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Geschäftsmodell: Den höchsten Preis zahlt die Ukraine

Auch, wenn es schwer fällt, sollte nicht unterlassen werden, kühlen Blickes genau hinzusehen und zu beobachten, was derzeit geschieht. Der Jahrestag der russischen Invasion wurde bereits auf dieser Seite des Konfliktes genügend aufbereitet. Das Schwarz-Weiß-Malen ist etabliert. Hier die russischen Gräuel, dort die Guten und Wahren, die für Demokratie und Freiheit kämpfen. Wer den Konflikt seit Beginn dieses Jahrtausends verfolgt, weiß, dass es zwei Seiten gab, die sich in der Ukraine unversöhnlich gegenüberstanden. Und das waren nicht die Ukrainer und die Russen. Das amerikanische Interesse, daraus einen heißen Konflikt entstehen zu lassen, war spätestens zu dem Zeitpunkt dokumentiert, als ein Herr McCain, seinerseits US-Senator, mit einer Waffe auf dem Kiewer Maidan am Rednerpult stand und ein gewisser Herr Biden, seinerseits Sonderbeauftragter des Präsidenten Obama für die Ukraine, dort begann, die Vorbereitungen für den Showdown mit Entschlossenheit zu treffen. Seine rechte Hand dabei hieß übrigens Blinken. Das alles, um nur kurz daran zu erinnern, spielte sich bereits 2013/14 ab. Danach war ein Regime Change vollzogen und ab diesem Zeitpunkt wurden pausenlos Waffen in das Nicht-NATO-Land geliefert.

An dieser Stelle sei es mir erlaubt, zu erwähnen, dass ich in den Jahren 2015 bis 2017 insgesamt dreimal die Ukraine besuchen konnte. Zweimal davon war ich in Kiew, einmal in Cernovice an der rumänischen Grenze. In Kiew traf ich Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus der gesamten Ukraine und konnte mich ausführlich mit ihnen über den Zustand des Landes und ihre Entwicklungsperspektiven unterhalten. Mir liegt nicht daran, die negativen Erscheinungen in Sachen Korruption, Wirtschaftskriminalität und Oligarchentum auszutreten. Interessant für mich war eines: Alle, mit denen ich sprach, waren der Meinung, dass man den Donbas wie die Krim Russland geben solle, damit Ruhe sei. Die aus den genannten Gebieten fühlten sich nicht nur als Russen, sondern es waren auch welche. Und die anderen wollten mit dem Abtreten dieser Gebiete ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Es herrschte die Meinung vor, jeder solle seiner Wege gehen und versuchen, sein Glück zu finden. Der Konflikt, der bereits immer wieder Tote auf beiden Seiten erforderte, war aus der Sicht beider Lager eine Tragödie, die möglichst schnell beendet werden sollte.

Es ist nachvollziehbar, dass eine Eskalation, wie sie die Invasion dargestellt hat, die ihrerseits auf Beschlüsse aus Kiew erfolgte, sich die zwischenzeitlich nach Russland zurückgeholte Insel Krim zurückholen zu wollen, vieles verändert. Die relativ entspannten Standpunkte, wie ich sie bei meinen Besuchen erlebt hatte, waren nicht mehr vorhanden und jeder Verlust, den ein Krieg mit sich bringt, führt zu Anfang zu Rachegedanken. Dennoch sollte man die Wünsche, wie sie damals formuliert wurden, nicht aus den Augen verlieren. Die einzigen, denen diese Sicht der Ukrainer auf ihr eigenes Land nicht interessiert, scheinen all jene zu sein, die an dem Krieg gewinnen. Dabei geht es weder um Demokratie noch Menschenrechte. Es geht um Geld und Ressourcen. Übrigens wie immer bei Kriegen. Und weder ein Präsident Biden, der zu den Konstrukteuren des Krieges gehört, noch die gesamte NATO-Entourage, noch die als Appendix derselben geschrumpfte EU weichen von dem ab, was am besten als Geschäftsmodell Ukraine-Krieg bezeichnet werden muss.

