Team using digital devices in neon-lit futuristic Hong Kong

Drei Prinzipien

Manchmal scheint es etwas absonderlich zu sein. Dass man erst bei einem Rückblick auf Ereignisse, an denen man selbst beteiligt war, die Tiefe und Essenz erst richtig begreifen kann. Obwohl alles so geplant, initiiert und gemacht worden war und die Intention deutlich zu entziffern war. Aber im Augenblick der Handlung ist wenig Zeit für eine ausführliche Reflexion. Und so sehr immer betont wird, dass alles, was man in Angriff nimmt, irgendwann auch auf seine Wirkung evaluiert werden muss – meistens geschieht es dann doch nicht. 

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mich noch einmal zu einem Prozess zu äußern, den wir als großen Veränderungsprozess angekündigt hatten und der sich, aus der heutigen Sicht betrachtet, ganz anders als geplant gestaltete. Das, was wir strukturell verändern wollten, ist mittlerweile den Gravitationskräften der faktischen Macht gewichen. Aber der Geist, mit dem wir zu Werke gingen und die Menschen, die wir gewinnen und fördern konnten, sind geblieben. Und sie gehen heute in ganz anderen Kontexten neue Wege.

Allerdings die Prinzipien, nach denen wir gelebt haben, die, so war auch jetzt nach Jahren mein Resümee, die hatten es in sich und sie sind heute mehr denn je ein Qualitätsmerkmal für eine gute Vorgehensweise, der man durchaus den Begriff von Politik zusprechen kann.

Was waren nun die drei Prinzipien, die sich jeder merken konnte, ohne gleich in einem großen Konvolut nachsehen zu müssen?:

  1. Wir leben den Anspruch und halten den Laden am Laufen. 
  2. Wir sind großzügig in den kleinen Dingen und bleiben konsequent bei den großen.
  3. Wir sind loyal nach unten. 

Punkt eins versuchte deutlich zu machen, dass die Leistungen, die man von uns erwartete, erbracht wurden. Allerdings in einem Geist und in einer Qualität, die der formulierten Strategie entsprachen.

Punkt zwei war die ausdrückliche Abkehr von einem kleinlichen Dogmatismus. Wir wollten menschlich sein und die Fehler, die Menschen machen, wenn sie Neuland betreten, nicht skandalisieren. Anderseits sollten die großen Zielsetzungen nicht verhandelbar sein.

Punkt drei sollte deutlich machen, dass wir uns selbst bei Fehlern und Problemen hinter alle stellten, die mit uns zusammen arbeiteten. Wir stellten uns auch bei schwierigen Situationen hinter diejenigen, die für uns handelten und übernahmen die Verantwortung.

Das alles klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich revolutionär, ist aber, bei der Betrachtung aktueller Verhältnisse, nicht das, was man als verbreitetes Phänomen beobachten könnte. Die Resonanz auf diese Erinnerung war überwältigend und die Kritik an bestehenden Verhältnissen wurde sehr deutlich geäußert.

Das Positive bei diesen drei Prinzipien ist ihre universelle Verwendbarkeit. Man kann sie für sich persönlich reklamieren,  in organisatorischen Kontexten, in Betrieben, in Vereinen, in Familien wie in der Politik. Und dieser Verweis hat meines Erachtens besonderes Gewicht. Und es stellt sich die Frage, bei der Betrachtung der aktuell zu beobachtenden Politik hierzulande, ob es den Verantwortlichen gelingt,

  • einen wie auch immer gearteten Anspruch zu formulieren und gleichzeitig den Laden am Laufen zu halten,
  • kleine Fehler und Abweichungen zu tolerieren, aber an den großen Linien festzuhalten und nicht als verhandelbar zu betrachten, und
  • Als Hierarchie loyal nach unten zu sein.

Die Beurteilung dieser Fragen obliegt Ihnen. Ohne sich einer bestimmten politischen Partei oder Richtung verpflichtet zu fühlen, kann die Übung – wieder einmal – Ergebnisse zutage fördern, die es in sich haben.

Drei Prinzipien
Stressed student kneeling among books, papers, and a computer desk

Der Weg nach unten

Verschmäht 
Haben wir euch
Kein gutes Haar
An eurem Sein gelassen.

Bekämpft
Haben wir euch
Kein Anlass
Ließ uns ruhen.

Verachtet
Haben wir euch
Ob eurer Arroganz
Und Selbstgewissheit.

Reuig nun
Knien wir
Vor euch
Ohne Scham.

Kein Rückgrat
Und kein Herz
Mehr ist geblieben
Und der Mut hat uns
Verlassen.

Schuldig sind wir
Ob der eignen Schwäche
Und der Scham
Die nicht mehr ist.

