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People gathered around a table with a world map, notes, and radios

Mental bereits im Führerbunker

Wenn man sie so reden hört, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als säße die ganze Bagage mental bereits im Führerbunker. Schwer enttäuscht vom Volk, das der eigenen ehrgeizigen Pläne nicht würdig ist. Es wurschtelt vor sich hin, als ginge es nicht um alles. Die große Vision, Russland in die Knie zu zwingen, geht an ihm vorbei als wäre es ein windiges Hirngespinst. Der Zugriff auf den schönen ukrainischen Weizen, das schwere Öl auf dem Weg zum Kaspischen Meer und die vielen Seltenen Erden! Nichts hat dieses unwürdige Volk begriffen! Selbst die vielen Zugereisten sind gegen die hehren Pläne immunisiert. Das hätte man bedenken sollen. Dass sie zumeist aus Gebieten kommen, in denen das westliche Imperium mit Messer und Mord Ordnungen zerstört hat. Das Menschenrecht, so deren reduktionistisches Credo, ist, keine Angst zu haben. Bullshit!

Vom überlangen Lügenbaron und Hampelmann bis zu den Rüstungshexen und bajuwarischen Waffenfetischisten sitzen sie in ihren Gemäuern und feiern ihre Verzweiflung und Enttäuschung. Aber bevor sie dort jemand herausholt und zur Rechenschaft zieht, und bevor von der eigenen Mischpoke jemand auf die Idee käme, sich selbst ein Kügelchen in den Lauf zu legen oder etwas einzuwerfen, sei noch einmal versucht, mit den waffenstarrenden, selbst gezüchteten Legionären hier und da einen Brand zu legen, sodass die Ultima Ratio, die totale Zerstörung, so aussieht wie eine vernünftige, von den Realitäten geprägte Politik.

Auf die Ostflanke ist zumindest ideologisch noch Verlass und im Deucieme Bureau, in Brüssel, sitzen ja Weggefährten, die nibelungentreu und braunforsch zur Strategie der Vernichtung stehen. Sie unternehmen alles, was nötig ist, um das eigene Konstrukt und seine Fortexistenz vom Sieg über Russland abhängig zu machen. Dass dort ein heikler Bruchfaden durchs Gebälk geht, weiß man im mentalen Führerbunker. Und gerade deshalb wird noch einmal so richtig Tempo gemacht.

Dass das ganze Vorhaben auf sehr tönernen Füßen steht, weiß man ebenso. Seitdem der große Hegemon jenseits des Atlantiks an anderen Stellen in der Welt seine Prioritäten sieht, grassiert nicht nur Enttäuschung. Nein, es wurde auch bewusst, dass die großen Töne, die man gespuckt hat, nur vor dem Hintergrund der militärischen Stärke des Imperiums Sinn hatte. Nun, nachdem der sich im Nahen Osten aufreibt, ist man auf die eigenen Ressourcen angewiesen. Da wird zwar alles, was das Zeug hält, in die Produktion von Waffen gesteckt. Das Dumme dabei ist nur, dass die Systeme, die das meiste Geld verschlingen, in den aktuellen Kriegen keine Relevanz mehr haben. Wer aus der Vergangenheit kommt, diese nicht begriffen hat, und meint, mit seinem antiquierten Weltbild die Zukunft modellieren zu können, hat bereits verloren.

Deshalb sitzt das Ensemble bereits im Bunker. Nichts wird sich für sie noch zum Besseren wenden. Die einzige Chance, die der dort versammelte Verein noch sieht, ist ein durch ihn  entfachter Flächenbrand. Während das gemeine Volk, welches noch den Überblick bewahrt hat, darüber räsoniert, ob es dort mit Drecksäcken oder Vollidioten konfrontiert ist, sollte es sich vorsehen. Im Wahn, vor allem vor dem Hintergrund des eigenen Untergangs, ist vieles möglich. An Phantasie zur Destruktion. An rauschhafter Vernichtung. An kollektiver Lust am Untergang. 

Mental bereits im Führerbunker
Man holding remote control powering off TV displaying 'Powering Off' message

Einordnen? Selber machen!

