einem Satz die massiven Verletzungen demokratischer Vorgehensweise, die Behinderung von Staatsanwaltschaften bei ihren Ermittlungen gegen politisches Fehlverhalten, die Liquidierung der Diplomatie, die Doppelmoral, die Legitimierung von Völkermord und die Rechtfertigung des Bruchs des Völkerrechts durch die gegenwärtig in der Verantwortung stehenden Bundesregierung mit auch nur einem Satz zu erwähnen. Es ist leicht, sich als Kämpfer für die Demokratie zu profilieren, wenn dafür das Lob der herrschenden Meinung und die Meinung der Herrschenden sicher ist. Man macht sich allerdings zum Komplizen der Doppelmoral, wenn man beide Augen bei den zur Gewohnheit gewordenen Attentaten auf die Demokratie schließt. Der Strömung die Stirn bieten! Das wäre mal was!

Die sich beim Bügeln schneiden

Ostenmauer – 109. Die Anmaßung

Nicht jeden Tag scheint die Sonne. Und nicht an jedem Tag ist der Himmel voller Wolken. Die menschliche Existenz ist durchsetzt von unterschiedlichen Stimmungen. Sie werden verursacht durch äußere Anlässe oder durch innere Regungen. Das Spannende in einem sozialen Gefüge ist, inwiefern die einzelnen Individuen sich mit ihren Regungen, Neigungen und Wünschen arrangieren können. Denn es ist klar, dass weder die Gefühlswelt, noch Bedürfnisse oder Zielsetzungen analog verlaufen oder identisch sind. Immer, zu jeder Zeit, gibt es Menschen, die vorwärtsgehen, guten Mutes sind und wissen, was sie wollen. Und gleichzeitig existieren Zeitgenossen, die zweifeln, zaudern oder den Moment festschreiben möchten. Das, so weiß jedes Kind, das in der Lage ist, den Kopf zu benutzen, führt zu Friktionen. Mit dem schönen Wort, das sich schon ein wenig anhört wie eine feine Säge, sind Brüche zwischen den handelnden Menschen gemeint. In geringem Ausmaß sind es Irritationen, in größerem massive Konflikte. Der Mensch ist nie allein. Auch wenn manche der Auffassung sind, es wäre so. You ´ll never walk alone – das ist nicht nur ein Schlachtruf der Solidarität oder das Signé einer verschworenen Gemeinschaft, sondern auch eine Plattitüde für den Sachverhalt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.

Heute morgen mußte ich an einen Menschen denken, der in gewisser Weise wie ein Prototyp einer ganzen Epoche immer dabei war und immer dann auftauchte, wenn sich eine Gruppe von Menschen für einen Aufbruch entschieden hatten. Wenn dann die Tür aufging und er erschien, wechselten die anderen, die exzellenter Laune waren und sich einiges vorgenommen hatten, vielsagend die Blicke. Und sobald der Besagte herausgefunden hatte, um was es ging, entrollte er wie ein Auktionator der Unmöglichkeiten alles, was dem Plan entgegenstehen könnte. Und, glauben Sie mir, es waren niemals nur kleine Bedenken, sondern immer eine ganze Kanonade.

Da ging es dann um rechtliche Hürden, um Haftungsfragen, um Kollateralschäden, um mögliche Verwerfungen, um lauernde Kosten, um Ungerechtigkeiten, um Missbrauchsgefahren, um unterbliebene Autorisierungen und um überall lauernde unlautere Motive. Ich bin mir sicher, Sie kennen nicht nur solche Situationen, sondern auch derartige Menschen. Menschen, die es zu einer regelrechten Virtuosität gebracht haben, wenn es darum geht, anderen Menschen einen hoffnungsvollen Blick selbst in die nahe Zukunft zu verbauen.

Und weil wir alle solche Zeitgenossen kennen, sie keine Randerscheinung sind, sondern sie es zum Prototyp gebracht haben, können sie als eine Signatur der Zeit bezeichnet werden. In Bezug auf die psychologische Wirkung, die das jeweilige Auftreten des Besagten auslöste, nannten ihn alle schlicht „die Anmaßung“. Jeder, der bei der Entwicklung einer Strategie der Gestaltung beteiligt war und sich mit Haut und Haaren einem positiven Ziel verschrieben hatte, empfand es nämlich so, wie es ausgedrückt wurde. Was, so fragten sich alle, bildet sich dieser Mensch ein, immer dann zu erscheinen, wenn die Sonne aufging, um ohne Ankündigung das Licht ohne jegliche Empathie wieder auszuschalten? 

Und das, was alle am meisten ärgerte, war die Tatsache, dass die inkarnierte Anmaßung nahezu jede Ära, ob sie geprägt war von einzelnen Figuren oder von bestimmten Handlungskonzepten, unbeschadet überstand. Der Preis war eine gewisse Einsamkeit. Aber er schien sich in ihr sogar wohlig zu baden. Und da die Fleisch gewordene Anmaßung nicht nur eine Einzelerscheinung ist und, wenn wir ehrlich sind, in unserem nationalen Bett sogar faustisch-mephistophelisch gezeugt wurde, gehört sie wohl immer dazu. Trotz unablässig aufflackernder heißer Quellen der Hoffnung. 

