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Gegen den Rest der Welt

Es herrscht Krieg in der Welt. Und alle, die meinen, die Kampfhandlungen beschränkten sich auf die Ukraine und man könnte sich zumindest emotional aus dem Dilemma befreien, wenn für die Opfer auf ukrainischer Seite gespendet wird, unterliegen der Täuschung. Die Auswirkungen eines anderen, des Sanktionskrieges, sind bisher allenfalls an den Tanksäulen zu spüren, auch wenn es sich dabei bereits wieder um eine Täuschung handelt. Die deutschen Sprit Preise liegen ca. 30 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Es ist ein Vorgeschmack darauf, was alles mit dem Krieg begründet und emotional gegen Russland gerichtet werden wird. Die Grünen, nun auch international als probate Propagandawaffe für den heißen Krieg profiliert, arbeiten bereits an ihrem mit den Rechtseinschränkungen durch einen autoritärer werdenden Staat durchzusetzenden Programm der De-Industrialisierung. Das zwischen Narzissmus und Wahnsinn anzusiedelnde Personal wird, sollte es nicht durch welche Kraft auch immer ihrer Ämter enthoben werden, erst einhalten, wenn kein Stein mehr auf dem anderen steht. Im wahren Sinne des Wortes.

Denn der Glaube ist groß, dass es um die hehren Werte geht. Um Augenhöhe, um Respekt, um Nachhaltigkeit. All diese schönen Phänomene gelten allerdings nur für die, die aus der eigenen Perspektive als ihrer würdig bezeichnet werden. Der Rest ist Abschaum, Prekariat. Dass es sich bei dieser Betrachtung, die in der eigenen Überlegenheit endet, um einen Bruchteil der Weltgesellschaft handelt, ist im saturierten Milieu der aufgrund kolonialer Feldplünderung verwahrlosten so genannten urbanen Elite des Westens noch nicht angekommen. 

Der sich selbst als frei beschreibende Westen umfasst, mit Wohlwollen gerechnet, ein Zehntel der Weltbevölkerung. Nach Schätzungen der numerischen Stärke des politisch korrekten urbanen Milieus mit einem Eigenanteil von 5 Prozent an der Gesamtbevölkerung kommt man zu einer Summe von ca. 40 Millionen Menschen, die dem 200fachen an Restwelt gegenüber stehen und das definieren, was sie als Werte und Regeln für richtig halten. Das ist, ganz kühl betrachtet, keine Renaissance des Kolonialismus, sondern seine Steigerung. 

Was wir momentan erleben, ist der zunehmend militante Kampf einer kleinen Minderheit gegen die Weltgesellschaft und alles, was da auf die Fahnen geschrieben wird, ist Makulatur: das Soziale, das Ökologische, die ethischen Werte. Sie, dem Ziel der allumfassenden globalen Dominanz, zur Seite gestellt, entpuppen sich als die alten, abgegriffenen Phrasen einer Herrenrasse, die tief im Innern ahnt, wie es um ihre strategische Perspektive bestellt ist.

Allen, die sich in der mentalen Blase im westlichen Kulturraum einer Minderheit häuslich eingerichtet haben, die nach ihrer Selbsteinschätzung immer auf der richtigen Seite stehen und deren Gefühlswelt nichts anderes kennt als die Extreme von Abscheu und Verzückung, allen diesen in ihrer Wahrnehmung Getrübten sei geraten, sich in der Welt umzuhören. Verlasst die Apps, die euch den bequemen Aufenthalt in der eigenen Blase garantieren und sprecht mit den Menschen. Mit denen, die in ihren eigenen Ländern leben und die dafür verantwortlich sind, dass es so ist, wie es ist. Und sprecht mit denen, die alles verloren haben, weil ihr es so wolltet. Weil sie eure Regeln nicht als die ihren ansahen und die auf dem Geburtstag ihres Großvaters oder bei der Hochzeit seiner Enkelin von aus Rammstein gesteuerten Drohnen abgeknallt wurden wie einst die Hasen auf der Jagd im längst untergegangenen Britischen Empire. 

Die Schlafwandler sind wieder da!

