Half sphere showing technology and industry with a businessman and cityscape on one side, nature and tradition with a woman planting and farmland on the other

Cash oder Glück?

Jeden Tag wünschen sich Menschen Erfolg. Das ist gut gemeint und besagt, dass man dem Gegenüber positive Erlebnisse und ein eigenes Gefühl der Bestätigung als Abschiedsgruß mit auf den Weg gibt. Doch was ist das, Erfolg? Aufgrund der völlig unterschiedlichen Wahrnehmung der Subjekte kann ein Wunsch nichts Abstrakteres sein. Denn was für die einen Erfolg ist, bedeutet den anderen schnöder Mammon und was die anderen als großartiges Ergebnis feiern, tun wiederum andere ab als ganz nett, aber nichts Besonderes.

So, wie es zwei Archetypen im Arbeitsleben gibt, nämlich diejenigen, die nach Zählbarem streben, denen Status wichtig ist und Kontingente eine Rolle spielen, existieren die anderen, denen es um das Ergebnis geht, unabhängig von Größenordnungen. Nennen wir die einen die an Status orientierten, und beschreiben wir die anderen, als die, die ihren Fokus auf Funktionsmacht und Ergebnis richten. Und, wichtig ist und bleibt, dass es keinen Sinn ergibt, über die beiden bewusstseinsmäßigen Standards zu urteilen, weil sie zum Menschsein gehören wie der aufrechte Gang. Sieht man es sich genau an, dann existieren diese beiden Typen in allen Arbeitsorganisationen und in jedem politischen System. Oder, wie ein guter Freund es immer so schön auf den Punkt bringt: Entweder es dominieren die Apparatschiks oder die Macher. 

Für die erste Kategorie geht es um alles, was ein Preisschild hat. Das beginnt mit Status suggerierende Accessoires wie Uhren, Autos, Schiffe, Häuser etc. und, folge niemand der Illusion, diese Zeiten seien vorbei, den Menschen an der Seite. Ist er repräsentativ genug, um den Status zu bekräftigen? Im Arbeitsleben sind es die bereits erwähnten Kontingente: Wieviel Geld schiebt man hin und her, wie viele Menschen sind einem untergeordnet und wie hoch ist das Salär. Ist der Zustand erreicht, dass Geld insofern keine Rolle mehr spielt, weil die Mittel vorhanden sind, sich alles, was einem in den Kopf kommt, umgehend leisten zu können? Und, man kann es sich bereits denken, das, was am Ende der Kette steht, nämlich das tatsächliche Ergebnis, spielt eigentlich keine Rolle mehr. Ein versprochenes Ergebnis wirkt nur als Stimulans, um sich materielle Macht zu beschaffen. Ob das Ergebnis letztendlich erreicht wird, ist sekundär.

Dagegen wirken die Funktionsorientierten, die Macher, eher bescheiden. Sie entscheiden, was sie brauchen. Oft sind die Mittel, die gefordert werden, im materiellen Sinne eher überschaubar. Für diese Kategorie bemisst sich der Erfolg darin, ob das avisierte Ergebnis erreicht wurde, ob die Menschen, die dabei mithalfen, sich haben weiter entwickeln können, ob Missstände beseitigt werden konnten, ob gelungene Kooperation den Beteiligten ein Gefühl vermitteln konnte, das vielleicht am Besten als Befähigung, Selbstachtung und Vollzugsmacht bezeichnet werden kann. Letztendlich ist die Währung dieses Erfolgs ein Glücksgefühl, auch wenn die Ergebnisse durchaus materiell sein können. 

In der Regel sind beide Typen unter einem Dach aktiv. Dass es zwischen ihnen zu heftigen Reibungen kommt, liegt auf der Hand. Ist das Verhältnis einigermaßen ausgewogen, dann hat man es mit einem einigermaßen handlungsfähigen Gebilde zu tun. Dominiert die Status-Fraktion, dann wird in der Regel der Niedergang verwaltet. Überwiegt die Funktions-Fraktion, dann werden Revolutionen vollbracht, die allerdings sehr schnell nach Konsolidierung schreien. 

Wir haben es hier nicht mit einer Aporie, d.h. einem nicht lösbaren Widerspruch zu tun, sondern mit einer konstanten Realität menschlichen Zusammenwirkens. Man muss die beiden großen Motivationsmächte auf dem Schirm haben, Cash oder Glück. Es handelt sich anscheinend die brennende Wahrheit der Gattung. 

