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Fundstück: Die Olympiade und die Propaganda

Alle vier Jahre hallen irgendwo im Äther die bedeutungsvollen Worte, dass sich die Jugend der Welt träfe, um sich in fairem Wettkampf zu messen. So schön die olympische Idee auch sein mag, so verlogen ist sie im Kontext mit den Veranstaltungen, die sich in der Neuzeit Olympiaden nennen. Sie sind, um es gleich einmal auf einen provokativen Punkt zu bringen, ein Showroom der jeweiligen Leistungsfähigkeit: in puncto Mensch als Produktionsfaktor, in puncto maschinell-wissenschaftlichen Equipments und in puncto Organisationskompetenz des Standortes. Auch das ist sehr interessant, nur sollte man eine andere Perspektive wählen, um auch das genießen zu können.

Es waren die Deutschen, die zu den drei obigen Faktoren noch etwas anderes hinzufügten, das heute ebenso nicht mehr weg zu denken ist, nämlich die Propaganda. Heute nennt man das Marketing und Kommunikation, vom Wesen und der Qualität allerdings bleibt es Propaganda. Die olympischen Spiele von 1936 in Berlin waren für die Nationalsozialisten die Gelegenheit, sich der Welt als ein modernes, junges und begeisterungsfähiges Land zu präsentieren, während die Folterkeller und Gefängnisse bereits prall gefüllt waren mit Oppositionellen jeder Couleur und der rassistische Wahn schon große Teile der Intelligenz nahezu in den Irrsinn getrieben hatte. Dennoch drangen frohe Botschaften aus Berlin in die damals freie Welt und das Debakel der späteren Appeasement-Politik gegenüber Hitler wäre ohne Olympiade sicherlich weniger wahrscheinlich gewesen.

Neben den Registern, die heute, im Jetzt, von den jeweiligen Ländern gezogen werden, um das Land international gut darzustellen, existiert auch eine mediale Rezeption im Rest der Welt. Die Gretchenfrage lautet in diesem Kontext: Welche propagandistischen Fragmente nimmt man bereitwillig auf und wo konzipiert man eine Gegenpropaganda und verrät damit seine eigene, teils desolat totalitäre Position? Die jüngere olympische Geschichte ist reich an Beispielen und das, was sich hier in Deutschland, im Land der Blaupause olympischer Propaganda so abspielte und abspielt, ist schon ein wonniges Programm, nämlich oberflächlich, reaktionär und von Ressentiments getränkt.

Australien war so ein Fall, wo alle Hemmungen fielen, als man das Land als ein Eldorado für Freigeister und Individualisten darstellte, und die lieben Aussies als possierliche Zeitgenossen ohne mit einer Silbe zu erwähnen, dass es sich dort um die weißeste Gesellschaft auf unserem Planeten handelt, mit einer repressiven Politik gegenüber Minderheiten und einem Herrschaftszynismus ohnegleichen. Griechenland wurde zelebriert als ein Coming Home der olympischen Idee, ohne bis heute ein Wort darüber zu verlieren, dass die damit verbundene Verschuldung des Landes den Grundstein für die heutige Schuldknechtschaft gelegt hat. Die USA sind natürlich immer eine Projektionsfläche für die eigenen Vorurteile und die Bewunderung durch das Mittelmaß, China war das typisch Totalitäre, das wir, natürlich, hier ja gar nicht kennen. Großbritannien war großartig bis zum Tränensturz, obwohl sehr klar war, dass das Land sich durch sein Einschwören auf den Finanzkapitalmarkt und den Abschied vom Proletariat bereits auf ein russisches Roulette vorbereitet hat.

Und nun Russland selbst, das bei der Eröffnungsfeier eine ähnlich narrative Dramaturgie bezüglich der eigenen Geschichte gewählt hat wie vor zwei Jahren London, Russland entpuppt sich natürlich als die dämonische, kolossal rückständige Gesellschaft, die es immer war. Natürlich kann man kritisieren, alle Länder, denn alle haben Probleme und Fehler, und Russland ist ein besonders schwerer Fall, aber es wird dennoch Propaganda, wenn die eigene Glaubwürdigkeit der Strapaze des Vergleichs nicht standhält. Russland als Vielvölkerstaat zu kritisieren, mit einer Diversität, zu der hier nicht einmal die Phantasie ausreicht, wenn selbst 100.000 Immigranten aus Bulgarien zum mentalen Supergau führen, ist lächerlich.

