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Unter die Lupe genommen!
Egon W. Kreutzer. Wollt ihr das totale Grün? Handreichung zur Bundestagswahl 2021
Obwohl immer wieder die Mahnung aus dem scheinbar antiquierten demokratischen Bewusstsein klingt, „Seht euch die Programme der Partien an!“, verhallt sie immer wieder im unendlichen Raum der gesellschaftlichen Leere. Denn die meisten Parteien machen sich nicht einmal mehr die Mühe, solche Programme zu erstellen, was auch an der Interessenlosigkeit oder der Desillusionierung der Wähler liegt, die sowieso nicht an die in solchen Programmen dargelegten Absichtserklärungen glaubten. Eine Partei, und zwar die, die hinsichtlich der bevorstehenden Bundestagswahlen prächtige Prognosen einfährt, die GRÜNEN, hat sich die Mühe gemacht, ein solches Programm zu erstellen.
Egon W. Kreutzer, seinerseits ein Verfechter originärer demokratischer Prinzipien, hat sich dieses Programm vorgenommen und die Arbeit gemacht, das, was in diesem aktuellen Programm der GRÜNEN steht, genau unter die Lupe zu nehmen und detailliert nach logischer Konsistenz, technischer Machbarkeit, Finanzierung und lebenspraktischer Konsequenz zu prüfen. Unter dem Titel „Wollt ihr das totale Grün? Handreichung zur Bundestagswahl 20212“ ist ein ca. 150 Seiten umfassendes Buch erschienen, in dem die wesentlichen Säulen geplanter grüner Politik auf ihre Statik hin überprüft werden.
Die bereits wie ein Mantra durch den öffentlich-rechtlichen Äther wie den daraus abgeleiteten gesellschaftlichen Diskurs beherrscht, sind die „neuen“ Vorstellungen von Landwirtschaft, Finanzmärkten, sozialer Gerechtigkeit, Diversität, Energie, Klima, Digitalisierung, Open Data und Positionen der internationalen Politik. Um diese geht es in dem Programm und sie werden von Kreutzer Punkt für Punkt beschrieben, klassifiziert und kritisch beurteilt. Mehr kann man nicht verlangen, wenn man es nicht vermag, das mit Forderungen gespickte Konvolut der GRÜNEN selbst zu lesen.
Es ist einer Rezension nicht angemessen, die Details, die notgedrungen bei der Analyse eines Wahlprogramms unter das OP-Messer kommen, zu wiederholen. Dazu möge der Verweis auf die Lektüre der hier besprochenen Lektüre reichen. Sie lohnt sich allein deshalb, weil sie sich diesen Details nicht nur widmet, sondern sie auch auf ihre tatsächlichen sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen untersucht.
Was bei der Lektüre zudem auffällt, ist etwas, das vielleicht nicht nur einem grünen Wahlprogramm vorgeworfen werden kann, sondern denen, die es rudimentär noch mit so etwas versuchen, auch vorgeworfen werden muss. Es ist darüber nichts nachzulesen über die Kosten der Vorhaben und einen Plan, wer und wie dafür aufgekommen werden muss.
Was jedoch als ein ureigenes Signet der GRÜNEN im Raum stehen bleibt, dass hochgerechnet im ersten Jahr der Verwirklichung bereits Kosten von einer Billion anfallen würden, dass insgesamt mit einer massiven Verteuerung des Lebensunterhalts für einen Großteil der Gesellschaft gerechnet werden muss, dass ein ganzes Feuerwerk von Behördengründungen abgefackelt werden wird, die sich eines immer abstruser werdenden, in alle Lebensbereiche hineinregierenden Regelwerkes annehmen und eine neue, grüne bürokratische Nomenklatura absichern sollen, dass die sprachliche und gedankliche Inquisition, die aus den anfänglich antidiskriminatorischen und heute sektiererischen Weltbildern entwickelt wurde, die ganze öffentliche Sphäre vergiften wird, was die bereits tiefe Spaltung der Gesellschaft vorantreiben wird, dass die Grünen wie keine andere der konkurrierenden Parteien den radikalen bellizistischen Falknern vom Potomac folgen und jede Form der Konfrontation mit Russland und China inbrünstig zu ihrer Sache machen werden.
Was anfänglich wirkt, wie ein gerade im Werkunterricht gefertigtes Artefakt der Unbekümmertheit, entpuppt sich, dank der detaillierten Analyse Kreutzers, eher als ein giftiges Substrat aus dem Chemie-Labor. Ich empfehle die Lektüre all denjenigen, die genauer hinschauen wollen, bevor sie zu einem Urteil bereit sind.