Mag die Welt
Sich vor uns ekeln
Zumindest das
Redlich verdient.
Der Weg nach unten
Four players gather around a miniature tabletop battle game in a neon arcade

Ein Geruch von Autokratie

Unabhängig davon, welcher Fragestellung man sich widmet, das Ergebnis bei der Betrachtung der gegenwärtigen Herangehensweise ist desaströs. Gerade vor ein paar Tagen hat ein prominenter Vertreter des Kieler Weltwirtschaftsinstituts das Programm des Bundesverteidiguungsministers in der Luft zerrissen. Weder die Massenproduktion von Panzern, noch die Errichtung von Kasernen, so der Ökonom, hätten Aussicht, in einem kriegerischen Konflikt der nahen oder ferneren Zukunft noch eine entscheidende Bedeutung. Er verwies dabei auf die Erfahrungen im laufenden Ukraine-Krieg, die den technologischen, den taktischen und den strategischen Wandel innerhalb kurzer Zeit illustrieren. Wichtig sei die Fähigkeit von Drohnenproduktion und der Einsatz von KI. Das aktuelle Aufrüstungsprogramm der Bundesregierung haben davon nichts auf dem Zettel und verausgabe hunderte von Milliarden für museale Arsenale. 

Einmal abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob es nicht besser und billiger käme, wenn man sich auf die Realitäten stützte, die Interessen des eigenen Landes und des Kontinents im Auge hätte, auf Diplomatie setzte und in die Entwicklung einer Friedensordnung investierte, schließt sich an die Frage der instrumentellen Militarisierung der nächste Fauxpas an. Nämlich der bewusste Ausschluss der militärischen Emissionen bei der Erstellung von Klimabilanzen. Betrachtet man die gegenwärtigen, nahezu hanebüchenen Appelle und Vorschläge auch der EU, was zu geschehen sei, „um das Klima zu retten“, was als Formulierung in einem guten Deutschunterricht schon zu einem Tadel führen müsste, ohne mit einem Wort die gegenwärtig heißen Kriege, die sich häufenden Manöver und das gigantische Ausmaß der Waffenproduktion zu erwähnen, dann wird deutlich, wie seicht es um die Sorge hinsichtlich des Klimas bestellt ist. Dass weder die Aktivisten noch die Partei der Grünen an einer solchen Enthüllung arbeiten, dokumentiert ihre Zugehörigkeit zum Ensemble der bewussten Mystifikation. 

Und gesetzt den Fall, es käme tatsächlich zu einem Krieg mit Russland.  Einmal abgesehen von dem dezenten Unterschied in der jeweiligen Mentalität, die jenseits der Technik kriegsentscheidend ist, was wäre eigentlich zu verteidigen?  Wenn der immer geringer werdende juvenile Teil einer alternden Gesellschaft zur Front geschickt wird, dezimiert wieder heimkehrt, aber ein großes Ausmaß an flüchtenden Ukrainern, Polen, Rumänen, Bulgaren etc. sich Richtung Westen orientierten? Welche Art von Bevölkerung befände sich dann noch in der Gemarkung mit dem Namen Bundesrepublik Deutschland? Hat schon einmal jemand von den medial gefeierten Pulvernasen oder den Chefideologen aus der liberalen Mitte darüber räsoniert?  

Alles, was dieses Land wieder nach vorne bringen könnte, die Konzentration auf Bildung, Infrastruktur, funktionierende Sozial- und Gesundheitssysteme und die Entwicklung von Kultur und Wissenschaft wird unterlassen zugunsten der Schaffung antiquierten Kriegsgerätes, es wird auf ein Krieg zugesteuert, der die gegenwärtige Bevölkerungsstruktur des Landes wie den Lebensraum vernichten wird und niemandem fällt etwas auf? Nicht der Politik? Nicht der Presse? Nicht den Intellektuellen? Nicht den Künstlern? Nicht den Wissenschaftlern?

Nur der so sehr verachtete Mob, der hat das Bauchgefühlt, dass da alles in die falsche Richtung läuft. Und wenn er es zum Ausdruck bringt, dann bekommt er gesagt, er verstünde das alles nicht. Das sei für ihn zu komplex. Es ginge um unser aller Freiheit. 

Schäbiger kann man nicht argumentieren. Der Geruch von Autokratie, von Korruption, Kollusion und Nepotismus verpestet die Luft. Die Zeiten, dass sich die Menschen mit ihren Interessen und Bedürfnissen durch ihre Stimme bei Wahlen wieder Geltung verschaffen könnten, scheinen endgültig vorbei zu sein.  

Ein Geruch von Autoktatie