Von denjenigen, die noch heiße Kriege erlebt haben, stammt der Satz, dass die Einschläge immer näher rücken. Bis heute hat sich diese Redewendung gehalten, obwohl die wenigsten Menschen, die sie benutzen, noch genau wissen, woher sie kommt. Sie gebrauchen die Formulierung, wenn sie darauf hinweisen wollen, dass das Unheil, in welcher Form auch immer, näher kommt.
Manchmal, vor allem im Bildungsbürgertum, spricht man von einer Duplizität der Fälle, wenn zwei Ereignisse oder Erscheinungen, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, gleichzeitig passieren oder den gleichen Verlauf nehmen. Unter diesem Aspekt ist die Aussage, dass die Einschläge immer näher kommen, in beiden Fällen, dem im direkten Bezug auf den Krieg in Europa wie dem im übertragenen Sinne als Formulierung, die ganz allgemein ein Problem, eine Not oder gar den Tod adressiert, die treffende für die jetzige Situation.
Nachdem sich die Bundesregierung durch Willenserklärung und Faktizität offen als Kriegspartei zu erkennen gegeben hat und sowohl aus den Reihen der Regierungsparteien sowie einem Teil der Opposition die Parole ausgegeben wurde, Russland zur Kapitulation treiben zu wollen, besteht kein Zweifel darüber, dass zunächst, wie es die russische Art ist, Schach zu spielen, politisch-diplomatische Einschläge geben wird, und, sollte das nichts bewirken, die Proliferation von Kriegsmaterial wie Know-How auch bis nach Deutschland ins Visier zu nehmen.
Die politische Aktion wird in der Aufkündigung des 2+4-Vertrages bestehen. In diesem wurden die jetzigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland festgesetzt und abhängig gemacht von einer Friedenspflicht Deutschlands gegenüber allen Unterzeichnerstaaten, wozu eben auch Russland gehört. Diese Pflicht sieht Russland nicht zu Unrecht massiv verletzt. Letztendlich ist dieser Einschlag nicht eine Frage von Jahren, sondern von Monaten oder Wochen.
Ähnlich verhält es sich mit der unmittelbaren militärischen Lage. Auf diesem Feld hat Russland seine Ziele erreicht. Es will den Donbas und die Krim, die Gründe dafür liegen seit langem auf dem Tisch. Die Ausweitung des Krieges auf das Terrain Russlands seitens der Ukraine ist nicht ein Zeichen russischer Schwäche, ganz im Gegenteil, es legt den Wunsch Selenskijs offen, durch eine Eskalation den Krieg am Laufen zu halten und die NATO wesentlich mehr hineinzuziehen, als sie es bereits ist. Man kann davon ausgehen, dass deutsche Waffenfabriken, die die Ukraine beliefern, bereits mit ihren Koordinaten auf russischer Seite einprogrammiert sind. Und je mehr und je schneller von deutscher Seite eskaliert wird, und dafür bürgt der Kanzler und sein Mehrparteien-Gefolge, desto näher rückt der Zeitpunkt, dass es auch auf deutschem Territorium Einschläge geben wird. Und spätestens bei der Anlieferung und Aufstellung der Tomahawk-Mittelstreckenraketen aus den USA ist garantiert, dass hier die akuten Ziele ausgemacht sind.
Der Wunsch, Russland, das größte Flächenland der Welt, in Gänze zu zerstören, wie es von der Regierung bis zur EU-Kommission ausgerufen wurde, beinhaltet tatsächlich keinen Raum für Verhandlungen welcher Art auch immer. Und glaube niemand, dass die momentane Eskalation dazu führen würde, dass die russische Bevölkerung die eigene Regierung stürzen würde. Ganz im Gegenteil. Der Druck, der momentan in der russischen Gesellschaft entsteht, ist der rapide wachsende Wunsch, selbst bei denen, die den Krieg lange skeptisch sahen, der Ukraine endgültig die Kapuze über den Kopf zu ziehen und als Staat aus der Welt zu schaffen. Diese Option steigt im Moment beträchtlich.
Die Einschläge rücken immer näher. Und unsere politische Nomenklatura hat alles im Griff!