Eine Vokabel, die so oft zu hören ist wie nie zuvor, ist die des „Einordnens“. Ob in den gestelzt arrangierten Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, ob bei vielen Privaten, in den Zeitungen und Magazinen. Was die Inflation des Begriffs dokumentiert, ist das schiere Bedürfnis nach Orientierung, oder auch, anders herum, ist der Versuch, das Publikum bloß nicht auf die Idee kommen zu lassen, die Kategorisierung einer Nachricht selbst vorzunehmen. Wie dem auch sei: der Wunsch, Ereignisse und Begebenheiten in ein bereits existierendes Weltbild einzufügen, und zwar in dem Sinne, ob es in die Kategorie Gut oder Böse passt, ist ein Indiz für die Festgefahrenheit der vorherrschenden Denkweisen.

Und vielleicht ist das ein bis jetzt zu wenig beachteter Aspekt der Krise unserer Hemisphäre, dass wir nicht mehr in der Lage sind, etwas zunächst unvoreingenommen wahrzunehmen, es dann zu beschreiben zu versuchen, es abzuklopfen nach positiven wie negativen Aspekten und erst dann eine Annäherung an eine Bewertung zu wagen. Aber wenn Zeit Geld ist und Millisekunden das Maß des Taktes, dann kann man sich nicht mehr leisten, einen längeren Prozess der Erkenntnisbildung zu durchlaufen. Hinzu kommt, dass der Anteil der unmittelbaren Erfahrung immer mehr zugunsten dessen der mittelbaren schrumpft und damit die besten Voraussetzungen dafür gegeben sind, sich auf das schnelle Urteil sich anbietender Experten zu verlassen. Dass die Experten zumeist keine sind, sondern nur als solche ausgewiesen werden und dass das, was sie an Einordnung in der Mehrzahl bieten, nichts anderes ist als die Reproduktion eines interessengeleiteten Weltbildes, sei der Vollständigkeit halber erlaubt hier anzumerken. 

Der Rat, der sich an diese Feststellung anschließt, kann nur der sein, sich auf seine eigenen Sinne, sein eigenes Bauchgefühl, das als eine Resonanz aus den eigenen, selbst gemachten Erfahrungen zu sehen ist und sich letztendlich auf den eigenen Verstand zu verlassen, um Begebenheiten, Ereignisse, Taten und Aktionen in das einzuordnen, was am besten als der eigene Kompass des Lebens bezeichnet werden muss, scheint ein guter zu sein. 

Betrachtet man das Portfolio derer, die in den unterschiedlichsten Medien und Formaten als Experten angeboten werden, so fällt nicht nur auf, dass ihre Expertise in den meisten Fällen an Armseligkeit kaum zu überbieten ist und – das eine hängt mit dem anderen zusammen – sie im Laufe der Zeit zu sehr unterschiedlichen Themen immer wieder mit der Maske des Experten auftreten.  Dass es sich bei dieser Geschichte um nichts anderes handelt als eine Rolle, die gespielt wird, ist evident. In den Zeiten, in denen wir leben, geht es aber nicht darum zu bewerten, wer in einem Stück der durchtriebenen Mystifikation die beste schauspielerische Leistung an den Tag legt, sondern, da es sich oft um Phänomene handelt, die über Leben und Tod entscheiden, wie z.B. Kriege, sollte das eigene Interesse der Kompass sein. Und zwar nach sozial verantwortlichen und nicht hedonistisch-egoistischen Aspekten. 

Analog zum Expertentum verhält es sich bei denen, die die Stücke inszenieren. Was hielte man von einem Theaterregisseur, der früher Kochkurse gegeben hat, dann als Gaukler in einer Show auftrat und letztendlich als Analyst von Politik ins Rampenlicht zu treten bereit war? 

Nicht, dass es keine Multitalente gäbe. Aber manchmal ist vieles auch einfach zu viel. An Dilettantismus. An Impertinenz. Und an Idiotie. Lassen Sie sich nicht beirren! Ihr eigenes Vermögen, Phänomene zu beurteilen ist in den meisten Fällen qualitativ höher als das der lauten Industrie! 

