Die verwahrloste Minderheit gegen den Rest der Welt — Neue Debatte

Was wir momentan erleben, ist der zunehmend militante Kampf einer kleinen Minderheit gegen die Weltgesellschaft und alles andere ist Makulatur: das Soziale, das Ökologische, die ethischen Werte. Der Beitrag Die verwahrloste Minderheit gegen den Rest der Welt erschien zuerst auf Neue Debatte.

Die verwahrloste Minderheit gegen den Rest der Welt — Neue Debatte

Wodka, Kaviar und Diamanten

Was noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre, gehört heute zur täglichen Routine der Politikgestaltung. Wobei dabei der Anspruch, damit etwas zu gestalten, als ein Euphemismus erster Klasse bezeichnet werden muss. Es geht um das Verhängen von Sanktionen. Existiert haben sie schon immer, da mache man sich nichts vor, auch Deutschland war schon sehr früh dabei, Sanktionen gegen chinesische Produkte mit zu implementieren, wenn es um eigene, staatlich subventionierte Industrien wie die Solarbranche oder Fahrräder ging. Dann kam der us-amerikanische Präsident Donald Trump und begann damit, innerhalb des westlichen Bündnisses gemäß seines aus der Mottenkiste hervorgeholten Prinzips des America First! zahlreiche Sanktionen gegen Produkte aus der EU zu verhängen. Man erinnere sich an die ersten symbolischen Handlungen, mit denen die EU antwortete, da ging es dann um Strafzölle auf Harley Davidson Motorräder. Und es war keine Fehleinschätzung, bei solchen Aktionen von symbolischen Handlungen zu sprechen.

Nicht vergessen werden sollten bei dem Mittel der Sanktion einige Zusammenhänge. Wenn der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, und die Politik eine prägende Ausdrucksformen der ökonomischen Verhältnisse, dann ist die Wirtschaftssanktion der kriegerische Rote Faden, der sich durch das Amalgam von Wirtschaft, Politik und Krieg zieht.

Die gegenwärtige Fokussierung, vor allem seitens der EU, auf die Verhängung von Wirtschaftssanktionen, mit dem von der Kommissionspräsidentin explizit ausgesprochenen Ziel, Russland ruinieren zu wollen, dann handelt es sich bei diesem Mittel um die Prothese für nicht vorhandene militärische Schlagkraft. Das nun ausgebreitete volle Sanktionsprogramm ist ein Portfolio massiver Kriegsführung. Und dass es sich dabei, wie sollte es anders sein, wieder einmal um eine Strategie ohne Alternative handelt, dokumentiert den bereits ohne heißen Krieg herbeigeführten Zustand der Zerstörung wichtiger demokratischer Institutionen, den bemitleidenswerten Zustand des Pressewesens und die Apathie eines Großteils der Bevölkerung in Ermangelung einer politischen Organisation. Angesichts dieser Befindlichkeit wäre es anzuraten, schon einmal die Fahne der Kapitulation aus den Requisiten zu holen.

Wenn sich, bis auf wenige, versprengte Relikte aus einer anderen Zeit, bei einem kriegerischen Konflikt niemand Gedanken darüber macht, wie es einmal weitergehen soll, dann ist die historische Phase der Amöbenexistenz erreicht. Die Frage nach Möglichkeiten einer Friedensordnung nach Beendigung des Konflikts wird nicht nur konsequent ausgeklammert, sondern es werden auch diejenigen, die sie stellen, dem medialen Mob zur Hetzjagd freigegebenen. Die logische Schlussfolgerung ist, dass die im Verborgenen sitzenden Chefstrategen es begrüßen, wenn sich die Gesellschaft auf den Dauerzustand des Krieges einstellt. Ohne Ende in Sicht. Erst dann, wenn der Hunger gestillt ist. Aber, wie es so ist mit dem Kapitalismus: den Zustand der Sättigung kennt er nicht, entweder er hat Hunger, oder ihm ist schlecht!

Da freut es schon fast zu hören, dass aus dem enthaltsamen Amerika der Onkel Joe zu einem Verzicht aufruft und dem russischen Reich des Bösen mit einer weiteren Sanktion den Todesstoß zu versetzen gedenkt. In dem ewigen Reigen der Sanktionierung tauchten nun auch russische Produkte auf, die nicht nur den Exporteur, sondern auch die Konsumenten im freien Westen in Angst und Schrecken versetzen werden. Neu auf der Liste der russischen Produkte, die in keinem westlichen Geschäft mehr aufzufinden sein sollen, sind Wodka, Kaviar und Diamanten! Der permanente krieg ist bereits in vollem Gange. Ade, du schöne Welt!

