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Goldfischessen in Bitung

Es war ein letzter Höhepunkt einer langen, beschwerlichen Reise. In drei Wochen hatten wir mit dem Auto die Insel Sulawesi von der Hafenstadt Ujung Pandang, dem heutigen Makassar, bis nach Manado durchquert. Wir schrieben das Jahr 1998 und das ganze Land Indonesien war in großem Aufruhr. Im Mai war Präsident Suharto nach 32jähriger Herrschaft gestürzt worden und was als einziger großer Befreiungsschlag vernommen worden war, drohte in bestimmten Landesteilen zu kippen in Chaos und Zerstörung. Wir waren in offizieller Mission aus Jakarta, der Hauptstadt, angereist, waren ausgerüstet mit einem Surat Jalan, d.h. einer Bevollmächtigung der Regierung, Bürgermeister und Gouverneure zu besuchen und mit ihnen über Möglichkeiten zu sprechen, wie die neue Regierung das Land unterstützen könnte, um einen Prozess der Demokratisierung und Dezentralisierung in Gang zu setzen und zu begleiten.

Als wir nach drei Wochen die Hafenstadt Manado nach beschwerlicher Reise und insgesamt dreiundzwanzig offiziellen Treffen erreicht hatten, wollten wir uns einige Tage erholen. Doch unser Kommen war auch in der südlichsten Hafenstadt Bitung wahrgenommen worden und der dortige Bürgermeister hatte uns über den Gouverneur von Nord-Sulawesi gebeten, ihm einen Besuch abzustatten. Natürlich nahmen wir die Einladung an.

So fuhren wir noch einmal mit Hadschi, unserem verwegenen Fahrer, der seinen Namen trug, weil er stolz einen Besuch im heiligen Mekka nachweisen konnte und ansonsten auch ein Mensch war, der vieles erlebt hatte. Für die Republik Indonesien hatte er bis in die sechziger Jahre im damaligen Irian Jaya als Guerillero an einem langen, zermürbenden Buschkampf teilgenommen, aus dem die Republik als Sieger, viele ihrer Kämpfer jedoch als traumatisierte Opfer hervorgegangen waren.

Wie immer hatte Hadschi alles gerichtet und Asep, unser Dolmetscher und allgegenwärtiger Reisebegleiter alles bestens inszeniert. Die Reise war im Vergleich zu den hinter uns liegenden Wochen eine angenehme Tour ins Grüne. Nach einigen Stunden über befestigte Straßen waren wir schon in Bitung und fuhren vor dem Rathaus vor. Als wir, d.h. Gero von Harder und ich, in unseren dunkelblauen Anzügen ausstiegen, passierten wir gleich eine Traube von Seeleuten, die auf irgendeine Lizenz oder Erlaubnis warteten, die sie brauchten, um ihrem Gewerbe nachzugehen. Wir blickten in eine Gruppe rauer Gesellen, deren Gesichter von allerlei Abenteuern geprägt waren. Bitung war Indonesiens großer Hafen zum pazifischen Ozean und er diente sehr vielen Seeleuten als Ausgang zu einem regen Schmuggel mit den benachbarten Philippinnen. Die Seeleute begrüßten uns aber nicht unfreundlich und fragten uns sogleich, ob wir von der Bank Dunia, sprich Weltbank kämen und ob wir genügend Geld dabei hätten. Das war auf unserer Reise nicht das erste Mal, waren doch tatsächlich viele Emissäre der Weltbank im Land unterwegs, um gegen das Versprechen, eine bestimmte Politik zu befolgen, überall eine Menge Geld zu hinterlassen.

Als wir das verneinten und sagten, wir seien arme Teufel aus dem fernen Jerman, mussten sie lauthals lachen und klopften uns wohlwollend auf die Schultern. Ich muss gestehen, dass die Freundlichkeit, die diese wilde Horde an den Tag legte, wohl auch daran lag, dass meine Frau in unserer Begleitung war und ihre blonden Haare und ihr großer Wuchs überall in Indonesien für große Aufregung sorgte, gehört eine solche Erscheinung dort zu der Vorstellung aufregender Exotik.

Ähnlich erging es uns dann auch beim Eintritt in das beeindruckend große und luxuriös ausgestattete Büro des Bürgermeisters. Dieser hatte, wie wir erfuhren, in Europa und wohl auch in Deutschland studiert und er begrüßte meine Frau auch gleich mit einem donnernden „Ich liebe dich“, worauf er sich selbstzufrieden auf die Schenkel schlug und uns allen einen Platz anbot. Das Gespräch konnte nicht besser verlaufen. Der Bürgermeister war ein Vertreter der neuen Zeit in Indonesien. Wilde Geschichten über ihn hatten uns schon vorher erreicht und wir wussten, dass er dem alten Regime ein Dorn im Auge gewesen war, dieses ihn aber nie zu fassen bekommen hatte, weil er über eine sehr starke Position und ungeheure Verbindungen in die Pazifikregion verfügte und bei Bedarf auch in der Lage war, das Spiel der Macht mit allen Mitteln mitzuspielen. Ich dachte gleich an die Horde der wilden Gesellen unten im Rathaus und konnte mir gut vorstellen, welchen Part sie bei diesem Spiel gespielt hatten.

Schnell kamen wir überein, wie die Kooperationen mit der neuen Regierung aussehen konnten und wir vereinbarten einige Maßnahmen, um die ganze Sache noch zu beschleunigen. Wie es der Zufall wollte, war gerade eine große Versammlung im Haus, in der über die Umstrukturierungsprozesse der Zukunft beraten wurde und ehe wir uns versahen, saßen wir mit dem Bürgermeister in einem Saal vor mehr als zweihundert Vertretern der Verwaltung auf dem Podium und ich musste mit meinem noch sehr jungen Indonesisch eine kleine Rede halten, die mit regelrechtem Jubel aufgenommen wurde.

Danach verabschiedete sich der Bürgermeister von uns und wies uns eine Delegation zu, die sich um uns zu kümmern hatte, bis wir uns alle wieder zu einem kleinen Freundschaftsessen am frühen Nachmittag träfen, zu dem wir eingeladen wären. So fuhren wir in einem offiziellen Konvoi durch Bitung, besichtigten den Hafen, in dem wir wieder pittoreskes Volk und lausige Kähne bestaunen konnten, um danach noch in einen städtischen Zoo zu fahren, in dem es eine Menge Tiere zu besichtigen gab, die wir noch nie gesehen hatten. Neben allerlei Reptilien und fetten Schlangen waren dies vor allem Nachttiere, die es laut Auskunft des Zoodirektors nirgendwo sonst auf der Welt gab.

Nachdem wir uns alles angesehen hatten, was Bitung nach Meinung der Stadtoberen zu bieten hatte, verließen wir die Stadtgrenze und fuhren durch Reisfelder zu einem Restaurant. Es war wie immer heiß und sehr schwül und als wir an unserem Ziel ankamen und aus den klimatisierten Autos ausstiegen, hatten wir ein Gefühl, als schlüge uns jemand ein nasses, heißes Handtuch ins Gesicht.

