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3,5 Milliarden gegen 8!

Mit Beginn der alljährlichen Tagung des World Economic Forum im schweizerischen Davos melden sich alle zu Wort, die glauben, etwas zur Entwicklung der Weltwirtschaft sagen zu können. Darunter sind kluge Köpfe wie starrsinnige Ideologen, trocken argumentierende Wissenschaftler und leidenschaftliche Kämpfer für ein besseres Leben. Sicherlich werden die Veränderungen auf der politischen Landkarte ein Thema sein, aber ändern werden die Diskussionen daran nichts.

Im noblen Davos, wo eine Tasse Kaffee umgerechnet mehr kostet als das vom Hartz-Satz berechnete Mittagessen für eine vierköpfige Familie, werden jedoch im Wesentlichen zwei Positionen aufeinanderprallen. Die des Wirtschaftsliberalismus und die zurückkehrende Position des staatlichen Interventionismus. Dass die USA nun zu letzterem Lager gehören, ist eine Neuheit. Und es ist spannend, wer sich durchsetzen wird. Das hängt allerdings nicht vom Diskussionsverlauf in Davos ab, sondern von den Wahlergebnissen und sozialen Kämpfen in den industriell hoch entwickelten Ländern.

Passend zum World Economic Forum sind die neuen Statistiken verfügbar, die Aufschluss über den in der Welt verteilten Reichtum geben. Die markanteste Aussage ist die, dass sage und schreibe 8 Personen genauso viel besitzen wie auf der anderen Seite 3,5 Milliarden Menschen. Dieses Besitzverhältnis ist das Ergebnis eines entfesselten Turbokapitalismus, eines finanzspekulativen Hasards und der mit diesen Erscheinungen einhergehenden Ideologie des Wirtschaftsliberalismus. Letztere war es, die die Globalisierung eskortierte und letztendlich diese weltumspannende Entwicklung zu einem sozialen Vernichtungsfeldzug machte. Millionen Jobs gingen verloren, staatliche Fürsorge und Sozialleistungen wurden minimiert, Gesundheit und Bildung privatisiert und die Reichsten steuerlich privilegiert. Das Argument dieser destruktiven Ideologie, der Markt werde alles richten, ist die Gründungslüge des Kapitalismus und zeigt sich an der eingangs genannten Zahl: 8 gegen 3,5 Milliarden.

Die politische Entwicklung gerade in den letzten zwei Jahren und gerade in den Zentren des turbokapitalistischen Westens macht deutlich, wie die soziale Komplettrasur in großen Teilen der Bevölkerung verarbeitet wird. Sie macht die Globalisierung für ihr zunehmendes Elend verantwortlich und sie sieht das schamlose, asoziale und arrogante Treiben der Nutznießer des Wirtschaftsliberalismus zu Recht verknüpft mit dem Welthandel. Dass beides jetzt aufs Korn genommen wird, ist folgerichtig. Und dass die Politik, die diese Ideologie propagiert und umgesetzt hat, nun auf der Anklagebank sitzt, ist ebenso folgerichtig. Dass die Kläger leider nicht das Format haben, das diese Bewegung des Protestes verdient, hat etwas damit zu tun, dass sowohl die Parteien als auch die Gewerkschaften, die sich sozialer Gerechtigkeit zurechnen, im Boot derer sitzen, die den Wahnsinn zu vertreten haben. Gäbe es in den Ländern, in denen nun die rechte, populistische Gefahr als Reaktion auf die Ungerechtigkeit in dieser Welt auftaucht, kämpferische, im Kampf erprobte Gewerkschaften und sozialrevolutionäre Parteien, die den Namen verdient haben, dann ginge es jetzt in eine andere Richtung.

Folgerichtig ließe sich etwas sarkastisch formulieren, dass wieder einmal ein Gespenst umgeht in der Welt. Es ist das Gespenst des Wirtschaftsliberalismus. Ihm sind die Krisen jedoch tatsächlich zuzurechnen und es stellt sich die Frage, wie erkenntnisarm es in vor allen Dingen deutschen Landen zugeht, wenn es nicht einmal als Skandal gilt, dass der Großinquisitor dieser desaströsen Ideologie, Finanzminister Schäuble, erneut zur Wahl steht. Da ist es nahezu putzig mitanzusehen, wie überlegt wird, gegen PEGIDA vorzugehen. Eine bessere Speise als Schäuble gibt es nicht für diese Bewegung. Das ändert alles aber nichts. Die entscheidende Konstellation ist eine andere: 3,5 Milliarden gegen 8!