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Tilted wooden chessboard with multiple chess pieces fallen and scattered on table

Keine erneuerbare Energien

Die Bühne wechselt, die Reden sind die gleichen. Beim Petersberger Dialog, bei dem es einmal wieder um das Klima gehen sollte, wurde zunächst wieder Pingpong gespielt.  Die einen warfen der Regierung vor, nicht genug zu tun und diese wies die Vorwürfe entschieden zurück. Bei der Diskussion darüber, welche Faktoren bei der Produktion von CO2 die entscheidenden seien, waren sich allerdings alle Seiten einig, die derzeit größten negativen Produzenten von besagten Ausstößen schlichtweg zu ignorieren. So, wie es bereits seit eh und je geschieht, wird in den Erhebungen ausgeklammert, was das Heer, die Marine sowie die Luftwaffe an Emissionen verursachen, genauso werden die gegenwärtigen Kriege in der Ukraine, im Gaza-Streifen und dem Libanon sowie die militärische Auseinandersetzung mit dem Iran, die die gesamte Golfregion erfasst, nicht erwähnt. Dass eine Regierung, die sich ausdrücklich immer wieder als halb-passive Kriegspartei profiliert, zu diesen Themen nichts sagt, ist schlüssig. Dass die vereinigte Presse dazu schweigt, ebenso. Dass allerdings die so gehypten Klimaschützer die Kriegsproduktion, ihrerseits eine fossile Orgie von Anfang bis Ende, und die heißen Kriege nicht anprangert, verweist sie in die faktische Belanglosigkeit. Was von ihr übrig bleibt, ist ziemlich leeres Gerede und eine gehörige Portion Misandrie.

Was quasi zeitgleich ein in nächster Zeit wohl nicht mehr als Verteidigungs-, sondern als Kriegsminister titulierter Sproß aus Osnabrück, dort, wo der Westfälische Frieden mit ausgehandelt wurde und ein römisches Heer einem Guerilla-Streich zum Opfer fiel, von einer Strategie faselte, die darin bestand, geplante Truppenstärken zu benennen, wundert ebenso wenig. Kein Wort von Verteidigung, kein Wort von Intervention, kein Wort von angestrebtem Zustand. Und, aber daran haben wir uns seit einiger Zeit gewöhnen müssen, kein einziges Wort von Frieden. Im Hintergrund dieser Sprechblase war weder etwas vom Westfälischen Frieden, noch von der Kunst des Krieges eines Sun Tzu oder den Überlegungen eines Clausewitz zu sehen. Eine von einem Sachbearbeiter des Militarismus abgelesene Presseerklärung ohne Substanz und Esprit. Dass das, was fehlte, nicht gesagt wurde, um – mutatis mutandis – Putin nichts zu verraten, zeigt den Charakter der gesamten politischen Formation: ein Horizont wie der von Eintagsfliegen.

Mal ganz nonchalant: In zwei Jahren wird es keinen Präsidenten Trump mehr geben und auch die Lebenszeit von Putin weist auf ein baldiges Ende der Amtsgeschäfte hin. Was, verehrtes Publikum, wird dann unternommen? Wie ist das Ensemble vorbereitet? Wie soll die Einbindung in eine sich verändernde Welt aussehen? Bleibt es exklusiv bei den Feindbildern? Existiert eine Vision von Wohlstand und Frieden? Oder fährt man nur auf Sicht, aber auf jeden Fall in Richtung Krieg? 

Nachdem man sich daran gewöhnt hat, Milliardenbeträge in das Land zu transferieren, das sich an Terrorakten gegen die eigene Infrastruktur beteiligt hat, und nachdem man unzählige Male hören musste, dass die strukturelle Krise der produzierenden Gewerbe nicht eingetreten wäre, wenn man über genügend erneuerbare Energien verfügt hätte, drängt sich die Frage auf, ob sich letzteres nicht als Metapher für den Zustand des Staates und seiner Lenker eignete: 

Verfügt die politische Klasse über genügend erneuerbare Energien? Um den Ständestaat abzuschaffen, um die Renten- und Krankenversicherungskassen abzusichern, um das Steuersystem radikal zu erneuern und zu vereinfachen, um die Infrastruktur zu modernisieren, um die Bildung zu stärken und zu ermächtigen, um die Kultur zu einem Raum der Freiheit zu machen, um das politische System zu reformieren? 