Das Restaurant war offen unter einem Pendopo, d.i. ein traditionelles Zeltdach und man erreichte es über einen Steg, weil es auf einem Fischteich lag. Kein Wunder, es handelte sich um ein Fischrestaurant und der Name Ikan Mas verriet auch, dass es sich um Goldfische handelte, die hier serviert wurden und in großen Schwärmen in dem Teich zuhause waren. Goldfische gelten in Indonesien als besondere Delikatesse, sind auch, wie wir später feststellten, sehr schmackhaft, nur wesentlich größer als in deutschen Aquarien.

Unter dem Pendopo war ein großes Tischarrangement aufgebaut und es hatten sich bereits zahlreiche Gäste eingefunden. Wir bekamen unsere Plätze am Kopfende zugewiesen und wurden allen Gästen nacheinander vorgestellt. Es handelte sich um die Nomenklatura von Bitung und während wir einen Eindruck von der Bedeutung der hier versammelten Menschen bekamen, trafen immer noch neue Autos ein, bis zum Schluss der Bürgermeister mit seiner Frau erschien.

Sogleich wurden Tee und Fruchtsäfte sowie Krupuk, das sind indonesische Fischcracker, serviert. Der Bürgermeister war in bester Gastgeberlaune, die Versammelten waren insgesamt in guter Stimmung und wir fühlten uns wohl. Bevor das Essen aufgetragen wurde, gab der Bürgermeister den Kellnern ein Zeichen und er stand auf, blickte bedeutungsvoll in die Runde und begann eine Rede:

„Meine Damen und Herren Anwesende, liebe Gäste aus dem fernen Deutschland,
ich freue mich sehr und bin sehr geehrt, Sie alle hier zu einem bescheidenen Mahl bewirten zu dürfen und ich bin glücklich darüber, dass unsere Freunde aus dem uns traditionell gut gesinnten Deutschland den weiten Weg nach Bitung zurückgelegt haben, um mit uns über weitere Formen der Kooperation zu beraten. Schon heute blicken wir auf Jahre außerordentlicher gemeinsamer Arbeit zurück und ich bin mir sicher, dass unsere gemeinsame Zukunft weiterhin von großen Erfolgen gesäumt werden wird.

Momentan befindet sich unser Land an einem entscheidenden Wendepunkt. Jenes große, weitläufige, ethnisch und kulturell so vielfältiges Gebilde, dass sich Indonesien nennt und vor etwas mehr als fünfzig Jahren nicht mehr gemeinsam hatte als eine dreihundertjährige Kolonialgeschichte, hat bereits einen langen Weg hinter sich. Wir haben uns erhoben gegen die niederländische Vorherrschaft und durch das Zusammenwirken unserer verschiedenen Völker von Nordsumatra bis Irian Jaya trugen den Sieg davon. Die Republik Indonesien entstand unter großen Geburtswehen, aber wir haben in den wenigen Jahrzehnten viel erreicht. Wir haben eine Nationalsprache, die jeder Mensch beherrscht, wir haben ein allgemeines Schulwesen, wir haben eine Verfassung, die die Vielfalt der Nation garantiert und die die Einheit dennoch gewährleistet.

Dennoch erfuhr unsere junge Geschichte herbe Rückschläge und wir machten bittere Erfahrungen. Nachdem die Regierung unseres Staatsgründers Soekarno an der Zerreißprobe der weltpolitischen Interessen gescheitert war, putschten Generäle mit Unterstützung der USA und Indonesien erlebte nach der Machtübernahme durch den vor wenigen Wochen gestürzten Präsidenten Suharto das schlimmste, was eine Nation erleiden kann!

Bis in jede einzelne Familie herrschte Uneinigkeit und über zwei Millionen Menschen wurden das Opfer von Betrug und Verrat. Seit diesen Ereignissen, die nun über dreißig Jahre zurückliegen, haben wir zwar eine Periode relativer Ruhe erlebt, aber das Trauma ist noch allgegenwärtig und das Land degenerierte Schritt für Schritt hin zu einem korrupten Staat, der nicht mehr das Wohl der Menschen im Blick hat.

Diese Menschen haben sich nun gewehrt. Sie haben den grausamen alten Mann in seine Privatgemächer getrieben und wollen ihr geliebtes Vaterland wieder nach vorne bringen. Ich bin viel in der Welt herumgekommen und ich habe immer wieder mit Freude bei meiner Rückkehr nach Indonesien festgestellt, wie patriotisch die Menschen hier sind. Sie lieben ihr Indonesien wie nichts auf der Welt und sie geben ohne zu zögern ihr letztes Hemd, um ihrem Land zu dienen.

Das ist eine große Verpflichtung für uns alle, die Gott der Allmächtige mit dem Privileg von Macht und Einfluss ausgestattet hat. Jetzt, liebe Gäste, jetzt ist die Stunde, wo wir beweisen müssen, ob wir es wert sind, in unserem Land eine Rolle zu spielen. Wenn wir jetzt nicht handeln und unseren Landsleuten bei dem Neuaufbau den Rücken stärken, dann haben wir kläglich versagt.

Wir haben hier in Bitung viele Pläne, die sich nur dann werden erfüllen können, wenn unser Land mit der Demokratisierung voran schreitet und wir werden alles tun, damit unsere Pläne umgesetzt werden können. Es ist schön und wichtig, Freunde in der Welt zu haben, denen unser Schicksal nicht gleichgültig ist. Es ist uns eine große Ehre, Sie hier heute zu einem bescheidenen Mahl einladen zu können und wir hoffen auf viele Jahre gemeinsamen Weges. Meine Damen und Herren, heute gibt es Goldfisch, der nicht nur Reichtum, sondern auch Glück symbolisiert. Greifen Sie zu und verschmähen Sie nicht das Glück!“

Die ganze Gesellschaft applaudierte ausgelassen, auch wenn einige mit maskenhaften Gesichtern. Es waren wohl diejenigen, denen das, was der Bürgermeister gesprochen hatte, gar nicht schmeckte. Der kluge Mann hatte unseren Besuch dazu genutzt, die Elite seiner Stadt auf den neuen Kurs einzuschwören und eine solche Konstellation, wie sie nun hier auf dem Goldfischteich anzutreffen war, duldete keinen Widerspruch.

Gero von Harder sah mich auffordernd an und ich wusste, was zu tun war. Also stand ich auf und begann meine kurze Replik:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr verehrte hohe Gesellschaft von Bitung,
im Namen unserer Delegation möchte ich mich für die herzliche und warme Aufnahme im schönen Bitung bedanken. Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft, wie man sie wohl auch nur in Indonesien antreffen kann. Wir sind gekommen, um zu fragen, wie wir Sie bei Ihren gewaltigen und anspruchsvollen Vorhaben mit unseren bescheidenen Mitteln unterstützen können. Und wie immer, wenn wir mit diesem Ansinnen in Ihrem Land erscheinen, kommen wir nicht ganz ohne Hintergedanken.

Wir sind aus dem kalten Norden dieser Welt, in der man zählt, kalkuliert, misst und dosiert. Hier, in Ihrem Land, hier sind jedoch die Großmeister der Kommunikation und der Verhandlungsführung und die Sultane der sozialen Kompetenz. Wir sind also auch gekommen, um von Ihnen zu lernen. Bei allen Erfahrungen, die wir bis heute machen durften, haben wir sehen können, wie wunderbar die Symbiose unserer Kooperation sein kann.

