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Der Absturz des deutschen Journalismus und die WM

Das Wort geht der Tat voraus. Heinrich Heine hat es, im Angesicht der von ihm erlebten Geschichte, gut auf den Punkt gebracht. Zuerst wird gedacht, dann wird gehandelt. Und unter diesem Aspekt muss ab heute etwas beobachtet werden: Wie gestaltet sich der Propagandafeldzug gegen Russland? Denn mit dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft wird die mittlerweile in Deutschland etablierte Propagandamaschine zeigen, zu was sie in der Lage ist. Schon schiebt sich ein Artikel nach dem anderen auf die Displays, in denen das Reich des Bösen angeprangert wird. Sicher ist, dass allen, die sich gerne dem Fußball widmen, ins Haus steht, die gefühlte Vorfreude ziemlich vergällt zu bekommen. Denn es wird gehetzt werden, was das Zeug hält. Ziel ist es, die Massen emotional so in Stellung zu bringen, dass ein militärisches Vorgehen zumindest nicht mehr überrascht. Und wenn es gelingen sollte, eine schlechte Weltmeisterschaft auch des deutschen Teams auf die russische Bilanz zu schieben, dann hat sich der Aufwand gelohnt. 

Es geht um den Verlust des kritischen Journalismus. Wer sich dazu herablässt, alles, was in einem Land zu bemängeln ist, auf eine Person zu reduzieren, wie dieses im Falle Putins immer wieder geschieht, der ist durch die Prüfung bereits durchgefallen. Wer sich nicht schämt, als Kronzeugen gegen Russland Oligarchen zu zitieren, die sich mit Mafia-Methoden nach dem Zusammenbruch der UdSSR Volksvermögen einverleibt haben, ist verkommen. Und wem es nicht gelingt, ganz normale Menschen vor die Linse zu bekommen, die darüber berichten, was ihnen wichtig ist, und was sie glücklich und was sie traurig macht, der hat das Motiv von Völkern nicht begriffen.

Ich werde versuchen, mir den Spaß am Fußball und der Deutung des Spiels nicht verderben zu lassen durch die Testate eines schlechten Journalismus. Ich werde versuchen, mir die Berichte über das Land anzusehen und sie nach ihrer Qualität zu beurteilen. Wie lange ich das aushalten werde, steht noch in den Sternen. Aber es wird sich lohnen, denn das daraus abgeleitete Urteil über die Leistungen der Berichterstattung werden noch wichtig sein. Denn die organisierte Einflussnahme auf deutsche Medien durch bellizistische amerikanische Think Tanks muss auf die Tagesordnung. Für die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu Staatssendern tragen die Regierungen der letzten eineinhalb Jahrzehnte die politische Verantwortung. Die Journalisten selbst, die sich durch das Netzwerk haben kaufen lassen, müssen ihre Arbeitspapiere erhalten und angeklagt werden. Wie wäre es, und es wird zu sehen sein, wie wäre es mit Volksverhetzung?

Das Land, das den höchsten Preis dafür bezahlt hat, dass der deutsche Faschismus letztendlich in die Knie gezwungen wurde, wird von den Nachfahren der Täter nicht mehr als solches gesehen.  Und das Land, ohne das es keine deutsche Wiedervereinigung gegeben hätte, wird heute als die Ursache allen Übels gesehen. Da ist etwas ganz dramatisch aus dem Ruder gelaufen. Auch unter dem Aspekt, dass der Slogan „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ wie die Maxime aller journalistischen Tätigkeiten vor sich hergetragen wird. 

Bei dieser WM geht es, leider, wenig um Fußball. Es geht um Russland, vordergründig. Mehr noch geht es um Deutschland und die Art seiner momentanen Befindlichkeit. Die Eliten haben sich bereits gegen Russland mobilisieren lassen. Der große Teil des Volkes noch(?) nicht. Wer historisch seine Lektion gelernt hat und wer nicht, ist allerdings bereits vor dieser Weltmeisterschaft klar.

