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Alles ist möglich!

Immer wieder war zu hören, dass im Hinblick auf die hinter uns liegenden Feiertage bei Familienzusammenkünften oder Treffen mit Freunden die Vereinbarung getroffen wurde, Themen der Politik außen vor zu lassen. Die Befürchtung war zu groß, dass bei Diskussionen um die politische Situation in Deutschland wie der Welt die Zusammenkünfte ruiniert würden. Allein diese Beobachtung ist ein starkes Indiz für den Befund, dass etwas nicht stimmt in diesem Land. Denn wenn es nicht mehr möglich ist, familiäre wie Freundschaftsbande zu pflegen, obwohl man unterschiedlicher politischer Auffassung ist, dann ist etwas gehörig schief gelaufen. Und zwar seit langem. 

Es ist müßig, nach Ereignissen zu suchen, denn sie liegen auf der Hand. Corona, Ukraine und Gaza sind nur einige Schlaglichter, die große Krisen umschreiben, die zu existenziellen Fragen der Demokratie wurden. Unveräußerliche Rechte außer Kraft zu setzen, den militärischen Defensivauftrag zu einem Interventionsunternehmen mutieren zu lassen und die immer wieder kehrende Maxime von Doppelmoral haben die Kultur in diesem Land essenziell erschüttert. Das, was sich immer wieder selbst als liberale, demokratische Mitte definiert, hat sich zu einem Monopol gemausert, das nicht tolerant und liberal, sondern zunehmend totalitär daherkommt. Und das auf einem Niveau, das an Dürftigkeit kaum noch zu unterbieten ist. 

Es geht seit langem nicht mehr um den Streit, wie etwas verbessert werden kann, sondern darum, wie ausgemachte Feinde ausgegrenzt und vernichtet werden können. Angst, ein ausuferndes Regelwerk und ein Konvolut aus Sanktionen bestimmen die offizielle Debatte. Jeden Tag kommen „Forderungen“ aus dem Lager der „demokratischen Mitte“, wie dieses oder jenes unterbunden werden kann, wie dieser oder jener vernichtet und unschädlich gemacht werden oder wie man es diesem oder jedem heimzahlen kann. Souveränität sieht anders aus. Es handelt sich um Symptome einer nicht mehr mit den bekannten Mitteln zu lösenden Krise.

In dieser beschriebenen Gemengelage, in der die großen Verschiebungen im globalen Machtgefüge noch gar nicht angesprochen sind, obwohl diese eine Dramaturgie beinhalten, die alles verändern kann, ist es nahezu unmöglich, für das vor uns liegende Jahr valide Prognosen für eine positive Zukunft zu formulieren. Was negative Trends anbetrifft, so gilt das nicht. Denn die Architekten dessen, was wir als Befund vor uns liegen haben, sind noch in Amt und Würden. In der Bundesregierung, in der Europäischen Kommission und im NATO-Hauptquartier. Wäre von diesen Stellen das Richtige getan worden, dann sähe die Welt anders aus. Und komme niemand mit dem Argument, das ganze Desaster sei das diabolische Werk äußerer Feinde. In diesem Kontext sei an den klugen Satz aus der chinesischen Kriegskunst erinnert:

„Kennst du deine Feinde, kennst du dich selbst, hundert Schlachten ohne Niederlage!“ 

Diesen Satz sollte man sich angesichts der jetzigen Situation, in der sich Deutschland im internationalen Kontext befindet, auf der Zunge zergehen lassen. Das Zeugnis ist niederschmetternd.

Aber es gilt ja, zum jetzigen Zeitpunkt, zu Anfang des neuen Jahres, den Blick nach vorne zu richten und sich zu fragen, was gemacht werden kann, um die unzähligen negativen Trends zu einem Ende zu bringen. Und da kann nur eines helfen, und zwar orientiert an dem zitierten Satz. Wir müssen Antworten finden auf die Frage, welche  und wessen Interessen die politischen Gegner, die nur von Feinden reden, vertreten und was sie in der Lage sind, zu mobilisieren. Und wir sollten uns darüber Klarheit verschaffen, was unsere Interessen sind, was wir selbst vermögen und wohin wir wollen. Alles andere ist unerheblich. Die Don Quichoterie der politisch agierenden Klasse muss ein Ende haben. Und bitte nicht verzagen! Alles ist möglich!   