Wir wünschen Ihnen, Herr Bürgermeister, dass Sie Ihren Mut, Ihre Energie und Ihre Entschlossenheit noch lange behalten und dass Sie mit Ihrer weit über die Grenzen Bitungs gerühmten Weisheit noch sehr zum Wohle Ihrer Stadt wirken können. Allen Anwesenden sprechen wir unseren Dank aus, uns in dieser Freundschaft aufgenommen zu haben und ich versichere Ihnen, wir werden das Glück, das auf den Tellern auf uns wartet mit großem Appetit verspeisen!“

Ausgelassener Beifall und Gelächter signalisierten mir, die richtigen Worte gefunden zu haben. In diesem Moment wurde dann auch schon aufgetragen und wunderbar drapierte Goldfische, die bereits filetiert und wie Blumengestecke auf dem Teller hochgebunden waren, standen vor uns. Dazu gab es natürlich Reis und eine süße Sojasauce, die kräftig mit Chili angereichert worden war. Ich genoss den Goldfisch in vollen Zügen, meine Frau simulierte vornehm und Gero pickte nur etwas auf dem Teller herum. Die indonesischen Gastgeber ließen nichts aus und es wurde regelrecht in dem fischigen Glück geschwelgt.

Durch meinen mir eigenen Appetit und die Tatsache, dass es mir wirklich ausgezeichnet schmeckte, war ich bald everybodies Darling und die Ehefrau eines Bitungprominenten, die mit einer atemberaubenden Eleganz ihren Goldfisch zum Mund manövrierte, flüsterte mir zu, ich brächte nicht nur das Glück nach Bitung, ich sei das Glück.

Als die Goldfische verspeist waren, kamen die Kellner und warfen die Essensreste einfach über das Geländer zurück in den Goldfischteich, was dort zu wüsten Kämpfen um die Gebeine ihrer ehemaligen Kameraden führte und meine deutschen Begleiter dann doch etwas erbleichen ließ. Wie üblich in Indonesien löste sich die Gesellschaft nach dem Essen in aller Eile auf und kurz darauf saßen wir wieder im Auto und fuhren zurück nach Manado. Als wir dort in schwarzer Nacht ankamen, dachte ich immer noch an den Bürgermeister und nahm mir vor, Bitung im Auge zu behalten. Ich war mir sicher, von dort noch vieles hören zu können, was von Belang war.

Eine Nacht in Baltimore

Es ist selten, dass ein kurzer Aufenthalt so aufwühlt und derartig viele Gedanken in Szene setzt. Mir ging es so mit Baltimore. Die viel und meist elegisch besungene ehemalige Metropole Baltimore hat mich sehr beeindruckt. 1984 kamen wir zu viert von einer Reise entlang der amerikanischen Ostküste aus dem Süden Richtung New York mit unserem Oldsmobile gegen Abend in dieser Hafenstadt an. Wie viele amerikanische Großstädte glänzte eine imposante Skyline in der Abendsonne. Und obwohl vieles auf den ersten Blick vom Einzug auch dieser Stadt in die Moderne zeugte, deutete einiges auf etwas hin, das in der Vergangenheit liegt. In Europa verbindet man so etwas nicht selten mit der Formulierung von morbidem Charme, Baltimore verströmte jedoch keinen Charme, sondern das Gefühl von Trauer.

Der einstmals größte Hafen der Welt hatte seinen Zenit mit dem Ende des Sklavenhandels überschritten und der Weg der Stadt führte steil nach unten. Wellen der Industrialisierung hatten nie mehr das zurück gebracht, was wirtschaftliche Prosperität in Boom- und Pionierzeiten zu verströmen vermag. Der Hafen zeigte alles sehr deutlich. Nichts vermittelte den Eindruck der Gegenwart, sondern alles, was an Hafenarchitektur die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich zog, deutete auf die Vergangenheit, den gefühlten und tatsächlich vorhandenen Reichtum, die Macht, die Unbesiegbarkeit, die die florierenden Häfen dem Meer entgegensetzen und die geglaubte Unendlichkeit des Wachstums.

Dort eine Kaimauer, da ein Leuchtturm, alte Pontons, an denen einstmals die ausladende Restaurants des Südens ihre reichhaltigen Speisen einem üppigen Publikum kredenzten, Möwen, die besonders traurig in den Abendhimmel schrien, Lagerhallen, in denen nichts mehr deponiert wurde, Kräne, die nichts mehr hoben und Menschen, die auf öligen Tonnen saßen, rauchten, an Dosenbier nippten und mit trüben Augen aufs Meer blickten. Selbst der Containerhafen, der das maritime Entree zur Neuzeit sein sollte, warf einen langen Schatten, die Container glichen angerosteten Fischkonserven, dessen Haltbarkeitsdatum keinen guten Inhalt mehr zu garantieren vermochte.

Wie es so ist nach langen Reisen, paart sich in einer derartigen Abendstunde die Müdigkeit mit einer großen Bereitwilligkeit zur Melancholie. Dementsprechend war unsere Stimmung, als wir uns auf die Suche nach einer Bleibe machten. Hinzu kam, dass es ein Samstagabend war und alle Anlagen nicht bewirtschaftet wurden. Da wir etwas vom alten Baltimore sehen wollten, mieden wir die trügerisch glitzernde Innenstadt und suchten an deren Saum nach einem kleinen Hotel, von dem aus wir noch etwas Essen gehen konnten.

In den Außenbezirken war der Süden zuhause, alte Villen, von der Seeluft angefressen, winkten mit einem wissenden Lächeln ob der frivolen Geheimnisse, die sie bargen. Eine mehr und mehr um sich greifende Tristesse, gepaart mit einer bis ins Unerträgliche gehenden Schwüle machten die Suche nicht einfacher. Dennoch fanden wir nach nicht allzu langer Zeit ein ganz nettes Hotel, für das wir uns dann auch entschieden.

Bei dem Eigentümer handelte es sich um einen ehemaligen Soldaten der US Army, der einige Jahre in Frankfurt am Main stationiert gewesen war und der uns gleich nach dem Einsammeln unserer Pässe signalisierte, das sei eine grandiose Zeit gewesen, dort in Good Old Germany, was sie freilich alle sagen, denn irgendwie muss man seinem Leben schließlich einen Sinn geben. Durch die von ihm hergestellte Intimität zu den German Fellows herrschte gleich eine familiäre Atmosphäre. Nachdem wir die Zimmer inspiziert und festgestellt hatten, dass diese mit unsrem ersten Eindruck Baltimores korrespondierten, die Betten muffelten ein wenig, man versank in ihnen wie in einer unbewältigten Vergangenheit, das Licht funktionierte selten und der Kühlschrank war kaputt, gab er uns noch einen nicht abzuschlagenden Tipp hinsichtlich eines Speiselokals, das geradezu prädestiniert war für ein großes Essen an einem Samstagabend.