Gegen den Rest der Welt

Es herrscht Krieg in der Welt. Und alle, die meinen, die Kampfhandlungen beschränkten sich auf die Ukraine und man könnte sich zumindest emotional aus dem Dilemma befreien, wenn für die Opfer auf ukrainischer Seite gespendet wird, unterliegen der Täuschung. Die Auswirkungen eines anderen, des Sanktionskrieges, sind bisher allenfalls an den Tanksäulen zu spüren, auch wenn es sich dabei bereits wieder um eine Täuschung handelt. Die deutschen Sprit Preise liegen ca. 30 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Es ist ein Vorgeschmack darauf, was alles mit dem Krieg begründet und emotional gegen Russland gerichtet werden wird. Die Grünen, nun auch international als probate Propagandawaffe für den heißen Krieg profiliert, arbeiten bereits an ihrem mit den Rechtseinschränkungen durch einen autoritärer werdenden Staat durchzusetzenden Programm der De-Industrialisierung. Das zwischen Narzissmus und Wahnsinn anzusiedelnde Personal wird, sollte es nicht durch welche Kraft auch immer ihrer Ämter enthoben werden, erst einhalten, wenn kein Stein mehr auf dem anderen steht. Im wahren Sinne des Wortes.

Denn der Glaube ist groß, dass es um die hehren Werte geht. Um Augenhöhe, um Respekt, um Nachhaltigkeit. All diese schönen Phänomene gelten allerdings nur für die, die aus der eigenen Perspektive als ihrer würdig bezeichnet werden. Der Rest ist Abschaum, Prekariat. Dass es sich bei dieser Betrachtung, die in der eigenen Überlegenheit endet, um einen Bruchteil der Weltgesellschaft handelt, ist im saturierten Milieu der aufgrund kolonialer Feldplünderung verwahrlosten so genannten urbanen Elite des Westens noch nicht angekommen. 

Der sich selbst als frei beschreibende Westen umfasst, mit Wohlwollen gerechnet, ein Zehntel der Weltbevölkerung. Nach Schätzungen der numerischen Stärke des politisch korrekten urbanen Milieus mit einem Eigenanteil von 5 Prozent an der Gesamtbevölkerung kommt man zu einer Summe von ca. 40 Millionen Menschen, die dem 200fachen an Restwelt gegenüber stehen und das definieren, was sie als Werte und Regeln für richtig halten. Das ist, ganz kühl betrachtet, keine Renaissance des Kolonialismus, sondern seine Steigerung. 

Was wir momentan erleben, ist der zunehmend militante Kampf einer kleinen Minderheit gegen die Weltgesellschaft und alles, was da auf die Fahnen geschrieben wird, ist Makulatur: das Soziale, das Ökologische, die ethischen Werte. Sie, dem Ziel der allumfassenden globalen Dominanz, zur Seite gestellt, entpuppen sich als die alten, abgegriffenen Phrasen einer Herrenrasse, die tief im Innern ahnt, wie es um ihre strategische Perspektive bestellt ist.

Allen, die sich in der mentalen Blase im westlichen Kulturraum einer Minderheit häuslich eingerichtet haben, die nach ihrer Selbsteinschätzung immer auf der richtigen Seite stehen und deren Gefühlswelt nichts anderes kennt als die Extreme von Abscheu und Verzückung, allen diesen in ihrer Wahrnehmung Getrübten sei geraten, sich in der Welt umzuhören. Verlasst die Apps, die euch den bequemen Aufenthalt in der eigenen Blase garantieren und sprecht mit den Menschen. Mit denen, die in ihren eigenen Ländern leben und die dafür verantwortlich sind, dass es so ist, wie es ist. Und sprecht mit denen, die alles verloren haben, weil ihr es so wolltet. Weil sie eure Regeln nicht als die ihren ansahen und die auf dem Geburtstag ihres Großvaters oder bei der Hochzeit seiner Enkelin von aus Rammstein gesteuerten Drohnen abgeknallt wurden wie einst die Hasen auf der Jagd im längst untergegangenen Britischen Empire.