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Die fünfte Kolonne und die Journaille

Wer die Zeiten nicht mehr kennt, der kann sich über die Auswüchse auch nicht sonderlich aufregen. Wer sie allerdings kennt und die Analogien leugnet, der arbeitet mit an dem großen Plan der Zerstörung. Es ist unglaublich, aber die bösen Bilder der alten Propaganda geistern durch den deutschen Journalismus, als wären sie nie weg gewesen. Irgendwie steckt hinter all dem Unheil der Russe, alle, die andere Interessen vertreten, sympathisieren mit dem Terrorismus und diejenigen, die anmahnen, einmal über bestimmte Zusammenhänge nachzudenken, bevor sie für militärische Aktionen plädieren, werden gleich als fünfte Kolonne bezeichnet. Spiegel online heute über die Linke: Putins Bollwerk in Berlin!

Es ist ein Denken in Freund und Feind, in Schwarz und Weiß. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und wer nicht unserem Weg folgen will, der ist nicht nur ein feindliches Element, sondern der ist uns auch moralisch unterlegen. Das Phänomen ist bekannt. Wer die positiven Werte einer Gesellschaft für sich reklamiert, der hat erst einmal die Nase vorn, der besitzt die Lufthoheit, wie manche Zyniker es gerne ausdrücken. Wenn die Propagandistin aus dem Verteidigungsministerium zum Halali bläst, dann natürlich im Rekurs auf unsere Werte.

Letztere sind, was die Kommunikation zwischen Mandatsträgern und Volk betrifft, längst auf der Strecke geblieben. Es mutet an, als sei die heimliche Erosion all dessen, was an Aufklärung innerhalb der Verfassung steckt, seit mittlerweile drei Jahrzehnten im Gange. Der Zeitraum ist nicht zufällig, sondern er geht einher mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Fukuyamas Ende der Geschichte bedeutete auch, dass der Westen die Camouflage beenden konnte und die Pläne für ein großdeutsches Reich  zumindest einmal wieder zur Ansicht freigab. Jede Aggression Richtung Osten ist seitdem ein willkommener Anlass, sich einen Blick auf die begehrte Beute zu gönnen.

Wäre da nicht das Hindernis der eigenen militärischen Schwäche und die partielle Unkalkulierbarkeit vor allem des Bündnispartners USA. Im Krieg gegen Russland scheint er eine Bank zu sein, in Gesprächen über die Aufteilung der Beute ist er allerdings nicht mehr allzu freundschaftlich gesinnt. Es kann auch sein, dass die Liaison lediglich zu einem führt, nämlich der eigenen Vernichtung. Denn ohne eigene Streitkräfte, die den Namen verdienten, bleibt der Status eines Mündels. Und bei den geostrategischen Herausforderungen, vor denen das taumelnde Imperium USA steht, kann es schon passieren, dass die Sicherheit der Suprematie über Nacht dahin schwindet. Zumindest hinsichtlich eigener Bündnisbeschwörungen.

Aber sie reden weiter und lassen weiter schreiben, als hätten sie beim Stürmer ihr Handwerk gelernt. Als hätte es nie einen Antifaschismus und eine Friedensbewegung gegeben. Da kommen Fälscherrotzlöffel wie ein ehemaliger Verteidigungsminister, der über Betrug gestolpert ist, aus ihrem „amerikanischen Exil“ und fordern zum aggressiven Bruch des Völkerrechts und militärischen Interventionen in fremden Ländern auf. Und die Journaille – man entschuldige die Verwendung des Begriffes, aber auch der soll ja an die alten Zeiten erinnern – pimpt den Hallodri auch noch in die Schlagzeilen. Oder, wie eh und je, das berühmte Kontaminierungsorgan des Springerkonzerns zitiert Syrer, die darum betteln, militärisch viel stärker gegen ihr Land vorzugehen.

Das Volk sieht, nimmt man demoskopische Resultate als Indizien wahr, was da passiert. Es sieht die Degeneration der Medien zu Propagandaorganen und es sieht eine Politik, die nicht den Frieden will. Und es befürwortet beides nicht. Die einzige Spekulation, die momentan Spaß macht, ist die über den Zeitpunkt einer gewaltigen Opposition.

