Chalkboard with math equations and annotations indicating errors and corrections

Das Spiel mit der falschen Prämisse

Was ist zu tun, wenn man von einer falschen Prämisse ausgegangen ist und der Erfolg, den man sich versprach, ausbleibt? Was ist zu tun, wenn man an der falschen Prämisse festgehalten hat, weil das Eingeständnis, falsch kalkuliert zu haben, die eigene Realitätsferne, die eigene Naivität und die eigene Niederträchtigkeit offenbaren würde? Bevor riskiert wird, das Gesicht zu verlieren, hält die hypothetische Figur, die vielleicht gar keine ist, sondern eine kollektive Psyche verrät, an der Fehlkalkulation fest. Und das daran geknüpfte Scheitern wird verknüpft mit einer Konstruktion der Unwahrheit. Auf eine Falschaussage mehr oder weniger kommt es jetzt nicht mehr an. Dass die Zielfigur nicht, wie kalkuliert, passiv bleibt, sondern massiv reagiert, wird nicht zurückgeführt auf das eigene Agieren, sondern der Aggressivität und Boshaftigkeit des als leichtes Ziel falsch Identifizierten deklariert. Das wird so oft wiederholt, bis es zur allgemein akzeptierten Faktenlage avanciert ist. Die anfangs identifizierte Beute wird kurzerhand zum Jäger gemacht. Die vielen Warnungen und unzähligen Gesprächsangebote, die das Gegenüber gemacht hat, werden zuerst in die Archive verwiesen und, wenn möglich, geschreddert.

Und, nachdem man unzählige Versuche unternommen hat, die Zielfigur zu schwächen, auch auf erhebliche Kosten der eigenen Befindlichkeit, was macht man dann, wenn das alles nichts fruchtet? Man hält, wie im ersten Fall, an der eigenen Strategie fest, obwohl sie nicht zu fruchten scheint. Einmal, zweimal, zwanzigmal wird dasselbe wiederholt, obwohl das Gegenüber nicht fällt. Man bestärkt sich jedoch, dass es beim nächsten Mal klappen wird. Ganz bestimmt. Und irgendein Schuldiger aus der eigenen Jagdgesellschaft hat immer einen Fehler gemacht. Illoyalität und Defätismus sind nicht angebracht. Aber es wird schon werden.

Und was passiert, wenn die angegriffene Figur, von der man weiß, dass sie über Mittel verfügt, die man selbst nicht hat, auf diese zurückgreift und dem Spuk ein Ende bereitet? Nein, so versichern sich die Angreifenden gegenseitig, das wird das Gegenüber nicht tun. Obwohl es die Verkörperung des Bösen ist, so böse wird es nicht sein. Und verweise niemand auf diesen Widerspruch! Das wäre Blasphemie! 

Und wie sind die Aussichten, die bei einem solchen Spiel zu prognostizieren sind? Wird sich das Blatt irgendwann dann doch wenden? Oder bleibt es bei der aus kühler Betrachtung existierenden Offensichtlichkeit, dass ein Projekt zum Scheitern verurteilt ist, wenn man von der falschen Prämisse ausgeht? Und bleibt es wirklich dabei, dass das verehrte Publikum eines solchen Spiels geduldig bleibt und sich ansieht, wie die zementierte falsche Prämisse unendlich oft als die Wahrheit wiederholt wird und versucht wird, das Publikum von einem Spiel zu begeistern, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist? Die Antwort kennt nur der Wind. Und der dreht sich bekanntlich gar nicht so selten.

Das Spiel mit der falschen Prämisse

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