Alles ist möglich!

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Mit der Konstituierung der neuen Bundesregierung, bestehend aus CDU/CSU und SPD und einem Kanzler Merz war die Kontinuität der desaströsen Vorgängerregierung besiegelt. Alles, was der Kandidat vor der Wahl zum Besten gegeben hatte, wurde von ihm selbst revidiert. Lediglich die Kriegsorientierung blieb. Scholz hatte keine Vorstellung von Frieden, dafür hat Merz eine Vorstellung von Kriegseskalation. Die Front von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linke sorgte dafür, dass noch vor der Konstituierung des bereits gewählten Bundestags eine grandioser Kriegskredit aufgenommen werden konnte. Die Zweifel, ob das BSW nicht unter Auszählungsfehlern gelitten hat, wurde von denen, deren Regierungsbeteiligung durch eine Korrektur gefährdet gewesen wäre, zurückgewiesen. Irgendwie hat das Zustandekommen der derzeitigen Regierung mehr an das Werk von Kleptomanen als das von Demokraten erinnert. Und immer, wenn aus deren Mund das Wort Verantwortung kommt, muss man mit dem Schlimmsten rechnen.

Die EU-Kommission hat sich seit der militärischen Reaktion Russlands auf die NATO-Osterweiterung zu einem Kriegsrat entwickelt. Ein Sanktionspaket gegen Russland jagte das andere, getroffen wurden die eigenen Länder, während Russland nicht den Eindruck vermittelt, in die Knie zu gehen. Demokratisch legitimiert ist auch die EU-Kommission nicht. Ihr Personalportfolio stammt aus Hinterzimmern. Neben dem Konvolut von Sanktionen und der unerträglichen Kriegshetze werden jetzt auch Bürger wegen ihrer formulierten Positionen sanktioniert und eifrig Zäune an der Ostgrenze gebaut. Die Statuten der EU geben diese Aktivitäten nicht her.  Aber wer redet in diesem Gebilde noch von Demokratie? Seit den Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden über eine geplante europäische Verfassung im Jahr 2005, bei denen als Ergebnis eine Ablehnung stand, wurde der Plebs nicht mehr über Grundsätzliches befragt.  

Die viel beschworene Zivilgesellschaft scheint zu einem Gutteil am Tropf der Regierenden zu hängen. Sie lässt sich gegen alles instrumentalisieren, was sich gegen die so genannte demokratische Mitte wendet, während in aller Ruhe demokratische Rechte massakriert werden. Immer mit der Begründung äußerer oder innerer Feinde. Gleichzeitig fabulieren jüngere Frauen aus NATO und Zivilgesellschaft in den vielen Talk-Formaten über eben diese Feindbilder. Ersetzt man bei der einen den Begriff „Russen“, bei der anderen den „weiße Männer“ durch den Terminus „Juden“, dann bekommt man einen Begriff davon, in welchem Brackwasser sich das bewegt, was einmal den Namen eines gesellschaftlichen Diskurses trug. 

Und dann gab es noch diejenigen, die sich, da das Leben so schön und bequem ist, gerne durch die Feuilletons der Monopolpresse einseifen ließen, sich ihre Edelweine und Delikatessen durch sklavenähnliche Boten frei Haus liefern ließen und sich beim Gehetze über alle, die gegen Angriffe auf jede Form der Zivilisation ihre Stimme erhoben, mit einem arroganten Grinsen beteiligten. Vor einigen Tagen hatten wir Besuch von Freunden, die noch in der DDR geboren wurden. Sie brachten ein Buch mit den Titel „Die Schuld der Mitläufer. Anpassen und Widerstehen in der DDR“ mit. Für die beschriebene Mischpoke ist es brandaktuell.

Das alles wäre ein guter Grund, das Jahr mit einem alles tötenden Knall zu beenden. Wären da nicht auch diejenigen, die morgens aus dem Haus gehen und mit viel Mühe und Engagement den ganzen Laden am Laufen halten. Sie lächeln müde, wenn sie die Reden derer hören, die zur Zeit den Hexensabbat feiern. Ihnen macht niemand ein X für ein U vor. Und so erlaube ich mir, das Jahr mit einer kleinen Abwandlung des Hessischen Landboten zu beenden:

Friede den Hütten! Krieg den Palästen! Im Jahre 2025 siehet es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Schaffenden und Fleißigen vergessen, und als sänne er nur auf das Wohl der Milliardäre!

