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Man holding head overwhelmed with surrounding destruction including volcanic eruption, burning Earth, tornado, viruses, dice, and protests

Alles auf Null?

Nachdem nach us-amerikanischen Angaben deutlich wurde, dass der Iran um eine Waffenruhe gebettelt hat und nachdem nach iranischen Erklärungen die Schäden des US-Militärs so groß waren, dass ihrerseits die USA sich einen Waffenstillstand gewünscht haben, nachdem deutlich wurde, dass es nicht mehr um einen Regime-Change im Iran ginge, nachdem allerdings der selbst ernannte Nachfolger des iranischen Regimes, der in Washington weilende Schah, das iranische Volk mehrmals aufgefordert hat, dem Regime endlich ein Ende zu bereiten, um den Weg für ihn frei zu machen, nachdem die Europäische Union sich nicht auf eine gemeinsame politische Linie zu einigen in der Lage war, nachdem Spanien, Frankreich und Italien ihre Lufträume für die amerikanische Luftwaffe geschlossen haben, nachdem vom deutschen Ramstein nach wie vor amerikanische Schläge im Iran gesteuert werden, nachdem der Kanzler Friedrich Merz in einem Schreiben an die pakistanische Regierung bekundet hat, dass Frieden nur durch Diplomatie erreicht werden kann, nachdem der ukrainische Präsident Selenskyj den USA als auch Israel und einigen Golfstaaten militärische Hilfe angeboten hat, nachdem in Spanien und in Italien die Mineralölsteuern gesenkt wurden, nachdem die deutsche Regierung und ihre Berater haben verlauten lassen, dass das im eigenen Land nicht gewünscht ist, nachdem die Außenbeauftragte der EU, Kallas, hat wissen lassen, dass Russland komplett am Boden liegt und wirtschaftlich wie politisch ruiniert ist, nachdem die iranische Regierung hat verlauten lassen, dass Tanker, deren Cargo in chinesischen Yuan bezahlt wurde, die Straße von Hormus passieren dürften, nachdem Russland und China die amerikanischen Staatsanleihen, die sie besaßen, zurück auf den Markt geworfen haben, nachdem die deutsche Wirtschaftsministerin beschlossen hat, Teile ihres eigenen Ministeriums zu privatisieren, nachdem der deutsche Finanzminister begonnen hat, Sanierungspläne auf den Tisch zu legen, die seiner eigenen Partei den Kopf kosten werden, nachdem in den Politshows des deutschen Fernsehens nach nach wie vor die Expertinnen und Experten auftreten, die bisher mit jeder Prognose falsch lagen, nachdem Teile des Libanons in Trümmern liegen und Millionen ihrer Heimat beraubt sind und sich auf den Weg nach Europa machen werden, nachdem alle Vorstellungen von internationalem Recht zerschossen sind, nachdem Sänger und Komödianten die Deutung politischer Zusammenhänge übernommen haben, nachdem die Springer-Presse mehr Mitleid mit einem einzelnen Wal zeigt als mit tausenden Toten im Osten und vor einem Hitzesommer mit Blutregen warnt…

Nach all dem, und noch viel mehr, gehen die meisten Menschen morgens zur Arbeit, schütteln den Kopf und denken sich, am besten stellte man alles auf Null und finge nochmal ganz von vorne an. Dass das nicht geht, wissen sie auch. Das sollte niemand versuchen, ihnen zu erklären. Aber dass es nicht mehr so weiter geht, wie bisher, diese Erkenntnis nimmt ihnen keiner mehr!

Alles auf Null?
Roman soldiers in armor holding spears and shields with burning ruins behind them

Légion Étrangère Ukrainienne?

