Archiv des Autors: Gerhard Mersmann

Alle Jahre wieder

Alle kennen den Zustand und alle wissen, dass er mehr mit Schein und Wahn als mit dem zu tun hat, was immer noch viele für die Wirklichkeit halten. Gemeint ist die Jahresendpanik. Andere nennen es Dezemberfieber oder die Vorweihnachtshysterie. Egal, welcher Name ausgewählt wird, zutreffen tun sie alle. Es handelt sich dabei um das Phänomen, noch alles erledigen zu wollen, was es zu erledigen gibt, auch wenn es faktisch und objektiv gar nicht mehr geht. Und dass es faktisch nicht mehr geht, wissen alle, weil der Zustand ein kollektiver ist.

Es weiß also jeder, dass es den anderen, den realen wie fiktiven Zeitgenossen, geht wie dem Rest auch. Sie sind genervt, sie sind überlastet, sie haben keine Reserven mehr und sie wollen nur noch ihre Ruhe haben. Und dennoch setzt der Prozess ein, den wir alle kennen und gleichzeitig beklagen. Ob da nun Kinder im Spiel sind oder nicht, unter dem Druck wird einerseits gelitten und andererseits wird er aufgebaut. Insofern, auch wenn das Ganze destruktiv ist und kein positives Auskommen hat, es ist wenigstens gerecht. Und wenn etwas als gerecht erscheint, dann wird es immer wieder hingenommen. Es handelt sich um einen schafsähnlichen Zustand. Ein Zustand, der allerdings allgemein akzeptiert wird.

Und da könnten die Widersprüche des aufgeklärten Publikums durchaus gelöst werden. Der ganze Stress, die Hektik und der Überdruck werden derweil abgefedert durch unsinnige Handlungen, die nicht weniger absurd sind wie der Trieb der gegenseitigen Überforderung. Jetzt laufen die Individuen los und suchen Erlösung in unsinnigen Kaufhandlungen, in denen sie den Erwerb und nicht den Nutzen in den Mittelpunkt stellen. Wenn schon keine Logik, dann aber richtig. Nun werden, um die verlorenen sozialprägenden Verhaltensweisen in Erinnerung zu rufen, Substitute für die soziale Bindung angeschafft, die darüber hinwegtäuschen, dass es kaum oder keine aufrichtigen sozialen Bindungen mehr gibt. Deshalb werden Geschenke herangeschafft, die nach dem Kaufakt direkt verschrottet werden könnten.

Die Kritik an beidem ist so alt wie die warenproduzierende Gesellschaft und das Abendland. Die Panik vor dem Jahresende ist dabei noch das kleinere Problem. Alle wissen, dass es noch eine Zukunft gibt und kein Auftrag so heiß wäre, als dass er nicht noch ins nächste Jahr geschoben werden könnte. Sollen die anderen Auftragsbücher voll sein, solange ich alles erledigt habe! Die Kritik an der praktischen Folgenlosigkeit der allgemeinen Klage wird so lange stumpf bleiben, wie sie mit demselben moralischen Brösel versucht das zu retten, was durch das falsche Leben nicht mehr zu retten ist. Das ist eine bittere Erkenntnis. Aber nur die Bitterkeit ist in der Lage, eine moralische Abkehr vom Falschen vorzubereiten.

Und nichts ist besser, ein neues Zeitalter zu begründen, als eine Überdosis Humor. Es genügen wenige Schritte zurück, um in die betrachtende Perspektive zu geraten und sich anzusehen, was in uns, um uns und um uns herum gerade geschieht, um nicht die komische Seite des Ganzen zu erkennen. Da rennen sie herum, die Individuen, ohne Kompass, und halten sich fuchtelnd gegenseitig ihre Ansprüche vor Augen, ohne einmal den Blick ruhen zu lassen auf dem, was tatsächlich Bedeutung hat. Und wir stellen fest, die Welt ist ein großes Narrenhaus. Und diese Erkenntnis ist vielleicht das schönste Geschenk, in dieser wirren Jahreszeit.

Das Pulverfass in der Nachbarschaft

Tolldreiste Diplomatie!

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Susan Sarandon ist eine tolle Schauspielerin – und politisch engagiert. Aber sie ist nicht eine der Hollywood-Ikonen, die ein Teil des Problems sind und sich für progressiv halten, nur weil sie Obama und Clinton unterstützen. Sie hat jetzt wieder die Trolls des Demokratischen Partei-Establishments auf sich gezogen, weil sie sagte: ‘I thought Hillary was very dangerous. If she’d won, we’d be at war’. Clinton ist für den Regimewechsel in Libyen verantwortlich, die Ergebnisse kennen wir. Sie brannte darauf, dasselbe in Syrien zu machen.

