Erst war es ein Anschlag auf den CSD in Berlin. Ein Toter und ca. 30 Verletzte waren zu beklagen. Entsetzen wie Trauer waren groß. Was allzu menschlich ist. Nun, kurze Zeit später, wird von einem hybriden Angriff auf einen Flughafen in Leipzig gesprochen, von dem aus Kriegsmaterial in die Ukraine geflogen wird. Was die beiden Ereignisse miteinander zu tun haben? Mit der völligen Weltfremdheit der medial erzeugten Öffentlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland.
Die Opfer am Rande des CSD sind, man verzeihe das Idiomatische, ein Spauz gegen das, was in heißen Kriegsgebieten stündlich geschieht. Und die Politik, die seit geraumer Zeit aus diesem Land heraus betrieben wird, sorgt dafür, dass der heiße Krieg immer näher rückt. Da stellt sich dann die Frage, wie man gedenkt, die Potenzierung von Tod und Leid psychisch einigermaßen auf die Reihe zu bekommen? Für emotionale Robustheit spricht alles, was wir momentan erleben, jedenfalls nicht.
Was, und da wären wir dann bei der Drohne auf dem Leipziger Flughafen. Zum einen sollte sichergestellt werden, ob es sich nicht, wie jüngst bei der behaupteten feindlichen Intervention in das GPS eines Von-der-Leyen-Fliegers um ein propagandistisches Manöver handelt, um die notwendige Stimmung für eine weitere Eskalation zu erzeugen. Es stellte sich in jenem Fall nämlich sehr schnell heraus, dass gar nichts war. Worüber allerdings nicht mehr berichtet wurde.
Aber, gesetzt den Fall, es handelt sich um eine tatsächliche Aktion von russischer Seite. Was, ihr lieben Strategen, wäre daran eigentlich so verwunderlich? Wer seinerseits immer offensiver die eigene Kriegsbeteiligung zur Schau stellt, darf sich nicht wundern, wenn man zunehmend als aktive Kriegspartei angesehen und behandelt wird. Da stellt sich zumindest die in Deutschland immer wieder beliebte Frage, ob wir es mit Dummheit oder einer widerwärtig abgebrühten Strategie zu tun haben?
Wer glaubt, man könne den Krieg weiter betreiben, prolongieren und als Geschäftsmodell für bestimmte Interessengruppen unbegrenzt fortsetzen und sogar eskalieren, ohne dass der berüchtigte russische Bär seine Pranken ausfährt, dokumentiert seine Unmündigkeit im realen Leben. Um es sehr vor- wie nachsichtig zu formulieren! Und wer denkt, der Krieg sei lediglich ein Geschäftsmodell, hat sich auf das Terrain der zivilisationsfeindlichen Kriminalität begeben.
Der Bevölkerung hierzulande wie überall auf der Welt kann die Beantwortung der Frage egal sein. Ob sie es zu tun hat mit intellektuell überforderten Karrieristen oder mit ausgemachten Kriminellen, die in Bezug auf das Wohlergehen und die Zukunftsperspektive der jeweils eigenen Bevölkerung keine Rücksicht nehmen. Beide Varianten führen ins Elend.
Was auf jeden Fall hilft, um die Orientierung in dem ganzen Gewusel von Hirnriss und Propaganda wiederzugewinnen, ist das Beherrschen der Grundrechenarten. Wer in der Lage ist, bis drei zu zählen, kann sich vorstellen, dass der Gewaltakt am Rande des Berliner CSD eine Petitesse ist im Vergleich zu einem formidablen Kriegsalltag. Und wer in der Lage ist, bis drei zu zählen, weiß auch, dass die zunehmende aktive Beteiligung am Kriegsgeschehen auch dazu führen wird, dass sich die Zerstörung dem eigenen Lebensraum immer mehr nähert. Und wer bis drei zählen kann weiß zudem, dass man in einer derart heiklen Situation die Geschäfte weder Dummen noch Kriminellen überlassen sollte.
