Es fühlte sich an wie eine Endlosschleife. Der Worte waren viele geredet, die Taten blieben aus. Und weil wir uns an dieses Ritual der politischen Kommunikation so gewöhnt hatten, kam uns der Glaube abhanden, dass etwas, was aus dem Munde einer Kanzlerin oder eines Kanzlers oder den ihnen unterstellten Ministerien kam, tatsächlich auch wahr werden würde. Alle Versprechungen, die Verbesserung versprachen, entpuppten sich als Verschlechterungen. Ob im Bereich Bildung, bei der Infrastruktur, bei der Bahn, beim Gesundheitssystem, bei den Renten. 1000 unterschiedliche Manöver, aber keine Veränderung. Und das unabhängig von dem Profil der im Parlament vertretenen Parteien. Wer regierte propagierte und wer nicht in der Verantwortung war monierte. Ändern tat sich nichts.
Wir müssen darüber reden, dass wir es mit einem Ständestaat zu tun haben. Es existiert kein Recht für alle und es existiert keine Pflicht für alle gegenüber der Gemeinschaft. Allein bei Rente oder Gesundheit reichten zwei Maßnahmen, um alle Probleme zu lösen. Beteiligung aller bei gleichem Maß. Aber wer das in Angriff nähme, wäre schnell raus aus dem Spiel der von den Privilegierten veranstalteten Mystifikation. Deswegen machen alle mit. Das Motiv ist profan. In Bezug auf demokratische Redlichkeit ist es niederträchtig.
Zurück zur Erwartungshaltung. Wer unzählige Male erlebt hat, dass etwas angekündigt wird, ohne dass sich etwas ändert, glaubt irgendwann derartigen Verlautbarungen nicht mehr. Das Fatale dabei ist, dass alle Äußerungen, die in Bezug auf die sich neu rüttelnde Weltordnung gemacht werden, auch nicht geglaubt werden. Auch wenn die Zeichen, dass es ernst gemeint ist, immer deutlicher zu lesen und zu spüren sind.
Was in Bezug auf notwendige gesellschaftliche Reformen nicht zutrifft, stimmt haargenau hinsichtlich der Entscheidung, aktiv bei allen bestehenden und noch anstehenden Verteilungskriegen dabei sein zu wollen. Die Finanzierung der Ukraine war der erste Schritt, die Hinrichtung großer Zweige der eigenen Industrie zum Zwecke der Kriegswirtschaft der nächste. Die mentale Vorbereitung, indem die Erklärung für jede Malaise mit Feindbildern etabliert wurde der nächste, und die Parteinahme bei allen völkerrechtswidrigen Schlägen der USA und Israels waren nur noch folgerichtig.
Der Ständestaat wurde nie reformiert und die selben Kräfte, die sich an der wiederholten Täuschung der Bevölkerung wohl taten, propagieren nun offen den Krieg. Und die Argumente dafür sind genauso verlogen wie die rhetorischen Manöver bei den vielen Reformen, die immer nur eine Folge kannten: Erhöhung der Gebühren und Reduzierung der Leistung. Der Gewinn floss woanders hin, nicht in die Taschen derer, die die Kosten tatsächlich trugen. Und genauso geht es nun mit dem Krieg. Die bis dato nur finanziellen Kosten trägt die Bevölkerung mit der Einschränkung von Leistungen, die ihnen zustehen und höheren Abgaben. Beim nächsten Schritt wird es um Leib und Leben gehen. Und auch den bezahlen nicht die Propagandisten des Krieges.
So offen, wie zur Zeit, wurde das Unterfangen, auf Kosten ganzer Völker die Interessen verkommener Eliten zu bedienen, auch in diesem Land bisher nach 1945 noch nie formuliert. Und das parlamentarische Konsortium scheint diesen Frontalangriff auf Frieden und Volk mitzutragen oder vielleicht auch aufgrund restringierter Vorstellungskraft nicht zu realisieren. Dass, und das ist die gute Nachricht, eine solche Entwicklung zu einer massiven Krise des parlamentarischen Systems führt, ist das Ergebnis logischen Denkens und nicht die Folge der subversiven Kraft der AFD. Die schlechte Nachricht ist, dass aus dem Parlament kein Zeichen kommt, aus dem man schließen könnte, dass man begreift, wohin der Hase läuft.

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