Tja, befindest du dich einmal im freien Fall, dann geht alles rasend schnell. Den Aufprall vor Augen, jagen die Bilder der Vergangenheit an dir vorbei, es folgt die Hirnleere und dann ist nichts mehr. Molière hatte zu seiner Zeit noch ein anderes Bild vor Augen. Da schleppte sich der eingebildete Kranke langsam schleppend eine barocke Treppe herunter und hatte mehr Zeit für die Revue der Bilder aus der eigenen Biographie. Psychologen nennen so etwas Life Review.
Bei der Betrachtung der gegenwärtigen Bundesregierung und deren Vertreter trifft subjektiv das erste Bild zu, d.h. die Protagonisten sausen mit Geschwindigkeit in die Tiefe und sind in ihrem Fall nicht mehr aufzuhalten. Wer den Bundeskanzler hat in Asien agieren und den Außenminister in den USA hat dilettieren sehen, weiß, was gemeint ist. Dagegen hat die Gesellschaft, deren kollektives Bewusstsein trotz ständiger Bemühungen noch nicht vollständig erloschen ist, die Zeit der Molière schen Figur und kann sich vergegenwärtigen, welche Phasen durchlebt wurden und dass sie durchaus geprägt waren von dem Willen wie der Fähigkeit, aus den akkumulierten Desastern der deutschen Geschichte gewisse Lehren zu ziehen.
Deshalb auch die immense Diskrepanz, oder besser gesagt, die unüberwindliche Kluft zwischen den momentan agierenden Politikern und dem, was die Propagandisten aus dem Sprachschatz streichen wollenden Volke klafft. Die Geschichte lehrte, dass Kriege diametral der Option einer gedeihlichen gesellschaftlichen Entwicklung gegenüberstehen. Dieser im Volk noch immer herrschenden Gewissheit stehen Vorstellungen und Strategien entgegen, die sich auf Profitraten und Ressourcen-Zugriff konzentrieren.
Insofern ist es irreführend, zu glauben, es handele sich bei der Verschiedenheit von derzeit etablierter politischer Klasse und allen, die tatsächliche Werte schaffen und Dienste leisten, um eine rein die kognitiven Perspektiven betreffende Differenz. Nein, stupid, it´s the economy, the strategy. Die Zielsetzung derer, die sich dem Auftrag und Willen der Gesellschaft bewusst widersetzt haben und täglich widersetzen, ist schlichtweg nicht mehr mit dem der Bevölkerung kompatibel. Und das einmal geklärt, ist die Schlussfolgerung eindeutig: diese Entität, um es vornehm auszudrücken, muss weg. Ohne Wenn und Aber.
Da werden weder Kompromisse noch neue und andere Koalitionen irgend etwas ändern. Wer tatsächlich glaubt, dem Souverän sagen zu können, was er zu denken und zu wollen hat, ist aus den berühmten öffentlichen Angelegenheiten zu entfernen. Und zähle mir niemand auf, was da noch reparabel ist, wo noch Perspektiven wären und welche Konstellationen da noch Abhilfe schaffen könnten. Nehmen sie, was sie wollen: Merz bleibt bei seiner Illusion, durch Fortführung des Krieges in der Ukraine irgendwann Zugriff auf russische Ressourcen bekommen zu können, Wadephul setzt den von Baerbock initiierten unaufhörlichen Prozess der diplomatischen internationalen Isolation fort, Klingbeil bleibt bei der Weisheit, Beiträge zu erhöhen, Leistungen einzuschränken und Steuern zu erhöhen, um die Superreichen weiter zu schonen, die Bildung, wichtigste Ressource, bleibt ein Stiefkind und die Bürokratie bläht sich trotz anderer Verkündungen weiterhin auf.
Die gemachten Vorschläge hinsichtlich einer zukünftigen Bundespräsidentschaft sind vielleicht sogar der beste Beweis für die These des freien Falls. Unter allen Namen, die aus den Reihen der Parteien genannt werden, befindet sich nicht einer, der das Ethos, die Reputation und die Weitsicht vermitteln würde, um einer Gesellschaft, die den Bach herunter geht, einen Funken Hoffnung zu vermitteln. Und wenn dann noch in die verheerende Bilanz mit eingeht, mit welcher Aggression der politischen Bewusstwerdung der Jugend begegnet wird, dann wird die Rigorosität des Urteils ein weiteres Mal bestätigt.
