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Shit hits the Ventilator

Im Amerikanischen existiert diese schrecklich-treffende Metapher, dass ein Haufen Scheiße in den Ventilator fliegt. Den Rest des Bildes kann man sich vorstellen. Die Redewendung wird dann hervorgeholt, wenn sich ein Desaster über alle infrage kommenden Bereiche erstreckt. Insofern ist es folgerichtig, das G 7-Treffen im sizilianischen Taormina mit mit dieser Metapher zu beschreiben. Da kam ein amerikanischer Präsident, dem die Etikette egal sind, der sich an solchem Unsinn wie dem Weltklima nicht aufhält und der die deutsche Position des Exportweltmeisters kritisiert. Ehrlich gesagt, schlimmer konnte es für die dort Versammelten nicht kommen.

Dass die Benimm-Regeln von Trump nicht so ernst genommen werden, kann vielleicht noch mit einem Paradigmenwechsel beschrieben werden. Dort, wo es um Geschäfte geht, wird bei derben Witzen und zünftiger Umgebung knallhart verhandelt. Es ist eine andere Welt als die der Diplomatie. Und da sei eine kleine Replik an die so Empörten erlaubt: Geht es ansonsten um deren wirtschaftliche Interessen, dann sind sie auch nicht zimperlich. Und außerdem ist es fraglich, ob ein hochnäsig-blasiertes Populisten-Modell wie das britische so viel mehr Niveau mitbringt wie der teutonische Bullterrier von der amerikanischen Ostküste.

In Sachen Klimawandel und der nahezu obligatorischen Note gemeinsamer Anstrengungen dagegen zahlt sich jetzt aus, dass es fatal ist, sich jahrelang mit einem Gestus des guten Willens zu begnügen. Ohne tatsächliche gemeinsame Aktionen gegen die immer schneller werdende Erwärmung lässt sich schwer überzeugen. Trump argumentiert jetzt so, wie lange die Chinesen, die ihrerseits jedoch bereits auf einer ganz anderen Route sind und bereits Maßnahmen eingeleitet haben, die alle „gemeinsamen Schritte“ des Westens in den Schatten stellen werden. Auch wenn es einer nahezu permanenten Katastrophe im eigenen Land bedurfte, um dahin zu kommen. In den USA wird es nicht anders sein, obwohl dort schon weitaus drastischere Veränderungen zu beobachten sind als in Europa.

Der schwerste Schlag Donald Trumps war jedoch die Kritik an den deutschen Außenhandelsüberschüssen. Mit dieser Bemerkung hat er das von den USA selbst geschaffene System der beiden Weltproduktionsstätten, Deutschlands und Japans, zur Disposition gestellt. Die USA hatten sich nach dem II. Weltkrieg zwei Länder für diesen Job ausgesucht. Beide hatten mit den Vorkriegsproduktivkräften und einer dementsprechend qualitativen Work Force die Voraussetzungen mitgebracht, diese Funktion innerhalb einer us-kontrollierten Weltwirtschaft zu übernehmen. Dass es sich dabei um zwei Verlierermächte handelte, war kein Zufall. Dass Trump nun ausgerechnet diese Funktion anzweifelt beziehungsweise ihre Berechtigung zurückweist, zeugt davon, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

Es ist gut, sich darauf einzustellen, dass ein von den USA aus gesteuerter Weltmarkt in dieser Form nicht mehr existiert. Die Trunkenheit nach dem Sieg über die Sowjetunion und das Gefasel über das Ende der Geschichte endet ein Vierteljahrhundert später mit der ernüchterten Feststellung, dass wir heute in einer wirtschaftlich multipolaren Welt leben, in der momentan heftig um die neue Dominanz gekämpft wird. Das wird einher gehen mit der Suche nach der neuen militärischen Vorherrschaft, die, noch, bei den wirtschaftlich angezählten USA liegt. Die neue Seidenstraße ist so ein Symbol, das genau beobachtet werden sollte.

Für Europa ist das alles gar nicht der passende Zeitpunkt. In Zeiten großen Wandels ist es immer von Vorteil, eine Strategie zu besitzen, um zu wissen, wo die eigene Zukunft liegen soll. Weder die EU als ganzes, noch Deutschland oder Frankreich vermitteln den Eindruck, über so etwas zu verfügen. Dann schon eher Großbritannien, das mit dem Brexit fulminant Kurs auf USA, Protektionismus und militärisch abgesicherte Zugriffe genommen hat. Noch einmal: Shit hits the ventilator!

