Archiv des Autors: Gerhard Mersmann

Man kneeling on stone floor in dungeon with chains labeled 'LOYALTY' around his wrists

Bis zur Tragödie letztem Akt?

Manchmal entstehen Verbindungen wie aus dem Nichts. Man trifft einen Menschen, oder erblickt eine Organisation oder ein Land, und der erste Eindruck nährt die Sympathie. Bei manchen Begegnungen bleibt es flüchtig, bei anderen dauert es eine Weile, bis sich ein Urteil gebildet hat und bei wieder anderen ist es eine feurige Liaison. Wie lange solche Bindungen bestehen bleiben, weiß man nie. Manchmal kühlt es doch relativ schnell ab, manchmal ist man ganz zufrieden, aber schon lange nicht mehr euphorisch und manchmal ist ziemlich schnell ein heftiger Bruch vonnöten. Und manchmal hält es ein Laben lang.

Das menschliche Verhalten ist unterschiedlich, teils individuell, teils sozial und teils kulturell begründet. Manche Menschen, Organisationen und Länder sind geprägt von einem ausgesprochenen Utilitarismus, d.h. einem Nützlichkeitsdenken, das keine Grauzonen kennt. Wenn eine Bindung Vorteile bringt, unabhängig davon, ob in monetärer, emotionaler oder sozialer Hinsicht, dann halten die Utilitaristen daran fest. Ist der Vorteil nicht mehr gegeben, dann zerschneiden sie ohne Vorbehalte umgehend das Band. Für Sentimentalitäten ist dort kein Raum.

Dann wiederum sind Menschen, Organisationen und Länder zu beobachten, die man zweifelsfrei als dem Loyalismus verpflichtet beschreiben kann. Sie stehen zu der Bindung, für die sie sich einmal entschieden haben, auch wenn sie teils keine Vorteile mehr davon haben, oder, schlimmer noch, wenn sie darunter zu leiden haben. Außenstehende, selbst die, die als emphatisch beschrieben werden können, fragen sich dann, was um alles in der Welt die denn daran hindert, die Verbindung zu lösen und sich nach den eigenen Interessen neu zu orientieren. Im Deutschen wird der Zustand des trotz aller Widrigkeiten an einem Bündnis Festhalten auch gerne mit dem Begriff der Nibelungentreue bezeichnet. Er beschreibt das Phänomen der bedingungslosen, emotionalen und verhängnisvollen Treue.

In einer dritten Kategorie, die quantitativ nicht unterschätzt werden darf, wird die Entscheidung, ob man an einer Bindung festhält, auch wenn sie durch Krisen geschüttelt ist, von Offerten der Heilung abhängig gemacht. Den Partnern werden Angebote gemacht, in denen die andere Seite zeigen kann, wie ernst sie es noch mit der Verbindung meint. Zeigen sich positive Aktionen, hält diese Seite an der Bindung fest, erweisen sich die Offerten als nutzlos, dann wird das eigene Vorgehen und die Reaktion der anderen Seite dokumentiert und die Entscheidung, sich zu lösen, mit guten Argumenten begründet. Dieser Typus kann vielleicht am besten als der einer diplomatischen, die eigenen Emotionen beobachtenden Interessenvertretung bezeichnet werden.

Außerhalb der beschrieben Zustände existiert noch der offene Betrug an einer einmal gemachten Vereinbarung, die der Verbindung zugrunde liegt. Dann ist jeder Mensch, jede Organisation und jeder Staat gut beraten, sofort die Reißleine zu ziehen. Unabhängig davon, ob man sich dem Utilitarismus oder der diplomatischen Interessenvertretung zurechnet. Nur bei der Nibelungentreue hilft kein Rat. In diesem Lager zieht man es vor,  bis zur Tragödie letztem Akt an einer Bindung festzuhalten. Auch wenn der Verrat der anderen Seite allen, die ihrer Sinne mächtig sind, offensichtlich ist.  

Worin diese Form der Abhängigkeit besteht, denn um etwas anders handelt es sich nicht? Mangelndes Selbstbewusstsein, keine eigene Souveränität, keine Würde, psychotische Angst? Wahrscheinlich alles zusammen.    

