Es war eine Erlösung. Als das Finale abgepfiffen wurde. Zuviel hatte sich vorher ereignet. Nicht im Sinne des Fußballsports, sondern in Bezug auf seine Inszenierung, Kommentierung und letztendlich auch hinsichtlich der Art, wie das Spiel gespielt wurde und wer sich damit durchgesetzt hat. Um mit dem Sport selbst zu beginnen: Spanien hat sich durchgesetzt und ist Weltmeister, nach 16 langen Jahren der Rekonvaleszenz, was viele vergessen. Da kann man gratulieren. Mehr aber auch nicht.
Ein kluger Sportjournalist, der die Berufsbezeichnung noch verdient, beschrieb das spanische Spiel als ein Gefängnis für den Gegner ohne sichtbare Gitterstäbe. So kann man es sehen und daran ist Wahres. Mir allerdings scheint die Art und Weise eher dem traditionellen Stierkampf zu entsprechen, weil der Gegner so lange provoziert wird, bis er die Contenance verliert und dann erfolgt der tödliche Stoß. So war es auch diesmal. Es hatte Erfolg. Schön anzusehen ist das nicht.
Ja, aber Argentinien, werden viele einwenden. Ja, Argentinien spielt, wenn es darauf ankommt, immer so. Hart, nahezu kriegerisch. Wer sich über den Auftritt der Mannschaft im Endspiel gegen Spanien aufregte, hatte das Finale 2014 gegen Deutschland vergessen. Da hatte man den deutschen Spieler Schweinsteiger als die zentrale Figur ausgemacht und wollte ihn unbedingt aus dem Spiel nehmen. Und er wurde, weil er das wusste und am Kopf blutend weiter spielte, zum Helden. Er blieb trotz massiver Attacken auf dem Platz und Deutschland wurde Weltmeister.
Wenn ein Torero auf einen Krieger trifft, wird das kein lustiges Bühnenstück. Das Spiel war eine Zumutung für die nicht parteiischen Zuschauer. Genau wie die gesamte Inszenierung. Mit einem Infantino, der dem amerikanischen Präsidenten zu gefallen suchte, einem Trump, der wie ein verwöhntes dickes Kind glaubte, es sei seine Geburtstagsparty und einer Halbzeitshow, die mit dem Attribut einer spätrömischen Dekadenz noch wohlwollend beschrieben ist. Der ganze Rotz, von den Eintrittspreisen bis hin zu den abgetakelten Showgrößen, auch noch eskortiert von übergewichtigen ehemaligen Idolen des Genres in leuchtender Ballonseide bis hin zu dem ganzen Schmu zum Schluss – das Spektakel war ein Debakel für den Sport.
Und bleibt man bei der These, dass ein Konnex zwischen Fußball und Politik existiert, dann war das ein Trauerspiel für den europäischen Kontinent, auch wenn, oder gerade weil Spanien, das Land, das sich bei der europäischen Einhelligkeit einen eigenen Standpunkt zutraut, den Titel holte. Der Rest scheiterte früh oder spektakulär, Köpfe rollten und Feindbilder wurden bemüht. Der globale Süden reüssierte weiter, noch hat es nicht gereicht, aber die Prognose ist berechtigt, dass der Tag nicht mehr in so weiter Ferne liegt.
Die mediale Performance passte zum Gesamtzustand. Viel Geschwätz, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten und eine mächtige Kohorte von Besserwissern, die nie in der Verantwortung standen. Ach ja, auch Sündenböcke gab es en bloc, und da waren sich die Finalisten von 1966 wieder einmal einig, denn bei diesem Geschäft, bei der Suche nach Sündenböcken und der Verbreitung nationalistischer Hetze konnten die englischen wie deutschen Boulevards wieder glänzen.
Was bleibt? Eine Tartan Army und norwegische Fans, die jenseits der Spiele amerikanische Herzen eroberten, scheidende Helden in Tränen, Tränen des Abschieds, Tränen in der Niederlage und Tränen der Freude, 2, 3 wirklich spektakuläre Spiele, hohe Umsätze, die Kassen klirrten, von der Substanz jedoch wenig Neues. Die Discounter führten Regie.

Gut, dass es vorbei ist …
Eigentlich muss man es der spanischen Auswahl ja auch hoch anrechnen, dass sie anders, als die deutsche Mannschaft bei ihrem WM Titel 2014, die in Berlin auf rassistische Art den Gaucho-Tanz performte, auf etwas vergleichbar Geschmackloses verzichtete.