Die Mutter aller Bomben und der Kaiser Caligula

Einen Tag bevor in der christlichen Mythologie der Mensch gewordene Sohn Gottes seinen schwersten Gang zu gehen hatte, der erst damit enden sollte, dass er, mit Armen und Beinen ans Kreuz geschlagen und mit einer Lanze in den Leib gestochen, in der Abendsonne verenden sollte, warfen die Römer von heute über den Bergen von Afghanistan etwas ab, das offiziell mit MOAB abgekürzt wird, acht Tonnen Sprengstoff enthält und von den Legionären zynisch als Mother of all Bombs bezeichnet wird. Die Mutter aller Bomben tötete 36 Mitglieder des subversiven und terroristischen islamischen Staates und sie verursachte Schäden an einem für diese Schergen wichtigen Tunnelsystems. Und der Abwurf der Mutter aller Bomben zeigt, dass die Welt sich keine Sorgen zu machen braucht: Der Krieg, der vor 16 Jahren weltweit gegen den islamistischen Terror vor den Turmruinen des Weltfinanzimperiums ausgerufen wurde, ist noch lange nicht zu Ende.

Ja, vieles deutet darauf hin, dass das Biblisch-Apokalyptische sich eine Weile in unser Leben wird weiter einnisten können. Das zunächst Erratische eines Präsidenten Donald Trump, der aufpassen muss, dass er nicht die historische Analogie zu dem römischen Vorläufer Caligula erreicht, hat eines der Argumente, dass ihm den Zuspruch von den „einfachen Leuten“ einbrachte, nämlich die notwendige Verabschiedung der USA von der Rolle des Weltpolizisten, blitzschnell zunichte gemacht. Wobei lediglich ein Rollenwechsel vollzogen worden ist, denn eine Polizei hält sich an gewisse Regeln, das jetzige Auftreten erinnert bereits an das Gebaren kolumbianischer Drogenbosse.

Zumindest zwei Brandherde sind in wenigen Tagen neu angefacht worden. Sowohl Syrien als auch Afghanistan sind so, weit genug von den USA entfernt, als Konfliktfelder gesichert, wenn jetzt noch ein Clash mit Nordkorea gelingt, dann wäre die Sache perfekt. Mit der Fortführung der ersten beiden Konflikte sind die Konfrontationen mit Russland und dem Iran weiterhin stabilisiert. Und diejenigen, die Trumps Schwenk zu einer kriegerischen Politik, der im selben Moment ein seltsames Bekenntnis zur NATO folgte, werden sich noch wundern, wenn die Rechnung präsentiert wird. Und nicht nur monetär, denn bald wird es Leiber kosten, die bereits in geringem Maße durch die Aktionen der Terroristen in den Bündnisländern zu entrichten sind. Das werden dort auch mehr, denn mit der jetzigen Politik ist in einer Welt der Unsicherheiten nur eines sicher: Die Produktion von Nachwuchs für den Terror ist dramatisch gesteigert worden.

Ja, die Amerikaner haben diesen Präsidenten gewählt. Und er hat damit begonnen, das zu halten, was er versprach, in dem er Steuern senkte und wirtschaftlichen Protektionismus auf seine Fahnen schrieb. Und jetzt, jetzt macht er es wie Caligula. Er überschreitet die Alpen, wie viele seiner ruhmreichen Vorgänger und er will sich im Kampf mit heißen Waffen solche Blätter des Ruhmes erwerben. Was ihm, wie dem römischen Vorbild, nicht gelingen wird. Ob er, wie Caligula, eines gewaltsamen Todes durch Intrigen in den Lagern der Elite sterben wird, ist nicht Gegenstand der Spekulation.

Doch diejenigen, und da bleiben wir am besten in der biblischen Terminologie, diejenigen, die sich mit dem Gottlosen einlassen ob der Pfründe, die er ihnen verspricht, sie mögen in den Rachen des Unheils fallen und ihre Schreie mögen zu hören sein jenseits der hohen Berge, die das geschundene Tal von dem Aufgang der Sonne trennt.

