Man counting money on rainy football field with shark near goal and crow

WM 2026 – Blinde Krähen, Money-Kokser und Blut witternde Haie

Rituale sind Vorgehensweisen, die sich wiederholen und von der entsprechenden Gemeinschaft als Sinn stiftend betrachtet werden. Nach dem Scheitern der deutschen Mannschaft gegen Paraguay griff man auf ein alt bewährtes dieser Rituale zurück. Der exklusive Sündenbock wurde öffentlich verbrannt. Das ist nicht typisch deutsch, aber in dieser Hinsicht ist man hierzulande allerdings ganz oben in der Ranking-Skala. Der Trainer hatte alles falsch gemacht und, abgeschwächt, die Spieler haben einfach nicht das Zeug. Jede noch so blinde Krähe meldete sich krächzend zu Wort. Kaum Erklärungsversuche, keine Vergleiche, die vielleicht Türen zu einer Relativierung geöffnet hätten, wie z.B. der Verweis auf Spanien, das auch drei Weltmeisterschaften nach dem Titel sehr schlecht abgeschnitten hat, oder, jetzt, auf die Mühe Frankreichs mit dem Gegner, der Deutschland nach Hause geschickt hat. Hat man den Bock gefunden, dann ist alles in Ordnung. 

Dass das DFB-Management nicht zum ersten Mal vor einem Turnier Verträge verlängert hat, kann man dem Trainer beim besten Willen nicht vorwerfen. Dass die Polit-Funktionäre dieses Verbandes die Gelegenheit nutzen, um von ihrem Dilettantismus abzulenken und in das Trainer-Bashing mit einstimmen, zeigt ihren Charakter. Und dass jetzt nahezu die gesamte Inquisitionsgemeinschaft in ein Hosianna auf den zu erwartenden Nachfolger einstimmt, zeigt das amöbenhafte kollektiver Strategie. Dieser nämlich hatte seine Kommentatorenrolle während des Turniers bereits dazu genutzt, um den verantwortlichen Trainer zu demontieren, was ihn charakterlich als nicht geeignet ausweist. Zudem hat man es bei ihm mit dem neuerlich auch in der internationalen Politik etablierten Money-Kokser zu tun. Auch das fällt nicht sonderlich auf im manischen Wunsch nach einer schnellen Lösung. Ja, der Fußball und alles um ihn herum, zeigt wieder einmal deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Selbstkritik, analytisches Denken und eine Strategie sind nicht zu finden. Schön kompensiert von kollektiver Hysterie. 

Dass der in den alten Kolonialmächten so gerne genannte globale Süden bis dato gezeigt hat, dass die Zeiten der leichten Kost vorbei sind wurde hingegen deutlich.  Alle vermeintlich Großen haben sich bis jetzt schwer getan und manche südlichen Lichter scheinen immer noch auf und es ist durchaus keine verwegne Prognose, dass vielleicht am Schluss jemand aus einem ausgeplünderten Kontinent die Trophäe in den Himmel heben wird.

Von der Art und Weise, wie das Spielgerät bewegt wird, ist vom System her nicht viel Neues zu berichten. Die Systeme sind etabliert und werden variiert. Den Unterschied machen Gladiatoren, die bei den großen, erfolgreichen und monetär potenten Vereinen ihr Geld verdienen und zur artistischen Weltklasse gehören.  Das ist, in Bezug auf eine Massensportart, ein Grund, um sich große Sorgen zu machen. Genauso wie der Ausschluss der schauenden Massen über den Preis. Wohin diese Entwicklung führt? Only Time will tell!

Zumindest ein Deutscher ist noch im Rennen, und zwar als Trainer der englischen Nationalmannschaft. Er zeigte auch, dass in seinem Heimatland nicht nur der Fußball, sondern auch das Wort einmal groß war. Er nämlich beschrieb diese international operierenden hochklassigen Unterschiedsspieler mit Haifischen, die, wenn sie Blut wittern, sofort da sind und sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. 

Was für ein Satz! Und was für ein Turnier, wenn ein solcher Satz zu den bisherigen Highlights gehört!

Blinde Krähen, Money-Kokser und Blut witternde Haie

Fantasy map with safe route, fortified settlements, dangerous territories, hostile creatures, and landmarks

Kleine Wegbeschreibung

Sei großzügig
Im Kleinen
Und konsequent
Im Großen.

Pflege Loyalität
Nach oben
Und besonders
Nach unten.

Vertraue denen
Die dich lieben,
Und die
Dich tragen.

Sei wahrhaftig
Und zahle
Den Preis
Auch wenn er hoch ist.

Mach es selbst
Wenn du es kannst
Und lass dich
Nicht bedienen.

