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Four diners at table reading “BAD TAKE,” “BAD TAKE: A FAILED EDITORIAL,” and “POORLY WRITTEN JOURNAL.”

Die Paralysierten

Nun sitzen sie da. Die Paralysierten. Bilder drängen sich auf. Kaninchen vor der Schlange?  Oder doch konditioniert wie die Pawlow´schen Hunde? Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der ganze Kanon, den sie seit Jahrzehnten singen mussten, ist nichts mehr wert. Läsen sie noch Nietzsche, dann wüssten sie, was es heißt, die Umkehrung aller Werte. Aus einer Vorstellung von Freiheit, Souveränität, Recht, Frieden und Völkerverständigung ist eine ganz andere Realität entstanden, in der Regulierung statt Freiheit, in der Bevormundung statt Souveränität, in der Doppelmoral statt Recht und Krieg wie Feindbilder dominieren. Das muss man erst einmal verkraften. Oder eben auch nicht. Die Oberfläche, auf der man noch herumsurft, hat den Anschein, als sei alles in Ordnung.

Die Zeitungen, derer man sich seit Jahrzehnten bedient hat, um informiert zu sein, existieren noch. Nur, legte man Exemplare aus verschiedenen Epochen der Republik nebeneinander, dann fiele sehr schnell auf, dass sich etwas Gravierendes ereignet hat. Was früher nach einem liberalen Internationalismus klang, generiert sich heute als faschistoider Imperialismus. Und was einmal als der Lebensnerv einer Demokratie galt, die Kritik, die Opposition, die politische Mobilisierung, wird dort heute als das Produkt hirnverbrannter Verschwörungstheorie gebrandet. 

Analog verhält es sich bei den als einzigartige Errungenschaft der demokratischen Kultur so lange zelebrierten öffentlich-rechtlichen Funk- und Fernsehanstalten. Das dortige Personal war von den großen Institutionen eines investigativen und souveränen Journalismus der Briten und Amerikaner ausgebildet worden und stand unter dem Mantra, sich mit keiner Sache gemein machen zu dürfen, auch nicht mit einer guten. Heute stehen dort Propagandaagenten vor den Mikrofonen und Kameras, die mit Verve an der Emotionalisierung des Publikums arbeiten und nichts unversucht lassen, eine überhitzte Parteilichkeit zu erzeugen. 

Das politische Personal, über lange Jahre in den ideologischen Werkstätten us-amerikanischer Provenienz auf den imperialen Kurs der Supermacht getrimmt, verbreitet die dort eingeübten Slogans und ist nicht in der Lage, die Interessen des eigenen Landes und des eigenen Kontinents zu formulieren, geschweige denn auch gegen die transatlantische Übermacht durchzusetzen. Bilder, wie das vom ehemaligen Kanzler Scholz, der neben einem Präsidenten Biden stand und sich mit verlegner Miene dessen Drohung, die deutsche kritische Infrastruktur zu zerstören, ohne Widerworte anhörte oder die servilen Avancen seines Nachfolgers, der nach seinem bundesrepublikanischen politischen Scheitern bei Black Rock chemisch gereinigt wurde,  gegenüber wiederum Bidens Nachfolger Trump zeigten deutlich, wer Koch und wer Kellner ist.

Und wer das als Vasallentum bezeichnete, landete schnell in der journalistischen Kategorie des Verschwörungstheoretikers oder Knecht Putins. Und sage niemand, das Phänomen der Projektion, das die eigene Unzulänglichkeit anderen vorwirft, sei nicht längst in den mittlerweile auch in die Biotonne getretenen Bildungskanon aufgenommen gewesen. Der klare Blick, gewonnen durch Bildung, kognitive Fähigkeiten und das permanente Training eines harten Diskurses gehört der Geschichte an.

Da sitzen sie nun, die Paralysierten. Und wissen nicht, was sie tun sollen. Noch einmal aufstehen und sich den Wind der Hierarchie kräftig ins Gesicht blasen lassen? Das bemühen, was ausgerechnet ein deutscher Kanzler, Otto von Bismarck, einmal so treffend Zivilcourage genannt hat? Riskieren, sich zu exponieren in einer Herde gefügiger Schafe? Und vielen Gewohnheiten, die nichts bewirkt haben als die eigene Passivität, ein scharfes Adieu zuzurufen? Oder lieber nichts von dem? Weiter dumm in die Röhre glotzen oder eine schlechte Zeitung aufschlagen, und bei exklusivem Sencha Tee die dicke Zunge schnalzen lassen?   