Political Science Fiction
Egon W. Kreutzer, Andere Abhilfe. Literarische Vision zur Gestaltung einer vom Grundgesetz eröffneten Option
Da traut sich mal einer was! Inmitten einer medial-ideologischen Überhitzung und dem bedauernswerten Zustand einer nicht mehr greifenden Diskussionskultur setzt sich ein sonst als Sachbuchautor wirkender Zeitgenosse an die Tastatur und haut einen Roman raus, der es in sich hat. Dieses mindestens aus zweierlei Gründen: Erstens schert er sich dabei nicht darum, wer in den elenden Diskursen, die unser Dasein vergiften, bereits verbrannt ist und wer nicht. Und zweitens macht er das, was die meisten in Zeiten der Utopielosigkeit gar nicht mehr können: er blickt in seinem Roman auf die nahe vor uns liegenden Jahre 2022/23 bereits zurück. Und vieles, was Egon W. Kreutzer in seinem Roman „Andere Abhilfe“ geschehen lässt, gälte, befragte man den Mainstream, so er als fiktive Person bestünde, als absurd und abwegig. Aber ist es das?
Der Artikel 20, Absatz 4 des Grundgesetzes, den Kreutzer der Geschichte voranstellt, gibt es jedenfalls. Dort heißt es: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ In einem Szenario, das geprägt ist von wilden Entwicklungen, die durchaus sein könnten, wenn bestehende Tendenzen ernst genommen werden, schält sich im Laufe der Erzählung eine Konstellation heraus, die alles andere als realitätsfremd bezeichnet werden kann. Da sind die bekannten politischen Parteien, die sich trotz dramatischer gesellschaftlicher Veränderungen in ihrem Verhalten kaum verändert haben. Da sind außerparlamentarische Gruppierungen, die allzu gerne als Zivilgesellschaft bezeichnet werden, diese aber nicht repräsentieren. Da sind internationale Akteure, die kaum sichtbar, aber umso mächtiger sind und die als Finanzkapital zu identifizieren sind. Zusammengefasst stehen die politischen Akteure auf einer Bühne und führen ihr Stück auf, während sich die Regie ganz woanders trifft und die Geschicke lenkt.
Sprengstoff kommt mit dem in Deutschland wirtschaftlich und technisch potenten unternehmerischen Mittelstand und einer Gruppe von Militärs ins Spiel. Sie sind es, die beginnen, den Kampf gegen Verhältnisse aufzunehmen, die sie als existenzielle Gefahr für das Land, seine staatlichen Institutionen, die als mehr oder weniger aufgelöst bereits beschrieben werden und letztendlich sich selbst. Sie finden heraus, woran es liegt, dass die Öffentlichkeit so gelähmt ist, woher die politische Lethargie stammt, die keinen Widerstand gegen ein allgemeines Staatsversagen mehr zustandekommen lässt und in wessen Interesse das ist. Die Frage nach dem Cui bono, die neuerdings sogar als verpönt gilt, bekommt in diesem Licht einen explosiven Stellenwert.
Es handelt sich um reinen reißenden Thriller, in dem die Motive der Akteure politisch sind und es um nichts weniger geht, als um die Rettung eines Staatsgebildes und einer Nation. Bereits das sind Reizwörter, die manche Diskussionen nicht mehr stattfinden lassen und insofern ist noch eine Prise Pfeffer mehr in dem Roman. Es fällt schwer, die Handlung nicht zu präzisieren, aber Sinn der Rezension ist es, dazu anzuregen, das Buch selbst in die Hand zu nehmen.
Lebten wir in anderen Zeiten, dann wäre „Andere Abhilfe“ ein wunderbarer Anlass, um die Diskussion über die vor uns liegenden Notwendigkeiten von Veränderungen zu führen. Zu befürchten ist, dass zumindest diejenigen, die von ihren allzu schweren ideologischen Bleiwesten heruntergedrückt werden, aufschreien und mit ihren abgegriffenen Klischees diese Diskussion zu verhindern suchen.
Noch einmal der Hinweis, dass es sich um einen Roman handelt. Zur Freiheit der Kunst steht auch etwas im Grundgesetz. Allein die Notwendigkeit, dieses erwähnen zu müssen, deutet darauf hin, dass die Frage nach der „Anderen Abhilfe“ so aus der Luft gegriffen nicht sein kann. Lesen Sie das Buch und vergegenwärtigen sich, was alles möglich sein könnte. Im Negativen wie im Positiven!
Paperback
324 Seiten
ISBN-13: 9783751913935
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 31.07.2020

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