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WM 2026 – Plutokratie gegen veräußerte Schafe

Der Konnex von Fußball, Politik und gesellschaftlicher Befindlichkeit ist eine Binse. Immer wieder scheint in der Art, wie Fußball gespielt wird, das auf, was sich in der gesellschaftlichen Realität, in der politischen Entscheidungsfindung und in der Arbeitsorganisation tatsächlich abspielt. Und der beste Gradmesser für den gegenwärtigen Stand des Weltgeschehens ist eine Fußballweltmeisterschaft. Da kommen zu dem Gesagten noch andere Dinge hinzu, z.B. der Status des Weltfußballverbandes und das Selbstverständnis der Gastgeberländer. Will man das Weltgeschehen wie die Befindlichkeit der einzelnen Subjekte betrachten, dann ist die gegenwärtige WM in Mexiko, den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada ein nahezu unerschöpflicher Fundus.

Womit beginnen? Natürlich fragen sich viele, nach den bisherigen Auftritten der deutschen Nationalmannschaft, wo das Land in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit und Zukunftsprognose steht. Das ist ein Kapitel für sich, das auf jeden Fall noch aufgeschlagen werden wird. Aber, um sich der Materie in der ihr gebührenden Sorgfalt systematisch zu nähern, ist der Blick auf das Ganze, quasi als Einleitung, vonnöten.

Die viel kritisierte Ausrichtung des Turniers in den besagten Ländern und die Erhöhung der Teilnehmerzahl sind schon einmal ein Hinweis darauf, dass sich im Weltgefüge etwas getan hat. Das war bereits mit der Vergabe der letzten WM ins arabische Katar sehr deutlich, denn da ging es exklusiv um Geld und Märkte. Und es ist mit der jetzigen Anzahl vor allem afrikanischer und karibischer Teilnehmer ein Hinweis, dass die exklusive Dominanz des professionellen Fußballspiels in Europa und in Südamerika vorbei ist. Dass dieser Umstand den hiesigen Rezipienten nicht schmeckt, ist ein kleiner Hinweis auf die bewusstseinsmäßig immer noch Dominanten Usancen kolonialer Herrlichkeit. In den bisherigen Spielen haben vermeintliche Underdogs vom afrikanischen Kontinent und aus der Karibik den vermeintlichen Favoriten aus dem Rayon der kolonialen Dominanz einiges Kopfzerbrechen bereiten können. 

Was den Zustand des Weltfußballverbandes anbetrifft, so ist die zunehmend auf das Marktgeschehen ausgerichtete Politik nur folgerichtig, auch wenn sie gepaart ist mit Intransparenz, Kollusion, Korruption und Nepotismus. Dass sich der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten in Gesellschaft des FIFA-Präsidenten genauso wohl fühlt wie dieser umgekehrt, erscheint nach allen Maßstäben sozialer Affinität nur folgerichtig. Aber, das sieht der große Narzisst aus dem Weißen Haus nicht, die Magnetfelder auf dieser Welt sind dabei, sich zu verschieben und alles imperiale Gebalze wird daran wohl kaum etwas ändern. 

Kongenial quasi ist allerdings das Geschäftsgebaren. Die von der FIFA aufgerufenen Eintrittspreise für die Spiele korrespondieren wunderbar mit der us-amerikanischen Goldgräbermentalität, die sich in der Erhöhung von Hotel-, Transport- und Gastronomiepreisen um zum Teil mehrere Hundert Prozent zeigen. Man kann das mit dem lapidaren Begriff des Abkochens bezeichnen, aber es verbirgt sich auch noch etwas anderes dahinter: der Kampf von Arm gegen Reich und der um sich greifende Wunsch der Begüterten, bei Veranstaltungen von Kultur und Sport unter sich sein zu wollen und den Mob so weit wie möglich fernzuhalten. 

Ganz anders, und ganz positiv sind dagegen die tatsächlichen Underdogs, die ihr letztes Hemd oder das eine oder andere Schaf veräußert haben, um den klirrenden Kassen einer plutokratischen wie der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft zu zeigen, wie sehr das ganz einfache, menschliche Zusammensein über die Grenzen hinaus verbinden kann. Was z.B. die schottischen Fans in Boston zelebriert haben, hat vielen Amerikanerinnen und Amerikanern neue Horizonte eröffnet. Man kann auch den Geist des schönen Spiels für sich behalten, auch wenn ein steriles Gesicht sich aufdrängt und mit großen Scheinen winkt. 

Fortsetzung folgt. 

WM 2026 – Plutokratie gegen veräußerte Schafe
Person walking along an illuminated path with words like creativity, insight, and knowledge in a mystical forest.