Die Paralysierten
Mosaic of World Imperial Zones map labeled British, Spanish, Roman, Mongol, Russian, Ottoman, Persian, Qing, and other empires

Das Mosaik

So macht man das. Zuerst bezichtigt man ein Land, genauer gesagt dessen Staatsoberhaupt, krimineller Taten. Dann beginnt man, vermeintliche Zeugnisse der unterstellten Machenschaften zu vernichten. Dann, in einer Nacht- und Nebelaktion, überfällt man das Land militärisch und entführt den Präsidenten und holt ihn zu sich nach Hause, um ihn in Fußfesseln einem Richter der eigenen Justiz vorzuführen. Mit den in dem anderen Land nun in der Verantwortung Stehenden, die durch die Aktion eingeschüchtert sind, beginnt man Vereinbarungen zu treffen, die sich auf die Ausbeutung der in dem Land vorhandenen Rohstoffe beziehen und den günstigen Zugriff sichern. Gleichzeitig vereinbart mit einem anderen Land, in dem die Goldreserven des überfallenen Landes liegen, dass diese dem Finanzminister des eigenen Landes zur Verfügung gestellt werden, damit dieser dann „die Hilfen“ für das überfallene Land koordinieren kann.

Was sich anhört wie eine Revolvergeschichte eines unbegabten Autors, ist die im Lager der freien Welt kaum kommentierte, geschweige den kritisierte Räuberpistole einer um den Dominanz kämpfenden Weltmacht. Präsidentenkidnapping, Ressourcen- und Goldraub. Das Golddepot Venezuelas bei der Bank of England umfasst 3,1 Tonnen. Dass die so genannten Verbündeten, denen man, wenn man bei seriöser Berichterstattung bleiben möchte, die Bezeichnung als Komplizen geben muss, nicht nur schweigen, wie die teutonischen Weltstrategen, sondern auch noch aktive Hilfe leisten wie die immer bellizistisch außer Rand und Band geratenen Nachkommen des British Empire, dokumentiert einmal mehr den Charakter des Bündnisses. Es handelt sich um ein Syndikat. Und, unabhängig, was als Grund für die Anwendung von Gewalt auch genannt wird: Es geht immer um Ressourcen und Gold. Nie um Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Selbstbestimmung oder Humanität. 

Im globalen Rahmen vermitteln die zur Zeit virulenten Konflikte der USA oder ihrer Komplizen mit dem Rest der Welt den eigentlichen Sinn. Es geht um die Weltherrschaft. Und dabei geht es neben den genannten Ressourcen auch um geopolitisches Gut wie Handelswege und den Zugang zu maritimen Passagen. Nimmt man alleine das chinesische, multilaterale Projekt der neuen Seidenstraßen, dann wird deutlich, warum es in Weißrussland den Versuch eines Regime-Changes genau zu dem Zeitpunkt gab, als dort ein großer Umschlagbahnhof besagter Seidenstraße fertiggestellt war, warum man in Afghanistan einen Krieg geführt hat, warum seit langem der Iran auf dem Zettel einer militärischen Lösung steht, warum Russland filetiert werden soll, was expressis verbis immer wieder von den Agenten der EU laut und vernehmbar formuliert wird. Und letztendlich, warum die Nervosität in Sachen Taiwan so hoch ist, weil dort das Weltzentrum der Chipherstellung ist und es trotz aller andersartigen Berichte exzellente Wirtschaftsbeziehungen mit der Volksrepublik China gibt.

Gelingt es nicht, das Konzept der neuen Seidenstraße zu konterkarieren, gelingt es nicht, Russland zu einem willenlosen Ressourcenlieferanten zu degradieren und gelingt es nicht, das BRICS-Bündnis zu torpedieren, gelingt es nicht, die arabischen Staaten am Petro-Dollar zu halten, und gelingt es nicht, Resteuropa zu einem Militärstützpunkt zu degradieren, dann sind die Träume von der alleinigen Weltherrschaft ausgeträumt. 

Die Komplexität der Agenda zeigt, wie verzweifelt die Lage sein muss im transatlantischen Hauptquartier. Dass die Lage, so brisant und furchtbar sie auch ist, sich noch so im Rahmen hält, zumindest aus der Sicht der Bewohner westlicher Länder, liegt vor allem an der bis jetzt noch an den Tag gelegten Besonnenheit derer, die unisono als das Lager des Bösen bezeichnet werden. Einfach nur die verschiedenen Aktionen bilanzieren. Dann fügt sich das Mosaik zusammen. 