Ein guter Freund brachte es immer wieder wunderbar auf den Punkt: „So ist unser Leben, mal Feuer, mal Asche. Und darüber zu klagen ist töricht und unangemessen“. 

Die Anmaßung
Four diners at table reading “BAD TAKE,” “BAD TAKE: A FAILED EDITORIAL,” and “POORLY WRITTEN JOURNAL.”

Die Paralysierten

Nun sitzen sie da. Die Paralysierten. Bilder drängen sich auf. Kaninchen vor der Schlange?  Oder doch konditioniert wie die Pawlow´schen Hunde? Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der ganze Kanon, den sie seit Jahrzehnten singen mussten, ist nichts mehr wert. Läsen sie noch Nietzsche, dann wüssten sie, was es heißt, die Umkehrung aller Werte. Aus einer Vorstellung von Freiheit, Souveränität, Recht, Frieden und Völkerverständigung ist eine ganz andere Realität entstanden, in der Regulierung statt Freiheit, in der Bevormundung statt Souveränität, in der Doppelmoral statt Recht und Krieg wie Feindbilder dominieren. Das muss man erst einmal verkraften. Oder eben auch nicht. Die Oberfläche, auf der man noch herumsurft, hat den Anschein, als sei alles in Ordnung.

Die Zeitungen, derer man sich seit Jahrzehnten bedient hat, um informiert zu sein, existieren noch. Nur, legte man Exemplare aus verschiedenen Epochen der Republik nebeneinander, dann fiele sehr schnell auf, dass sich etwas Gravierendes ereignet hat. Was früher nach einem liberalen Internationalismus klang, generiert sich heute als faschistoider Imperialismus. Und was einmal als der Lebensnerv einer Demokratie galt, die Kritik, die Opposition, die politische Mobilisierung, wird dort heute als das Produkt hirnverbrannter Verschwörungstheorie gebrandet. 

Analog verhält es sich bei den als einzigartige Errungenschaft der demokratischen Kultur so lange zelebrierten öffentlich-rechtlichen Funk- und Fernsehanstalten. Das dortige Personal war von den großen Institutionen eines investigativen und souveränen Journalismus der Briten und Amerikaner ausgebildet worden und stand unter dem Mantra, sich mit keiner Sache gemein machen zu dürfen, auch nicht mit einer guten. Heute stehen dort Propagandaagenten vor den Mikrofonen und Kameras, die mit Verve an der Emotionalisierung des Publikums arbeiten und nichts unversucht lassen, eine überhitzte Parteilichkeit zu erzeugen. 

Das politische Personal, über lange Jahre in den ideologischen Werkstätten us-amerikanischer Provenienz auf den imperialen Kurs der Supermacht getrimmt, verbreitet die dort eingeübten Slogans und ist nicht in der Lage, die Interessen des eigenen Landes und des eigenen Kontinents zu formulieren, geschweige denn auch gegen die transatlantische Übermacht durchzusetzen. Bilder, wie das vom ehemaligen Kanzler Scholz, der neben einem Präsidenten Biden stand und sich mit verlegner Miene dessen Drohung, die deutsche kritische Infrastruktur zu zerstören, ohne Widerworte anhörte oder die servilen Avancen seines Nachfolgers, der nach seinem bundesrepublikanischen politischen Scheitern bei Black Rock chemisch gereinigt wurde,  gegenüber wiederum Bidens Nachfolger Trump zeigten deutlich, wer Koch und wer Kellner ist.

Und wer das als Vasallentum bezeichnete, landete schnell in der journalistischen Kategorie des Verschwörungstheoretikers oder Knecht Putins. Und sage niemand, das Phänomen der Projektion, das die eigene Unzulänglichkeit anderen vorwirft, sei nicht längst in den mittlerweile auch in die Biotonne getretenen Bildungskanon aufgenommen gewesen. Der klare Blick, gewonnen durch Bildung, kognitive Fähigkeiten und das permanente Training eines harten Diskurses gehört der Geschichte an.

Da sitzen sie nun, die Paralysierten. Und wissen nicht, was sie tun sollen. Noch einmal aufstehen und sich den Wind der Hierarchie kräftig ins Gesicht blasen lassen? Das bemühen, was ausgerechnet ein deutscher Kanzler, Otto von Bismarck, einmal so treffend Zivilcourage genannt hat? Riskieren, sich zu exponieren in einer Herde gefügiger Schafe? Und vielen Gewohnheiten, die nichts bewirkt haben als die eigene Passivität, ein scharfes Adieu zuzurufen? Oder lieber nichts von dem? Weiter dumm in die Röhre glotzen oder eine schlechte Zeitung aufschlagen, und bei exklusivem Sencha Tee die dicke Zunge schnalzen lassen?   

Die Paralysierten