Wenn heile Welten zerbrechen, dann sind bei denen, deren Welt zerbrochen wird, Not und Verzweiflung groß. Diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass sich die Zustände ändern, haben dieses aus Motiven ihres eigenen Nutzens getan, den sie in der alten Ordnung nicht mehr gewahrt sahen. Und diejenigen, die nun in den Trümmern sitzen, verstehen die neue Welt, wie sie sagen, nicht mehr.
Die Reaktionen der Geschröpften auf die neuen Zustände könnten so sein, dass sie sich zurückzögen, sich das Geschehene noch einmal vor Augen führten und sich die Frage stellten, welche Rolle sie in einer neuen Ordnung einnehmen könnten und was zu tun wäre, um mit dieser dann leben zu können. Ein derartiger Umgang mit radikal veränderten Verhältnissen setzt allerdings eine innere Souveränität, vielleicht sogar auch etwas wie Weisheit voraus. Eine Weisheit, die dem Grundsatz entspringt, die eigenen Potenziale richtig einzuschätzen und sich der eigenen Grenzen bewusst zu sein.
Die andere, mit Sicherheit in destruktive Zusammenhänge führende Möglichkeit des Umgangs mit der Zertrümmerung der eigenen, alten Ordnung umzugehen, ist das starre Festhalten an den Maximen der Vergangenheit. Und, das ist das Fatale an dieser Art des Umgangs mit neuen Verhältnissen, noch existieren Mittel und Wege, um zu widerstehen und der neuen Ordnung die Zunge herauszustrecken. Das geht eine Weile gut. Und sukzessive setzt sich dann doch die Erkenntnis durch, dass der ganze Unwille und das Widerstreben zu nichts als zu Zerstörung führen wird. Und diejenigen, die diesen Weg eingeschlagen haben, sehen nach einiger Zeit selbst, dass die Mittel für den Widerstand ausgehen, die eigene Isolation fortschreitet und die Unterstützung durch andere ausbleibt. Was dann noch bleibt, ist entweder das Räsonnement des Führerbunkers oder der ultimative, irrationale Ritt in den Untergang, mit der einzigen Genugtuung, den allgemeinen Schaden für das, was man zurücklässt, so groß wie möglich zu halten.
Es ist immer wieder eine große Versuchung, so manches, was wir in diesen Tagen erleben, historischen Vergleichen zu unterziehen. Bei längerer Betrachtung kann man aber auch zu dem Resultat kommen, dass die strikte Weigerung, neue Verhältnisse anzuerkennen und nichts anderes zu akzeptieren, als das Feld der Gewalt, keines historischen Vergleiches bedarf. Schlussendlich handelt es sich schlicht um ein Phänomen der Barbarei.
Mit den inflationär gebrauchten Parolen wie „Feinde ringsum“ und „Jetzt erst recht!“ profilieren sich zur Zeit die politischen Eliten des alten Westens als von den Gegebenheiten überrumpelt und unter dem Strich als konstruktiv nicht handlungsfähig. Sie haben sich für den Weg der größtmöglichen Zerstörung entschieden und gegen einen Platz in einer neuen Ordnung, der dem Gemeinwesen, dem sie vorstehen, entspräche, entschieden. Wer allen Ernstes glaubt, in der Welt gäbe es nur Gut oder Böse, und man sei stets unter den Guten, hat das Wesen dieser Welt nicht begriffen und befindet sich auf einem Kreuzzug, der nicht zum erhofften Ziel, sondern mit Sicherheit in den eigenen Untergang führt. Und wer keine andere Option kennt, nimmt auch das in Kauf.