Allen, die sich morgens wie abends die Augen reiben angesichts der permanenten Eskalation mit dem Brennpunkt Ukraine, sei empfohlen, sich das Buch „Die Schafwandler“ des Historikers Christopher Clark durchzulesen. Dort wird eindrücklich dargelegt, wie eine teils irrationale, teils emotionale und eine teils bewusste Befeuerung von Feindbildern in das Debakel des I. Weltkrieges führten. Das Problematische bei der Lektüre ist das ständig präsente Gefühl, dass das als historische Studie angelegte Buch auch als Regieanweisung für die aktuelle Entwicklung begriffen werden kann. Um es kurz zu machen: die Schlafwandler sind wieder unterwegs. Und ein Krieg ist eine realistische Perspektive.

Abgesehen von der unsäglichen, nahezu kollektiven Entgleisung der westlichen Berichterstattung, die nichts anderes zu tun hat, um mit gezielter Desinformation und Bezugnahme auf die windigsten Quellen bemüht ist, das Verhältnis von Ursache und Wirkung auf den Kopf zu stellen und sorgfältig designte Feindbilder zu etablieren, hat die Politik eine Verwahrlosung durchlebt, die vor einigen Jahren noch vielen Menschen als unvorstellbar erschien. Wenn sich Regierungen auf Informationen ihrer Geheimdienste beziehen, die schon bei der Lektüre als Ausgeburten verzweifelter Begründungssuche entlarvt werden, dann lässt man am besten alle Hoffnung fahren. Wie die jüngst von der britischen Dunkelkammer lancierte Geschichte, Russland, oder besser gesagt, der lebende Satan Putin, plane den Einsatz einer Marionettenregierung in der Ukraine. Der dort identifizierte Kandidat, selbst aus Russland verbannt, konnte reklamieren, was er wollte, der kalte Klatsch wurde weiter propagiert.

Wohin man schaut, alles erscheint irreal. Der deutsche Marine-Admiral, der auf einem Workshop in Indien Realitäten aussprach und dabei heimlich mit einem Smartphone, von wem auch immer, gefilmt wurde, musste seinen Hut nehmen, weil Deeskalation bereits zu den Vergehen zählt, die die Politik nicht verzeiht. Dann berief die Ukraine den deutschen Botschafter ein, um ihm ob dieser Äußerungen die Leviten zu lesen. Da wäre, unter normalen Verhältnissen, die Zeit gewesen, dass ein deutscher Bundeskanzler der Marionette in einem Oligarchenstaat, der mit Demokratie nicht zu tun hat, deutlich macht, worin die Grundsätze deutscher Außenpolitik bestehen. Stattdessen glaubt man mit der Abberufung des Admirals seine Schuldigkeit getan zu haben.

Das, was sich als EU bezeichnet, zeigt in diesem Szenario sein wahres Gesicht. Es geht in keiner Weise um eine europäische Friedensarchitektur. Es geht um einen geostrategischen Vorposten us-amerikanischer Interessen und um die Ausblendung Russlands als Bestandteil des europäischen Kontinents, es sei denn, es ist befriedet und liegt am Boden. Dass dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht wird, scheint die geschichtsvergessenen Schlafwandler nicht zu interessieren. Besonders Deutschland und Frankreich sollten aus der Geschichte der Konfrontation mit Russland gelernt haben. Aus Frankreich sind Töne zu hören, dass dort die Botschaft angekommen ist. In Deutschland zittert man vor den Vorwürfen schlimmer Schergen, man wirke wie ein Nazi, wenn keine Lieferung von Waffen in die Ukraine befürwortet werden. Anscheinend hat die Droge der woken Ideologie die Hirne derartig vernebelt, dass so etwas wie Selbstachtung, zu der auch das Eintreten für die eigenen Interessen gehört, auf der Strecke geblieben ist. 

Eines sollte nicht aus dem Blick geraten: Taktieren und Abwarten in einer heißen Phase der Eskalation wird untergehen in den Detonationen, die manche gar nicht mehr abwarten können. Es ist die Stunde eines donnernden Auftritts für den Frieden. Aber wem sollte das noch gelingen?  

Es kommt, wie es kommen muss!