8. Februar 2014

Verstrahlt und drakonisch oder tolerant und sozial?

Das kann man ja auch einmal so sehen: Die Halbwertzeiten der technischen Innovation korrespondieren mit dem Verfall existenzieller Humananteile. Oder, um es volkstümlicher auszudrücken, je schneller immer neue Techniken Einzug in unseren Alltag finden, desto dämlicher werden die Akteure und desto demontierter wirkt der menschliche Körper. Und wenn wir ehrlich sind, wer von uns weiß schon, was in den nächsten fünf bis sieben Jahren passieren wird? Gibt es dann noch Knöpfe und Schalter, die wir bedienen oder brüllen wir dann bereits gammatisch-kryptische Befehle in die Richtung von Geräten, die uns dann bedienen oder tyrannisieren, je nach IQ oder Gefühlslage? Sind wir noch mit Händen oder Augen zugange, wenn wir Signale erhalten, oder schmücken bereits schöne Implantate in der Stirngegend unsere Physiognomie? Vieles steht in den Sternen, eigentlich alles, nur unserer eigener Wille nicht mehr. Das entmündigte Individuum, durch Technik und Technikglaube, steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Mittelpunkt der Gestaltung ist es nicht.

Wie fade wirkt da die Kritik, man könne doch nicht 2020 die Olympischen Spiele nach Japan, ausgerechnet gesponsert durch den Fukushima-Havaristen TEPCO und die Fußball-WM 2022 nach Katar, in das Reich des krudesten Wüstenislams katapultieren. Wenn etwas folgerichtig ist, dann die Auslagerung zweier sowieso als blanke Cash-Maschinen funktionierende Ereignisse dahin zu befördern, wo sie die Rendite in die Höhe treiben.

Hochleistungsvergleiche sind eine Blaupause für das System der Konkurrenz. Und wir wissen seit langem, dass es bei beiden Spielen um Konzepte und Materialvergleich geht. Bei der Olympiade im Lande Fukushimas wäre das Zuckerl nicht nur die Frage, wie sich das Material in einem optimalen Verstrahlungsfeld verhält, sondern wie resistent Hochleistungssportler gegen die zu vermutenden Krebsmutationen sind. Dass TEPCO sich mit dem Mäzenatentum nicht nur neu vermarkten, sondern auch noch gleichzeitig zu exkulpieren sucht, ist dabei ein willkommener Nebeneffekt.

Bei der WM in Katar stellen sich die Fragen anders, aber nicht minder pervers: Erstens, wie können Erfolgskonzepte wie das Deutsche, das auf Talenten, Toleranz und Technik basiert, in feindlicher Umgebung gedeihen? Wie kann die postindustrielle Aufklärung in der der Moderne extremst feindlichen Umgebung überleben und wie können Vorturner wie der von allen so geliebte Kaiser unwidersprochen mit ihrem Mutterwitz die Verletzung der elementarsten Menschenrechte als maßlose Übertreibung und die irrsinnige Energieverschwendung in Zeiten des globalen Umdenkens als kleiner Beischlafdiebstahl miniaturisiert werden.

Denn, so müssen wir schlussfolgern, wenn die Träger von verstrahlten Implantaten und die unterkühlten Kicker aus dem Land der Peitschenstrafen all das als Boten der Normalität in die hier gebliebene Jugend tragen, dann ist tatsächlich alles möglich: Die Anwendung jeder Art von Technik, der Menschenversuch und die Eliminierung der Zivilisation. Das wäre tatsächlich eine neue Dimension politischer Katastrophen, wie sie selbst Kriege nicht zu etablieren vermögen. Fukushima und Katar sind ein Angriff auf alles, worauf das zivilisierte Europa stolz sein kann.

Daher wäre zu bedenken, ob das Mittel des Reframing nicht einige Probleme in Europa bereinigen könnte: Die beiden Mega-Ereignisse werden zurück nach Europa geholt. Die Fußball-WM 2020 wird gemeinsam von Russland, Deutschland und der Ukraine ausgerichtet. Die Olympiade 2022 geht nicht nach Japan, sondern nach Griechenland. Die Investitionen, die das Land dringend braucht, werden ab sofort von der EU zur Verfügung gestellt, die ihrerseits dieses Mal die Banken in die Regresspflicht stellt. Europa bekäme etwas zurück von seiner Identität, und die globale Zockermentalität sähe eine erste Grenze.

