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Plötzliche Karrieren

Kennen Sie das? Sie haben bis dato ein durchschnittliches Leben geführt. Sie haben einen durchaus passablen Weg hinter sich. Der war außerhalb des Rampenlichts. Und wäre es so weiter gegangen, dann hätten Sie sich nicht beklagt. Und plötzlich tut sich eine Chance auf. Mit dieser hätten Sie niemals gerechnet. Niemand hätte mit einem Ereignis gerechnet, das alle bisherigen Gewissheiten außer Kraft setzt. Bis, dieser kleine Einschub sei erlaubt, auf diejenigen, die sich ab und zu die Mühe machen, sich in die Lage anderer zu versetzen, mit denen man zu tun hat. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Und, der große Knall kommt, und während die meisten Menschen in einer Art Schockstarre verharren, kommen Sie aus Ihrem Bau und kommentieren die Lage. Mehr noch, Sie nutzen die Stille und sagen dem perplexen Publikum, was zu tun ist. Das Erstaunliche: Ihre Vorschläge wären vor wenigen Tagen noch undenkbar gewesen und Sie hätten zu Ihrer Ächtung geführt. Alle wussten, dass man derartige Vorschläge nicht machen kann. Sie auch. Aber jetzt? Genau. Jetzt ist die Chance, in ungeahnter Weise zur Attacke zu blasen.

Und das machen Sie. Noch erstaunlicher für Sie wie für das konsternierte Publikum ist, dass plötzlich die gesamte mediale Öffentlichkeit Sie vor die Mikrophone zerrt. Sie sind gefragt. Sie stehen im Rampenlicht. Sie sind der Mensch der Stunde. Und egal, was Sie von sich geben, es ist in Funk und Fernsehen zu hören und in jeder Zeitung zu lesen. Und nichts, was Sie von sich geben, und sei es noch so aggressiv und grotesk, wird in Zweifel gezogen.

Es ist klar, dass sich bei Ihnen ein Gefühl ausbreitet, dass Sie alles machen können. Sie sind auf einer Wolke. Sie sind unantastbar. Mittlerweile haben Sie nicht nur die Medien im Rücken, sondern auch das große Geld. Denn das, was Sie vorschlagen, lässt die Kassen klingeln. Und die Verlierer, die es bei jedem großen Geschäft gibt, die sieht man dort, wo Sie vor den Mikrophonen stehen, nicht. Die liegen weit weg in der Erde verscharrt. Und dass Sie selbst Ihre Vorschläge mit deren jämmerlichem Ende begründen, treibt Ihnen selbst Tränen in die Augen. Nicht, weil es heftige Kollateralschäden bei diesem Geschäft gibt, sondern weil die Welt, in der Sie vorher als anonyme Nummer herumgelaufen sind, Ihnen alles glaubt, was Sie an Argumenten fabrizieren. So absurd es ist. Sie haben das, was man in dem Geschäft, in dem Sie nun mitmischen, die absolute Lufthoheit nennt. Sie sind so stolz. Ihre Mitstreiter sind stolz. Und alle glauben, so wie Sie, es gäbe keine Grenzen. Und es könnten keine Grenzen auftauchen. Sie haben es geschafft und sind berauscht und Sie glauben, Sie könnten nun alles machen.

Sie kennen das nicht? Und Sie kandidieren auch nicht für das Europaparlament? Dann haben Sie großes Glück. Denn die erzählte Geschichte wird noch einen zweiten Teil haben, der nicht mehr lange auf sich warten lässt. 

Das fiktive und das tatsächliche kollektive „Wir“

Ich muss gestehen, dass ich mir seit einiger Zeit die Frage stelle, ob ich zu dem kollektiven Wir noch gehöre. Zum Beispiel, wenn es heißt „Wie weit sind wir gekommen?“, oder „Wo kommen wir denn hin?“. Das kollektive Wir und das Bekenntnis, dazuzugehören, ist eigentlich das Minimum einer Gemeinschaft. Allerdings sind viele Erscheinungen, die ich täglich ertragen muss, weil sie medial omnipräsent sind und den Schein erzeugen, sie spiegelten das Wir, dermaßen krass und ekelerregend, dass ich mir die eingangs gestellte Frage stelle. Zu diesem medial erzeugten Wir, das zu Hass aufruft, das strotzt vor Intoleranz, das hier den industriell erzeugten Mord verniedlicht und ihn dort anklagt, das nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt hat und das sehenden Auges eine ganze Nation ins Verderben zu stürzen bereit ist, mit diesem Wir will ich nicht nur nichts zu tun haben, sondern es ist die Ursache aller Übel, mit denen wir, d.h. diejenigen, die Millionen, die noch über zivile Umgangsformen verfügen, die noch in der Lage sind, sich konträre Meinungen anzuhören, ohne gleich nach dem Scheiterhaufen zu rufen, die noch zwischen einem Rechts- und einem Gesetzesstaat unterscheiden können und die trotz allen Entsetzens nicht auf die Idee kommen, in der Gewalt eine Lösung zu suchen, uns jeden Tag konfrontiert sehen. 