Konzertierte Aktion von UEFA und NATO

Es heißt, internationale Fußballturniere sind hervorragend dazu geeignet, um bestimmte Dinge politisch über die Bühne zu bringen. Immer wieder einmal wurde eine unangenehme Rentenreform, die Aufhebung von Individualrechten, die Verschärfung von Polizeigesetzen oder ein umstrittenes Bankengesetz genau dann im Bundestag verabschiedet, wenn die Deutschen während eines Turniers um Titel kämpften. Denn wenn der Ball rollt, dann ist hierzulande Ausnahmezustand. Dann geht es primär um das Thema Fußball und sekundär um die Frage, wie alles um den Fußball herum organisiert werden kann, von der Arbeit bis zur Familie. Was sich da im Parlament tut, ist für das Gros außerhalb des Aufmerksamkeitsfokus.

Was es bisher nicht gab war der Versuch, Politik direkt über die Kommunikation des Fußballereignisses selbst machen zu wollen. Das Sujet ist zu heikel, als dass es hinter dem Rücken der Bevölkerung vollzogen werden könnte. Um letztendlich kriegerische Handlungen vorbereiten zu können, muss vorher emotional richtig aufgeladen werden. Die Krawalle, verursacht durch Hooligans, sollen den Vorwand liefern, um Aktionen zu rechtfertigen, die von psychologischer Kriegsführung bis hin zur harten Kriegsvorbereitung reichen.

Drei Tage lang hielten englische Fans die Stadt Marseille in Atem. Zumeist betrunken randalierten sie im öffentlichen Raum und legten sich sowohl mit französischen Sicherheitskräften als auch mit französischen Fans an. Am dritten Tag, dem des Spiels gegen Russland, trafen die russischen Fans ein, die an Gewaltbereitschaft den englischen Hooligans nicht nachstanden. Die Folge waren bürgerkriegsähnliche Zustände in der Stadt. Als beim Abspielen der Hymne die russische von englischen Fans gnadenlos niedergepfiffen wurde und sich viele englische Journalisten noch für das inakzeptable Verhalten entschuldigten, hätte klar werden sollen, dass da etwas inszeniert wurde, was nachher mit Bildern leider nicht belegt werden konnte. Fazit: Die Russen waren die Krawallmacher.

Die UEFA hat prompt reagiert und den russischen Verband relegiert, sollten sich derartige Ereignisse wiederholen. Von den englischen Hooligans und ihren Taten ist seitdem nicht mehr die Rede. Ziel ist es, Russland die für 2018 geplante Fußballweltmeisterschaft wieder wegnehmen zu können. Zeitgleich mit der Verkündung der UEFA-Entscheidung ließ die NATO die Verlegung von 4.500 Soldaten direkt an die russische Grenze verlauten. Rund tausend Soldaten werden deutsche sein.

Die Grundlage der Wiedervereinigung Deutschlands war die Zusage sowohl der USA als auch der damaligen Bundesrepublik, dass sich die NATO nicht nach Osten Richtung russischer Grenze erweitern werde. Heute, 25 Jahre später, steht die NATO vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer mit Ausnahme der Ukraine überall direkt an der russischen Grenze. Dem Wortbruch folgte die kollektive Geschichtsvergessenheit, eskortiert von einer immer massiver werdenden Kriegspropaganda. Gegen die Verfolgung gewalttätiger Fußballhooligans ist nichts einzuwenden. Nur wenn, dann sollte das Recht für alle gelten. In diese Krawalle die Zementierung von Feindbildern zu inszenieren, wie dieses derzeit auch wieder von den deutschen Medien geschieht, ist kriminell. Statt aufzuklären, säen sie Hass.

Die konzertierte Aktion von UEFA und NATO dokumentiert eine neue Qualität in der Massenmanipulation und Volksverhetzung, gepaart mit einer zunehmend aggressiven, kriegstreibenden Politik. Es sind diese Aktionen, die so impertinent und dreist sind, die dazu führen sollten, den korrupten Fußballverbänden und überlebten Militärbündnissen die Existenzfrage zu stellen. Fußball wird auch ohne UEFA gespielt werden können und die größte Bedrohung für den Frieden in Europa ist gegenwärtig die NATO. So viel Nachdenken muss in der Halbzeit erlaubt sein!

Verstrahlt und drakonisch oder tolerant und sozial?