Die Olympiade und die Propaganda

Alle vier Jahre hallen irgendwo im Äther die bedeutungsvollen Worte, dass sich die Jugend der Welt träfe, um sich in fairem Wettkampf zu messen. So schön die olympische Idee auch sein mag, so verlogen ist sie im Kontext mit den Veranstaltungen, die sich in der Neuzeit Olympiaden nennen. Sie sind, um es gleich einmal auf einen provokativen Punkt zu bringen, ein Showroom der jeweiligen Leistungsfähigkeit: in puncto Mensch als Produktionsfaktor, in puncto maschinell-wissenschaftlichen Equipments und in puncto Organisationskompetenz des Standortes. Auch das ist sehr interessant, nur sollte man eine andere Perspektive wählen, um auch das genießen zu können.

Es waren die Deutschen, die zu den drei obigen Faktoren noch etwas anderes hinzufügten, das heute ebenso nicht mehr weg zu denken ist, nämlich die Propaganda. Heute nennt man das Marketing und Kommunikation, vom Wesen und der Qualität allerdings bleibt es Propaganda. Die olympischen Spiele von 1936 in Berlin waren für die Nationalsozialisten die Gelegenheit, sich der Welt als ein modernes, junges und begeisterungsfähiges Land zu präsentieren, während die Folterkeller und Gefängnisse bereits prall gefüllt waren mit Oppositionellen jeder Couleur und der rassistische Wahn schon große Teile der Intelligenz nahezu in den Irrsinn getrieben hatte. Dennoch drangen frohe Botschaften aus Berlin in die damals freie Welt und das Debakel der späteren Appeasement-Politik gegenüber Hitler wäre ohne Olympiade sicherlich weniger wahrscheinlich gewesen.

Neben den Registern, die heute, im Jetzt, von den jeweiligen Ländern gezogen werden, um das Land international gut darzustellen, existiert auch eine mediale Rezeption im Rest der Welt. Die Gretchenfrage lautet in diesem Kontext: Welche propagandistischen Fragmente nimmt man bereitwillig auf und wo konzipiert man eine Gegenpropaganda und verrät damit seine eigene, teils desolat totalitäre Position? Die jüngere olympische Geschichte ist reich an Beispielen und das, was sich hier in Deutschland, im Land der Blaupause olympischer Propaganda so abspielte und abspielt, ist schon ein wonniges Programm, nämlich oberflächlich, reaktionär und von Ressentiments getränkt.

Australien war so ein Fall, wo alle Hemmungen fielen, als man das Land als ein Eldorado für Freigeister und Individualisten darstellte, und die lieben Aussies als possierliche Zeitgenossen ohne mit einer Silbe zu erwähnen, dass es sich dort um die weißeste Gesellschaft auf unserem Planeten handelt, mit einer repressiven Politik gegenüber Minderheiten und einem Herrschaftszynismus ohnegleichen. Griechenland wurde zelebriert als ein Coming Home der olympischen Idee, ohne bis heute ein Wort darüber zu verlieren, dass die damit verbundene Verschuldung des Landes den Grundstein für die heutige Schuldknechtschaft gelegt hat. Die USA sind natürlich immer eine Projektionsfläche für die eigenen Vorurteile und die Bewunderung durch das Mittelmaß, China war das typisch Totalitäre, das wir, natürlich, hier ja gar nicht kennen. Großbritannien war großartig bis zum Tränensturz, obwohl sehr klar war, dass das Land sich durch sein Einschwören auf den Finanzkapitalmarkt und den Abschied vom Proletariat bereits auf ein russisches Roulette vorbereitet hat.

Und nun Russland selbst, das bei der Eröffnungsfeier eine ähnlich narrative Dramaturgie bezüglich der eigenen Geschichte gewählt hat wie vor zwei Jahren London, Russland entpuppt sich natürlich als die dämonische, kolossal rückständige Gesellschaft, die es immer war. Natürlich kann man kritisieren, alle Länder, denn alle haben Probleme und Fehler, und Russland ist ein besonders schwerer Fall, aber es wird dennoch Propaganda, wenn die eigene Glaubwürdigkeit der Strapaze des Vergleichs nicht standhält. Russland als Vielvölkerstaat zu kritisieren, mit einer Diversität, zu der hier nicht einmal die Phantasie ausreicht, wenn selbst 100.000 Immigranten aus Bulgarien zum mentalen Supergau führen, ist lächerlich.