Cash oder Glück
Cyberpunk city scene with excited crowd, neon signs, flying football, and cybernetic sheep seller booth

WM 2026 – Plutokratie gegen veräußerte Schafe

Der Konnex von Fußball, Politik und gesellschaftlicher Befindlichkeit ist eine Binse. Immer wieder scheint in der Art, wie Fußball gespielt wird, das auf, was sich in der gesellschaftlichen Realität, in der politischen Entscheidungsfindung und in der Arbeitsorganisation tatsächlich abspielt. Und der beste Gradmesser für den gegenwärtigen Stand des Weltgeschehens ist eine Fußballweltmeisterschaft. Da kommen zu dem Gesagten noch andere Dinge hinzu, z.B. der Status des Weltfußballverbandes und das Selbstverständnis der Gastgeberländer. Will man das Weltgeschehen wie die Befindlichkeit der einzelnen Subjekte betrachten, dann ist die gegenwärtige WM in Mexiko, den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada ein nahezu unerschöpflicher Fundus.

Womit beginnen? Natürlich fragen sich viele, nach den bisherigen Auftritten der deutschen Nationalmannschaft, wo das Land in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit und Zukunftsprognose steht. Das ist ein Kapitel für sich, das auf jeden Fall noch aufgeschlagen werden wird. Aber, um sich der Materie in der ihr gebührenden Sorgfalt systematisch zu nähern, ist der Blick auf das Ganze, quasi als Einleitung, vonnöten.

Die viel kritisierte Ausrichtung des Turniers in den besagten Ländern und die Erhöhung der Teilnehmerzahl sind schon einmal ein Hinweis darauf, dass sich im Weltgefüge etwas getan hat. Das war bereits mit der Vergabe der letzten WM ins arabische Katar sehr deutlich, denn da ging es exklusiv um Geld und Märkte. Und es ist mit der jetzigen Anzahl vor allem afrikanischer und karibischer Teilnehmer ein Hinweis, dass die exklusive Dominanz des professionellen Fußballspiels in Europa und in Südamerika vorbei ist. Dass dieser Umstand den hiesigen Rezipienten nicht schmeckt, ist ein kleiner Hinweis auf die bewusstseinsmäßig immer noch Dominanten Usancen kolonialer Herrlichkeit. In den bisherigen Spielen haben vermeintliche Underdogs vom afrikanischen Kontinent und aus der Karibik den vermeintlichen Favoriten aus dem Rayon der kolonialen Dominanz einiges Kopfzerbrechen bereiten können. 

Was den Zustand des Weltfußballverbandes anbetrifft, so ist die zunehmend auf das Marktgeschehen ausgerichtete Politik nur folgerichtig, auch wenn sie gepaart ist mit Intransparenz, Kollusion, Korruption und Nepotismus. Dass sich der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten in Gesellschaft des FIFA-Präsidenten genauso wohl fühlt wie dieser umgekehrt, erscheint nach allen Maßstäben sozialer Affinität nur folgerichtig. Aber, das sieht der große Narzisst aus dem Weißen Haus nicht, die Magnetfelder auf dieser Welt sind dabei, sich zu verschieben und alles imperiale Gebalze wird daran wohl kaum etwas ändern. 

Kongenial quasi ist allerdings das Geschäftsgebaren. Die von der FIFA aufgerufenen Eintrittspreise für die Spiele korrespondieren wunderbar mit der us-amerikanischen Goldgräbermentalität, die sich in der Erhöhung von Hotel-, Transport- und Gastronomiepreisen um zum Teil mehrere Hundert Prozent zeigen. Man kann das mit dem lapidaren Begriff des Abkochens bezeichnen, aber es verbirgt sich auch noch etwas anderes dahinter: der Kampf von Arm gegen Reich und der um sich greifende Wunsch der Begüterten, bei Veranstaltungen von Kultur und Sport unter sich sein zu wollen und den Mob so weit wie möglich fernzuhalten. 

Ganz anders, und ganz positiv sind dagegen die tatsächlichen Underdogs, die ihr letztes Hemd oder das eine oder andere Schaf veräußert haben, um den klirrenden Kassen einer plutokratischen wie der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft zu zeigen, wie sehr das ganz einfache, menschliche Zusammensein über die Grenzen hinaus verbinden kann. Was z.B. die schottischen Fans in Boston zelebriert haben, hat vielen Amerikanerinnen und Amerikanern neue Horizonte eröffnet. Man kann auch den Geist des schönen Spiels für sich behalten, auch wenn ein steriles Gesicht sich aufdrängt und mit großen Scheinen winkt. 

Fortsetzung folgt. 

WM 2026 – Plutokratie gegen veräußerte Schafe