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„Alu-Helm ab, zum Gebet!“

Wir sind im Krieg. Wer das bezweifelt, aber gleichzeitig auf deutschen Panzern in ukrainischem Echt-Einsatz über das Geschehen berichtet und sich im Mantel der Neutralität wähnt, toppt alles, was unter den Begriffen der Aluhüte und Schwurblerei firmiert. Das Heer regierungsamtlicher Aluhüte und medial entmündigter Schwurbler ist groß, zu groß. Insofern muss man den Anstrengungen der Kriegspartei im eigenen Land eines zugestehen: Sie haben ganze Arbeit geleistet! Das Stigma, das geschaffen wurde, um allen Zweiflern an den herrschenden Narrativen mit einem Schlag die Zurechnungsfähigkeit abzusprechen, ist zum Massenphänomen in den eigenen Reihen geworden. 

Es ist schon eigenartig zu beobachten, dass die Anschläge auf die Nordsee-Pipelines, die einen Sabotageakt erster Güte gegen die Bundesrepublik Deutschland darstellen, nahezu in einem kollektiven Schweigen zu versinken drohen, während die Unterbrechung des Funkverkehrs der Deutschen Bahn, die für einen halben Tag den Betrieb in Norddeutschland lahmgelegt hat, von hektischen Erklärungen begleitet werden. Schnell war ausgemacht, dass es sich um Sabotage handelt und nahezu unisono twittert die politische Klasse ihre Forderung, alle Anlagen der kritischen Infrastruktur in Zukunft militärisch sichern zu müssen. Der suggerierte Ausgang ist klar: Der Russe wars und wir müssen wachsam sein!

Interessant ist die Inkongruenz. Aber, auch das gehört zur Wahrheit, sie ist seit langem bekannt und dieses Wissen hat die Entwicklung nicht gestoppt. Das Heer der längst herrschaftsgesteuerten Aluhüte ist immens und jede noch so dumme und dreiste Einlassung erfährt zumindest eine Hinnahme, die in einer gelebten Demokratie undenkbar wäre. Und wenn das so weitergeht, kann man sich vorstellen, wie dreist die Geschichten noch werden, die von einer aktiven Kriegspartei, die vorgibt, keine zu sein, erzählt werden werden.

Bay Cem, der zweimal bereits von Korruptions- und Steuervergehen chemisch Gereinigte, lehnte sich wieder einmal aus dem Fenster und sprach von kolonialen Gebärden Dritter, während besonders seine Partei gerade Waffenexporte in die Krieg führende saudische Welt, in der die Köpfe rollen und Peitschen knallen, beschlossen hatte. Es ist kein Einzelfall und es hört mit diesen tolldreisten Geschichten nicht auf, solange die große Gruppe derer, die dieses ideologische und demagogische Geschwurbel durchschaut haben, sich lediglich angeekelt abwendet. Auch die noch so große Dummheit, auch die lüsterne Dreistigkeit, auch die moralisch nicht mehr zu überbietende Verkommenheit erfordert aktiven Widerspruch, um das Buch von Krieg und Lüge zuschlagen zu können.

Wenn Vertreter von Parlament und Regierung die Lieferung von Waffen an eine Kriegspartei und die Ausbildung derselben an ihnen beschließen und sich gleichzeitig über Sabotage-Akte und erfolgreiche Kampfhandlungen in diesem Krieg durch die unterstützte Partei lautstark freuen, wenn die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sich exklusiv auf dieser einen Seite bewegen und darüber berichten, dann ist klar, dass man zur aktiven Kriegspartei geworden ist.

Wer das verharmlost, und das tun nahezu alle aus Politik und Medien, macht sich der Demagogie und Volksverhetzung schuldig. Dafür wird es, sofern es einen Ausgang des sich immer mehr steigernden Konfliktes geben wird, nach dem sich noch Menschen werden erinnern können, unweigerlich in Aufstellungen enden, die dem historischen Beispiel der Nürnberger Prozesse ähneln. Bei allem Schönreden und allem Gesäusel aus den zivilisatorischen Hochzeiten der bürgerlichen Gesellschaft, was derzeit de facto geschieht, ist die Parteinahme im Interesse imperialistischer Geopolitik. Das rechtfertigt kein Grundgesetz, denn dafür war die Geschichte noch zu heiß, als es formuliert wurde. Das haben die Akteure momentan längst vergessen. Und diejenigen, die diesem Gerede noch glauben schenken, sei eine kleine Variante des militärischen Zapfenstreichs gewidmet: „Alu-Helm ab, zum Gebet!“ 

Kriegsgeschichten: Alles Schmu!