Morgengebet

Schreibe mit der Hand
Versuche Komplexes
Auf Substanz zu kürzen
Gib dem Formalen Sinn.

Mache es selbst
Auch wenn es schwer fällt
Es wird leicht
Wenn du es tust.

Benenne deine Ängste
Sie sind der Schlüssel
Der Türen öffnet
Wenn ein Geist den Weg verstellt.

Das Licht kommt
Mit der Mühe
Der Ursprung
Allen Seins.
Morgengebet

Ostenmauer – 99. Entweder du bist frei, oder du bist es nicht!

Eine Frage durchgeistert viele Köpfe mehr denn je. Was braucht es, um den Menschen, das Individuum, den Staatsbürger, sich als frei fühlen zu lassen? Und was ist es, dass er oder sie sich tatsächlich auch frei fühlt? Die Regierungen in den westlichen Ländern verweisen auf ihre Verfassungen. In anderen Ländern wird Freiheit nicht als Verfassungsrecht, sondern als Naturgesetz verstanden. Dritte wiederum halten die Frage für irrelevant, solange eine wie auch immer geartete Führung es fertig brächte, das Gemeinwesen zum Prosperieren zu bringen. Und wiederum andere pfeifen auf den Aspekt der Freiheit ihrer Bürgerinnen und Bürger, solange sie selbst an der Macht sind. 

Es ist interessant, die Weltkarte nach diesen Kategorien zu durchforsten. Das für den westlichen Beobachter Überraschende wird dabei sein, entdecken zu müssen, dass die verfassungsmäßigen, verbrieften Freiheitsrechte des Individuums ungefähr nur in einem Achtel der auf der Welt repräsentierten Staaten erwähnt werden. Es sollte zu denken geben. Nicht, weil es etwas mit einer wie auch immer gearteten Wahrheit zusammenhinge. Nein, aber weil es die Orientierung der Gattung in Bezug auf seine jeweiligen Staatssysteme dokumentiert. Und in der Minderheit zu sein bedeutet, sich genau überlegen zu müssen, was man wie erreichen will. Kreuzzugsmentalitäten sind, sofern man nicht den Krieg zum Mittel aller Dinge erheben will, das wohl Dümmste, was einem dabei einfallen kann. Und, um diesen Gedankengang abzuschließen, momentan sieht es so aus, als hätte sich der Westen unter Führung der zunehmend mehr in Panik geratenden USA auf ausgerechnet die schlechtest mögliche Option eingeschworen. Wenn das so bliebe, dann werden die gerade mit ihren ersten Laufversuchen betrauten Enkelchen in den USA und Europa bis zur eigenen Ergrauung nichts mehr erfahren als Kriege.

Um ehrlich zu sein, wird es nichts helfen, sich über diese Großwetterlage in langen, fruchtlosen Debatten auseinanderzusetzen. Denn die Karten sind gemischt. Der Krieg ist allgegenwärtig und rückt immer näher. Und in welcher Regierungszentrale, bitte schön, beriete man so etwas wie die Möglichkeit von Frieden und der dazu notwendigen Architektur sowie einem Paradigmenwechsel in der Politik?

Das Einzige, was hilft, ist etwas, das es schon immer gab und das im Grunde, betrachtet man den Lauf der Weltgeschichte, die einzige Kraft ist, die in der Lage ist, dem psychotischen Machtstreben von Profiteuren der Vernichtung den Garaus zu machen. Es ist die innere Freiheit. Der einfache Satz des Rebellen, der da lautet, „entweder bist du frei, oder du bist es nicht“! Unabhängig von den äußeren Bedingungen, die dein Handeln ermöglichen. 

Ja, der Einwand kommt sofort und immer: Kann es nicht sein, dass der Preis zu hoch ist? Und die Antwort ist ebenso klar. Ja, er kann sehr hoch sein, er kann sogar die eigene Existenz kosten. Aber das, das muss das Individuum selbst entscheiden. Die Freiheit ist nicht umsonst! Sie abhängig zu machen von Schriftstücken, von Erklärungen und unverbindlichen Formulierungen, das ist ein scheinheiliges Werk, das nichts bedeutet. Wer allerdings für sich bestimmt, dass er oder sie frei ist, der hat das Zeichen gelesen. Die eigene, innere Freiheit, die sich durch nichts korrumpieren lässt, weder durch Bequemlichkeiten noch durch Drohungen und Angst, sie ist die Voraussetzung, derer es bedarf, um den Geist von Raub und Unterwerfung zu bezwingen. 

Entweder du bist frei, oder du bist es nicht!