Wir mussten nicht weit fahren und erreichten ein herrschaftliches Haus, gänzlich aus Holz, mit großen Balkons und Ziertürmen, altem Baumbestand vor dem Eingang und einer roten Leuchtreklame, auf der das Gastmahl des Südens angepriesen wurde. Als wir das Etablissement betraten, versanken wir in roten Plüschteppichen und wurden von einem livrierten Kellner in einen Speiseraum geführt, dessen Inszenierung selbst den professionellsten Filmdesignern einiges abverlangt hätte.
Große runde Tische mit schweren, bestickten Decken, auf denen Kerzenlüster standen, ausladende Kronleuchter an den Decken, natürlich rote Stofftapeten mit Goldornamenten an den Wänden, verschnörkelte Spiegel und voluminösen Obstschalen auf den Beistelltischen.

Das Publikum war ein auf einen feierlichen Samstagabend eingestelltes, die Herren trugen Anzüge in Südstaatenschnitt und glänzende schwarze Lackschuhe und die Damen glänzen in einer Garderobe aus vergangener Zeit. Sie trugen rüschige Kleider aus bunten Stoffen, gestärkte weiße Blusen, Perlschmuck in allen Variationen und hier und da funkelte ein dezent getragener Diamant. Es herrschte eine vornehme Ausgelassenheit, man war wer, zeigte es, blieb aber dennoch ganz bescheiden, mit einem Schuss quirligem Bürgerhumor. Es fiel auf, dass die meisten dieser Upperclassvertreter afroamerikanischer Herkunft waren. Das war der Süden nach dem Bürgerkrieg, die Nachkommen derer, die in Baltimores Hafen als Arbeitssklaven auf knarrenden, nach Blut und Urin riechenden Kähnen aus dem fernen Afrika hier einst angeliefert worden waren.

Der mit einer leicht abgeschabten Eleganz auftretende Kellner brachte uns die Speisekarte und machte sich gleich daran, uns den frischen Shellfisch und einige Überraschungen aus der würzigen Küche des alten Südens zu empfehlen, wie er mit einem verschmitzten und zugleich stolzen Lächeln einwarf. Wir waren mit allem einverstanden, wollten wir doch wissen, wie es sich die avancierte Klasse Baltimores an einem Samstagabend ergehen ließ. Es dauerte nicht lange und große Karaffen eisgekühlten Wassers und Weißwein wurden gebracht, als Aperitif gab es aber zunächst einmal einen schweren Port, der uns gleich deine große Behaglichkeit bescherte. Nachdem wir diesen genossen hatten, erschien der Kellner abermals und tischte mit einem Kollegen auf, dass sich die Platte bog.

Vor unseren Augen türmten sich sogenannte Alaska Craps, King Prawns und gedünsteter Catfisch. Dazu gab es Dips, die von der Schwere selbst gemachter Mayonnaise getragen wurden. Hinzu kamen Crispy Chicken Wings, die mit Honig und Chili mariniert worden waren und einen leichten Dunst von frischem Knoblauch vor sich her trugen. Eskortiert wurde das Ganze von körnigem Reis, Mashed Potatoes und mit viel Zwiebeln gedünstetem Gemüse.

Da wir gut im Rhythmus mit den Speisen der anderen Gäste lagen, waren wir bald mit eingetaucht in eine Atmosphäre von Wohlgenuss und angeregter Unterhaltung, hier und da ergab sich ein Wortwechsel mit den Nebentischen und so allmählich hatten wir den Eindruck, auf einer großen Familienfeier zu sein. Durch einen gewaltigen Knall wurden wir auf ein Gewitter aufmerksam und wir sahen aus dem Fenster gewaltige Regenmassen auf die im roten Neonlicht parkenden Limousinen niederprasseln. Ein weiterer Blitzeinschlag sorgte dafür, dass es plötzlich im Speiseraum stockfinster war. Die jüngeren Mädchen begannen aufgeregt zu schreien, während die Erwachsenen laut und lustig rufend dazu rieten, die Köstlichkeiten nicht vom Tisch fliehen und sich nicht beirren zu lassen. Wir befolgten den Rat und genossen die Abwechslung. Und so schnell wie das gewaltige Gewitter gekommen war, verschwand es auch wieder und es ward wieder Licht in unserem kulinarischen Tempel. Es war einfach köstlich und so langsam machte sich die Stimmung breit, die sich anmeldet, wenn alle kritischen Gedanken für einen kurzen Augenblick aus dem Leben weichen und das Jetzt und Hier so strahlt, dass nichts anderes mehr den Blick zu trüben vermag.

Nach dem Essen wurden Whiskey und Zigarren gereicht und die Fenster geöffnet, sodass ein kühles Lüftchen in den Raum eindrang und die Speisegerüche endgültig vertrieb. Das Kunststück, das nur der Genuss einer guten Zigarre nach einem formidablen Essen zu verbringen vermag, nämlich die auftauchenden Gedanken in angenehme, sich verflüchtigende Träume zu verwandeln, wurde vollbracht und es mischten sich die sinnlichen Eindrücke mit den Beobachtungen des späten Nachmittags.

Es drängten sich Bilder auf, die dieses Haus in eines jener Bordelle verwandelten, von denen es vor dem II. Weltkrieg in dieser Stadt noch hunderte, wenn nicht tausende gab und in denen junge Mädchen wie Billy Holiday ihre Kindheit verbrachten. Zwischen der ständigen Kluft sinnlicher Üppigkeit und bitterer Armut und vor dem Hintergrund einer generationenübergreifenden Sklavengeschichte entstanden die Gefühle, die von Blue Notes getragen den ganzen Erdball erobern sollten. Eine Trauer, die niemals mit dem endgültigen Besiegt- und Bezwungensein zu verwechseln ist, hatte in Städten wie Baltimore ihren Rhythmus gefunden und die Gefühlswelten anderer Breitengrade hypnotisierend in ihren Bann gezogen. Der Alltag in seiner Schönheit und seinem Elend war zu einer musikalischen Poesie emporgestiegen, die es verstand, auf unterschiedlichen Ebenen ihre Botschaften zu versenden. Aus allem sprachen die Lust und die Liebe, und aus allem sprach das Wissen um die Vergänglichkeit. Diese Botschaften bedurften keiner geographischen Zuordnung, doch trotzdem wurden sie wie von selbst auch immer wieder mit dem Namen Baltimore in Verbindung gebracht.

Ich fragte mich, ob es ein Wunder sei, dass zum Beispiel Billy Holiday, die wohl sinnlichste, traurigste und genialste Sängerin, die der Jazz jemals hervorgebracht hat, ausgerechnet aus Baltimore war. Und warum kamen in Europa die Beatles ausgerechnet aus Liverpool, dem europäischen Pendant zu Baltimore. Beide Häfen waren zu einer bestimmten Zeit die größten der Welt und beide waren über den Sklavenhandel zu dieser skurilen Blüte gelangt. Beide hatten das gleiche Schicksal erlitten, waren mit dem Ende des Sklavenhandels in den Verfall gestürzt, beide hatten versucht sich an die Industrialisierung zu klammern und beide waren gescheitert.

