Archiv der Kategorie: food for thought

Decadent fat pigs in parliament limousines luxury trains

Animal Farm pur!

Manche Entwicklungen muten absurd an. Dennoch sind sie bei näherem Hinsehen völlig normal. Quasi so etwas wie der Lauf der Dinge. Worum es geht? Um die Vorstellung, wie etwas sehr Sinnvolles, aber dennoch Abstraktes gedeutet wird. Die Rede ist von der Demokratie. Momentan ist sie immer wieder Thema. Vor allem im Kontext ihrer Bedrohung. Ob die meisten Menschen, die glauben oder glaubten, in einer Demokratie zu leben, tatsächlich eine elaborierte Vorstellung davon haben, was Demokratie tatsächlich heißt, sei einmal dahin gestellt. Denn eines ist sicher: Dinge oder Zustände, die man selbst weder durch Leistung, Kampf oder Kreativität erworben hat und die einem quasi in den Schoß gefallen sind, werden, je länger man über sie verfügt, immer geringer in ihrem Wert geschätzt.

Aus dem Bauch heraus lässt sich Demokratie beschreiben als ein definierter Rechts- wie Pflichtzustand, als ein Mehrheitsprinzip mit festgelegten Vertretungsregeln. Wer Verfassungsmäßigkeit, Gewaltenteilung, das Mehrheitsprinzip und die Vertretungsmodalitäten negiert, vergeht sich bereits an diesem Gedanken einer bürgerlich-konstitutionellen Demokratie. Das sei betont, weil es sich dabei nicht um eine global geteilte Vorstellung von zeitgemäßer wie guter Regierungsführung handelt. Auch wenn die zeitgenössischen Kreuzfahrer dieses unentwegt behaupten und damit ihre Eroberungskriege zu legitimieren suchen.

Nun geistert das Gespenst seit einiger Zeit durch die größer werdenden Ritzen unserer Gesellschaft, dass die Demokratie bedroht sei. Das ist nicht von der Hand zu weisen, es handelt sich bei diesem Phänomen allerdings um eine chronische Schwäche. Sieht man sich die Effektivität und Legitimität staatlichen Handelns an, so blicken wir auf eine lange Geschichte der Demontage des demokratischen Gedankens zurück. Bei jeder Krise, bei jeder unvorhergesehenen Erscheinung, bei jedem fatalen Fehler politischen Handelns war die Reaktion immer dieselbe: Die Einschränkung demokratischer Rechte, die Reduktion staatlicher und kommunaler Leistungen bei gleichzeitiger Erhöhung von Steuer und Gebühr. Und, ebenfalls gleichzeitig, beim Verprassen kollektiv erwirtschafteter Mittel zugunsten von Menschen oder Gruppierungen, die mit der Vorstellung von Allgemeingut nichts gemein haben. Dass eine derartige Entwicklung Verdruss erzeugt, ist menschlich. So einfach lässt sich die Gemütslage erklären.

Dass nun diejenigen, die für diesen Prozess durch ihr eigenes Handeln maßgeblich verantwortlich sind, „unsere Demokratie“ in Gefahr sehen, wäre nichts anderes als eine provokante, ja dreiste Bemerkung, wenn man ihnen nicht den Trugschluss konzedieren müsste, dass sie das abstrakte Konstrukt einer Demokratie mit ihrer eigenen Vergütung, mit der ihnen zur Verfügung gestellten Infrastruktur, mit ihren Privilegien und mit ihrer Immunität und ihren eigenen Freiheiten verwechseln würden. Das ist natürlich dumm. Und es ist gefährlich. Weil sie glauben, wenn sie an sich denken, dächten sie gleichzeitig an die Demokratie.

Es ist zu raten, die Differenzierung zwischen den Privilegien von Mandatsträgern und der Demokratie sehr wohl zu unterscheiden. Und man könnte sogar der Formulierung folgen, dass von dem schönen Gedanken der Demokratie lediglich noch der Status derer übrig geblieben ist, die sukzessive alles unterminiert haben, was den Charme von allgemein gültigen Rechtszuständen, einem definierten Gemeinwohl und einem tatsächlichen Mehrheitsprinzip entspricht. Dann allerdings, und dieses dann ist gar nicht mehr hypothetisch, haben die Verhältnisse eine Qualität erreicht, die Revolutionen, welcher Couleur auch immer, nahezu folgerichtig auf die Tagesordnung rufen. Ein solcher Zustand ist Animal Farm pur!