Auch wenn das Restgas aus dreihundert Metern Tiefe in der herbstlich kühlen Ostsee aufströmt! Es ist siedend heiß geworden und der ukrainisch-russische Krieg marschiert auf Mitteleuropa zu. Nicht, dass die Anschläge auf die Nordseepipelines völlig unerwartet gekommen wären. Spätestens seit dem Scholz-Besuch in den USA und jener legendären Pressekonferenz mit dem US-Präsidenten Biden,  in der dieser im Beisein eines deutschen Bundeskanzlers die amerikanischen Möglichkeiten, die Ostsee-Pipelines zunichte machen zu können offen aussprach, ohne ein Wort des Protestes zu hören, war klar, dass irgendwann irgend etwas passieren könnte. Dass nun, nach der Beschädigung beider Pipelines, sich im deutschen Presse-Orkus niemand an diese Geschichte zurückerinnert, sondern alle medialen Vertreter mehr oder weniger deutlich machen, dass es eigentlich nur Russland gewesen sein kann, demonstriert den Ernst der Lage. Wenn nämlich niemand mehr ein Interesse daran hat, die tatsächlichen Sachverhalte aufzuklären, dann geht es bald heiß zur Sache.

Auf allen Seiten laufen die Propagandamaschinen auf Hochtouren. Das heißt nicht, dass alle Menschen, ob in Russland, in der Ukraine, in Deutschland oder in Frankreich, der in ihren Ländern jeweils verbreiteten Auffassung blind folgen würden. Diejenigen, die jeden noch so großen Unsinn und jedes noch so ekelhaft menschenverachtende Schauermärchen glauben, sind in der Regel diejenigen, die – vorerst – von einem Krieg nichts zu befürchten haben. Ihr Portemonnaie ist dick genug, um die Inflation zu kompensieren, sie haben Zweitwohnsitze in anderen Regionen und sie fühlen sich beschützt vor dem Ansturm allzu hungriger Mägen.

Sieht man genau hin, dann sind es ihre Wahrheiten, die von den Propagandaorganen der jeweiligen Länder in die Welt geblasen werden. Und hört man genau hin, bei denen, die heute schon direkt betroffen sind und morgen mit ihrem Leben bezahlen sollen, dann wissen sie genau, wie der Hase läuft. Ihre Lebenserfahrung hat sie gelehrt, wer von Kriegen profitiert und wer dafür bezahlt. Alles andere ist Schmu. Sie kennen die Geschichten, die in Kriegen verbreitet werden. 

Beim Skizzieren der vorgezeichneten Linien stechen Entwicklungen ins Auge, die zum Schluss, am Tag der Abrechnung, den Ausschlag geben werden: Russland führt Krieg in der Ukraine, Russland ist militärisch geschwächt und muss sich mit Verwerfungen mit Kasachstan, mit Aserbaidschan und Armenien, mit Georgien und Kirgisistan auseinandersetzen, es wird sich lange nicht von dieser Episode erholen, selbst wenn auf einen Schlag alle militärischen Handlungen beendet wären. Die Ukraine wird als semi-krimineller, bis an die Zähne bewaffneter und in Bezug auf die Bevölkerung geschwächter, letztendlich ungenügend handlungsfähiger Staat überleben. Das industrielle Herzstück der EU, und dort vor allem Deutschland, wird als Schatten früherer Tage und gesellschaftlich gespaltenes Gebilde nicht mehr auf die Beine kommen. Polen wird aus dem Osten der EU und mit dem Wind seines reaktionären Nationalismus Führungsansprüche formulieren und dabei Unterstützung von den Ländern bekommen, die so euphorisch in die EU drängten und sich dann so gegängelt fühlten. Die EU selbst wird in ihrer jetzigen Form Geschichte sein. 

Selbst diejenigen, die heute so euphorisch an den für sie reservierten besten Sendezeiten von einem Sieg über Russland sprechen, hüten sich vor einer Vision, wie es denn aussehen würde, wenn sie Recht behielten. Denn die existiert schlichtweg nicht. Sie faseln von Rechten und Werten, die sie unzählige Male selbst mit Füßen getreten haben, und glauben, das würde reichen, um die Menschen von ihrem destruktiven, suizidalen Ansinnen überzeugen zu können. Wenn sie sich da mal nicht kräftig verkalkuliert haben!