Das große Glück Baltimores war sein Untergang. Mit der Sklavenbefreiung war die Geldakkumulation schnell aufgebraucht und es dauerte mehr als ein Jahrhundert, um auf den moralischen und materiellen Trümmern eine Zivilgesellschaft aufzubauen, die in starkem Maße von den Nachkommen derer getragen wurde, die für die einstige Blüte und mit ihrer Befreiung für den Verfall – wollend oder nicht – verantwortlich waren. Und sie machten aus dieser Stadt ein lebenswertes Gebilde, das dennoch geprägt war um das Wissen seiner unrühmlichen Geschichte. Meine Nachbarn an den Nebentischen strahlten das aus. Sie hatten den Bürgerstolz derer, die es geschafft haben, aber ihre Blicke gaben zu verstehen, dass sie wussten, vor welchem Leid sich ihre eigene Biographie abgespielt hatte. Sie verkörperten eine Kraft, die tief beeindruckte.

Während wir das Nachwirken des köstlichen Mahls bei angeregter Unterhaltung genossen, setzte sich einer der anwesenden Herren an ein im Raum stehendes Klavier und spielte Weisen, die uns die ganze Geschichte dieses Ortes erzählten. Das war seine Botschaft an die Fremden, und er drehte sich beim Spielen immer wieder zu uns um und zischte uns freundlich immer wieder ein „Listen! Listen“ zu. Und als wäre es bestellt, endete er seine Einlagen mit einer sehr swingenden, virtuosen Version von Randy Newmans Elegie auf Baltimore, wo es so schwer ist, ganz einfach nur zu leben. Wir waren bewegt und fühlten uns geehrt.

Nachdem wir gezahlt und uns verabschiedet hatten, traten wir in die nächtliche Schwüle, die trotz Gewitter wieder dominierte und fuhren durch die nasse Nacht zurück zu unserem Hotel. Es wurde noch turbulent bis zum frühen Morgen, heftige Gewitter, begleitet von ungeheuren Donnerschlägen und wilden Blitzen rissen uns immer wieder aus dem Schlaf. Als wir morgens schließlich aufstanden, hatte die Sonne wieder die Herrschaft übernommen und der Schein hatte die nächtliche Wildheit wieder zugedeckt. Man verlässt Baltimore nicht, ohne ein tiefes Gefühl und unzählige, beunruhigende Gedanken. So ging es auch mir.

Der Grenzbeamte von Del Rio

Hunderte Meilen, große Städte wie Dallas, Austin und San Antonio lagen bereits hinter uns und nun ging es nach Bracketville. Dort hatte Andrea Ende der Achtziger für ein Jahr als Lehrerin gearbeitet und nach fünfzehn Jahren wollte sie wieder einmal ihre Schule in Bracketville und die ehemaligen Kollegen besuchen. Damals war sie im Rahmen einer Art Unterstützungsprogramms der Bundesregierung für die marode Volksbildung entlang des Rio Grande dorthin verschlagen worden, hatte tatsächlich die wildesten Geschichten erlebt, von doppelköpfigen Schlangen und Eifersuchtsschießereien in Klassenzimmern bis hin zu Lebensbedingungen, die euphemistisch als Abenteuer pur zu beschreiben waren.

Doch wir schrieben nun das Jahr 2004 und konnten Zeugen einer atemberaubenden Entwicklung werden. Die großen Städte hatten uns bereits beeindruckt, zeugten sie doch von großer Modernität, einer spürbaren positiven Sozialdynamik und verrieten sie kaum noch etwas von den desolaten Zuständen, die aus den damaligen Beschreibungen Andreas, die übrigens sehr erfolgreich in der Frankfurter Rundschau gedruckt worden waren, noch aus den Filmen um Drogenkartelle und abgedrehte Desperados, die ein Szenario staubigen Schurkentums, abrissreifer Häuser und nicht funktionierender Wasserleitungen schufen.

Als wir im wirklich fernab gelegenen Bracketville ankamen, nahmen wir zunächst ein Zimmer in einem alten Militärfort, das zum Hotel umfunktioniert worden war und fuhren danach zur Schule. Obwohl bereits sechs Uhr abends, waren alle Lehrer noch anwesend und die ehemalige Kollegin wurde mit einem großen Hallo empfangen. Die Schule machte einen hervorragenden Eindruck, sowohl baulich, von der technischen Ausstattung her und besonders was die pädagogische Arbeit mit den Kindern anbetraf. Andrea war außer sich, denn sie konnte kaum glauben, was sie sah und sich in den letzten fünfzehn Jahren alles zum Guten verändert hatte.

Die Lehrer erzählten, dass ein großer Ruck durch Bracketville und die ganze Region gegangen sei und immer größeres bürgerschaftliches Engagement dazu beigetragen habe, die Bildungssituation so positiv zu verändern. Ansässige Unternehmen belieferten Schulen mit technischem Equipment, schrieben Preise aus, viele Bürger übernähmen Patenschaften für schwierige Schülerinnen und Schüler oder vergäben Stipendien. Es ei wie ein Wunder, aber die ganze Region profitiere von einem großen Umdenken der Gesellschaft in Bezug auf die Bildung. Auch die Regierung habe umgedacht, die nicht mehr zu haltende Position, man befinde sich in den USA und es gäbe nur eine Unterrichtssprache, und die sei Englisch, sei fallen gelassen worden. Man setze auf Bilingualität und habe sogar hispanische Gymnasien erlaubt, was zur Herausbildung eines hispano-amerikanischen Mittelstands geführt habe, der sich als Turbo für die wirtschaftliche Entwicklung und die positiven Wirkungen der North American Free Trade Association auf amerikanischer wie mexikanischer Seite geführt hätte.

Tief beeindruckt verabschiedeten wir uns aus der Schule und Andrea verabredete sich mit einigen Lehrern für den folgenden Tag. Wir fuhren zurück zum Fort, wo auch ein Restaurant war und genossen nach einem Gewitter einen halbwegs kühlen Abend am Rande der Wüste.

Am nächsten Tag ging Andrea ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nach, während wir anderen uns die Zeit mit Lesen und Schwimmen vertrieben. Für den Abend hatten wir geplant, im nahe gelegenen Del Rio über die Grenze nach Mexico zu gehen und dort den Grenzort anzusehen.

Am späten Nachmittag kam Andrea zurück und es war bereits dunkel, als wir uns auf den Weg nach Del Rio machten. Wir waren ungefähr eine halbe Stunde unterwegs und hatten bereits einige Schlangen überfahren, als wir die roten Lichter einer Patrouille der Border Control sahen. Solche Kontrollen gehörten zur Tagesordnung, entlang des Rio Grande sind die Quoten der illegalen Einwanderer besonders hoch und der Versuch der Regierung, durch rigorose Kontrollen dem Einhalt zu bieten, sind zwar erfolglos, sie gehören aber wohl zur Aufrechterhaltung der Illusion der eigenen Handlungsfähigkeit.

Natürlich wurden wir angehalten, wie immer blieben die Hände schön auf dem Lenkrad, während die anderen sehr langsam und sichtbar die Pässe Richtung Fahrerfenster reichten. Wir lösten mit unseren deutschen Pässen immer etwas Ratlosigkeit aus, weil die meisten Beamten mit diesen roten Dingern aus dem wer weiß wo liegenden Germany nicht viel anfangen konnten. Doch dieses Mal hatten wir etwas Glück, weil der uns kontaktierende Officer uns gleich als Guys aus Good Old Germany identifizierte und uns erzählte, er sei für zwei Jahre in Idar-Oberstein stationiert und es sei eine tolle Zeit gewesen. Als ich ihn fragte, ob er denn Diamanten gefunden und mitgenommen hätte, lachte er laut auf und gab uns ohne großes Brimborium die Pässe zurück, ohne nicht zu vergessen uns zu ermahnen, drüben in Mexico auf uns aufzupassen.

