Schlagwort-Archive: fünfte Kolonne

Sun Tzu und die Außenpolitik

Vieles, was sich im Spektrum der westlichen, und dort besonders der deutschen Außenpolitik beobachten lässt, ist mit dem, was man allgemein als gesunden Menschenverstand zu bezeichnen pflegt, nicht zu erklären. Deshalb ist die Verwirrung groß. Nicht nur im eigenen Land, dort, wo letztendlich die entscheidende Auseinandersetzung geführt werden wird, nämlich auf der Straße, reichen die Erklärungen nur noch zu zynischen Bemerkungen. International ist es nicht anders. In den Ländern, in denen die Deutschen – noch – einen guten Ruf genießen, macht man sich ernsthaft Sorgen, bei denen, die von der erratischen Irrfahrt profitieren, lacht man hinter vorgehaltener Hand und dort, wo man sich im Fadenkreuz der neuen Kreuzritter befindet, zuckt man gelassen mit den Schultern. Wer die Geschichte kennt, weiß, wie derartige Ausflüge ins Sektierertum enden.

Es kursieren unterschiedliche Theorien, die sich an einer Erklärung dieser Außenpolitik abarbeiten. Die einen besagen, man hätte es mit einer Art 5. Kolonne zu tun, vom amerikanischen Hegemonen finanzierte Agenten, die die Interessen ihres Auftraggebers umzusetzen hätten. Betrachtet man die Biographien des handelnden Personals, so könnte man zu dem Ergebnis tatsächlich kommen. Andere wiederum führen aus, man hätte es mit einem Konsortium unterqualifizierter und eitler Karrieristen zu tun, die ohne große Agenda einfach nur das produzierten, was sie könnten, und das sei eben nicht viel. Auch dieser Deutungsversuch trifft sicherlich bei einigen Protagonisten zu.

Eine Theorie, die nicht so häufig bemüht wird, um das Desaster zu erklären, geht von einem tiefliegenden Inferioritätsgefühl aus, von dem nicht nur die handelnden Amtsträger, sondern die gesamte Bevölkerung erfasst sei. Die historische Schuld und das nach der Ära der Täterschaft logische Schlittern von einer in die nächste Abhängigkeit habe dazu geführt, dass das Handeln immer von zwei Gefühlspolen bestimmt werde, die beide kaum Raum für eine vernünftige Analyse der eigenen Lage und den logischen Schlussfolgerungen aus den eigenen Interessen ließe. Stattdessen dominierten, changierend, mal der Größenwahn und mal die Versagensangst. Aus diesem Gemenge, so diese Theorie, ließe sich das Vabanquespiel auf der einen und das Kuschen auf der anderen Seite ganz gut erklären. Bei der Begutachtung der handelnden Personen spricht auch einiges dafür.

Auffallend ist, dass alle Erklärungsansätze zu bestimmten Anteilen zutreffen. Das ist alles andere als ermutigend, weil die notwendige Konsequenz nur in einer radikalen Lösung bestehen kann. Kurz, mit dem vorhandenen Ensemble ist wahrlich nichts zu gewinnen. Ganz im Gegenteil, die Zeichen stehen auf Zerstörung und Selbstzerstörung.

Bei allem Bemühen, so sachlich wie möglich zu bleiben, sei eine Spitze dennoch erlaubt. Wie durch Zufall fiel mir „Die Kunst des Krieges“ des chinesischen Autors Sun Tzu wieder einmal in die Hände. Das wohl älteste Buch über Militärstrategien, das von allen chinesischen Amtsträgern, die aktuell als die neuen Feinde von unserem Fachpersonal auserkoren worden sind, nicht nur gelesen, sondern auch verstanden worden ist, liefert genügend Stoff und Anleitungen, um sich das Wirken der westlichen Regierungen noch einmal genauer anzusehen. Und es liefert sehr viele Perspektiven, wie einem derartig verirrten Vorgehen begegnet werden kann. Für uns heißt das:  Nicht aus feindlicher Absicht, wie als Unterstellung von den Räuberpistolen gleich geschossen werden wird. Nein, wir lesen jetzt Sun Tsu, um zu retten, was zu retten ist. Ist der Gegner ausgeruht und wohl proviantiert, ziehen wir uns in die Wälder zurück. Ist er erschöpft von langem Marsch und sucht die Ruhe, greifen wir an!  