Die Welt liegt im Detail

Zwei Beispiele der jüngsten Tage sind in hervorragender Weise dazu geeignet, sich mit der Berichterstattung durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie der Massenrezeption im Internet zu beschäftigen. Beide Fälle sind durch Audio-Beiträge auf diesem Blog illustriert und insofern nachvollziehbar. Und in beiden Fällen geht es darum, wie es meines Wissens vor vielen, vielen Jahren Hans Werner Richter einmal in einem kleinen Büchlein nannte, wie eine Meinung in einem Kopf entsteht. Der erste Fall ist die erste offizielle Pressekonferenz von Donald Trump in Washington und im zweiten Fall die moralische Entrüstung Meryl Streeps über Donald Trump anlässlich der Verleihung der Golden Globes. Beide Beispiele dokumentieren den Umgang mit Information und den Grad von Inszenierung, um bestimmte Wirkungen zu erzielen.

Im Falle der Pressekonferenz waren es im öffentlich-rechtlichen einmal wieder alle, aber ganz besonders das heute journal, dass sich diese Pressekonferenz vornahm und aus einer einstündigen Veranstaltung 90 Sekunden herauspickte, um Donald Trump als einen cholerischen, unberechenbaren und ungesitteten Zeitgenossen darzustellen. Es ging in dieser Sequenz darum, dass Trump den Vertreter von CNN nicht zu Wort kommen ließ und ihn als Produzenten von Falschmeldungen bezeichnete. Das wäre dann skandalös, wenn begründeter Verdacht gegen Trump vorläge und er dadurch die Wahrheitsfindung behindern wollte. Es wird nur dann kurios, wenn man bedenkt, dass Trump eben auf dieser Pressekonferenz in aller Ruhe und Besonnenheit auf den Verdacht einging, gegen ihn könnten kompromittierende Bilder aus Moskauer Hotels vorliegen, mit denen er von russischer Seite erpressbar sei. Trump selbst schildert jedoch in dem Interview, dass ihm die Gefahr der Observierung z.B. in Russland immer bewusst gewesen sei und er sogar für alle Vertreter seiner Unternehmen Guidelines herausgebracht habe, in denen das thematisiert und ausdrücklich ein vorbildhaftes Verhalten gefordert sei. In diesem Kontext ist der Vorwurf an den Vertreter von CNN, Produzent von Falschmeldungen zu sein, nicht mehr ganz so abstrus, sondern eher nachvollziehbar. Alle anderen Aussagen der Pressekonferenz wurden ausgeblendet und nicht darüber berichtet, obwohl daraus einige Klarheit über die politische Agenda hätte entstehen können. Das ZDF begnügte sich damit, Stimmung zu machen. Hetze statt Journalismus, in wessen Auftrag und Interesse?

Meryl Streep hingegen flogen die Herzen im Netz zu, weil sie bei ihrer Dankesrede für die Verleihung eines Golden Globes den Tränen nahe darüber berichtete, dass es ihr das Herz gebrochen habe, wie Donald Trump sich über einen Behinderten lustig gemacht habe. In einem Format unter dem Titel The Rebel wird die Angelegenheit jedoch aufgeschlüsselt. Zum einen hatte Donald Trump tatsächlich einen Journalisten attackiert, der eine verkrüppelte Hand aufweist, aber ansonsten ein durch keinerlei Einschränkungen gehandikapter Mensch ist. Die Reaktion, auf die sich Streep bezog, ein etwas irres sich Schütteln, um den Sinn zu erfassen, lässt sich jedoch in sehr vielen unterschiedlichen Beiträgen Trumps ausmachen und wird einem interaktiven Habitus zugeschrieben, der unter New Yorkern derzeit nicht untypisch ist. Meryl Streep, übrigens während des Wahlkampfes aktiv für Hillary Clinton unterwegs, hat sich als Schauspielerin auch in diesem Falle bewährt. Sie hat dokumentarische Fragmente so inszeniert, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Der Rapper AnOmaly, der ihre Bigotterie nach diesem Auftritt scharf aufs Korn nahm, hatte übrigens in den folgenden Stunden sieben Millionen Klicks.

Wie diese beiden Beispiele zeigen: Die Welt liegt im Detail. Und unabhängig von einem Statement über Donald Trump ist es notwendig, sich aktiv dem Kampf gegen die neuen Mystiker anzuschließen. Dass sie Unheil anrichten, ist auf jeden Fall erwiesen.