Da wir einen Leihwagen hatten, war es geraten, den auf der amerikanischen Seite zu lassen. Als wir die Grenze anfuhren, stellten wir das Gefährt auf einem Parkplatz ab und suchten ein Taxi, was nicht ganz so einfach war. Schließlich fanden wir eine ziemlich klapperige mexikanische Kiste und verhandelten mit dem Fahrer über den Preis. Er war horrend, aber was sollten wir machen. Also zwangen wir uns hinein und kamen uns vor wir in einem fahrenden Christbaum. Es funkelte hier und da, mal rot, mal blau, mal grün, ein überdimensionaler heiliger Christopherus baumelte von dem zerschlagenen Rückspiegel herunter, auf dem Armaturenbrett standen gleich mehrere blinkende Madonnen, die eine von Guadeloupe, die andere von Acapulco und sonst woher. Aus dem Radio schrabbelte klarinettendurchdrängte Marriacimusik und der Fahrer war reichlich unrasiert und hatte eine fürchterlich stinkende Kippe im Mundwinkel. Manfred, der auf dem Rücksitz saß, fing gleich sehr aggressiv an zu stänkern und meinte nur, es sei Gott sei Dank nicht weit bis über den Fluss und es wundere ihn überhaupt nicht, dass es mit den Katholikenkanaillen da drüben nicht vorwärts gehe.

Der amerikanische Grenzer war nicht allzu pedantisch und der mexikanische schlief, sodass wir in wenigen Minuten in einer anderen Welt waren. Der Taxifahrer setzte uns an einem verlassenen Platz ab und machte sich ohne Gruß gleich aus dem Staub.

Der Ort wirkte nicht nur wegen der hereingebrochenen Nacht dunkel und verlassen. Es schien, als hätten alle das Licht ausgeknipst. Hier und da sah man wenig Vertrauen erweckende Gestalten von einem Eck ins andere huschen, und ab und zu traf man auf herumkrakeelende junge Amerikaner, die sichtlich von Bier und Tequila gezeichnet waren und sich in irgendwelchen Bordellen auszutoben gedachten. Wir liefen etwas desillusioniert durch die leeren Straßen und sahen den Erfolg unserer Expedition doch schon gefährdet, als wir ein ehemals prächtiges Gebäude erblickten, das wohl das erste Restaurant am Ort sein sollte. Wir schritten auf die halb verfallene Villa im Kolonialstil zu und erblickten von außen einen hell erleuchteten Speisesaal, der gut besucht war.

Also betraten wir das Restaurant und ein Kellner in einer äußerst speckigen Uniform empfing uns sogleich mit einem durchtrieben servilen Lächeln, fragte uns in einem erbärmlichen Englisch, ob wir zu speisen gedenken und führte uns dann zu einem Tisch, dessen Decke sehr lädiert und mit Löchern fallen gelassener Zigaretten ornamentiert war. Die Stühle waren steil und unbequem, die mächtigen Kronleuchter warfen ein talgiges Licht. Während unsere Damen wie immer die Fassung wahrten, begann es schon bei Manfred zu rumoren und er warf die ersten defätistischen Bemerkungen ein, die immer darauf hinaus liefen, dass man besser auf der anderen Seite in Texas geblieben wäre und sich dort einem zünftigen BBQ verschrieben hätte. Andrea, wie immer Dame von Welt, lächelte den Kellner gelassen an und sprach in freundlichem Ton, so mehr für uns alle, wir sollten doch einfach mal sehen, was passiert.

Nachdem der Kellner uns mit den Speisekarten alleine gelassen hatte, wählten wir recht treffsicher Tortillas, mit scharfem Rindfleisch gefüllte Enchiladas, Empanadas, Avocadocreme und Nachos. Der Kellner kam, wir bestellten das Ganze und natürlich Bier, das er in Karaffen bringen wollte, doch Manfred intervenierte fast schreiend, ihm seien Flaschen doch lieber, wenn es ginge San Miguel, und weil das der Fall war, hellte sich sein Gesicht ein wenig auf. Die Getränke waren schnell gebracht und nach dem ersten großen Schluck machte sich doch mehr Gelassenheit breit und wir hatten auch ein Auge auf die anderen Gäste. So wie es aussah, waren noch einige amerikanische Geschäftsleute unterwegs, die sich über große Steaks hermachten und sich sichtlich wohl fühlten. Hier und da sah man auch eher gesetzte Paare amerikanisch-mexikanischer Zusammensetzung, d.h. große, schwergewichtige amerikanische Männer mit einem gutmütigen Gesichtsausdruck und zierliche, mit stolzer Zurückhaltung dasitzende mexikanische Frauen. Alles in allem also eher vertrauenserweckend, mäßig, bürgerlich und völlig unspektakulär. Die Eindrücke führten dazu, dass Manfred sichtlich entspannte und damit begann, alles in einem leicht süffisanten, zynischen Lichte zu betrachten.

Unsere Unterhaltung durchquerte also eher angenehme, etwas wortwitzige Zonen, als der Kellner wieder erschien und reichlich auftischte. Gut gelaunt begannen wir, uns die Texmexmahlzeit einzuverleiben. Es war, wie zu erwarten, nicht das große Erlebnis, aber insgesamt konnte man es doch mit etwas Genuss essen. Unsere Stimmung war dennoch gerettet und Manfred ließ sich immer wieder mal ein Fläschchen Bier bringen. Die auch bei ihm zusehends gelöste Stimmung sorgte dafür, dass er begann, in der ihm eigenen Weise einen Vortrag zu halten über die Welt, mit der wir uns hier, an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, konfrontiert sahen.

„Das, was ihr hier seht, ist die große Frontlinie zwischen dem protestantischen Amerika und dem katholischen Mexiko. Und, Gerd, da siehst du es mal wieder: Hier die große Leistungsethik, die gute Organisation, das Streben nach Verbesserung und Glück, und dort, beziehungsweise hier und heute Abend, eine der abgeschlunztesten Formen des Katholizismus. Fatalismus, Dreck, Rückständigkeit und die ständige Bereitschaft, zu lügen und zu betrügen. Und sag mir jetzt nicht, der Katholizimus sei die Versöhnung des christlichen Menschen mit dem irdischen Dasein. Das glaubst du doch selbst nicht! Die können ja nicht mal kochen. Drüben in Texas, bei den Protestanten, haben wir bis jetzt immer wesentlich besser gegessen.“

Während Manfred sich, immer wieder unterbrochen von Kauen und einem großen Schluck Bier, in seine Suada hineinsteigerte, verdrehten die beiden Frauen gelassen und unauffällig die Augen, während ich als angesprochener mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Das bewirkte, wie ich aus jahrelanger Erfahrung wusste, dass sich Manfreds Engagement und die Schärfe seiner Argumente nur noch steigern konnten. Und natürlich sollte ich Recht behalten. Denn nach dem ersten Lachen meinerseits kam gleich die Steigerung.