Die fünfte Kolonne und die Journaille

Wer die Zeiten nicht mehr kennt, der kann sich über die Auswüchse auch nicht sonderlich aufregen. Wer sie allerdings kennt und die Analogien leugnet, der arbeitet mit an dem großen Plan der Zerstörung. Es ist unglaublich, aber die bösen Bilder der alten Propaganda geistern durch den deutschen Journalismus, als wären sie nie weg gewesen. Irgendwie steckt hinter all dem Unheil der Russe, alle, die andere Interessen vertreten, sympathisieren mit dem Terrorismus und diejenigen, die anmahnen, einmal über bestimmte Zusammenhänge nachzudenken, bevor sie für militärische Aktionen plädieren, werden gleich als fünfte Kolonne bezeichnet. Spiegel online heute über die Linke: Putins Bollwerk in Berlin!

Es ist ein Denken in Freund und Feind, in Schwarz und Weiß. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und wer nicht unserem Weg folgen will, der ist nicht nur ein feindliches Element, sondern der ist uns auch moralisch unterlegen. Das Phänomen ist bekannt. Wer die positiven Werte einer Gesellschaft für sich reklamiert, der hat erst einmal die Nase vorn, der besitzt die Lufthoheit, wie manche Zyniker es gerne ausdrücken. Wenn die Propagandistin aus dem Verteidigungsministerium zum Halali bläst, dann natürlich im Rekurs auf unsere Werte.

Letztere sind, was die Kommunikation zwischen Mandatsträgern und Volk betrifft, längst auf der Strecke geblieben. Es mutet an, als sei die heimliche Erosion all dessen, was an Aufklärung innerhalb der Verfassung steckt, seit mittlerweile drei Jahrzehnten im Gange. Der Zeitraum ist nicht zufällig, sondern er geht einher mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Fukuyamas Ende der Geschichte bedeutete auch, dass der Westen die Camouflage beenden konnte und die Pläne für ein großdeutsches Reich  zumindest einmal wieder zur Ansicht freigab. Jede Aggression Richtung Osten ist seitdem ein willkommener Anlass, sich einen Blick auf die begehrte Beute zu gönnen.

Wäre da nicht das Hindernis der eigenen militärischen Schwäche und die partielle Unkalkulierbarkeit vor allem des Bündnispartners USA. Im Krieg gegen Russland scheint er eine Bank zu sein, in Gesprächen über die Aufteilung der Beute ist er allerdings nicht mehr allzu freundschaftlich gesinnt. Es kann auch sein, dass die Liaison lediglich zu einem führt, nämlich der eigenen Vernichtung. Denn ohne eigene Streitkräfte, die den Namen verdienten, bleibt der Status eines Mündels. Und bei den geostrategischen Herausforderungen, vor denen das taumelnde Imperium USA steht, kann es schon passieren, dass die Sicherheit der Suprematie über Nacht dahin schwindet. Zumindest hinsichtlich eigener Bündnisbeschwörungen.

Aber sie reden weiter und lassen weiter schreiben, als hätten sie beim Stürmer ihr Handwerk gelernt. Als hätte es nie einen Antifaschismus und eine Friedensbewegung gegeben. Da kommen Fälscherrotzlöffel wie ein ehemaliger Verteidigungsminister, der über Betrug gestolpert ist, aus ihrem „amerikanischen Exil“ und fordern zum aggressiven Bruch des Völkerrechts und militärischen Interventionen in fremden Ländern auf. Und die Journaille – man entschuldige die Verwendung des Begriffes, aber auch der soll ja an die alten Zeiten erinnern – pimpt den Hallodri auch noch in die Schlagzeilen. Oder, wie eh und je, das berühmte Kontaminierungsorgan des Springerkonzerns zitiert Syrer, die darum betteln, militärisch viel stärker gegen ihr Land vorzugehen.

Das Volk sieht, nimmt man demoskopische Resultate als Indizien wahr, was da passiert. Es sieht die Degeneration der Medien zu Propagandaorganen und es sieht eine Politik, die nicht den Frieden will. Und es befürwortet beides nicht. Die einzige Spekulation, die momentan Spaß macht, ist die über den Zeitpunkt einer gewaltigen Opposition.