Dein Reichtum
Ist das, was du hast
Und keine Schimäre
Am Horizont.

Setz die Segel
Wenn es Zeit ist
Und nutz die Winde
Wie sie wehen.

Blick arrogant
Zum Himmel
Und sei demütig
Gegenüber den Kleinen.

Sei redlich!
Mehr geht nicht!



Kleine Wegbeschreibung
Person on balcony overlooking crowded neon-lit city street at night

Gratismut und Hysterie

Wehe, in den Vereinigten Staaten von Amerika passiert ein Unrecht! Oder in Russland! Oder in der Türkei! Sage niemand, da seien keine aufrechten Leute hierzulande, die nicht aufstünden gegen das Unrecht in der Welt. Die sich nicht ad hoc einig wären, wenn da auf amerikanischen Straßen ein Mensch dunkler Hautfarbe massakriert wird. Oder ein russischer Oppositioneller in einem Lager verschwindet und dort plötzlich verstirbt. Oder ein türkischer Journalist von der Straße weg verhaftet wird. Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem die Demokratie lebt und es eine Zivilgesellschaft gibt, die dafür sorgt, dass das Unrecht in der Welt nicht unbemerkt bleibt. Oder?

Andererseits existieren große Zonen des Schweigens. Wenn in Palästina die Bevölkerung in einem Verhältnis von 1:70 bis 100 für einen Terroranschlag bezahlen muss. Wenn ein souveränes Land wie der Iran ohne UN-Beschluss von amerikanischen und israelischen Bomben heimgesucht wird. Wenn Hunderttausende im Libanon vertrieben werden. Wenn in Venezuela ein Staatsoberhaupt durch das Sonderkommando eines anderen Staates entführt wird. Oder wenn ein ukrainischer Staatspräsident Brigaden seiner Armee ehrt und auszeichnet, die sich auf faschistische Traditionen berufen und in deren Namen im benachbarten Polen unzählige Juden und andere polnische Staatsbürger gemeuchelt wurden. Oder wenn hierzulande Preise verliehen werden an Personen, die ethnische Vorurteile zur Kriegsvorbereitung pflegen, oder Auszeichnungen vergeben werden an mittlerweile eine große Anzahl anderer Hetzer. Oder sogar, wenn Kriegs- und Militäremissionen nicht in den kritischen Bilanzen über das Weltklima auftauchen. Die Liste ist länger als die, in der die Ereignisse aufgeführt sind, die zur Empörung führen. Oder?

Um das Phänomen, in dem sich dieses Land mental befindet, treffend zu beschreiben, braucht man nicht unbedingt eine Fußballweltmeisterschaft. Obwohl diese wieder einmal sehr deutlich gezeigt hat, wie es steht um die Resilienz, wenn man auf Widerstand stößt. Schön spielen kann jeder. Auch die so genannte und längst instrumentalisierte Zivilgesellschaft. Aber, was ist, wenn man mit Konsequenzen rechnen muss? Wenn man in der Zeitung liest, dass das ach so demokratische Gemeinwesen Menschen, die sich kritisch äußern oder Widerstand leisten, sehr schnell als Knechte Putins, als Trumpisten, als Antisemiten oder Extremisten bezeichnet und gebrandmarkt werden, während zur gleichen Zeit von offizieller Seite ein Feindbild das andere jagt, ein Ressentiment das andere ablöst und eine dreiste Lüge den Staffelstab von der anderen übernimmt. Oder Zeitungsmonopole unbehelligt hetzen können wie einst der nazistische Stürmer? Und, auch das häuft sich, wenn so genannten Delinquenten und Feinden unserer längst im Tagesgeschehen vernichteten Werte die Bankkonten gesperrt und sie wirtschaftlich ruiniert werden sollen? 

Dann beginnt die Angst zu wirken. Und dann besuchen viele die Wohlfühlzone der akzeptierten Kritik, die immer auch ihren Gegenstand in Verhältnissen hat, die weit weg sind. Auf die Idee, dass viele der existierenden Missstände, die nichts mehr mit Demokratie und einer wohl verstandenen Zivilisation gemein haben, etwas zu tun haben könnten mit den eigenen Handlungen, die schlicht dreist und imperialistisch angelegt sind, auf diese Idee darf niemand kommen. Sonst wartet die Inquisition.

Da richtet man sich doch mit dem ein, was sich hinter dem neuen Begriff des Gratismutes verbirgt. Den Mund aufmachen, wenn es die Demagogen und Kriegstreiber nicht stört. Und schweigen, wenn es brenzlig zu werden droht. Eine Gesellschaft, in der dieses Prinzip herrscht, hat ihr Fundament längst verloren. Da wartet nur noch Massenhysterie und der mentale Zusammenbruch. 

Gratismut und Hysterie