Das kann man ja auch einmal so sehen: Die Halbwertzeiten der technischen Innovation korrespondieren mit dem Verfall existenzieller Humananteile. Oder, um es volkstümlicher auszudrücken, je schneller immer neue Techniken Einzug in unseren Alltag finden, desto dämlicher werden die Akteure und desto demontierter wirkt der menschliche Körper. Und wenn wir ehrlich sind, wer von uns weiß schon, was in den nächsten fünf bis sieben Jahren passieren wird? Gibt es dann noch Knöpfe und Schalter, die wir bedienen oder brüllen wir dann bereits gammatisch-kryptische Befehle in die Richtung von Geräten, die uns dann bedienen oder tyrannisieren, je nach IQ oder Gefühlslage? Sind wir noch mit Händen oder Augen zugange, wenn wir Signale erhalten, oder schmücken bereits schöne Implantate in der Stirngegend unsere Physiognomie? Vieles steht in den Sternen, eigentlich alles, nur unserer eigener Wille nicht mehr. Das entmündigte Individuum, durch Technik und Technikglaube, steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Mittelpunkt der Gestaltung ist es nicht.

Wie fade wirkt da die Kritik, man könne doch nicht 2020 die Olympischen Spiele nach Japan, ausgerechnet gesponsert durch den Fukushima-Havaristen TEPCO und die Fußball-WM 2022 nach Katar, in das Reich des krudesten Wüstenislams katapultieren. Wenn etwas folgerichtig ist, dann die Auslagerung zweier sowieso als blanke Cash-Maschinen funktionierende Ereignisse dahin zu befördern, wo sie die Rendite in die Höhe treiben.

Hochleistungsvergleiche sind eine Blaupause für das System der Konkurrenz. Und wir wissen seit langem, dass es bei beiden Spielen um Konzepte und Materialvergleich geht. Bei der Olympiade im Lande Fukushimas wäre das Zuckerl nicht nur die Frage, wie sich das Material in einem optimalen Verstrahlungsfeld verhält, sondern wie resistent Hochleistungssportler gegen die zu vermutenden Krebsmutationen sind. Dass TEPCO sich mit dem Mäzenatentum nicht nur neu vermarkten, sondern auch noch gleichzeitig zu exkulpieren sucht, ist dabei ein willkommener Nebeneffekt.

Bei der WM in Katar stellen sich die Fragen anders, aber nicht minder pervers: Erstens, wie können Erfolgskonzepte wie das Deutsche, das auf Talenten, Toleranz und Technik basiert, in feindlicher Umgebung gedeihen? Wie kann die postindustrielle Aufklärung in der der Moderne extremst feindlichen Umgebung überleben und wie können Vorturner wie der von allen so geliebte Kaiser unwidersprochen mit ihrem Mutterwitz die Verletzung der elementarsten Menschenrechte als maßlose Übertreibung und die irrsinnige Energieverschwendung in Zeiten des globalen Umdenkens als kleiner Beischlafdiebstahl miniaturisiert werden.

Denn, so müssen wir schlussfolgern, wenn die Träger von verstrahlten Implantaten und die unterkühlten Kicker aus dem Land der Peitschenstrafen all das als Boten der Normalität in die hier gebliebene Jugend tragen, dann ist tatsächlich alles möglich: Die Anwendung jeder Art von Technik, der Menschenversuch und die Eliminierung der Zivilisation. Das wäre tatsächlich eine neue Dimension politischer Katastrophen, wie sie selbst Kriege nicht zu etablieren vermögen. Fukushima und Katar sind ein Angriff auf alles, worauf das zivilisierte Europa stolz sein kann.

Daher wäre zu bedenken, ob das Mittel des Reframing nicht einige Probleme in Europa bereinigen könnte: Die beiden Mega-Ereignisse werden zurück nach Europa geholt. Die Fußball-WM 2020 wird gemeinsam von Russland, Deutschland und der Ukraine ausgerichtet. Die Olympiade 2022 geht nicht nach Japan, sondern nach Griechenland. Die Investitionen, die das Land dringend braucht, werden ab sofort von der EU zur Verfügung gestellt, die ihrerseits dieses Mal die Banken in die Regresspflicht stellt. Europa bekäme etwas zurück von seiner Identität, und die globale Zockermentalität sähe eine erste Grenze.