Die Regime-Change-Achse und der Groß-Inquisitor

Mit den nächtlichen Luftschlägen von USA, Frankreich und Großbritannien auf syrische Ziele, die vermeintlich mit der Produktion von Chemiewaffen in Zusammenhang gebracht werden können, hat sich die Anzahl der völkerrechtswidrig kriegerisch betätigenden NATO-Mitglieder auf die Zahl Vier erhöht. Mit den USA, Frankreich und Großbritannien sind die Mächte beteiligt, die, wie im Falle Libyens, als die zentrale Achse des Regime-Change bezeichnet werden können. Mit der Türkei hat sich eine vierte Macht dazugesellt, die einen inneren Konflikt durch kriegerische Aktionen im Nachbarland lösen will. Die türkische Aggression gab als Grund die bloße Existenz der kurdischen Ethnie im Nachbarland an. Die anderen drei erzählten eine Geschichte, deren Faktizität nicht erwiesen ist. Reden wir nicht weiter von Werten. Reden wir von Macht und Raub.

Genau zu dem Zeitpunkt, als in Syrien die terroristischen Verbände so genannter „Rebellen“ vertrieben und eliminiert wurden, genau zu dem Zeitpunkt, an dem eine Perspektive für einen inner-syrischen Frieden entstanden war, genau zu diesem Zeitpunkt greift die Regime-Change-Achse ein. Damit ist wieder einmal klar, es geht weder um Giftgas noch um Frieden, es geht darum, wenn man die syrische Regierung schon nicht stürzen kann, dann soll wenigstens ein fragiler Zustand beibehalten werden. Wer diese sehr strategischen, auf geographische Vorteile bedachte und auf Ressourcen spekulierende Politik mit Werten der Aufklärung, aus denen demokratische Rechtsstaatlichkeit entwuchs verkaufen will, der muss selber gewaltig den Überblick verloren haben oder mit einem völlig hirnlosen Publikum rechnen.

Was wir sehen, wieder einmal, ist die dreckige Seite des Imperialismus, der von alleine dafür sorgt, dass die wunderbare „Werte-Gemeinde“ des Westens global immer weiter diskreditiert wird. Diese Politik, die über die jeweils betroffenen Länder nichts anderes als Unsicherheit, Krieg und Untergang gebracht haben, als das Ehrenwerte des Westens zu charakterisieren, ist ein Zynismus, der nur Wesen entspringen kann, die ihrerseits selbst an nichts mehr glauben. Sie verfügen über das Geheimnis, das Dostojewski so wunderbar bei der Figur des Groß-Inquisitors lüftete: Er selbst, der Groß-Inquisitor, glaubt nicht an Gott! Und so glauben diese ganzen Nachtschattengewächse wie Trump, May und Macron selbst nicht an den Schmalz, den sie verschmieren. Und so wie sie sind, sollten sie auch verhandelt werden.

Die NATO ist der erste Punkt, über dessen Existenz gesprochen werden muss. Sie hat sich in doch recht kurzer Zeit zu einem aggressiven Kriegsbündnis gemausert. Da sollte auch nicht mehr lange darum herum geredet werden. Die Mitgliedschaft in einem solchen Bündnis schließt die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland kategorisch aus. Die logische Konsequenz ist der sofortige Austritt. Die weitere Logik erfordert eigene, auf die Verteidigung beschränkte Aktivitäten bezüglich der eigenen Streitkräfte. Das wäre eine Mammut-Aufgabe, da das surfen im Windschatten des US-Imperiums bequemer war und zu einer Operettenarmee geführt haben.

Es stellt sich die Frage, ob nur ein Mitglied der Großen Koalition auf die Idee gekommen ist, dass das, was sich da im Namen der NATO tut, und das, das die Regime-Change-Koalitionäre zum wiederholten Male verbrechen, in Einklang mit dem eigenen Auftrag steht. So, wie es aussieht, besorgen die Vorgänge dort niemanden. Das heißt, diese Regierung ist genauso obsolet wie die NATO. Das sehen auch andere Kräfte so. Es stellt sich die Frage, ob diese Regierung nicht nur sich, sondern auch gleich das demokratische System mit demontiert oder nicht.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!

