Archiv für den Monat Dezember 2016

Aleppo, Mossul und die postfaktische Zeit

Immer wieder mit großer Treffsicherheit!

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Der Krieg um Aleppo ist vorbei. Fast vorbei, aber er ist entschieden. „Wir haben Geschichte geschrieben, Aleppo ist befreit“, triumphiert Assad. Was genau passiert ist, ist kaum durchschaubar. Auch wenn du mit modernen Kommunikationsmitteln alles so gut wie live verfolgen kannst, Videos in Echtzeit nach außen dringen, was wirklich los ist – mir ist es sehr unklar.

Robert Fisk ist einer der besten Kenner der Mashreq-Region – der fruchtbare Halbmond, Libanon, Syrien, Irak, Jordanien, Palästina. Er schreibt im Independent: There is more than one truth to tell in the heartbreaking story of Aleppo.

Wenn Krieg ist, wollen wir immer unterscheiden, die Guten und die Bösen. Manchmal ist das sehr einfach. Manchmal ist es unmöglich. Ich glaube, in Syrien ist es unmöglich.

Während die Kämpfe in Aleppo zu Ende gehen, sie sind noch lange nicht am Ende in Mossul. Mossul? Stimmt, wir erinnern uns. Das war vor Monaten, als die…

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Den Dogmatismus der Lächerlichkeit preisgeben!

Der entscheidende Dialog in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ findet bei längst fortgeschrittener, hoch dramatischer Handlung in der Bibliothek des Klosters statt. Der blinde Jorge von Burgos, ein Vertreter des klerikalen Absolutismus und Befürworter der Inquisition, streitet sich dort mit dem vieles hinterfragenden Wandermönch aus Baskerville. Im Grunde geht es darum, ob der irdische Mensch das Recht hat, das Dogma der Kirche anzuzweifeln und es durch Fragen erläutern zu lassen. Jorge de Burgos bestreitet das vehement und geht in dem Dialog noch weiter, bevor er lieber die ungeheuer wertvolle Bibliothek und sich selbst in Flammen aufgehen lässt, als der Suche nach Wahrheit eine Chance zu geben. Ganz in der Tradition der Inquisition sagt der Dogmatiker selbst dem Lachen den Kampf an. Er ist der Überzeugung, dass das Lachen der erste Schritt ist, um die kirchlichen Dogmen zu vernichten. Und mit dieser für ihn selbst so schrecklichen Einsicht lag er goldrichtig.

Gehen wir von der Geburtsstunde der Aufklärung in unsere Tage, dann vernehmen wir aus den so vielen Aussagen über die Notwendigkeiten der Zeit immer wieder den Ratschlag, wir, als aufgeklärte Gesellschaft, sollten uns auf die Grundwerte der Aufklärung und der Demokratie besinnen. Ich gäbe alles dafür, wenn die Zustände so wären, wie sie beschrieben wären. Aber leider komme ich mir oft so vor, als säße ein Jorge de Burgos vor mir und erklärte mir, ich dürfe die Dogmen unserer modernen Gesellschaft nicht hinterfragen, sonst begäbe ich mich in die Arme der Blasphemie oder gar des Populismus. Wie soll ich schlau daraus werden, wenn es nur eine Meinung darüber geben soll, was richtig und falsch ist? Und wenn alle, die sich die Mühe machen, hinter nachweislich falschen Begründungen von politischen Entscheidungen auch Gründe dafür zu suchen, warum das so ist, als Feinde des Landes, der EU und der Menschlichkeit bezeichnet werden? Diese eine, offizielle, moralisch begründete Meinung ist allzu oft dogmatisch. Und diejenigen, die sie befragen, werden ausgegrenzt wie zu den Hochzeiten der Heiligen Inquisition.

Diese Erkenntnisse sind nun schon alt genug als dass es ein wenig langweilig wäre, sich nur über diese Zustände zu beschweren. Nehmen wir doch den Appell ernst und zerlegen die falschen Aussagen über die existierenden Verhältnisse mit dem messerscharfen Verstand der Aufklärung. Das ist eine gute Empfehlung und immer mehr Menschen nehmen sie sich zu Herzen. Wer laut denkt, macht schon den ersten Schritt. Dabei sind viele, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind, mit den Methoden der modernen Inquisition sehr vertraut und können berichten, wo die Analogien sind zwischen dem, was sie in schmerzhafter Erinnerung haben und dem, was sich hier entwickelt hat. Manchmal ist alles auch ganz einfach. Wieso, so muss gefragt werden, wird ein mehrtägiger offizieller Besuch der Bundesverteidigungsministerin von der Leyen in Saudi Arabien nirgendwo erwähnt und wieso wird aus Aleppo in Form von Privatvideos berichtet, aber nicht, dass es bei der UNO eine Geheimsitzung gab, weil in Aleppo NATO-Offiziere festgenommen wurden? Aber lassen wir auch das.