Einordnen? Selber machen!
Tilted wooden chessboard with multiple chess pieces fallen and scattered on table

Keine erneuerbare Energien

Die Bühne wechselt, die Reden sind die gleichen. Beim Petersberger Dialog, bei dem es einmal wieder um das Klima gehen sollte, wurde zunächst wieder Pingpong gespielt.  Die einen warfen der Regierung vor, nicht genug zu tun und diese wies die Vorwürfe entschieden zurück. Bei der Diskussion darüber, welche Faktoren bei der Produktion von CO2 die entscheidenden seien, waren sich allerdings alle Seiten einig, die derzeit größten negativen Produzenten von besagten Ausstößen schlichtweg zu ignorieren. So, wie es bereits seit eh und je geschieht, wird in den Erhebungen ausgeklammert, was das Heer, die Marine sowie die Luftwaffe an Emissionen verursachen, genauso werden die gegenwärtigen Kriege in der Ukraine, im Gaza-Streifen und dem Libanon sowie die militärische Auseinandersetzung mit dem Iran, die die gesamte Golfregion erfasst, nicht erwähnt. Dass eine Regierung, die sich ausdrücklich immer wieder als halb-passive Kriegspartei profiliert, zu diesen Themen nichts sagt, ist schlüssig. Dass die vereinigte Presse dazu schweigt, ebenso. Dass allerdings die so gehypten Klimaschützer die Kriegsproduktion, ihrerseits eine fossile Orgie von Anfang bis Ende, und die heißen Kriege nicht anprangert, verweist sie in die faktische Belanglosigkeit. Was von ihr übrig bleibt, ist ziemlich leeres Gerede und eine gehörige Portion Misandrie.

Was quasi zeitgleich ein in nächster Zeit wohl nicht mehr als Verteidigungs-, sondern als Kriegsminister titulierter Sproß aus Osnabrück, dort, wo der Westfälische Frieden mit ausgehandelt wurde und ein römisches Heer einem Guerilla-Streich zum Opfer fiel, von einer Strategie faselte, die darin bestand, geplante Truppenstärken zu benennen, wundert ebenso wenig. Kein Wort von Verteidigung, kein Wort von Intervention, kein Wort von angestrebtem Zustand. Und, aber daran haben wir uns seit einiger Zeit gewöhnen müssen, kein einziges Wort von Frieden. Im Hintergrund dieser Sprechblase war weder etwas vom Westfälischen Frieden, noch von der Kunst des Krieges eines Sun Tzu oder den Überlegungen eines Clausewitz zu sehen. Eine von einem Sachbearbeiter des Militarismus abgelesene Presseerklärung ohne Substanz und Esprit. Dass das, was fehlte, nicht gesagt wurde, um – mutatis mutandis – Putin nichts zu verraten, zeigt den Charakter der gesamten politischen Formation: ein Horizont wie der von Eintagsfliegen.

Mal ganz nonchalant: In zwei Jahren wird es keinen Präsidenten Trump mehr geben und auch die Lebenszeit von Putin weist auf ein baldiges Ende der Amtsgeschäfte hin. Was, verehrtes Publikum, wird dann unternommen? Wie ist das Ensemble vorbereitet? Wie soll die Einbindung in eine sich verändernde Welt aussehen? Bleibt es exklusiv bei den Feindbildern? Existiert eine Vision von Wohlstand und Frieden? Oder fährt man nur auf Sicht, aber auf jeden Fall in Richtung Krieg? 

Nachdem man sich daran gewöhnt hat, Milliardenbeträge in das Land zu transferieren, das sich an Terrorakten gegen die eigene Infrastruktur beteiligt hat, und nachdem man unzählige Male hören musste, dass die strukturelle Krise der produzierenden Gewerbe nicht eingetreten wäre, wenn man über genügend erneuerbare Energien verfügt hätte, drängt sich die Frage auf, ob sich letzteres nicht als Metapher für den Zustand des Staates und seiner Lenker eignete: 

Verfügt die politische Klasse über genügend erneuerbare Energien? Um den Ständestaat abzuschaffen, um die Renten- und Krankenversicherungskassen abzusichern, um das Steuersystem radikal zu erneuern und zu vereinfachen, um die Infrastruktur zu modernisieren, um die Bildung zu stärken und zu ermächtigen, um die Kultur zu einem Raum der Freiheit zu machen, um das politische System zu reformieren? 

Keine erneuerbare Energien