Archiv des Autors: Gerhard Mersmann

People dancing in a 70s-style dance hall with colorful lights and a sign reading 'Fool's Paradise Dance Hall,' with a horned devil-like character sitting below at a dimly lit wooden table in a tavern

Makabré

Den Augen, den Ohren
Nicht zu trauen
Worte,
In die Welt gesetzt
Wie sie erstorben
Zu sein glaubten.

Faschisten blasen
Erneut zum Marsch
Törichte Geister
Lesen ihre
Rettungsworte
In trügerischem Kristall.

Wer glaubt
Er stünde
Auf der rechten Seite
Wähnt sich
In Gesellschaft,
Grauenhaft.

Nichts von dem
Das Erlösung verspricht
Taugt,
Um den Wahnsinn
Zu beenden.
Kein Land in Sicht.

Die Doppelzüngler
Tanzen
Auf bitter kaltem Grund
Und spinnen ihr Versagen
In feucht verströmte
Legenden.

In der Kellerbar
Macht sich der Sensenmann
In aller Ruhe warm.
Der Branntenwein
Erwärmt sein Herz
Und regt zu neuen Taten an
.
Makabre
Group of protesters demanding justice and law rights, man in front holding book and whip

Das Prinzip von Regel und Sanktion

Ist erst einmal eine Art mentale Aufweichung erreicht, fällt es schwer, über einige Entwicklungen noch ein halbwegs vernünftiges Gespräch zu führen. Dann wird gleich gezetert, wenn nur der eine oder andere Begriff genannt wird, weil dieser auf dem Index steht, der von den Menschen, die in großen Kohorten immer mehr den Hunden des russischen Physiologen Iwan Pawlow gleichen, bis in die Tiefen verinnerlicht wurde. Dann springen sie auf und beißen, und sie verweisen auf die vielen Bedrohungen und Feindbilder, die ihnen von ausgerechnet denen eingebläut wurden, die immer mehr, bis hin zur optischen Erscheinung, denen gleichen, die George Orwell so treffend in seiner Parabel „Animal Farm“ gezeichnet hat. 

Nehmen wir ein Beispiel, das mit dem Rest der Welt erst einmal sehr wenig zu tun hat. Reden wir über die Aussage, die Bundesrepublik Deutschland sei ein Rechtsstaat. Der Begriff, der auch im Text der Hymne mit der Formulierung „Einigkeit und Recht und Freiheit“ umschrieben wurde. Nähme man gegenwärtig die drei dort erwähnten Gütezeichen eines Staatswesens und überprüfte sie mit dem gegenwärtigen Zustand, dann ist, so bitter die Erkenntnis, weder etwas von Einigkeit, noch von Recht und immer weniger von Freiheit zu spüren.

Doch der Reihe nach! Die Vorstellung, dass ein Staatswesen auf dem Recht basiert, impliziert, dass die Bürgerinnen und Bürger, die in ihm leben, vor allem mit Rechten ausgestattet sind. Was banal klingt, ist in unseren Tagen jedoch essenziell. Denn das Rechtsverständnis, das sich in den letzten Dekaden durchgesetzt hat, ist die Limitierung von Rechten, um deren Missbrauch zu verhindern. Die Logik ist alt und immer eine Gewährleistung für den Verfall von Recht, Freiheit und die Einbuße der Einigkeit. 

Sieht man sich die Gesetze an, die in großer Anzahl in den letzten Dekaden verabschiedet wurden, so sind nahezu keine dabei, die die Entscheidungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger erweitert hätten. Es handelte sich immer um deren Einschränkung, und nicht selten, indem vorher das Grundgesetz geändert wurde, um dies tun zu können. Und selbst wenn es um den Wunsch der Verhaltensänderung geht, muss entweder ein Gesetz her, das sanktioniert, oder, noch besser, eine Steuer, die die Freiheit, sich für etwas zu entscheiden oder zu tun zu einem sozialen Privileg macht. Wer über die nötigen Mittel verfügt, kann die Freiheit ausleben, wer sie nicht hat, muss leider passen. Betrachtet man die derzeitigen Pläne für erneute und erhöhte Steuern auf Zucker, Nikotin und Alkohol, wie auch beim Benzin, dann ist genau dieses dokumentiert. 

Deutlich wird mit jeder aus dem Parlament geborenen Initiative, dass in keinem Fall mehr auf die Entscheidungskompetenz der Bürgerschaft gesetzt wird. In Aufklärung und Überzeugung zu investieren, wird als vergebene Liebesmüh abgetan. Stattdessen setzt man, und zwar kollektiv, auf das bewährte und undemokratische Prinzip von Regel und Sanktion. 

