Obama kommt, Dulmatin liquidiert!

Das Land der 13.000 Inseln und über 200 Millionen Menschen wäre nicht das, was es ist, wenn die Dramaturgie des Schattenspiels nicht auch die Vorlage für die Politik bildete. 12 Tage vor dem Besuch des amerikanischen Staatspräsidenten Barack Obama in Indonesien schlug die dortige Geheimpolizei gnadenlos zu und räumte mit den Hauptfiguren des indonesischen Terrorismus auf. Als ersten hatte es den Top-Terroristen Dulmatin alias Umar Patek, seinerseits prominentes Mitglied der fundamentalistischen Jemaah Islamiyah und einer der Drahtzieher des Bombenanschlags auf Bali im Jahre 2002 erwischt. Weinige Stunden darauf folgten andere. Dulmatin selbst wurde, kurz nachdem er sich in einem Internetcafé in Tangerang in der Nähe Jakartas eingeloggt hatte, von einer Spezialeinheit überrascht. Laut deren Angaben zog Dulmatin eine Waffe und wurde umgehend mit tödlichen Schüssen niedergestreckt. Den anderen Mitgliedern der Jemaah Islamiyah, die wenige Stunden später folgten, erging es nicht anders.

Der bevorstehende Besuch Barack Obamas in Indonesien könnte dazu beitragen, die geopolitische Weltkonstellation erheblich zugunsten der USA zu verändern. Die Voraussetzungen, dass Obama das Kunststück gelingt, die seit Jahrzehnten emotional von den USA zurückweichende größte muslimische Bevölkerung der Welt zurück zu gewinnen, sind nicht schlecht. Obama selbst ging als Kind in Menteng, einem renommierten und geschichtsträchtigen Stadtteil im Herzen Jakartas zur Schule, er genoss eine muslimische Erziehung und dürfte wohl in der Lage sein, seine Botschaften in indonesischer Sprache an seine Gastgeber zu senden. Die Rolle der USA, die seit der Unterstützung des blutigen Soeharto-Putsches im Jahr 1964 mit über zwei Millionen Toten in der Folge zu dem schlimmsten gehört, was sich seit dem II. Weltkrieg ereignete, hat dazu geführt, dass die Chancen auf einen zunehmenden Rückzug in den Islam immer besser wurden. Vor allem die USA der Bush-Ära galten als sombong, d.h. arrogant und ist das schlimmste Adjektiv, das eine Politik in einem vom Javanismus dominierten Denken erhalten kann. Obama könnte diese Entwicklung stoppen und damit dem islamistischen Fundamentalismus mehr schaden als mit allen militärischen Einsätzen zusammen.

Aus diesem Blickwinkel heraus sind die verstärkten Aktivitäten terroristischer Kräfte im Vorfeld des Besuches und die rigorose Vorgehensweise der Geheimpolizei zu sehen. Bambang Susilo Yudhoyono, der Staatspräsident, will den Kurs seiner demokratischen Konsolidierung fortsetzen und er weiß, dass ein Anschlag auf Präsident Obama in seinem Land das Chaos garantieren würde. Die Liquidierung Dulmatins in einem Internetcafé ist eine unmissverständliche Botschaft an das fundamentalistische Lager, bei einer falschen Bewegung zum jetzigen Zeitpunkt die Hölle auf Erden zu riskieren. Die Inszenierung Bambangs, von dem Erfolg bei einem offiziellen Australienbesuch informiert zu werden, ist das symbolische Ausrufezeichen hinter seiner Botschaft. Die bevorstehende Visite Obamas wird dennoch dessen bislang gefährlichste Reise. Und wie so oft, wird im Land der tiefen Schatten, der verborgenen Mächte und der schönen Frauen wieder etwas entschieden, von dessen Tragweite viele noch nichts ahnen.