Keine erneuerbare Energien

Sun Tzu und die Außenpolitik

Vieles, was sich im Spektrum der westlichen, und dort besonders der deutschen Außenpolitik beobachten lässt, ist mit dem, was man allgemein als gesunden Menschenverstand zu bezeichnen pflegt, nicht zu erklären. Deshalb ist die Verwirrung groß. Nicht nur im eigenen Land, dort, wo letztendlich die entscheidende Auseinandersetzung geführt werden wird, nämlich auf der Straße, reichen die Erklärungen nur noch zu zynischen Bemerkungen. International ist es nicht anders. In den Ländern, in denen die Deutschen – noch – einen guten Ruf genießen, macht man sich ernsthaft Sorgen, bei denen, die von der erratischen Irrfahrt profitieren, lacht man hinter vorgehaltener Hand und dort, wo man sich im Fadenkreuz der neuen Kreuzritter befindet, zuckt man gelassen mit den Schultern. Wer die Geschichte kennt, weiß, wie derartige Ausflüge ins Sektierertum enden.

Es kursieren unterschiedliche Theorien, die sich an einer Erklärung dieser Außenpolitik abarbeiten. Die einen besagen, man hätte es mit einer Art 5. Kolonne zu tun, vom amerikanischen Hegemonen finanzierte Agenten, die die Interessen ihres Auftraggebers umzusetzen hätten. Betrachtet man die Biographien des handelnden Personals, so könnte man zu dem Ergebnis tatsächlich kommen. Andere wiederum führen aus, man hätte es mit einem Konsortium unterqualifizierter und eitler Karrieristen zu tun, die ohne große Agenda einfach nur das produzierten, was sie könnten, und das sei eben nicht viel. Auch dieser Deutungsversuch trifft sicherlich bei einigen Protagonisten zu.

Eine Theorie, die nicht so häufig bemüht wird, um das Desaster zu erklären, geht von einem tiefliegenden Inferioritätsgefühl aus, von dem nicht nur die handelnden Amtsträger, sondern die gesamte Bevölkerung erfasst sei. Die historische Schuld und das nach der Ära der Täterschaft logische Schlittern von einer in die nächste Abhängigkeit habe dazu geführt, dass das Handeln immer von zwei Gefühlspolen bestimmt werde, die beide kaum Raum für eine vernünftige Analyse der eigenen Lage und den logischen Schlussfolgerungen aus den eigenen Interessen ließe. Stattdessen dominierten, changierend, mal der Größenwahn und mal die Versagensangst. Aus diesem Gemenge, so diese Theorie, ließe sich das Vabanquespiel auf der einen und das Kuschen auf der anderen Seite ganz gut erklären. Bei der Begutachtung der handelnden Personen spricht auch einiges dafür.

Auffallend ist, dass alle Erklärungsansätze zu bestimmten Anteilen zutreffen. Das ist alles andere als ermutigend, weil die notwendige Konsequenz nur in einer radikalen Lösung bestehen kann. Kurz, mit dem vorhandenen Ensemble ist wahrlich nichts zu gewinnen. Ganz im Gegenteil, die Zeichen stehen auf Zerstörung und Selbstzerstörung.

Bei allem Bemühen, so sachlich wie möglich zu bleiben, sei eine Spitze dennoch erlaubt. Wie durch Zufall fiel mir „Die Kunst des Krieges“ des chinesischen Autors Sun Tzu wieder einmal in die Hände. Das wohl älteste Buch über Militärstrategien, das von allen chinesischen Amtsträgern, die aktuell als die neuen Feinde von unserem Fachpersonal auserkoren worden sind, nicht nur gelesen, sondern auch verstanden worden ist, liefert genügend Stoff und Anleitungen, um sich das Wirken der westlichen Regierungen noch einmal genauer anzusehen. Und es liefert sehr viele Perspektiven, wie einem derartig verirrten Vorgehen begegnet werden kann. Für uns heißt das:  Nicht aus feindlicher Absicht, wie als Unterstellung von den Räuberpistolen gleich geschossen werden wird. Nein, wir lesen jetzt Sun Tsu, um zu retten, was zu retten ist. Ist der Gegner ausgeruht und wohl proviantiert, ziehen wir uns in die Wälder zurück. Ist er erschöpft von langem Marsch und sucht die Ruhe, greifen wir an!