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Alles auf Null!

Jetzt sind wir wieder da/Wo wir alle schon mal waren/Vor Urzeiten/Als noch geglaubt wurde/Geschichte und Geschicke/Gingen nach vorne.

Jetzt stehen wir wieder/Hinten an/In einer langen Schlange/Und wundern uns/Dass die, die vorne stehen/So passiv sind.

Mit Überheblichkeit /Stellen wir Fragen/Woher die Passivität wohl kommt/Die den Weg nach vorne/So verstellt/Und die Dynamik fehlt.

Wir haben zugelassen/Dass der volle Bauch/Das Denken übertönt/Die Kritik erdrückt/Und die Scharlatane/Vergangenheit zur Gegenwart erhoben haben.

Der Mief, die Dummheit,/Der Hass und die Gier/Sind oben auf/Und die unten reiben sich die Augen/Wie die Welt /Sich blutend teilt.

Alles auf Null!/Es geht von vorne los!/Von ganz hinten/Den billigen Plätzen/Der Sturm auf die /Attrappen der Vergangenheit.

Alles auf Null!
Comic text: “Ouch, how do you handle this?”, “Maybe we should read the instructions...”, “I thought this was supposed to be easy!”, and “THE CLUMSY CREW’S BIG IRONING ADVENTURE!”

Die sich beim Bügeln schneiden

Manche schneiden sich auch beim Bügeln. Dieser Eindruck drängt sich bei der Beobachtung der täglichen Aktionen und Äußerungen dieser Bundesregierung auf. Ob es die Verordnungen gegen russische Institutionen ohne Vorlage von belastenden Beweisen ausgerechnet an dem Jahrestag des angeblichen Angriffs auf den Sender Gleiwitz handelte, letztendlich Beginn des II. Weltkrieges, oder um das Verhalten des Finanzministers bei einem Treffen mit 20 Amtskollegen in den USA, und er sich weigerte, auf ein Gruppenfoto mit dem russischen Minister zu gehen. Bei der einen Aktion denkt man an eine sich immer mehr aufdrängende faschistische Tradition in der deutschen Außenpolitik und bei der anderen an die scharfen Kanten eines Bügeleisens. Wie man es dreht oder wendet, ob militaristische Boshaftigkeit oder infantiler Trotz, keine der immer wieder zu beobachteten Varianten der politischen Führung deutet darauf hin, dass man von einer guten Entwicklung für das Land ausgehen kann, in dessen Namen das in jedem Fall absurde Auftreten führen würde.

Nun existieren tatsächlich Stimmen, die die Überlegung zum Ausdruck bringen, dass die an den Tag gelegte Kriegsbereitschaft gegen Russland nur deshalb so unverfroren an den Tag gelegt wird, um einen Ausnahmezustand deklarieren zu können, der die bevorstehenden Wahlen in drei Bundesländern verhindern könnte. Die Gefahr, dass sich dort die AFD nicht nur als stärkste Kraft, sondern als regierungsfähige Partei  erweisen könnte und damit die Demokratie insgesamt auf dem Spiel stehe, sei so groß, dass sie die Bundesregierung veranlasse, einen realen Krieg zu riskieren, um inländisch die Demokratie zu retten. 

Obwohl zu konzedieren ist, dass die handelnden Personen in Verantwortung, durchaus in der Lage sind, sich beim Bügeln zu schneiden und daher durchaus zu derartigen Gedankenspielen in der Lage sind, muss entschieden zurückgewiesen werden, dass die Geisterfahrt, auf der sich diese Republik außenpolitisch befindet, durch alles Mögliche zu erklären, aber weder mit den Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung noch mit dem Erhalt der Demokratie in Einklang zu bringen ist. Vieles dieser und der ihr vorhergehenden Regierungen atmet bereits markant den Verdacht des Landesverrats, man sehe sich nur die Nord Stream-Sabotage und die Reaktion darauf an, und die Demolierung der Demokratie durch zahlreiche, putschähnliche Aktionen, wie zum Beispiel die Wahl dieses Kanzlers und die Beschlüsse zur Militarisierung durch einen bereits abgewählten Bundestag. Dass ausgerechnet die Vertreter dieser Politik für sich reklamieren, die Demokratie retten zu wollen, ist der eigentliche Affront gegen das Volk. 

Insofern sei doch noch einmal und dringlich all jenen zu raten, die jetzt ihre Bühne der Popularität nutzen, um vor der Gefahr für die Demokratie im Gewand der AFD zu warnen, auch nur in einem Satz die massiven Verletzungen demokratischer Vorgehensweise, die Behinderung von Staatsanwaltschaften bei ihren Ermittlungen gegen politisches Fehlverhalten, die Liquidierung der Diplomatie, die Doppelmoral, die Legitimierung von Völkermord und die Rechtfertigung des Bruchs des Völkerrechts durch die gegenwärtig in der Verantwortung stehenden Bundesregierung mit auch nur einem Satz zu erwähnen. Es ist leicht, sich als Kämpfer für die Demokratie zu profilieren, wenn dafür das Lob der herrschenden Meinung und die Meinung der Herrschenden sicher ist. Man macht sich allerdings zum Komplizen der Doppelmoral, wenn man beide Augen bei den zur Gewohnheit gewordenen Attentaten auf die Demokratie schließt. Der Strömung die Stirn bieten! Das wäre mal was!