Insistieren Sie immer, wenn von „unserer Demokratie“ die Rede ist, was genau damit gemeint ist! 

Animal Farm pur!
Person standing on rooftop overlooking futuristic city with neon symbols floating overhead

Holen Sie sich Ihr Urteil zurück!

In einer Welt der Verschwörungstheorien, die anfänglich von denen produziert wurden, die heute andere als deren Opfer bezichtigen, ist es ungemein schwer geworden, Wahrheit und Lüge voneinander zu unterscheiden. Das Manöver der gezielten Verwirrungsstiftung ist dermaßen weit gediehen, dass die Verwendung von Begriffen wie Lüge und Wahrheit bereits zu einer heiklen Angelegenheit gediehen ist. Wer mit ihnen operiert, ist sehr schnell im Lager besagter Verschwörungstheoretiker. Was, wenn man den Verstand behalten hat, ein Widerspruch in sich ist. Aber genau das ist das Wesen von Mystifikation, Propaganda und Manipulation.

Die auch in diesem Zusammenhang bereits schwer verdächtigen Formulierungen wie „man darf ja nicht mehr sagen“ drücken genau den Status der bereits geglückten Verwirrung aus. Sagen darf man alles. Und diejenigen, die den Aussagenden bereits schlecht beleumunden, weil er Worte wie Lüge oder Wahrheit benutzt, sind bereits überführt als Bestandteil der Verwirrungsstrategie. Mit dieser Kohorte sollte man sich allerdings nicht zu lange aufhalten. Erstens, weil ihre Vertreter entweder bewusste Agenten der Täuschung oder selbst hoffnungslos verstrahlte Opfer derselben sind.

Die wesentlich wichtigere Frage ist die nach der eigenen Orientierung. Und da empfiehlt es sich, auf die eigenen Erfahrungen zurückzugreifen, die geprägt sind von der Notwendigkeit, als Bestandteil eines sozialen Gefüges sich einerseits behaupten zu müssen und andererseits von gelungener Kooperation und einem prägenden Gemeinschaftssinn zu profitieren. Wie es ein heute nicht mehr oft gebräuchliches, aber aufgrund perverser Entwicklungen doch aktuelles Wort erklären würde, ist es kein Hexenwerk, für sich den richtigen Weg der Erkenntnis wie des Urteils zu finden. Auch wenn, und das selbst ist wiederum ein Indiz für die mystifikatorische Absicht, der Hinweis als zu profan und naiv weil die Komplexität ignorierender Rat ist. Machen sie sich nichts daraus. Getroffene Hunde bellen.

Stellen Sie sich einfach bei allem vor, womit sie konfrontiert werden, an Figuren, an Plänen, an Methoden, an Verhalten, was passieren würde, wenn es sich in ihrer Familie, in ihrem Freundeskreis, in ihrem Betrieb oder in ihrem Verein ereignen würde. Dann wissen sie alles. Welche Rolle würden die Figuren in ihrem vertrauten Ensemble spielen? Oder wären sie gar nicht dabei? Aufgrund welcher Eigenschaften oder Defizite?  Wie realistisch wären vergleichbare Pläne in ihrem Umfeld? Wie würde Ihr Kreis darauf reagieren? Wie vertretbar sind die Methoden in Ihrer Welt? Oder stießen diese auf massiven Widerstand? Und was wäre, wenn Sie sich verhielten wie die, die die großen Geschicke des Landes leiten sollen? In ihrer Familie, in ihrem Betrieb oder in ihrem Verein? Wie lange wären Sie wohl noch in einem dieser sozialen Verbände gern gesehen? 

Wie es so ist im Leben. Der Weg beginnt zumeist mit einer einfachen Idee. Sie geht einen sehr komplizierten Pfad, bis sie das Stadium erreicht, wo ihre Schlichtheit im unbestechlichen Licht der Sonne in ihrer Einfachheit offenbar wird. 

Fangen Sie ganz einfach an! Mit den Figuren! Wen würden Sie gerne adoptieren, aufnehmen oder einstellen? Wenn Sie die Übung hinter sich haben, wird bereits vieles klarer sein als vorher. Und lassen Sie sich nicht davon abbringen, mit dem Argument, in Wirklichkeit sei alles viel komplizierter. Wenn das Geprüfte nicht in Ihre einfache Wirklichkeit passt, wie sollte es sich dann eignen für eine viel kompliziertere Welt? Das ist plumpe Demagogie! Holen Sie sich Ihr Urteil zurück!