Sie kommen mit allem auf den Jahrmarkt der öffentlich proklamierten Dummheiten, was sie in ihren morbiden Hirnen ausgebrütet haben. Seien es Taschenspielertricks wie dem Ringtausch von Marschflugkörpern, die die Briten versilbern werden wie jede destruktive Hehlerware, über die sie verfügen, bis hin zu der von Faschisten durchsetzten ukrainischen Nomenklatura, die den Papst nun seinerseits als faschistischen Kollaborateur zu denunzieren versucht, weil er gerade sie an eine Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk erinnert hat, die sie als Marionetten geopolitischer Strategen aber gar nicht kennen. Für wie dumm, für wie abgehalftert, und, auch das werden sie noch erfahren, für wie wenig bereit zum Widerstand halten diese Hazardeure eigentlich die Bevölkerung? Die Begriffsstutzigkeit ist ihnen eigen. Denn sie können nicht begreifen, dass die Sympathien all denen zuströmen, die die Politik gegenüber Russland für falsch und die israelische Reaktion auf die HAMAS-Attacken für unverhältnismäßig halten. Wer schlau ist, kritisiert das Gejohle des medialen Wir, und schon klingeln die Wählerstimmen in den Urnen. So einfach ist das. Und so wird es weiter gehen.

Die Klugen werden sich neu orientieren und wir, und damit meine ich das tatsächliche, kollektive Wir jenseits des lauten, fiktiven, werden in nächster Zeit erleben, wie so mancher Falke klamm und erbärmlich vom Himmel der Aufmerksamkeit fallen wird. Es ist noch etwas früh, aber wir, die wir täglich unter der medialen Propagandamaschine zu leiden haben, die parteiisch ist, die uns eine Meinung aufdrücken will, die unseren Willen, das selbst machen zu wollen verachtet und die uns alles vorenthalten will, was uns der Wahrheit näher bringen könnte, werden bald erleben, wie der Wind sich drehen wird. Es wird zur Geltung kommen, was der Wahrheit am nächsten ist. Und das beruhigt ungemein. 

Ein wütender Präsident und Spekulationen über den Endsieg

Auf den ersten Blick mutet es wie eine Erholung an, dass es auch in den demokratischen Parteien menschelt. Und es ist zu raten, es zunächst bei dem ersten Blick zu belassen. Das Menschliche, was aus den Institutionen und Parteien an unsere Ohren dringt, ist aus den Kanälen der Kolportage. Denn, wer ist schon direkt dabei und bekommt es mit? Fangen wir in Übersee an, dort, wo immer noch die Macht des Okzidents konzentriert ist. Vom gegenwärtigen Präsidenten der USA, der sich in einem erneuten Konkurrenzkampf um das Amt mit dem ungeliebten Donald Trump befindet, wird kolportiert, dass er mit einem für sein Alter ungewohnten Gefühlsausbruch auf die Praxis des israelischen Präsidenten Netanyahu reagiert, mit den Füßen aufgestampft und so etwas von Asshole geschrien habe. Anlass sind die Stimmenverluste im eigenen, demokratischen Lager, weil viele dort die Form der Vergeltung im palästinensischen GAZA-Streifen für die Bestialitäten der HAMAS an der israelischen Zivilbevölkerung für eine Barbarei halten. Ob es Onkel Joe dabei nur um die Stimmen geht, oder ob er die menschliche Dimension für katastrophal hält, ist ungewiss. Und ob es zu einer Haltungsänderung in der amerikanischen Politik um diesen Konflikt führen wird, ist ebenso ungewiss.

In Deutschland wiederum wird davon berichtet, dass die GRÜNEN wegen der Prognosen für die bevorstehenden Europawahlen besorgt sind. Manche Institute sprechen von einer möglichen Halbierung der Stimmanteile. Deshalb, so ebenfalls ein Geflüster aus dem Bett der Kolportage, hofften einige Protagonisten wie die Bundesaußenministerin und der amtlose promovierte Biologe, der immer noch auf eine Mandatskarriere fokussiert ist, dass sich im Krieg der Ukraine gegen Russland sich das Blatt wenden möge. In der Lieferung von Taurus Marschflugkörpern wird diese Möglichkeit gesehen. Aber auch in diesem Falle gilt: es ist ungewiss, ob es zu der Lieferung kommt, und selbst wenn, ist ungewiss, ob es zu einer Wende im Kriegsgeschehen führt, außer der Möglichkeit, dass die Bundesrepublik dann direkt auf dem Gefechtsfeld steht. Die Verzweiflung muss groß sein, bei so vielen Unbekannten derartige Risiken einzugehen. Andererseits zeigt es die menschliche Tragödie, wenn das Festhalten am oder das Streben nach dem Amt dazu führt, Vabanque spielen zu wollen. 

Hier ein Arschloch, das einem das Leben schwer macht und dort der Traum vom Endsieg, der das Amt sichern soll. Beim Anblick auf das Menschliche nur bei diesen beiden Beispielen wird deutlich, wie sehr die gegenwärtige Politik von ihrer konstitutionellen Bestimmung entfernt ist. Denn, man schlage in den Werken nach, in denen seit der Antike über eine Politik räsoniert wurde, die den Auftrag der Allgemeinheit zu vollziehen bestimmt ist, und man findet wenige, einfache Sätze, die den klaren und einfachen Gedanken der Demokratie untermauern. Da ist zu lesen, dass es darum geht, dem Willen des großen, abstrakten Ganzen zu dienen. Und da steht geschrieben, dass nicht der Mensch zum Amt kommt, sondern das Amt zum Menschen. Und, nahezu als Appendix, dass der Lohn des Amtes das Amt selbst ist. Das Menscheln, wie wir es kolportiert bekommen, ist ein Indiz für die Entfernung zwischen konkret handelnden Individuen und der hehren Idee. In einem solchen Fall kann man über alles diskutieren, aber bitte nicht über Werte!