Aber Trump ist nicht besser. Trump ist anders. Er plant seine Kriege nicht strategisch wie Obama und Clinton, oder vielleicht Bush. Trump stolpert in seine Kriege einfach so hinein. Mit Nordkorea wäre es beinahe passiert. Aber im Nahost, es ist gefährlicher. Dort sind auch einige unberechenbare Führer, dort sind einige sehr rational kalkulierende Führer, die einen Krieg wollen, weil er ihren Interessen dient.

Trump will seine…

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Schlechte Nachrichten für alle Fußballfreunde

Schlechte Nachrichten für alle Fußballfreunde. Der Bann der russischen Olympioniken für die bevorstehenden Spiele ist nur der Auftakt für einen groß angelegten, und mit der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Sommer in Russland wuchtig einsetzenden Propagandakrieg. Ja, Sie haben richtig gehört. Der propagandistische Charakter der hiesigen Medien wird nie deutlicher als bei Sport-Events. Da wird, je nach politischer Interessenlage, genau das Bild eines Landes vermittelt, das dazu passt. Da werden schon einmal schlimme, korrupte oder die Menschenrechte verletzende Verhältnisse wegradiert und im anderen Fall wird jede staatliche Aktion in Zusammenhang mit Willkür und Diktatur gebracht. Lesen Sie sich die Journale vergangener Olympiaden oder Fußballweltmeisterschaften durch. Es ist ein trauriges Erlebnis, zu sehen, in welchen manipulativen, und abstoßenden Dimensionen da gearbeitet wird.

Sicher ist, dass die WM in Russland dazu genutzt werden wird, das negative Bild Russlands, das bereits gezeichnet ist, noch mit grellen Farben zu übermalen und somit an einem Feindbild zu arbeiten, das so langsam kriegstauglich ist. Wer weiß, was der Branche alles noch einfallen wird. Wahrscheinlich sind es tobende, barbarische russische Fans, die sich, wie bei der vergangenen Europameisterschaft in Frankreich, an den britischen Philatelisten vergreifen. Oder es werden vielleicht deutsche Fans vermisst werden, die im Sumpf der Prostitution zu Boden gegangen sind. Und natürlich werden Mannschaften durch Sabotageakte von Köchen außer Kraft und auf die Töpfe gesetzt werden oder Schiedsrichter bestochen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Darüber hinaus wird es Reportagen geben über das normale, einfache Leben in Russland, wo ganz sympathische Leute darüber berichten werden, wie der Staat ihnen das Leben zur Hölle macht und wie schön es wäre, Verhältnisse wie im Westen zu haben. Und es wird politische Skandale geben, die direkt enthüllt werden, wenn das Turnier in vollem Gange ist. Wie weit man bereit ist auf dem Propagandafeldzug zu gehen, hat sich im Vorfeld gezeigt, als man kurzerhand der langjährigen und populären Experten Mehmet Scholl vor die Tür setzte, weil er sich weigerte, sich an politischen Statements gegen Russland zu beteiligen. Seine Haltung war die eines unbestechlichen Journalisten. Da trifft dann wohl die Charakterisierung zu: verkehrte Welt.

Das tatsächlich Sportliche wird hinter dieser Propagandaschlacht verbleichen und zur unbedeutenden Note werden und schnell in Vergessenheit geraten. Wie gesagt, es sind schlechte Zeiten für Fußballfreunde. Nach dem Turnier 2014 mit Deutschland als Weltmeister setzten die hemmungslose Kapitalisierung und die damit einhergehende Monopolisierung des Sports ein. Für den Brasilianer Neymar zahlte Paris St. Germain den Preis eines Airbusses! Mit der WM in Russland wird die Instrumentalisierung des Sports zu Kriegszwecken geübt und dann folgt die WM in Katar. Da wird das Volk, aus dem der Fußball entstand, das Proletariat in den typischen Ländern dieses Sports, kurzerhand vom Turnier in der Wüste ausgeschlossen und wahrscheinlich ein Loblied gesungen auf die letzten Ausläufer der Sklavenhaltergesellschaft. Dann werden auch die Unverbesserlichen die Faxen dicke haben du sich von der Schmierenkomödie abwenden, die machtgeile Vereinsbosse, die korrupte FIFA und die bellizistische Presse aus ihr gemacht haben.

Hoffnung? Ja, Hoffnung besteht natürlich. Die Idee des Spiels wird weiterleben jenseits der sterilen Tempel verkommener Eliten. Auf Bolzplätzen, in Lagerhallen oder auf der Straße. Und der Spaß wird zurückkommen. Ganz ohne Glanz, dafür aber ehrlich.