Holen Sie sich Ihr Urteil zurück!
Hare running through ruins and smoke in a war-damaged city street

Systemkrise: Wohin der Hase läuft!

Es fühlte sich an wie eine Endlosschleife. Der Worte waren viele geredet, die Taten blieben aus. Und weil wir uns an dieses Ritual der politischen Kommunikation so gewöhnt hatten, kam uns der Glaube abhanden, dass etwas, was aus dem Munde einer Kanzlerin oder eines Kanzlers oder den ihnen unterstellten Ministerien kam, tatsächlich auch wahr werden würde. Alle Versprechungen, die Verbesserung versprachen, entpuppten sich als Verschlechterungen. Ob im Bereich Bildung, bei der Infrastruktur, bei der Bahn, beim Gesundheitssystem, bei den Renten. 1000 unterschiedliche Manöver, aber keine Veränderung. Und das unabhängig von dem Profil der im Parlament vertretenen Parteien. Wer regierte propagierte und wer nicht in der Verantwortung war monierte. Ändern tat sich nichts.

Wir müssen darüber reden, dass wir es mit einem Ständestaat zu tun haben. Es existiert kein Recht für alle und es existiert keine Pflicht für alle gegenüber der Gemeinschaft. Allein bei Rente oder Gesundheit reichten zwei Maßnahmen, um alle Probleme zu lösen. Beteiligung aller bei gleichem Maß. Aber wer das in Angriff nähme, wäre schnell raus aus dem Spiel der von den Privilegierten veranstalteten Mystifikation. Deswegen machen alle mit. Das Motiv ist profan. In Bezug auf demokratische Redlichkeit ist es niederträchtig.

Zurück zur Erwartungshaltung. Wer unzählige Male erlebt hat, dass etwas angekündigt wird, ohne dass sich etwas ändert, glaubt irgendwann derartigen Verlautbarungen nicht mehr. Das Fatale dabei ist, dass alle Äußerungen, die in Bezug auf die sich neu rüttelnde Weltordnung gemacht werden, auch nicht geglaubt werden. Auch wenn die Zeichen, dass es ernst gemeint ist, immer deutlicher zu lesen und zu spüren sind.

Was in Bezug auf notwendige gesellschaftliche Reformen nicht zutrifft, stimmt haargenau hinsichtlich der Entscheidung, aktiv bei allen bestehenden und noch anstehenden Verteilungskriegen dabei sein zu wollen. Die Finanzierung der Ukraine war der erste Schritt, die Hinrichtung großer Zweige der eigenen Industrie zum Zwecke der Kriegswirtschaft der nächste. Die mentale Vorbereitung, indem die Erklärung für jede Malaise mit Feindbildern etabliert wurde der nächste, und die Parteinahme bei allen völkerrechtswidrigen Schlägen der USA und Israels waren nur noch folgerichtig.

Der Ständestaat wurde nie reformiert und die selben Kräfte, die sich an der wiederholten Täuschung der Bevölkerung wohl taten, propagieren nun offen den Krieg. Und die Argumente dafür sind genauso verlogen wie die rhetorischen Manöver bei den vielen Reformen, die immer nur eine Folge kannten: Erhöhung der Gebühren und Reduzierung der Leistung. Der Gewinn floss woanders hin, nicht in die Taschen derer, die die Kosten tatsächlich trugen. Und genauso geht es nun mit dem Krieg. Die bis dato nur finanziellen Kosten trägt die Bevölkerung mit der Einschränkung von Leistungen, die ihnen zustehen und höheren Abgaben. Beim nächsten Schritt wird es um Leib und Leben gehen. Und auch den bezahlen nicht die Propagandisten des Krieges.

So offen, wie zur Zeit, wurde das Unterfangen, auf Kosten ganzer Völker die Interessen verkommener Eliten zu bedienen, auch in diesem Land bisher nach 1945 noch nie formuliert. Und das parlamentarische Konsortium scheint diesen Frontalangriff auf Frieden und Volk mitzutragen oder vielleicht auch aufgrund restringierter Vorstellungskraft nicht zu realisieren. Dass, und das ist die gute Nachricht, eine solche Entwicklung zu einer massiven Krise des parlamentarischen Systems führt, ist das Ergebnis logischen Denkens und nicht die Folge der subversiven Kraft der AFD. Die schlechte Nachricht ist, dass aus dem Parlament kein Zeichen kommt, aus dem man schließen könnte, dass man begreift, wohin der Hase läuft.  

Systemkrise: Wohin der Hase läuft!