„Und das schlimmste ist der zynische Fatalismus von dem ganzen Katholenpack. Statt der Realität ins Auge zu sehen, stecken sie sich ihren fettigen Fraß ins unreflektierte Maul und grinsen dämlich. So geht natürlich der ganze Westen den Bach runter. Ihr habt ja in Dallas gesehen, das die USA momentan jede Menge Soldaten in den Irak schicken, um den genauso verkommenen Muselmännern den Marsch zu blasen. Und zwar am Boden. Keine klinisch sauberen Aktionen aus der Luft, nein, die Neger aus Alabama halten den Arsch hin, damit die schlunzigen Katholiken ihre heile Vorstellung von einer friedvollen Welt weiter in den Äther lallen können. Und im Grunde sind diese verfickten Katholiken genauso wie die Muselkutten, einfach nur faules zynisches Pack, dass sich gern an den Früchten der Arbeit anderer ergötzt.“

„Und somit“, erwiderte ich immer noch gut gelaunt, „haben wir eine gestochen scharfe Analyse weltpolitischer Dimension, warum das Essen in diesem Etablissement erstens zu fett und zweitens schlecht gewürzt ist. Und, vielleicht zu eurer aller Überraschung, ich gebe Manfred vollkommen Recht. Hätten wir den Protestantismus nicht gehabt, dann hätte die Weltgeschichte den Kolonialismus nie gesehen, sondern wir wären leistungsethisch direkt in den Kapitalismus gesprungen und die Welt sähe heute ganz anders, mehr aufgeklärt und weniger despotisch aus. Die holländische Kolonialepisode in Südostasien mit ihrer verheerenden protestantischen Plünderungsethik klammern wir mal aus, so was kommt vor, die Weltgeschichte ist kein Buchhaltungsprogramm.“

Mehr hatte ich nicht zu tun, denn Manfred merkte, dass er zwar nicht ganz, aber immerhin ein wenig ernst genommen wurde und deshalb wich die Aggressivität aus dem Dialog und der Humor fand wieder seinen Weg zurück. Das Bier hingegen, deklamierte er jetzt schon äußerst laut, ist von katholischer Hand immer besser als von protestantischer gebraut und hielt dabei die leere Flasche hoch, sodass der Kellner reagieren konnte.

Durch diese Signale wurde die Stimmung wieder gelöster und die Anspannung wich in Sekundenschnelle aus den Gesichtern unserer Begleiterinnen. Unser Essen ging dem Ende zu und eine wohlige Ruhe begann sich gerade auszubreiten, als wir aus einem Nebenraum heftiges Schreien und Klatschen vernahmen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich zur Toilette zu begeben. Mein Weg führte in besagten Nebenraum, der sich als die eigentliche Bar des Hausees herausstellte, die einen eigenen Zugang von der Straße hatte. Vom Restaurant aus musste man an der Bar vorbei, wenn man die Toilette aufsuchen wollte und das war wohl bewusst so arrangiert worden, denn ich ertappte einen der gesetzteren Herren aus dem Restaurant, der sich, by the way, einen schnellen Tequila genehmigte. Das gehörte wohl dazu, denn die ganze Geschichte ging sehr schnell vonstatten: Auf dem Weg zum Klo die Order, auf dem Rückweg Herunterkippen und Zahlen. Neben dem Toilettenlaufpublikum waren noch einige krakeelende junge Amerikaner in der Bar, die zum Teil von jungen Mexikanerinnen begleitet wurden. Als ich von der Toilette zurück in die Bar kam, tanzte eine der jungen Damen auf der Theke und zog sich gerade die Bluse über den Kopf, um ihre wohlgeformten Brüste zur Schau zu stellen. Die jungen Amerikaner schrieen wie am Spieß und donnerten ständig zum Takt der Musik mit ihren Farmerhänden auf die Theke.

Als ich zurück an den Tisch kam, sah mich Manfred mit lechzend neugierigem Blick an und fragte, was denn da los sei. Ich erklärte ihm, nebenan sei die Bar und dort würde momentan zufällig eine katholische Messe gelesen, und schon war er aufgestanden und, wie er vorgab, Richtung Toilette verschwunden. Kaum hatten mich die Frauen gefragt, was denn dort los sei, brach von dort ein ohrenbetäubender Lärm los und mir war klar, was sich dort abspielte. Ich hingegen faselte etwas von total durchgeknallten Amerikanern, die sich hier wohl austobten, und man gab sich zufrieden.

Da Manfreds Toilettenbesuch länger als erwartet dauerte, bedeuteten wir dem Kellner, dass wir zu zahlen gedächten. Und trotz unserer Diskussionen brachte der uns bald darauf eine moderate, mit absoluter Korrektheit aufgeführte Rechnung, die wir anstandslos bezahlten und zu der wir ein ansehnliches Trinkgeld legten.

Als Manfred wieder auftauchte, saßen wir schon beim Café und ich hatte mir eine Zigarre angesteckt. Auf die Frage seiner Frau, was denn los gewesen sei, lallte er irgend etwas von dem fetten Papistenfraß, der seinen Darm sehr gebeutelt hätte. Trotz seiner sichtlichen Angeschlagenheit, die sich allerdings nicht in schlechter Laune ausdrückte, hielt ihn nicht mehr viel an diesem Ort und er drängte zum Aufbruch. Trotz Zigarre sperrte ich mich nicht dagegen, weil ich mit allem rechnete und irgendwelche Verwicklungen mit ominösen Geschäftsführern oder Prostituierten in diesem Lokal nicht unbedingt auf uns zukommen sehen wollte.

Draußen angekommen, wirkte alles noch dunkler und trister und so war es kein Wunder, dass wir nach einigen hundert Metern des geplanten Spaziergangs beschlossen, nach einem Taxi Ausschau zu halten und zurück über die Grenze nach Texas fahren zu wollen. Es dauerte noch einige Zeit, bis wir fündig wurden und wieder stiegen wir in einen scheppernden, nach ranzigem Öl, Zigarettenasche und scharfen Schnaps riechenden fahrenden Weihnachtsbaum, dessen Chauffeur uns versprach, zum doppelten Preis wie auf dem Hinweg ins Gringoland zu fahren.

Wieder ging es knarrenderweise durch die dunklen, schlechten Straßen, wieder schrabbelte aus dem Radio eine wie auch immer geartete Rhythmik und es war zu verspüren, dass irgendwie alle froh waren, wenn wir die USA erreichten. Als wir uns der hell erleuchteten amerikanischen Grenze näherten, war es dort relativ ruhig. Der Taxifahrer hielt am Schalterhäuschen, wo ihm allerdings sehr harsch bedeutet wurde, rechts an die Seite zu fahren, seine Fahrgäste abzusetzen und schleunigst wieder Richtung Mexiko zu verschwinden. So wurden wir abgesetzt und ein Uniformierter forderte uns auf, ihm zu folgen. Das sah alles nicht gut aus und Manfred begann auch sogleich, unseren Plan, nach Mexiko zu fahren, im Nachhinein abermals zu verdammen.