Die sich beim Bügeln schneiden

Ostenmauer – 109. Die Anmaßung

Nicht jeden Tag scheint die Sonne. Und nicht an jedem Tag ist der Himmel voller Wolken. Die menschliche Existenz ist durchsetzt von unterschiedlichen Stimmungen. Sie werden verursacht durch äußere Anlässe oder durch innere Regungen. Das Spannende in einem sozialen Gefüge ist, inwiefern die einzelnen Individuen sich mit ihren Regungen, Neigungen und Wünschen arrangieren können. Denn es ist klar, dass weder die Gefühlswelt, noch Bedürfnisse oder Zielsetzungen analog verlaufen oder identisch sind. Immer, zu jeder Zeit, gibt es Menschen, die vorwärtsgehen, guten Mutes sind und wissen, was sie wollen. Und gleichzeitig existieren Zeitgenossen, die zweifeln, zaudern oder den Moment festschreiben möchten. Das, so weiß jedes Kind, das in der Lage ist, den Kopf zu benutzen, führt zu Friktionen. Mit dem schönen Wort, das sich schon ein wenig anhört wie eine feine Säge, sind Brüche zwischen den handelnden Menschen gemeint. In geringem Ausmaß sind es Irritationen, in größerem massive Konflikte. Der Mensch ist nie allein. Auch wenn manche der Auffassung sind, es wäre so. You ´ll never walk alone – das ist nicht nur ein Schlachtruf der Solidarität oder das Signé einer verschworenen Gemeinschaft, sondern auch eine Plattitüde für den Sachverhalt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.

Heute morgen mußte ich an einen Menschen denken, der in gewisser Weise wie ein Prototyp einer ganzen Epoche immer dabei war und immer dann auftauchte, wenn sich eine Gruppe von Menschen für einen Aufbruch entschieden hatten. Wenn dann die Tür aufging und er erschien, wechselten die anderen, die exzellenter Laune waren und sich einiges vorgenommen hatten, vielsagend die Blicke. Und sobald der Besagte herausgefunden hatte, um was es ging, entrollte er wie ein Auktionator der Unmöglichkeiten alles, was dem Plan entgegenstehen könnte. Und, glauben Sie mir, es waren niemals nur kleine Bedenken, sondern immer eine ganze Kanonade.

Da ging es dann um rechtliche Hürden, um Haftungsfragen, um Kollateralschäden, um mögliche Verwerfungen, um lauernde Kosten, um Ungerechtigkeiten, um Missbrauchsgefahren, um unterbliebene Autorisierungen und um überall lauernde unlautere Motive. Ich bin mir sicher, Sie kennen nicht nur solche Situationen, sondern auch derartige Menschen. Menschen, die es zu einer regelrechten Virtuosität gebracht haben, wenn es darum geht, anderen Menschen einen hoffnungsvollen Blick selbst in die nahe Zukunft zu verbauen.

Und weil wir alle solche Zeitgenossen kennen, sie keine Randerscheinung sind, sondern sie es zum Prototyp gebracht haben, können sie als eine Signatur der Zeit bezeichnet werden. In Bezug auf die psychologische Wirkung, die das jeweilige Auftreten des Besagten auslöste, nannten ihn alle schlicht „die Anmaßung“. Jeder, der bei der Entwicklung einer Strategie der Gestaltung beteiligt war und sich mit Haut und Haaren einem positiven Ziel verschrieben hatte, empfand es nämlich so, wie es ausgedrückt wurde. Was, so fragten sich alle, bildet sich dieser Mensch ein, immer dann zu erscheinen, wenn die Sonne aufging, um ohne Ankündigung das Licht ohne jegliche Empathie wieder auszuschalten? 

Und das, was alle am meisten ärgerte, war die Tatsache, dass die inkarnierte Anmaßung nahezu jede Ära, ob sie geprägt war von einzelnen Figuren oder von bestimmten Handlungskonzepten, unbeschadet überstand. Der Preis war eine gewisse Einsamkeit. Aber er schien sich in ihr sogar wohlig zu baden. Und da die Fleisch gewordene Anmaßung nicht nur eine Einzelerscheinung ist und, wenn wir ehrlich sind, in unserem nationalen Bett sogar faustisch-mephistophelisch gezeugt wurde, gehört sie wohl immer dazu. Trotz unablässig aufflackernder heißer Quellen der Hoffnung. 

Ein guter Freund brachte es immer wieder wunderbar auf den Punkt: „So ist unser Leben, mal Feuer, mal Asche. Und darüber zu klagen ist töricht und unangemessen“. 

Die Anmaßung