Zunächst klingt es etwas bizarr. Oder vielleicht auch nur deplatziert. Da meldet sich ein ukrainischer Präsident bei einem Konflikt zu Wort, der weit weg von dem zu sein scheint, womit er sich befassen müsste. Im eigenen Land herrscht, was die Frontlinien anbetrifft, ein militärischer Stillstand, der irreversibel zu sein scheint. Das heißt, nichts spricht dafür, dass die Ukraine, soviel militärische Unterstützung sie auch von NATO-Staaten bekommt, die Gebiete, die sie an Russland verloren hat, zurück erobern könnte. Was auffällt, ist die Entwicklung der ukrainischen Kriegsstrategie hin zur Asymmetrie. Vereinzelte Schläge auf logistische Einrichtungen der russischen Streitkräfte. Auch die verursachen nicht zu unterschätzende Schäden, ändern am Gesamtergebnis werden sie allerdings nichts.

In dieser Situation muss Selenskyj feststellen, dass die USA nicht nur mit ihrem Angriff auf den Iran von der Unterstützung der Ukraine mehr und mehr abrückt und das mehr als frivole Argument bemüht, der Krieg in der Ukraine ginge die USA nichts an, er sei Sache der Europäer. Letztere, bzw. diejenigen in Europa, die in ihrer Verblendung glauben, sie seien der exklusive Repräsentant des europäischen Kontinents, halten sich in Sachen einer notwendigen Replik zurück, weil sie  sich ansonsten von dem Märchen des grundlosen Angriffskrieges Russlands verabschieden müssten. Und militärisch sind auch sie, d.h. die selbst ernannte Koalition der Willigen innerhalb der EU, nicht in der Lage, die Ukraine dauerhaft in diesem Krieg am Leben zu halten.    

Und in dieser Gemengelage bietet sich Selenskyj als Helfer in dem Krieg gegen den Iran an. Mit den Mitteln, die an die Ukraine geliefert und den Fähigkeiten, die seinen Streitkräften durch NATO-Hilfe zuteil wurden. Zu den Kontakten, die er bis dato aufgenommen hat, zählen nicht nur die USA und Israel, sondern auch eine Reihe von Golfstaaten, die seit dem Angriffskrieg auf den Iran unter Gegenmaßnahmen des letzteren gelitten haben.

Einmal abgesehen von der semantischen Absurdität, dass ein Präsident, der seit mehr als vier Jahren sein Militär gegen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu Felde ziehen lässt, nun seine Hilfe denen anbietet, die in einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg als Verursacher verwickelt sind, um damit die Gunst seines einstigen amerikanischen Unterstützers gegen Russland zurück zu gewinnen, plädiert er damit für einen Flächenbrand. Und es steckt noch ein anderer Plan dahinter.

So wie es aussieht, will sich Selenskyj mit seinen ukrainischen Streitkräften den europäischen Kräften anbieten, um nicht nur das Ziel der Vernichtung Russlands weiter zu verfolgen, sondern ihnen auch in Zukunft die Verfügbarkeit einer militärischen Schlagkraft zu garantieren. Immerhin verfügt die Ukraine, im Gegensatz zu dem post-heroischen Personal westeuropäischer Streitkräfte, über eine Soldateska, die im Blutbad gestählt wurde. 

Das, was sich abzeichnet, scheint die Geburtsstunde einer neunen Art der Fremdenlegion nach französischem Vorbild zu sein. Einer Truppe, die die Finten des Krieges kennt, sowieso in kein ziviles Leben mehr integrierbar sein wird und bereit ist, für Ausrüstung, entsprechendes Salär und die Ignorierung eigener Straftaten alles zu tun. In solchen Formationen redet niemand mehr von Recht und Gesetz. Ihr Auftrag ist das Töten, ohne nachzufragen. Und vielleicht kokettieren die hierzulande so kriegslüsternen Politiker sogar mit dem Aufscheinen einer Légion Étrangère Ukrainienne?   

Legion Etrangere Ukrainienne
Desert crossroads signpost with signs reading "Nowhere" and "Anywhere" under a dramatic sunset sky.

