Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen, dass allen, die halbwegs im Besitz eines einigermaßen funktionierenden Verstandes sind, Chronisten und Kolumnisten eines krachenden Untergangs geworden sind. Beispiele für die These, dass das gesamte Geschirr vom Tisch fällt, bieten sich täglich zuhauf. Und es sieht so aus, als gebe es eine stille Absprache zwischen Politik und Journalismus. Um eines vorwegzunehmen: die alte Volksweisheit scheint zuzutreffen, dass man die Vertreter beider Lager in einen Sack stecken kann, um mit einem Knüppel draufzuhauen und immer den Richtigen zu treffen. Es ist eine Symbiose. Schlechte und gewissenlose Politik gibt sich ein Stelldichein mit einem ebensolchen Journalismus.
Gerade hat sich die Chefin der europäischen Zentralbank mit einem geplant vorzeitigen Rücktritt als Mitglied einer der Korruption, der Kollusion und dem Nepotismus verschriebenen Clique geoutet, um natürlich den Glücksspielern aus dem Hinterzimmer eine neue personalpolitische Volte zu erlauben, bevor die Wahlen in Frankreich andere Verhältnisse schaffen, da wird gleichzeitig bekannt, dass der mit Preisen ausgezeichnete und mit Orden behängte Kämpfer für die Freiheit bereits vor drei Jahren eine Offerte Russlands, alle Truppen abzuziehen, ausgeschlagen hat. Über die Motive, die etwas zu tun haben mit Geldflüssen und der Fieberphantasie, Russland zu zerstückeln, reichen mögen und wie ein vergilbter Merkzettel aus den Fundstücken aus dem Führerhauptquartier aussehen, soll nicht weiter spekuliert werden. Aber man kann natürlich die Toten zählen, die seitdem in die Hunderttausende gehen. Da sind Preise aus Sicht einer dekadenten Unterstützungsblase wohl die geeignete Resonanz. Dass der sauerländische Bellizist wiederum zur gleichen Stunde in Japan für militärische Kooperation wirbt, erinnert an die Achse Berlin-Tokio-Rom, auf die man in der Wolfsschanze gerne anstieß, bis die Rote Armee dem Hokuspokus ein Ende bereitete.
Nun, ebenfalls im gleichen Moment, haut der SPIEGEL Gesprächsprotokolle heraus, um eine Politikerin, die zumindest unmanipuliert Wahlen gewonnen hat, so richtig mental in die Pfanne zu hauen. Und der FOCUS eskortiert den Weg in die Zeiten der dunkelsten Propaganda und Verhetzung, in dem er in einem Leitartikel die neu gewählte Ministerpräsidenten eines Bundeslandes als „Königin der Niedertracht“ attributiert und als falsche Schlange bezeichnet.
Was braucht es noch, um endlich die Sicht frei zu machen für ein verdientes Urteil? Dass nämlich die herrschenden Verhältnisse in Politik wie Pressewesen in ihrer Wirkung noch weit über die Schreckensbilder hinausgehen, die man im Falle weiteren Zuspruchs für die AfD seit Jahren als Prognose zeichnet? Wer das nicht merkt, so könnte geschlussfolgert werden, dem ist nicht mehr zu helfen.
Und da sprechen wir noch nicht über die Junge Union in Berlin, die auf Plakaten fordert, Militär einzusetzen, um ordnungsgemäß angemeldete Schülerdemonstrationen zu verhindern. Und – wiederum gleichzeitig – ein Innenminister Dobrindt das grundgesetzlich festgeschriebene Recht auf Enteignung, wenn es im Interesse der Gemeinschaft aktiviert wird, eindämmen will. Da hat sich innerhalb der CDU/CSU sehr schnell eine gesichert verfassungsfeindliche Kontur gezeigt, die in aller Deutlichkeit den Finger symbolisiert, der auf andere zeigt.
Wie insgesamt bereits im Vorfeld die Wahrnehmung demokratischer Rechte und Ansprüche sowohl von Politik als Indiz für Radikalismus und Schlimmeres gewertet werden. Da zeigt sich doch deutlich, wo das Raumschiff gelandet ist. Wer proaktiv die Hosen voll hat, weil Teile der Gesellschaft verfassungsrechtlich verbriefte Rechte in Anspruch nehmen wollen, der lebt bereits auf einem anderen Stern. Und genau dahin sollten diese Zeitgenossen endgültig geschickt werden. Denn hier haben sie nichts mehr zu suchen!