Insofern ist es richtig, nicht von einem Rechtsstaat zu sprechen, wenn der gegenwärtige Zustand beschrieben werden soll, sondern von einem Gesetzesstaat. Der Text der Nationalhymne ist pure Illusion. Dass es allerdings Initiativen gibt, diesen Text zu ändern, um die woke Illusion zu füttern, macht gar nichts besser. Ein weiteres Indiz für die mentale Verwahrlosung. Das Recht, das auf Freiheit basiert und in seiner Einschränkung allen Freiheit gibt, ist durch keine Sanktion zu ersetzen.

Das Prinzip von Regel und Sanktion

Ostenmauer – 95. Loner

Du gehörst dazu und bist trotzdem alleine. Es ist nicht einfach, das zu beschreiben, was als eine Charaktereigenschaft zu identifizieren ist. Im Deutschen dafür eine richtige Bezeichnung zu finden, ist mir bis heute nicht gelungen. Es gibt den Ausdruck Eigenbrötler, der viel zu negativ behaftet ist. Es existiert das Bild vom einsamen Wolf, das einerseits romantisiert und andererseits am Wesen vorbeigeht. Der Einzelkämpfer wiederum suggeriert zu sehr das Martialische. Die Unterscheidung von Introvertierten und Extrovertierten trifft es auch nicht, weil beide Charakterzüge in diesem Typus stecken. Auch der relativ neutral gefasste Einzelgänger trifft es nicht, weil immer wieder das Bad im kollektiven Sein genommen wird.

Der Charakter, von dem ich spreche und den ich allzu gut kenne, kommt zunächst gar nicht als ein Mensch daher, der sich unter dem Strich nur sich selbst gegenüber verantwortlich zeichnet und der die Einsamkeit, die er nicht als Bedrohung oder Last empfindet, als einen willkommenen Zustand bezeichnet. Dieser Mensch kann nach außen als Entertainer, als Jäger, als Extrovertierter, als Alpha-Tier wirken und dennoch braucht er die Geruchsnähe anderer Horden nicht im Dauermodus. Ganz im Gegenteil, sein Aufblühen in der Gemeinschaft hängt davon ab, ob er in der Lage ist, sich Räume zu schaffen, in denen er alleine verweilen kann. Einfach raus, mit sich selbst sein, sich selbst reflektieren oder einfach ruhen. Das ist wie der Schlaf bei jedem anderen Lebewesen. Nennen wir es eine Form des sozialen Schlafes. Ist dieser nicht möglich, ist dieser Mensch immer im virulenten sozialen Leben ohne Ruhephasen, dann wird er krank und unberechenbar.

Das, was andere als Leere empfinden, ist diesem Menschen die Möglichkeit, sich selbst neu zu erfinden und die Welt in ihren weniger auffälligen Schattierungen zu erkunden. Diese vermeintliche Leere ist für das hier beschriebene Individuum eine spannende Erfahrung, die durch ihre Ruhe enorme Kräfte der Fokussierung freisetzt. Das tatsächlich Soziale bei diesen Figuren ist, dass sie nicht für sich eine Art Sonderrecht reklamieren, sondern das Recht auf Aus-Zeit in sozialen Belangen jedem Interakteur zugestehen und nie auf die Idee kämen, es anderen zu untersagen. In der Regel wird dieser Liberalismus von den Menschen, die mit dem Alleinsein nichts anfangen können oder es fürchten, als Interessenlosigkeit interpretiert. Manchmal verärgert das, letztendlich ist es aber unerheblich.

Der einzige Begriff, der dem beschriebenen Phänomen gerecht wird, ist der im Englischen wie im Amerikanischen existente des Loners. Fälschlicherweise wird er mit den anfangs erwähnten, nicht zutreffenden Begriffen wie Einzelgänger, Eigenbrötler, Einzelkämpfer etc. ins Deutsche übersetzt. Vor allem im amerikanischen Kontext steht der Loner jedoch genau für die Eigenschaften, die den Typus am besten beschreiben. Der Loner funktioniert sozial nur, wenn er immer wieder alleine sein darf. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Bedingung. Loner sind in der Regel glückliche, in sich ruhende Menschen. 

Vielleicht werden sie mit folgendem Bild treffend beschrieben: Loner stehen mit auf der Bühne, sie spielen wie alle anderen eine aktive Rolle. Und manchmal verlassen sie die Bühne, gehen in den Zuschauerraum und betrachten das Ganze von außen. Der Loner ist die fleischgewordene Figur des epischen Theaters. 

Loner