In seinem Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“ beschreibt Louis Begley, durchaus autobiographisch gefärbt, von dem Elend seines Jahrhunderts. Es bestand, so die unstrittige Quintessenz, in der Täuschung. Zum einen in einer Täuschung, die aus den eigenen, gesicherten, sorgenfreien und von Ästhetizismus durchtränkten Verhältnissen gespeist wurde. Sie führte zu dem Trugschluss, die Welt sei so, wie die eigenen Lebensumstände erlebt wurden. Und zum anderen in dem daraus resultierenden Unglauben, dass die Welt da draußen so bestialisch sein könnte, wie sie sich tatsächlich herausstellte. Begleys schmerzvolles Fazit aus seinem eigenen Leben wurde nahezu von einer gesamten Genration geteilt. Sie glaubten an die Dichotomie der Welt, an die Teilung vom Selbstbild und der Eigendynamik des Bösen, ohne davon betroffen zu sein. Für diesen Trugschluss wurden alle bestraft. Und als die großen Lehren gezogen wurden aus den Lügen in Zeiten des Krieges, da waren sich viele Menschen aller Nationen einig, so etwas dürfe sich nicht wiederholen.

Um Allen, die sich im Heute unsicher fühlen, einen Eindruck zu geben, was gemeint ist, kann nur der gut gemeinte Ratschlag gegeben werden, Begleys Roman zu lesen. Und zwar schleunigst. Vielleicht führt ja die Lektüre zu dem Schluss, dass es nichts bringt, im Gegenteil, dass es ins Verderbnis führt, wenn man die Lüge in der Verkleidung der bequemen Wahrheit weiter ehrt und sich nicht um die Wahrheit schert. Es ist an der Zeit, den Schein zu durchbrechen und die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Sowohl die USA als auch ihre britischen Vasallen haben den Irak-Krieg basierend auf einer Lüge begonnen. Sich dazu bekannt oder es bereut zu haben, das ist bis heute unbekannt. Freunde der Impertinenz und der Menschenverachtung, in diesem Falle Frau May und Herr Trump, für wie dumm haltet ihr das Konsortium Menschheit? Und Mutti, die ewige Kanzlerin, spricht von „schweren Indizien“, die dafür sprächen, dass die Lügner von Gestern Recht hätten.

Liebe Frau Bundeskanzler, was spricht für die Transformation der Kriegstreiber vom Irak zu den Jüngern der Wahrheit in Syrien? Da wären ein paar ganz profane Indizien hilfreich, und vielleicht noch ein kleiner Tipp an die Vertreterin des neuen Deutschlands, das jetzt endlich soweit ist, „Verantwortung zu übernehmen“, in dem es Fake News folgt und Kriege mit inszeniert: Wer mit den Wölfen heult, wird allenfalls als Hund überleben. Gerade als Mädchen des Ostens solltest du das wissen.

Und noch ein Ratschlag: Nimm dein ganzes Kabinett, das sich so trefflich streitet um Quoten und Tagessätze, um Identitäten und vor allem um Symbole, und lass ihnen von irgendjemandem Kompetenten erklären, dass das Dasein ohne Frieden keines ist. Indem sie den Kriegstreibern das Wort reden, unterminieren sie ihre eigene Existenz, denn der Krieg wird vor allem jene treffen, die selber keinen führen können. Wer sich bei dieser Nummer behaupten will, der muss das Handwerk des Tötens beherrschen. Da helfen weder KITAS noch familienfreundliche Arbeitszeiten für die Soldaten, da hilft nur einsatzbereites Material und eine Mentalität, die beim massenhaften Töten nicht erodiert.

Sollte das klar sein, dann fragt sich, wieso so geredet wird, als wären die Verhältnisse so, wie sie sein müssten, um in diesen Zeiten zu bestehen? Die Antwort liegt nicht nur bei der Regierung, sondern bei einer ganzen Klasse von Politikern. Wer jetzt nicht nach der Wahrheit ringt und das Theater beenden will, der wiederholt den Trugschluss. Bei den Lügen in Zeiten des Krieges.