Während Präsident Biden und sein Adjutant Blinken mit dem Ölkännchen auf Reisen sind, um das Feuer am Lodern zu halten und damit an einem Flächenbrand zu arbeiten, der in Europa und Asien, aber nicht bei ihnen zuhause brennen soll, hat China nun die Initiative ergriffen, um die Optionen einer Beendigung der Kampfhandlungen auszutarieren. Dass diejenigen, die am Geschäftsmodell des Krieges verdienen, und die, die auf der Payroll der Kriegsgewinnler stehen, sich gegenseitig überbieten, um China böse Absichten zu unterstellen, versteht sich fast von selbst. Dass China mit seinem Versuch, den Krieg zu beenden, nicht alleine steht, hatte bereits der brasilianische Präsident Lula zu erkennen zu geben. Das politische Personal des freien Westens hingegen befindet sich im Rausch einer florierenden Kriegswirtschaft. Den höchsten Preis zahlt die Ukraine. Als Staat und als Volk.   

Streumunition und Phosphorbomben zur Verteidigung der liberalen Demokratie?

In einem längeren Artikel, der sich mit der militärischen, politischen und momentan nicht vorhandenen diplomatischen Lage in und um die Ukraine auseinandersetzte, las ich einen sehr unter die Haut gehenden wie klugen Satz: Solange Selenski und die ihn unterstützenden Kreise davon ausgehen können, dass unten heraus Dollar- und Euroscheine kommen, sind sie bereit  oben Ukrainer in den Fleischwolf und die Knochenmühle zu werfen. Auch wenn man sich vor Augen führen muss, dass die große Inszenierung dieses Krieges nicht von besagter Gruppe unternommen worden ist, muss jetzt auf sie geachtet werden. Das Tableau dieses Krieges wurde von den Freunden gesetzt, die jetzt mit diesen Scheinen winken. Nicht, um die Ukraine zu vernichten. Aber sie nehmen es bereitwillig in Kauf. Aus geostrategischen wie rein geschäftlichen Gründen. Russland zu schwächen ist ebenso in ihrem Interesse, wie Europa zu spalten. Ein Kriegstableau ist ihnen lieber als eine Friedensarchitektur. Und Tote in der Ferne sind zuhause besser zu verkaufen wie zerfetzte Landeskinder. Aus ihrer Sicht kann man, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Es läuft!

Doch zurück auf den jetzigen Präsidenten des Staates, der in dieser Form nicht überleben wird. Ihm wurde, nachdem zu Beginn der russischen Invasion die Möglichkeit eines Waffenstillstandes in naher Reichweite stand, bedeutet, dass es ihm so erginge wie einem an den Verhandlungen beteiligten Landsmann, der kurz darauf in Kiew auf offener Straße mit einem Kopfschuss liquidiert wurde. Das hat er schnell begriffen.

Und nun ist jene ukrainische Entourage, die den Zugang zu allen renommierten Sendestationen in allen NATO-Staaten rund um die Uhr genießt, gleich Marktschreiern unterwegs. Waffen, von denen das Land bereits vor der russischen Aktion durch freundliche Unterstützung der NATO strotzte, sollen geliefert werden. Schützenpanzer und Kampfpanzer sind bereits dort oder unterwegs, die Tourette-Kanaille aus dem ukrainischen Außenministerium hat bereits Kriegsschiffe und ein U-Boot gefordert und Selenskis Stellvertreter war jetzt auf der Münchner Sicherheitskonferenz, einem Euphemismus für imperialistischen Kriegsrat, so frei, nach Streumunition und Phosphorbomben zu fragen. Beide Kategorien sind völkerrechtlich geächtet. Die Aktion zeigt, wie verkommen die Höllenhunde, die als selbst ernannte Kämpfer für die liberale Demokratie gelten, sind. Sie stehen auf festem Grund ihrer faschistischen Gründungsväter, die sie auch offen bei jedem möglichen Anlass preisen. Und, eine kleine, aber nicht unerhebliche Frage, wer aus dem NATO-Reigen besitzt denn diese geächteten Mittel?

Was da in den Ländern vonstatten gegangen ist, die sich einmal zusammengefunden hatten, um nach den Verheerungen des letzten großen Krieges an einer europäischen Friedensordnung zu arbeiten, lässt sich entweder nur in Form einer antiken Tragödie beschreiben. Oder der Niedergang liegt in einer einfachen Wahrheit, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit, als der Westen noch eine gewisse Strahlkraft hatte, von vielen identifiziert wurde. Wenn du deinen freien Willen aufgibst und deine Bestimmung in die Hände von fremden Mächten legst, dann bewegst du dich sukzessive an den Ort, von dem Dante mit den berühmten Worten beschrieb, wenn man dort einträte, solle man alle Hoffnung fahren lassen.