Umberto Eco hat es mit der Verwundbarkeit des Dogmatikers Jorge de Burgos wunderbar auf den Punkt gebracht. Der Dogmatismus wird nicht nur mit der Analyse und mit politischen Argumenten bekämpft, sondern ihm kommt man auch mit beißendem Spott und Humor bei. Keine politische Auseinandersetzung von Bedeutung war so humorlos wie diese. Das ist ein Erfolg der Dogmatiker. Und das muss aufhören. Wir müssen sie der Lächerlichkeit preisgeben.

Bewaffnete Islamwissenschaftler im Osten Aleppos

Es ist immer gut und hilfreich, die Probe aufs Exempel machen zu können. Angesichts der Emotionen und der moralischen Mobilisierung im Falle des Falls von Aleppo durch die öffentlich-rechtliche Berichterstattung sei ein kleines Experiment erlaubt, das sich zum einen an der benutzten Begrifflichkeit abarbeitet und andererseits etwas unternimmt, das nicht mehr en vogue zu sein scheint, aber zum Handwerk der Informationsbeschaffung gehört wie die Luft zum Atmen: Recherche.

Gehen wir nun durch Tagesschau und Heute Journal, dann treffen wir auf nicht verifizierte Bilder von menschlichem Leid. Im Falle Aleppos ist das nicht verwunderlich und es ist schlimm. Was nicht geklärt ist, von wem die Bilder sind und wen sie eigentlich zeigen. Die Kommentare, die, obwohl sie sehr oft mit Redewendungen wie „anscheinend“, „soll“ und „wohl“ arbeiten, insinuieren, dass es sich um Opfer des brutalen Assad Regimes, das seinerseits durch die Russen gestützt wird, handelt. Nicht, dass so etwas nicht möglich wäre, aber gesichert ist diese Nachricht nicht, es wird unterstellt, dass es so ist, das aber konsequent in jedem Beitrag. In keinem Beitrag jedoch taucht eine gesicherte Quelle auf.

Nach der nun erzeugten Betroffenheit, die weite Teile des humanistisch geprägten Publikums ergreift, wird von Rebellen gesprochen, die sich im Osten von Aleppo aufhalten und die letzten aufrechten Kämpfer gegen das Assad Regime sind. Eine einfache Suche über Google bringt zahlreiche Quellen über die Art der „Rebellen“, die sich in Ost-Aleppo aufhalten. Alle Quellen bestätigen, dass es sich dabei um sehr unterschiedliche bewaffnete Gruppen handelt, die allerdings eines gemein haben: Es handelt sich um so genannte Islamisten, die nicht lange fackeln, um die Zivilbevölkerung zu drangsalieren oder als Geisel zu nehmen.

Das Faktum legt jedoch den Schluss nahe, das wir im Zentrum der humanistischen Werte plötzlich Mitleid haben sollen mit Menschen, die im Namen Allahs morden und brandschatzen. Wenn das die unumstößliche Wahrheit ist, dann muss gegen die Produzenten dieses Unsinns etwas unternommen und sie müssen aus ihren Positionen entfernt werden. Denn, man kann es drehen und wenden wie man will, es handelt sich um gezielte Fehlinformation und moralische Unterstützung von terroristischen Vereinigungen. Und wenn Angela Merkel beim Schicksal ausgerechnet dieser Menschen die Tränen kommen, dann ist sie nicht die Kanzlerin der Humanisten im Land.

Aber, vielleicht ist ja alles auch nur eine Posse aus einem total verlotterten Berufsstand, der gar nichts mehr auf die Reihe bekommt. Die so genannte Elite hat anscheinend den Verstand verloren. Denn wenn wir die Sprache analysieren, immerhin Trägerin der Informationen, um die es geht, ist die Botschaft derartig skurril, dass nur noch das Lachen bleibt. Denn die Nachricht, die wir bekommen, müsste eigentlich folgendermaßen übersetzt werden:

„In Ost-Aleppo kämpfen bewaffnete Islamwissenschaftler, die zum Teil in ihrem Dominanzgebiet die Menschen dazu zwingen, die Scharia anzuerkennen und die auch vor Selbstmordanschlägen nicht zurückschrecken, um ihr Überleben. Es ist eine Tragödie sondergleichen.“

Wir sollten gewarnt sein, denn den Islamisten könnten hierzulande sehr schnell übergeschnappte Anglisten und Romanisten folgen und wenn die Germanisten erst einmal Blut geleckt haben, dann Gnade uns Gott.

Ceterum censeo: Die Performance ist so lausig, dass einem nur noch das berühmte Zitat Max Liebermanns einfällt, als er nach der Machtübernahme zu den Nazis befragt wurde. Seine Antwort war klar: Er könne, so ins Hochdeutsche übersetzt, nicht so viel essen, wie er kotzen müsse.