Bis zur Tragödie letztem Akt?
Man counting money on rainy football field with shark near goal and crow

WM 2026 – Blinde Krähen, Money-Kokser und Blut witternde Haie

Rituale sind Vorgehensweisen, die sich wiederholen und von der entsprechenden Gemeinschaft als Sinn stiftend betrachtet werden. Nach dem Scheitern der deutschen Mannschaft gegen Paraguay griff man auf ein alt bewährtes dieser Rituale zurück. Der exklusive Sündenbock wurde öffentlich verbrannt. Das ist nicht typisch deutsch, aber in dieser Hinsicht ist man hierzulande allerdings ganz oben in der Ranking-Skala. Der Trainer hatte alles falsch gemacht und, abgeschwächt, die Spieler haben einfach nicht das Zeug. Jede noch so blinde Krähe meldete sich krächzend zu Wort. Kaum Erklärungsversuche, keine Vergleiche, die vielleicht Türen zu einer Relativierung geöffnet hätten, wie z.B. der Verweis auf Spanien, das auch drei Weltmeisterschaften nach dem Titel sehr schlecht abgeschnitten hat, oder, jetzt, auf die Mühe Frankreichs mit dem Gegner, der Deutschland nach Hause geschickt hat. Hat man den Bock gefunden, dann ist alles in Ordnung. 

Dass das DFB-Management nicht zum ersten Mal vor einem Turnier Verträge verlängert hat, kann man dem Trainer beim besten Willen nicht vorwerfen. Dass die Polit-Funktionäre dieses Verbandes die Gelegenheit nutzen, um von ihrem Dilettantismus abzulenken und in das Trainer-Bashing mit einstimmen, zeigt ihren Charakter. Und dass jetzt nahezu die gesamte Inquisitionsgemeinschaft in ein Hosianna auf den zu erwartenden Nachfolger einstimmt, zeigt das amöbenhafte kollektiver Strategie. Dieser nämlich hatte seine Kommentatorenrolle während des Turniers bereits dazu genutzt, um den verantwortlichen Trainer zu demontieren, was ihn charakterlich als nicht geeignet ausweist. Zudem hat man es bei ihm mit dem neuerlich auch in der internationalen Politik etablierten Money-Kokser zu tun. Auch das fällt nicht sonderlich auf im manischen Wunsch nach einer schnellen Lösung. Ja, der Fußball und alles um ihn herum, zeigt wieder einmal deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Selbstkritik, analytisches Denken und eine Strategie sind nicht zu finden. Schön kompensiert von kollektiver Hysterie. 

Dass der in den alten Kolonialmächten so gerne genannte globale Süden bis dato gezeigt hat, dass die Zeiten der leichten Kost vorbei sind wurde hingegen deutlich.  Alle vermeintlich Großen haben sich bis jetzt schwer getan und manche südlichen Lichter scheinen immer noch auf und es ist durchaus keine verwegne Prognose, dass vielleicht am Schluss jemand aus einem ausgeplünderten Kontinent die Trophäe in den Himmel heben wird.

Von der Art und Weise, wie das Spielgerät bewegt wird, ist vom System her nicht viel Neues zu berichten. Die Systeme sind etabliert und werden variiert. Den Unterschied machen Gladiatoren, die bei den großen, erfolgreichen und monetär potenten Vereinen ihr Geld verdienen und zur artistischen Weltklasse gehören.  Das ist, in Bezug auf eine Massensportart, ein Grund, um sich große Sorgen zu machen. Genauso wie der Ausschluss der schauenden Massen über den Preis. Wohin diese Entwicklung führt? Only Time will tell!

Zumindest ein Deutscher ist noch im Rennen, und zwar als Trainer der englischen Nationalmannschaft. Er zeigte auch, dass in seinem Heimatland nicht nur der Fußball, sondern auch das Wort einmal groß war. Er nämlich beschrieb diese international operierenden hochklassigen Unterschiedsspieler mit Haifischen, die, wenn sie Blut wittern, sofort da sind und sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. 

Was für ein Satz! Und was für ein Turnier, wenn ein solcher Satz zu den bisherigen Highlights gehört!

Blinde Krähen, Money-Kokser und Blut witternde Haie

Fantasy map with safe route, fortified settlements, dangerous territories, hostile creatures, and landmarks

Kleine Wegbeschreibung

Sei großzügig
Im Kleinen
Und konsequent
Im Großen.

Pflege Loyalität
Nach oben
Und besonders
Nach unten.

Vertraue denen
Die dich lieben,
Und die
Dich tragen.

Sei wahrhaftig
Und zahle
Den Preis
Auch wenn er hoch ist.

Mach es selbst
Wenn du es kannst
Und lass dich
Nicht bedienen.

Dein Reichtum
Ist das, was du hast
Und keine Schimäre
Am Horizont.

Setz die Segel
Wenn es Zeit ist
Und nutz die Winde
Wie sie wehen.

Blick arrogant
Zum Himmel
Und sei demütig
Gegenüber den Kleinen.

Sei redlich!
Mehr geht nicht!



Kleine Wegbeschreibung