„Da steh ich nun, ich armer Tor. Und bin so klug als wie zuvor!“ Die Chinesen, so hört man immer wieder, lesen Goethe, um das Wesen der Deutschen besser verstehen zu können. Den Deutschen scheint es in Bezug auf die Chinesen zu reichen, ab und zu den Tiraden eines in den Massage-Salons Pekings wohl bekannten windigen Journalisten zu lauschen. Mehr braucht man eigentlich nicht, um einem Phänomen auf die Spur zu kommen, unter dem das Gros in diesem Lande leidet. Es handelt sich einerseits um ein sich immer selbst bestätigendes Weltbild, das davor bewahrt, sich bemühen zu müssen und das davor schützt, bittere Wahrheiten zu identifizieren. Das, was einmal als die Fähigkeit kritischer Betrachtung bezeichnet wurde, hat sich in anderen Jahrhunderten abgespielt, ein Kriterium des momentanen Zustandes ist es nicht. 

Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen lässt sich das Zitat aus dem Faust sehr gut anwenden. Nie war öfter zu hören, man sei einfach ratlos, was die Entscheidung für eine Partei beträfe. Eine Erklärung dafür ist gar nicht so schwer. Denn das, was viele Menschen bewegt, war gar nicht Gegenstand dessen, worüber ununterbrochen berichtet wurde. Dabei wäre es einfach gewesen, auf den richtigen Pfad zu kommen. Spitzenreiter der Sorge, das zeigen Umfragen deutlich, ist die soziale Ungleichheit und die daraus resultierende Spaltung der Gesellschaft. Irgendwann danach kommt die Frage des Klimawandels. Was ausgespart bleibt, ist das Thema Krieg und Frieden. Da schweigen sich die Parteien wie die Bevölkerung unisono aus, wahrscheinlich aus Furcht, das Auge des Hurricans könnte das ganze Wunschgebäude einer gesicherten Existenz mit einem Zug zerschmettern. Diese Furcht ist berechtigt.

Am Lohntag, so höhnten einst die patriarchalisch auftretenden Kapitalisten, am Lohntag wird sich zeigen, wer gebummelt hat. Angewendet auf das eigene Vorgehen, sind wir genau an diesem Punkt angelangt. Es ist Lohntag, und es zeigt sich, wo überall gebummelt wurde: In Bezug auf die erschreckend um sich greifende Armut, in Bezug auf die veraltete Infrastruktur, in Bezug auf die Bildungsinstitutionen und ihre Inhalte, in Bezug auf die Konzentration der Medien, in Bezug auf Krieg und Frieden, in Bezug auf Investitionen in neue Technologien und in Bezug auf einen Ausbau demokratischer Autonomie. Alles, was ein souveränes Gemeinwesen ausmacht, das dem Sturm großer Veränderungen ohne Furcht entgegentreten kann, wurde unterlassen. Stattdessen hat man auf das alte protestantisch-preußische Diktum von Regel und Sanktion gesetzt.

Wer da nicht fundamental etwas ändern will, der hat in der Zukunft nichts zu suchen. Das Beruhigende dabei ist, dass nicht Wahlen so etwas entscheiden, sondern die Geschichte. Und die ist dabei, ihren Lauf dramatisch zu beschleunigen. Insofern können alle, die sich derweil über die täglich wiederholten Phrasen aus einem langweiligen Wahlkampf beklagen, sehr schnell erlöst werden, denn alles das ist schon ab kommenden Montag Makulatur. Ob sich etwas an dem Zustand ändert, wie in den letzten Jahren regiert wurde, ist zweifelhaft. Was fehlt, und zwar überall, ist der Wille, den harten Realitäten ins Auge zu sehen und daraus eine Strategie abzuleiten, die den Modus des Auf-Sicht-Fahrens hinter sich lässt. Neben der Verdrängung der essenziellen Themen von Krieg und Frieden im Innern wie im Äußeren ist man sich in einem Punkt allerdings einig: Wenn es schief läuft, dann waren es immer die anderen.   

Die Chinesen, die so gern und eifrig Goethe lesen, kennen selbstverständlich auch Konfuzius. Unter anderem lehrte der, dass eine unstete, brüchige und fragwürdige Lebensführung des Individuums in Summe zum Chaos im Gemeinwesen führt. Und ist auch der Mephistopheles aus besagtem Faust ein Begriff: 

„Ich bin ein Teil von jener Kraft, 

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. … 

Ich bin der Geist, der stets verneint! 

Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, 

Ist wert, dass es zugrunde geht; 

Drum besser wär´s, dass nichts entstünde. 

So ist denn alles, was ihr Sünde, 

Zerstörung, kurz das Böse nennt, 

Mein eigentliche Element.“

Aber was soll’s! Wir haben Ulf Röller und Maybrit Illner! Wird schon gut gehen.