Lone person kneeling beside a crater beneath a chaotic distorted Earth

Tete-á-Tete

Abgeranzt und ausgestanden
Ist die Malaise
Lange nicht.
Noch ist die Luft
Extrem geladen.

Im Haus der Herrschaft
Bröckelt das Gemäuer
Risse reichen
Bis ins Fundament.

Das Publikum
Ist hoch gespannt
Und fühlt sich
Mulmig.

Wer jetzt das Wissen
Glaubt zu haben
Wohin das laute
Knarren führt.

Der hat die Gabe
In den Schlund
Zu schauen
Der dunkel ist und riecht.

Tete-a-Tete
Cartoon woman holding a canister above four children and scattered red candies

Mutti hat sie alle sediert!

Im heutigen Spiegel wird die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Satz zitiert: Mir blutet das Herz. Er ist gleichzeitig der Titel der Hauptstory. Und in dieser lässt sich die Frau über das Debakel aus, welches das Wahlergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt zweifelsohne nicht nur für ihre CDU ist. Allerdings muten diese Tränen doch etwas an wie die absurde Reaktion eines Delinquenten, der mit der durch ihn verursachten Malaise konfrontiert wird und dann ganz entsetzt tut. 

Es geht nicht darum, die vielen Jahre der Kanzlerschaft von Frau Merkel als den direkten Weg ins Verderben aus der Rückschau zu beschreiben. Allzu viel von dem, was in die falsche Richtung in diesen Jahren gelaufen ist, wäre ohne die Mittäterschaft, Bräsigkeit, Charakterlosigkeit, Prinzipienarmut, strategischer Inkompetenz etc. all derer unmöglich gewesen, die sich haben von der Art dieser Frau sedieren lassen. Hauptsache war für viele, dabei zu sein. Posten zu haben, Geld zu bekommen und zu verteilen, im Licht der Sonne zu stehen und sich so immer mehr von dem abzuwenden, was mit dem Gedanken von Demokratie verbunden ist: die Bedürfnisse derer, von denen das Mandat kommt, als Richtschnur für die eigene Politik zu begreifen. 

Es war immer der leichte Weg, den sie zeichnete und der Rest mit beschritt. Und sie selbst, die angefangen hatte als „das Mädchen“ Helmut Kohls, war, nachdem dieser in die Biotonne getreten war, dann selbst am Hebel, von allen noch herablassend Mutti genannt. Aber sie verstand es, die kleinen gierigen Gestalten mit genügend Zucker in der Tasche an sich zu binden und zu lavieren. Vieles von dem, was sie richtig erkannte, z.B. die Ursachen von Flucht bekämpfen zu müssen, um den Strom von immer wieder Hunderttausenden, die aus ihrer Heimaten flohen, zu unterbrechen, hätte zur Folge haben müssen, dem großen Bündnispartner einmal zu sagen, dass er mit seinen ständigen Kriegen, die weder vom Völkerrecht gedeckt noch von irgendwelchen humanistischen Motiven inspiriert waren, doch bitte zu unterlassen. 

Das Profil, das ein souveräner Staat haben muss, gelang ihr nicht zu zeichnen. Immer waren es die Verbündeten, mit denen man die großen Fragen abstimmen musste, denen man aber nicht zu sagen wagte, was im eigenen Interesse ist und was nicht. Das war im Falle Afghanistans so, das war bei dem Debakel um die Ukraine so, das war bei Libyen, dem Irak und Syrien so. Und als die aus amerikanischer Sicht entstandenen Kollateralschäden an Europas Grenzen standen, ja, auch da gab es keines ihrer intern so gefürchteten Donnerwetter gegen den übermächtigen Uncle Sam.

Um auf das Ereignis zurückzukommen, welches ihr Herz so bluten lässt: Hätte Mutti nicht, ja, man muss es ihr konzedieren, es so brillant verstanden, die wechselnden Parteien, die ihr zu Regierungsmehrheiten verhelfen mussten, mit einem Mainstream-Cocktail zu sedieren, dann wäre heute für die Mehrheit der Bevölkerung noch die Option offen, zwischen Regierung und einer Opposition, die tatsächlich eine andere Vorstellung hat, zu unterscheiden und zu wählen. Was, neben den vielen ärgerlichen Petitessen, die eine so lange Regierungszeit hervorbringt, am schlimmsten ist, ist dieses sich selbst als Demokratie definierende Amalgan einer Mitte, die weder mit einer nationalen Strategie noch mit den realen Bedürfnissen dieses Landes korrespondiert. Die Leisetreter ihrer Amtszeit haben einen Friedrich Merz mit seiner Unglaubwürdigkeit, seiner Arroganz, seinem Militarismus und seinem antiquierten Weltbild nicht verhindern können. Und die politischen Trittbrettfahrer auch nicht. Ja, da blutet einem tatsächlich das Herz. Und die Stirnader schwillt.     