Der lange Weg zur Auferstehung

Es ist nachvollziehbar und es ist menschlich. Dass sich die Spezies zunächst Gedanken darüber macht, wie es bestellt ist um die eigene Versorgung, die Unterkunft und die Mobilität. Es gehört zu den Axiomen einer jeglichen ernstzunehmenden Schule der Anthropologie, dass erst das Fressen kommt, und dann die Moral. Dass auch diese Selbstverständlichkeit im Zeitalter des multimedialen Hirnfraßes allen Ernstes in Frage gestellt wird, spricht für die These der Dekadenz.

Und festzustellen gilt auch, dass, nachdem Nahrung, Behausung und Mobilität gesichert sind, die unterschiedlichen Kulturkreise und Völker unterschiedliche Gewichte verteilen. Bei den Franzosen wird es bereits politisch richtig ungemütlich, wenn die Umstände an die Qualität des Essens gehen, den Italienern nimmt man ohne Volksaufstand nicht die Musik, den Argentiniern nicht den Tango etc.. Und den Deutschen? Bis dato waren das das Brot und das Auto. Und deshalb leben wir in brandgefährlichen Zeiten. Brot und Sprit werden immer teurer, und das führt zu erheblichem Verdruss.

Noch einmal zu dem verständlichen Tunnelblick auf die Primärbedürfnisse. Die Vorstellung, dass meine enge, lebensnotwendige Welt nichts mit dem globalen Geschen zu tun hat, kann so lange aufrecht erhalten werden, wie meine Bedürfnisse wie immer befriedigt werden. Ist dieses nicht mehr der Fall, dann wird es nicht nur ungemütlich, sondern es stellt sich die Frage, woran es liegt. Und wenn dann plötzlich Begebenheiten und Umstände in der großen weiten Welt deutlich werden, die sehr wohl Einfluss auf die eigenen Lebensverhältnisse haben, dann kommt das Erwachen. Und wenn, noch dramatischer, zu erkennen ist, dass die eigene Außenpolitik maßgeblich an der sich breit machenden Krise beteiligt ist bzw. sie auch noch zu verantworten hat, dann kann keine Garantie für das den Deutschen so hohe Gut der Stabilität mehr übernommen werden.

Die Gefolgschaft in einen Konflikt mit Russland, die in dem Angriff auf die Ukraine mündete, war so ein unverzeihliches und beschämendes Ereignis. Dem Land, in dem Deutsche Millionen dahingemetzelt haben, um an ukrainischen Weizen und das Öl am Kaspischen Meer zu kommen, das letztendlich den Deutschen die Wiedervereinigung nach dem verhängnisvollen Krieg geschenkt hat, im Schlepptau imperialer Interessen erneut auf den Pelz zu rücken, war historisch, moralisch und politisch ein Supergau. Dass ausgerechnet aus diesem Land aufgrund einer weitsichtigen Politik von Politikern, die den Krieg erlebt hatten, unabhängig von politischen Differenzen Energie zu vernünftigen Preisen geliefert wurde, hat in den Annalen zu den Kapiteln von Wohlstand und nun zu den aus der eigenen Außenpolitik resultierenden Verhältnissen geführt, deren katastrophale Ausmaße noch nicht ausgereift sind. 

Und dass im Nahen Osten jedes Verbrechen mit der eigenen historischen Schuld relativiert oder geleugnet wurde, ist genauso verheerend wie die Sätze höchster politischer Vertreter, die beim Bruch des Völkerrechts von notwendiger Drecksarbeit sprachen, gehört zu dem Sortiment von Außenpolitik, das dafür gesorgt hat, dass die hohen Güter dieses Landes für immer mehr Menschen unerschwinglich werden. 

Ja, Außenpolitik hat immer Auswirkungen auf die eigene Lebenswelt. Diese Lektion wird von vielen im Moment gelernt. Die Intellektuellen, auf die dieses Land einmal so stolz war, sind zu Randexistenzen geworden, die kaum mehr eine Stimme haben. Und die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums verfügen nicht mehr über die Organisationen, die entschlossen ihre Interessen vertreten. Manche Lehren werden teuer bezahlt. Bis zur Auferstehung ist es noch ein langer Weg. Und ob sie kommt, wird sich noch entscheiden müssen. 

Der lange Weg zur Auferstehung