An manchen Tagen denke ich, es ist besser loszulassen. Welchen Wert hat es, frage ich mich, an jeder möglichen Stelle darauf hinzuweisen, dass aus meiner Sicht etwas in die falsche Richtung läuft. Ja, Irrtümer, auch in großem Maße, hat es immer gegeben. Aber die Vorstellung, dass jede Form des Unwissens, jede Art der Verblendung und jede Version der Infiltration dazu geeignet ist, sich flächendeckend durchzusetzen, während alle Versuche, die Dinge richtig zu stellen, vom Gros der Beobachter müde lächelnd oder Wut schnaubend, aber nie in angemessener Form, wahrgenommen werden – zu was führt das?
Zur Schmach des Verkannten? Zum Selbstzweifel, vielleicht doch völlig falsch abgebogen zu sein? Zur Erkenntnis, dass man selbst nicht in der Lage ist, noch irgend etwas durch sein eigenes Tun beeinflussen zu können? Zum gefährlichen Trip, den der Zynismus bietet? Zur Existenz des alten, wütenden Mannes, der aus der Zeit gefallen ist?
Auch, wenn sich die Aufreihung der Fragen verzweifelt anhört. Verzweifelt bin ich nicht. Angesichts der nachweisbaren Oberflächlichkeit, der sprachlichen Dürftigkeit, der logischen Nachlässigkeit wie der sozialen Verkommenheit derer, die auf den Wellen der allumfassenden Mystifikation dahin reiten, bin ich mir in wenigen Punkten sicher: Mein Verstand funktioniert noch gut, meine Erfahrungen kann mir keiner nehmen und meine Parole, mich unter keinen Umständen um der lieben Ruhe Willen unter welche Macht auch immer zu unterwerfen, steht jeden Tag von neuem leuchtend vor meinen Augen. My head ist bloody, but unbowed!
Also, und da denke ich an die Inschrift auf dem Grabstein Ludwig Marcuses: Weitermachen! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen!