Mutti hat sie alle sediert!

Ostenmauer – 110. Das miserable und das saturierte Jetzt

Die Augen verschließen vor dem Elend dieser Welt? Vielen scheint das der einzige Ausweg. Es ist einfach zu viel. Gestern fand in Berlin eine Demonstration gegen den Krieg statt. Gezählt wurden momentan 21 Kriege und 216 bewaffnete militärische Auseinandersetzungen. Wen das nicht beunruhigt, dem scheint das Schicksal der Spezies nicht besonders am Herzen zu liegen. Angesichts der tägliche Bedrohung von Millionen Menschen durch Hunger und angesichts der immer sichtbarer werdenden Schäden durch Naturzerstörung, scheint der Militarismus, so wie er weltweit als wachsendes Phänomen zu beobachten ist, wie ein sicheres Konzept der kollektiven Selbsttötung. Wenn das so weitergeht, versinken alle Optionen auf eine Zukunft im endgültigen Abendrot.

Die Menschen in den unterschiedlichen Zonen dieser Welt haben unterschiedliche Perspektiven, aus denen sie das Weltgeschehen betrachten. Die einen sehen in Wachstum und Technologie die großen Chancen, die anderen fühlen selbige als Risiken und Gefahren. Wir sollten uns klar machen, dass der Lauf der Welt von unterschiedlichen Völkern und Kulturen bestimmt wird. Sie selbst werden unter anderem gesteuert von einem Biologismus. Die Jungen streben nach oben, d.h. sie drängen in eine Zukunft, die besser sein soll als das Jetzt, von der sie zwar nicht wissen, wie sie aussieht, die ihnen allerdings auf jeden Fall heller vorkommt als das Jetzt. Und die anderen, alternden Völker und Kulturen, wollen das Jetzt, das sie als Wohlstand und hohe Zivilisation definieren, so erhalten, wie es ist und betrachten eine wie auch immer geartete Zukunft als Risiko. 

Dass ein derartiger Zustand nicht ohne Brüche vonstatten gehen kann, versteht sich von selbst. Und dass diese unterschiedlichen Perspektiven und Denkwelten sich polarisiert gegenüberstehen, ist ebensowenig verwunderlich. Die Schuld an einem miserablen Jetzt wie an der Bedrohung eines saturierten Jetzt schiebt man sich gegenseitig zu. Und schon, in eher archaischer Manier, werden die Säbel gezückt, die Panzer aus den Garagen geholt und die Kriegsschiffe umfahren alle Zonen dieser Welt.

Da fragen sich viele Menschen, unabhängig davon, in welchem Lager sie ihr Dasein fristen oder genießen, was denn nun noch in ihrer Macht steht, um dem sicheren Untergang durch Mord und Krieg zu entgehen. Und ihre Reaktion ist unterschiedlich wie analog. Während sich manche darauf einigen, dass es besser ist, die eigene Position mit Macht zu behaupten, suchen andere zu fliehen. In die Verweigerung der Kenntnisnahme, in einen wie auch immer gearteten Defätismus. Oder in eine wurstige Nonchalance. Das Fatale an allen Reaktionen ist die Tatsache, dass keine Option zu einer Lösung führt. Weder Aggression noch Flucht können darüber hinwegtäuschen, dass sich derzeit Statik und Dynamik unversöhnlich gegenüberstehen.

Und wer, zumindest in den Zentren der alten Welt, in der es so vieles zu verlieren gilt und in der bereits so viel verloren ist, hat noch die Verve, sich zu Überlegungen und Vorschlägen durchzudringen, die einen konstruktiven Charakter hätten? Ja, vereinzelte Stimmen sind zu hören, die für Verzicht wie Dialog plädieren, die vor der Kreuzzugsmentalität warnen. Aber sie klingen wie ein Hilfeschrei aus dem Kellergewölbe. Und während sie in ihren eigenen Gefilden als Parias durch die omnipräsente mediale Hölle schleichen, blasen in den dynamischen Welten alle Hörner zum Angriff. Der kommen wird, wenn sich im Lager des verwaltenden Besitzstandes nichts tut. Es ist tragisch und es ist archaisch.  

Das miserable und das saturierte Jetzt