Das Mosaik
War, strange election, impatient crowds

Steht noch dahin!

Es klingt skurril, entspricht aber der bundesrepublikanischen Realität unserer Tage. Immer öfter werde ich Zeuge von Wetten, die sich auf unterschiedlich düstere Szenarien beziehen. Die einen sehen darin den Sieg der AFD bei den bevorstehenden Wahlen in Ostdeutschland. Sie prognostizieren in diesem Fall den direkten Weg in eine nazistische Diktatur und kündigen ihre sofortige Emigration an. Ihr Wettverhalten konzentriert sich auf die Bestätigung der eigenen Hypothese. Was, nebenbei bemerkt, eher psychosomatisch als politisch-soziologisch zu deuten ist. Andere wiederum glauben an eine Eskalation des Krieges mit Russland. Während die einen in diesem Fall auf den Einsatz von Nuklearwaffen seitens Russlands und damit auf das Ende Zentraleuropas setzen, sind andere von einem Sieg über Russland durch die NATO überzeugt und träumen von einem demokratischen und befriedeten Gesamteuropa. Manche wiederum spielen auch in diesen Fällen mit dem Gedanken an Emigration und haben zum Teil bereits Visa, Flugtickets und Bankkonten in Übersee parat.

Wer eher stoisch in dieser Gemengelage verweilt, weil er a) von den verschiedenen, von den monopolisierten Meinungsmaschinen täglich offerierten Szenarien unberührt bleibt und er oder sie nichts mehr von diesem Gebräu ernst nimmt oder weil b) schlicht und einfach die Mittel fehlen, um sich individuell von dannen zu schleichen, das ist der Plebs, die Bevölkerung, und, aus den Augen der Katastrophenfiguranten, die dieses Spiel im Sinne fremder Interessen spielen, der Mob.  Letzterer scheint, bei allen Ablenkungen, Verwerfungen, Nöten und Begrenztheiten dennoch die Größe zu sein, der man so etwas wie demokratische Resilienz zuschreiben kann. Ja, der von den Trägern und Profiteuren des bürgerlich-parlamentarischen Systems so verachtete Mob ist momentan der einzig übriggebliebene Akteur, der die anfangs genannten Szenarien ohne obszönes Wettverhalten beurteilen und vielleicht sogar verhindern kann.

Man möge eine Instanz nennen, der man diese Potenz noch zuschreiben kann! Die so genannte demokratisch-liberale Mitte, die mit ihrem Verhalten in den letzten Jahren den Verdruss bis auf die Spitze getrieben und mit jedem, aber auch wirklich jedem Akt der AFD Stimmen zugetrieben hat? Die einzelnen politischen Individuen im Rampenlicht, die sich durch realitätsferne Erzählungen, durch die Dokumentation ihrer grenzenlosen Unkenntnis einen Namen gemacht haben? Oder ein Kanzler, dessen Label von der ersten Stunde an der politische Betrug war? Die Koalition der selbst deklarierten Demokraten, die eine solche Figur erst ins Amt gehoben haben? Die Lobbyisten der Waffenindustrie, die in jeder Talk Show sitzen? Die Brüller von Parolen der ukrainischen faschistischen Bewegung? Die Propagandisten von Rassismus und Völkermord?  Die billigen Überläufer?  

Ja, betrachtet man das Konsortium, das seinerseits reklamiert, für das Gute zu stehen, dann wird tatsächlich deutlich, in welch prekärer Situation sich die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland befindet. Verursacht durch eigenes Personal, das sich den Weg in die angeblich demokratisch legitimierten Machtpositionen erschlichen hat und nun sein Unwesen im Auftrag von Institutionen und Interessengruppen treibt, die mit dem Standort Deutschland oder Zentraleuropa oder Europa insgesamt nichts am Hut haben.

Das Interessante bei dieser Betrachtung ist die Tatsache, dass die vermeintlich Unwissenden auf der Straße dieses Gewese sehr gut durchschauen. Allesamt und aus allen traditionellen politischen Lagern. Da gibt es keinen Dissens. Das ist ein gutes Zeichen. Ob es reichen wird, dass die negativen Szenarien nicht zur Realität werden? Das steht noch dahin! 

Steht noch dahin!