Nun, in einer Welt, in der zumindest einige Kriminelle über soviel destruktive Energie verfügen, dass sie imstande wären, den ganzen Globus um das Vielfache zu vernichten, stirbt die Hoffnung allerdings zuletzt. Da mögen auch soviel Kräfte der Vernunft und der Zivilisation vorhanden sein, um dieser barbarischen und verlogenen Meute den Weg in ihr eigenes Inferno zu weisen. Auch ohne Streumunition und Phosphorbomben.  

Der Meister aus Deutschland

Nun schlagen sie wieder zu. Die Meinungsmakler und prämierten Propagandisten. Nie war es gut. Immer konnten sich in Deutschland die Dunkelmänner gut einrichten und ohne große Einwende Dinge von sich geben, die vielem trotzten. Dem Anstand, der Moral, den guten Sitten, den Gesetzen und allen Formen des Rechts, dem Respekt und allem, was die Zivilisation ausmacht. Geschenkt! Barbaren waren in Germanistan immer gut angesehen. Ja, sie wurden sogar von Historikern verherrlicht und bekamen Denkmäler. 

Im Gegensatz dazu sind diejenigen, die sich um den Zusammenhalt einer Gesellschaft sorgten, die sich für eine Gesinnung und Haltung einsetzten, die den Namen verdienten, für die Toleranz kein leeres Wort war, die sich gegen den Krieg wandten und für die Verständigung der Völker einsetzten, sie wurden des Landesverrats bezichtigt, sie wurden als dumm bezeichnet oder als Komplizen feindlicher dunkler Mächte. Sie wurden verfolgt und ihrer Freiheit beraubt und immer wieder tot geschlagen. Der Tod, das wissen wir, seit dem es ein Landsmann im heute ukrainischen Cernowitz geschrieben hatte, der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Macht euch nichts vor. Es wird nie gut, und der Versuch, der endete immer, und da steht Thomas Mann im Wort, in der Verschlimmerung, und zwar jenseits des Vorstellbaren. Das erhobene Haupt des Sektierers hat noch nie zum Guten geführt. Und, das ist die traurige Bilanz, wieder setzen die von sich so Überzeugten alle Hoffnung in ihre technologisch so begehrten Todes- und Höllenmaschinen. Die Kreuzfahrer mögen es sich auf ihre Arme tätowieren lassen, auf dass sie es nie vergessen. Es bleibt dabei: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Ja, es existierte auch immer noch eine andere Weisheit. Sie zeigte sich dann als Möglichkeit, wenn diejenigen, die ansonsten zu Tod oder Exil verurteilt waren, sich ihrem Schicksal nicht hingaben, sondern sich dazu entschlossen hatten, der Strömung die Stirn zu bieten. Sie hatten das Motto verfolgt, das Bertolt Brecht den Pariser Kommunarden in den Mund gelegt hatte. Weil ihr uns dann eben, mit Gewehren und Kanonen droht, haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben, mehr zu fürchten als den Tod. 

Das ist das Konzept, was sich bereits hinter den schlesischen Webern verborgen hatte. Alt-Deutschland, wir weben dein Leichentuch. Wir weben, wir weben, wir weben. So grausam für viele das gegenwärtige Szenario auch sein mag: Die Gewissheit, dass sich nichts geändert hat und dass da plötzlich gleich einem Geschwür die alten, längst überwundenen geglaubten Ressentiments wieder aufgeplatzt sind. Der Imperialismus, der Rassismus, die Intoleranz, die systematisch betriebene Volksverdummung, die Unterschlagung von unbequemen Wahrheiten, die Militarisierung, die Kriegsbegeisterung, der Dogmatismus und das Wahnhafte. 

Sich von dieser, in erster Linie deutschen, Krankheit zu befreien, wird nur mit einer radikalen Kur gelingen. Das Leichentuch für das alte Deutschland, das von dem Osama Bin Laden seiner Zeit, sprich Herrmann dem Cherusker über die Nationalsozialisten bis zu den heutigen Kriegspredigern und Erlösungssektierern reicht, muss radikal bekämpft werden. Da helfen keine Reformen und da hilft auch keine Beteuerung, man meine es doch gut. Das Böse gehört zur Genealogie dieses Gebräus, in welcher Form es sich auch immer präsentiert. Der Meister aus Deutschland hat eine facettenreiche Garderobe, sein wahres Gesicht zeigt er jedoch immer im Krieg. Da kann er sich nicht mehr zurückhalten. Die Gier, den Tod zu potenzieren, zeigt sein wahres Gesicht.