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Lesen: Generalmajor von Clausewitz!

Zumindest bei Menschen, die auf so etwas wie einen klassischen Bildungskanon blicken können, ist mit dem Namen Clausewitz ein Satz aus seinem bis heute aktuellen Werk „Vom Kriege“ hängen geblieben. Da heißt es lakonisch: Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Er ist deshalb so treffend wie aktuell, weil sich bei allen Kriegen, über die wir aktuell und in den letzten Jahren zu sprechen haben, nichts präziser die Ursachen beschreiben könnte als dieser Satz von Clausewitz. Hegemoniestreben, das sich nicht mit wirtschaftlichen oder diplomatischen Mitteln befriedigen lässt, wandelt sich ganz schnell und plötzlich in einen heißen Krieg. Die Begründungen, die die späten Demokratien dafür liefern, erklären vieles, zum Beispiel worauf es den Menschen ankommt, die eigentlich gar kein Interesse an einem Krieg haben können. Da ist von Freiheit und Werten die Rede, aber nie von Ressourcen, Passagen oder Geopolitik. Die psychologische Wandlung von Machtinteressen in Glauben und Werte ist nichts  anderes als eine Rückkehr zu den brachialen Phantasien der Kreuzzüge. Nur haben es die saturierten Leser der feuilletonistischen Propagandaorgane noch nicht gemerkt. Kriege, die sich aktuell ereignen, waren bereits vorher in der noch zivil daherkommenden Politik angelegt.

Doch zurück zu der Schrift „Vom Kriege“. Was im Diskurs der Wissenden oft gar nicht mehr so präsent ist, muss als Clausewitzens Beschreibung dreier Wirkfelder genannt werden. Dabei handelt es sich um das Individuum, die konkreten Umstände und das Kollektiv. Im Krieg, und über dessen Ausgang entscheidet das, was sich in diesen drei Komplexen ereignet. Was sind die Motive der beteiligten Individuen, wie sind sie psychisch disponiert und mit welcher Vehemenz ziehen sie zu Felde? Die Umstände können, wie bei den historischen Russlandfeldzügen, heftige Winter sein, aber auch Hitzewellen oder andere Konflikte, die Kräfte beteiligter Kriegsparteien binden. Und mit dem Kollektiv ist der materielle, soziale und psychische Zustand der jeweiligen Bevölkerung der Kriegsparteien gemeint. Sind sie überzeugt, sind sie bereit, Opfer zu bringen, wo sind die Grenzen der Belastbarkeit, in Bezug auf die Ziele wie die Entsagungen?

Aufgrund einer aktuell nicht abreißenden politischen Vorbereitung auf einen bevorstehenden heißen Krieg empfiehlt es sich, die klugen, von Generalmajor Clausewitz beschriebenen Wirkungsfelder genauer unter die Lupe zu nehmen. In Bezug auf die eigenen Voraussetzungen wie hinsichtlich der Zustände im Land dessen, der als Feind beschrieben wird. Und da stehen sich Verhältnisse gegenüber, die nichts Gutes vermuten lassen. 

Seien Sie ermuntert, den Abgleich selbst durchzuführen. Sehen Sie sich die Individuen auf beiden Seiten an! Beschreiben Sie die Umstände, unter denen ein solcher Waffengang zu erwarten ist! Und betrachten Sie den jeweiligen Zustand des Kollektivs! Ich bin mir sicher, dass Sie zu dem Schluss kommen, man sollte besser die Finger von einem solchen Plan lassen! Und es sei noch erwähnt, dass auch die – und das sei betont – qualitative Überlegenheit in Bezug auf das konventionelle Kriegsmaterial noch keinen Krieg entschieden hat. Das war nicht nur bei den Beispielen so, die Clausewitz vor Augen hatte, das war auch im II. Weltkrieg so, das war in Vietnam so und auch in Afghanistan.

Bei kühler Betrachtung reibt man sich nur noch die Augen und ist nur von einem fasziniert: Wie kann eine Gesellschaft, die von sich behauptet, eine entwickelte Zivilisation darzustellen, sich derartig von Hasardeuren und Psychopathen zum kollektiven Selbstmord anstacheln lassen? 

Lesen: Generalmajor von Clausewitz!