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Showtime! No Excuses Accepted!

In einer bemerkenswerten Skalierung ließ Manès Sperber in seinem lesenswerten Roman „Wie eine Träne im Ozean“ eine Romanfigur, einen agnostischen Professor, die Lebensphasen eines Mannes zeichnen. Mit 20, so die Figur, solltest du die Idee deines Lebens gefunden haben, mit 30 die Frau deines Lebens, mit 40 die Wahrheit über dich selbst, mit 50 deinen Hunger nach Erfolg gestillt, mit 60 ein Werk geschaffen haben, das größer ist als du selbst und mit 70 bescheiden sein gegenüber dem kleinsten Bruder und arrogant gegenüber dem Himmel. 

Ich für meinen Teil habe selten etwas Klügeres gefunden und es hat mir große Freude bereitet, die Stufen anhand nicht nur meiner Biographie durchzugehen. Was auch aus meiner Erfahrung unzweifelhaft ist, ist die allererste. Wer nämlich bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr die Idee seines eigenen Lebens nicht gefunden hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von fremden Kräften durch seine Existenz getrieben. Und wenn ich mich zurückversetze in dieses Alter, dann hatte ich eine. Natürlich gibt es aufgrund der biographisch bedingten Lernprozesse immer das eine oder andere zu korrigieren, aber die Grundidee ist da oder eben nicht.

Zumindest was mich betrifft, so ist meine Vorstellung von Menschenwürde, Gleichbehandlung, Gemeinschaft, Leistung, Freiheit und Ordnung sowie Frieden geblieben. Einer der klügeren unserer Bundeskanzler, der selbst Exil und Illegalität am eigenen Leib erlebt hatte, sagte einmal, dass nichts von selbst kommt und nichts von Bestand sei. Das trifft heute mehr zu, als ich es mir im Laufe meines Lebens hätte vorstellen können. Nie waren meine Ideale so nah, dass ich gedacht hätte, sie seien Realität. Immer gab es Widerstand derer, die das Zepter in der Hand hielten. Aber immer auch wurden ihnen Zugeständnisse abgetrotzt, die das Leben erleichterten. Und lange Zeit schien es Konsens zu sein, dass es so etwas gäbe wie ein Parallelogramm der Kräfte. Auch wenn es nie stimmte, aber die Illusion hielt vieles zusammen.

Diese Form der Gewissheit ist in den letzten wenigen Jahren zerbrochen und jetzt, wo mich die Skalierung aus des Ozeans Träne so langsam gemahnt, bescheiden gegenüber den kleinsten Brüdern und arrogant gegenüber dem Himmel zu sein, trampelt eine konzertierte Aktion von Barbaren auf der Idee meines Lebens herum und negiert alles, worauf meine Existenz zustrebte.

Da stellen sich keine Fragen mehr. Denn wenn Zwerge, die in der tief stehenden Wintersonne die trügerischen langen Schatten werfen, meinen, sie könnten dich in diesem Stadium deiner Existenz zum Narren halten und dich existenziell vernichten, dann haben sie sich gehörig verkalkuliert. Wenn der Respekt gegenüber den kleinsten Brüdern von Anfang an da war und die Bereitschaft, sich mit den in das Ornat der Macht eingewickelten Hochstaplern anzulegen, dann gibt es keinen günstigeren Zeitpunkt als jetzt. Und wer sich hat von den Schimären, hinter denen sich immer die Angst verbarg, einschüchtern lassen, dem ist nicht zu helfen. In keiner Phase des Lebens. Wer keine Nehmerqualitäten hat, der mag verzweifeln und bei den Schauermärchen, die ihm von dilettantischen Erzählern dargeboten werden, ihnen mit voller Hose und abgekauten Fingernägeln lauschen. Für alle, die die Idee ihres Lebens nicht verraten haben, ist jetzt Showtime! No Excuses Accepted!

Showtime! No Excuses Accepted!