Kompass auf einer historischen Karte Europas

Die Midterms und der verlorene Kompass

Kaum lagen die Ergebnisse der Midterms vor, brach in den Reihen der Atlantiker im Lande großer Jubel aus. Nicht, weil man glaubte, dass dem erratisch agierenden und so verhassten Donald Trump innenpolitisch nun die Hände bis zum Ende seiner Amtszeit gehörig gebunden sind. Denn, wer glaubt, den hiesigen Atlantikern ginge es um die Zukunft der unter den Verhältnissen eines Imperiums, das um Weltherrschaft kämpft und sich seit langer Zeit dem radikalen Liberalismus verschrieben hat, lebenden Amerikaner, ist der ersten Illusion aufgesessen. Auch und gerade unter demokratischer Regentschaft ging dort der Mittelstand zugrunde, sank die einstige Arbeiterklasse in den Pauperismus und verödeten ganze Regionen. Und dort saßen auch die Masterminder, die den Krieg nach Europa brachten. Der feine Herr Obama provozierte Russland bis aufs Blut, während der republikanische Senator John McCain auf dem Kiewer Maidan mit einer MP herumfuchtelte, und verfolgte weiterhin die NATO-Osterweiterung und sein Nachfolger, Joe Biden, berief einen Außenminister, der über den strategischen Nachteil für die USA durch die Nordsee-Pipeline Nord Stream promoviert hatte und einer Kiewer Familie entstammt und eine aus dem heutigen Moldavien kommende Revanchistin namens Victoria Nuland, die mit ihren bellizistischen Zuckungen mehrere Regierungen, egal welcher Couleur, überlebt hat. Der Krieg mit Russland gehörte mit zum demokratischen Programm. Nur nicht auf eigene Kosten.

Denn dafür hatte man sich entsprechende europäische Politiker herangezüchtet, die willfährig die jeweils nationalen Sicherheitsinteressen preisgaben und den geplanten Interventionismus als Verteidigung von Demokratie und der ihr zugeschriebene Werte labelten. Sieht man sich die Vertreter dieser Gruppe hier in Deutschland an, dann weiß man, mit wem man es zu tun hat. Vom Kanzler bis zur Hinterbankler-Knallcharge sind sie alle durch diese Schule gegangen. Und sie bleiben ihrem Auftrag treu.

Kaum wurde der Trend zugunsten der Demokraten bekannt, knallten in dem Milieu, das während der Regierungszeit Donald Trumps zunehmend unter wachsender Nichtbeachtung litt, die Sektkorken. Und wie das Spiel seit Jahren gespielt wird, bekamen sie von der Monopolpresse und den längst gekaperten Rundfunk- und Fernsehanstalten auch gleich die Mikrofone vor die bebenden Münder gehalten. Prompt wurde den Russen wieder euphorisch mit der endgültigen Niederlage gedroht und eine Fortsetzung des Krieges unter NATO-Bedingungen das Wort geredet. Jetzt, die benebelte Vorstellung, würde alles wieder gut. Nun könne man sich auf den atlantischen Partner – der einem die Infrastruktur wegsprengte(?) – wieder verlassen und Putins Traum von einem Frieden zu russischen Bedingungen könne begraben werden.

Wäre es nicht so blamabel, so defätistisch und so entwürdigend, dann eignete sich diese Darbietung einmal mehr für eine kleine Burleske. Nur, es handelt sich um bundesrepublikanische Realität. Und es ist vergebliche Liebesmüh, darauf hinzuweisen, dass ein amerikanischer Präsident bei vielen innenpolitischen Vorhaben auf Kongress und Senat angewiesen ist, bei dem, was er außenpolitisch veranstaltet, jedoch nicht. Und wer glaubt, ein Donald Trump gäbe in der ihm noch verbliebenen Zeit klein bei, der schließt vielleicht von sich auf ihn. Er, als alt gedienter Narzisst, wird sich jedoch eines anderen besinnen und versuchen, seinen demokratischen Opponenten noch den einen oder anderen brennenden Bourbon einzuschenken. Sollte dabei noch ein Frieden auf europäischem Boden herausspringen, würden, außer den so inbrünstigen Atlantikern, doch viele Menschen im gebeutelten Europa erleichtert aufatmen.

Wieder einmal fallen die Masken. Und wieder einmal zeigt sich, wie verloren der eigene Kompass ist. 

Die Midterms und der verlorene Kompass

2 Gedanken zu „Die Midterms und der verlorene Kompass“

  1. Avatar von maierundpartnermaierundpartner

    Mit dem gesamten Inhalt bin ich vollkommen einverstanden. Nur eine Sache stört mich, v.a. auch als Freund von Cuba und der übrigen lateinamerikanischen Völkern. Die USA sind – auch wenn sie sich selbst so nennen – nicht die Vereinigten Staaten von ganz Amerika, (das gilt nicht einmal für den Nordhälfte von Amerika), sondern nur ein recht kleiner Teil des Doppelkontinentes. Deshalb sollten wir uns auch angewöhnen, von US-Amerikanern zu sprechen, wenn wir die USA meinen. Ich empfinde es als sehr ungerecht, wenn wir diese andren amerikanischen Menschen, die sehr unter der Politik des US-Imperialismus leiden, für dessen Politik (zumindest sprachlich) mit verantwortlich machen.

    Rainer

    Antwort ↓

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