Wir wurden in das Grenzgebäude geführt, wo eine sehr gedrückte Atmosphäre herrschte. Einige Mexikaner wurden durchsucht und erhielten barsche Anweisungen. Wir mussten unsere Pässe abgeben und auf einer Bank Platz nehmen. Ein Grenzbeamter mexikanischen Aussehens rief uns kurz darauf mit einem arroganten, zynischen Kopfnicken zu sich und erklärte, unsere Dokumente müssten überprüft werden und wir hätten zu warten. Sein Namensschild verriet, dass er Calderon hieß. Als wir auf dem Weg zurück zur Bank waren, raunte ich Manfred zu, dass wir es mit einem Latino zu tun hätten. Jetzt war es an mir, ihm ein bisschen die Meinung zu geigen.

„So, mein Freund, jetzt kommt die Rechnung. Weißt du eigentlich, dass die neu integrierten Immigranten immer die Schlimmsten sind? Über die Bedeutung der amerikanischen Uniformen muss ich dir ja wohl keinen Vortrag halten. Die sind so eng geschnitten, weil sie klar machen, dass die Staatsmacht die zweite Haut ist. Das heißt totale Identifikation! Nicht wie bei uns, wo bewusst schlecht sitzende Uniformen gewählt werden, damit man sich klar macht, dass der Träger eine Rolle wahrnimmt. Hier ist die Person der Staat!“

„Und dieser Calderon, der wird uns jetzt so richtig den Gringomarsch blasen, darauf kannst du Gift nehmen! Der weiß bestimmt auch schon, was du da in der Bar gemacht hast. Der zeigt dir jetzt, was pursuit of happiness ist, wahrscheinlich bist du der erste, den er mit hinters Haus zur Leibesvisitation nimmt. Ich wünsch dir gute Nerven und eine Mondfinsternis.“

Mein Freund war leichenblass, was durch das grelle Neonlicht noch unterstrichen wurde. Ich sah ihm an, dass er mit der Entscheidung kämpfte, entweder hier den Aufstand zu proben oder sich seinem Schicksal zu ergeben. Da ich aus den Augenwinkeln beobachten konnte, wie ein niederrangiger Offizier Senor Calderon unsere Ausweispapiere mit einem Kopfschütteln zurückgab, dieser jedoch gar nicht darauf reagierte, wusste ich, was uns noch bevorstand.

„Und glaub jetzt bloß nicht, du kannst hier mit einem protestantischen Veitstanz etwas erreichen. Darauf wartet der Junge da vorne nur. Dann visitiert nicht nur er dich, sondern sein ganzer Chicanoclan bis zum ersten Hahnenschrei. Dann wird es richtig lustig. Vielleicht wird dein Kadaver dann auch in ein paar Tagen aus dem Rio Grande gezogen und keiner kann sich erklären, wie das passiert ist. Das Land ist groß, die Grenze lang. Und weißt du, was das Schlimmste ist? Im Gegensatz zu unseren Frauen und mir sieht man dir auf hundert Meter an, dass du eine protestantische Weißnase bist. Der denkt du bist verwandt mit diesen Ostküstenpissern, die mit ihrer Arroganz und ihrem grenzenlosen Snobismus die Nase über die Chicanos rümpfen und so tun, als seien das keine Menschen: Auch wenn unser Mister Calderon jetzt eine gut passende, schöne Uniform trägt, wenn er einen amerikanischen Pass und eine Versicherungsnummer besitzt, wenn er ein kleines Reihenhäuschen für seine reizende Frau und die beiden Kinder hat und letztere vielleicht sogar in Andreas Schule in Bracketville eine gute Bildung erhalten und selbst wenn ihn die Gringonachbarn sogar mit zum Baseball nehmen: Glaubst du, dieser Mister Calderon wird jemals vergessen, welchen Preis er dafür bezahlt hat? Glaubst du, er hat vergessen, wie viel er auf den Tisch gelegt hat, um über den schlammigen Rio Grande zu kommen, wie viele Teller er gewaschen, wie viel Schläge er bekommen, wie viel Schmach ihm entgegen schlug und wie viel Entwürdigung seine Frau im schönen Amerika ertragen musste? Und immer wieder waren das Typen, die ihm und seiner Familie so etwas zufügten, die so aussahen wie du! Große, hagere Männer mit ihren grauen Killeraugen, kalt wie Fische, falsch wie Hyänen und brutal wie Krokodile. Der hat sich sein ganzes Leben lang imprägniert gegen die Anwürfe von Typen wie dir, der hat sich den Arsch aufgerissen und alles gefressen, damit er hier und heute Abend sitzt und so einen wie dich vor die Flinte kriegt. Glaub mir, mein Freund, für Mister Calderon ist heute Judgement Day!“

Es war still geworden im Raum, wir waren die einzigen, die noch da saßen und warteten. Die Uhr zeigte kurz vor Eins an, der Zeiger rückte mit südländischer Bräsigkeit langsam, aber stetig voran. Manfreds Augen waren geschlossen, er war schneeweiß, aber ich wusste, er köchelte vor sich hin. Mir hingegen ging es richtig gut, auch wenn mir Gebaren und Visage von Herrn Calderon alles andere als sympathisch waren.

Es war klar, dass Mister Calderon uns einfach nur schmoren lassen wollte. Der Passcheck hatte nichts ergeben und die Dokumente lagen schon seit einer Stunde auf seinem Schreibtisch. Er hingegen genoss die Situation. Er ging Routinegeschäften nach, füllte hier ein Formular aus, knallte dort einen Stempel auf ein Dokument, ordnete immer wieder seinen Schreibtisch, sah auf die Uhr, holte sich einen Kaffee, telefonierte und rang sich dabei sogar ab und zu ein Lächeln ab. Nur wenn er in unsere Richtung sah, begegnete uns ein abweisender, zynischer Blick.

So verging noch einige Zeit, bis endlich der anscheinend ranghöchste Offizier das Gebäude betrat. Groß, etwas übergewichtig, das graue Haar eines ehemals Rothaarigen und durch sein Namensschild als ein waschechter irischer O´Hara zu entziffern. Nachdem dieser seine Runde gemacht und alles inspiziert hatte, nickte er Calderon fragend in unsere Richtung, woraus dieser sehr devot auf unsere Pässe wies und etwas von Check nuschelte. O´Hara nahm sofort unsere Dokumente, blätterte sie durch und rief uns zu sich.

Er bedauere die Unannehmlichkeiten, die die strengen Auflagen der momentanen Situation uns bereitet hätten, blickte dabei sehr streng auf Herrn Calderon, nun wünsche er uns eine gute Nacht und einen angenehmen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir bedankten uns, verließen das Gebäude und liefen den halben Kilometer bis zu unserem Auto. Auf der Rückfahrt nach Bracketville, mit offenen Fenstern durch die texanische Nacht, stellte ich nur noch für das Reiseprotokoll fest, dass ein irischer Katholik nicht nur unseren protestantischen Zyniker gerettet, sondern auch den katholischen Assimilado in seine Schranken gewiesen habe.

Als wir zu unserem Fort zurückkamen, setzten sich Manfred und ich noch etwas nach draußen. Es war warm, hier und da hörten wir Coyoten schreien, und der Wind spielte Melodien, die wir noch nicht kannten.