Archiv des Autors: Gerhard Mersmann

Zündeln auf dem Balkan

Das Zitat der Bundeskanzlerin, die Ursachen für Migration gelte es genauso zu bekämpfen wie ihre konkreten Folgen, ist heute bereits zu dem folgenschwersten Satz ihrer gesamten politischen Karriere geworden. Denn nichts stellt die Verhältnisse mehr auf den Kopf als dieser Satz. Nicht, dass Deutschland durch seine Außenpolitik in allen Fällen für die großen Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte direkt verantwortlich zu machen wäre. Aber das Bündnis, jenes viel gerühmte, von den USA angeführte und militärisch immer willfährig und jederzeit von Großbritannien und Frankreich unterstützte, hat nahezu alle Kriege auf dem Kerbholz, die als camouflierte Volksbewegungen begannen und als Regime-Change-Projekt endeten. Das Ergebnis war in allen, ja, in allen Fällen, Chaos und eine eine für den Großteil der jeweiligen Bevölkerung drastische Verschlechterung der Verhältnisse. Denn um eine Verbesserung ging es nie, sondern um Destabilisierung.

Eines der Husarenstücke, das sich die selbst reklamierte westliche Wertegemeinschaft geleistet hat, waren die Balkankriege Ende des letzten Jahrtausends mit dem Ziel der Destabilisierung des Balkans. Das besonders gegenwärtig immer wieder im Falle der Krim und Russlands dortigen Ansprüchen genannte Völkerrecht wurde seitens des Westens auf dem Balkan mit Füßen getreten. Es wurde ein Krieg ohne Mandat geführt und Territorien aus bestehenden Staaten gelöst, ohne auch nur durch die lokale Bevölkerung legitimiert zu sein. Dagegen war Russlands Vorgehen auf der Krim regelrecht musterhaft.

Die schlimmste Entgleisung jedoch war die Gründung des Kosovo als eigenständigen Staat. Ziel war es, Serbien, die stärkste lokale Kraft, massiv zu schwächen. Die Karte so zu spielen, dass eine vorwiegend islamisch geprägte Gesellschaft die dortige, vorwiegend christliche Bevölkerung majorisierte, bekam erst später noch einen Geschmack. Dort jedoch ein Regime zu alimentieren, dass sich ohne große Anfangsschwierigkeiten zu einer Drehscheibe für den südosteuropäischen Menschen-, Drogen- und Waffenhandel etablierte, das war überragende Leistung. Vier Milliarden lässt sich alleine die EU den Stachel im Fleisch Serbiens jährlich kosten. Chapeau!

Dass nun, genauer gesagt am letzten Freitag, dieser Separatistenstaat gegen das bestehende Statut der formalen Neutralität eigene Streitkräfte beschloss, ist auf die massive Unterstützung seitens der USA und Großbritanniens zurückzuführen, die das kosovarische Regime aktiv ermuntert haben, gegen die bestehenden Vorgaben der Vereinten Nationen zu handeln. Es geht wie immer um Destabilisierung. Das Interessante dabei ist, dass sich die NATO gegen den Aufbau eigener Streitkräfte ausspricht, die USA und GB sich nicht daran halten und Deutschland im Verborgenen eher mit dem kriegstreibenden Approach des transatlantischen Buddies kuschelt.

Der vermeintlich kleine Kosovo kann großen Schaden anrichten. Die Fluchtbewegungen aus dem Balkan aus eben jener Zeit Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind deshalb nicht groß in der Erinnerung präsent, weil viele Menschen ins Land kamen, die sich schnell integrierten und die heute zu festen und geschätzten Leistungsträgern des hiesigen Wirtschaftssystems geworden sind. Sollte das Kalkül hinter dem völkerrechtswidrigen und demokratiefeindlichen Manöver stehen, wieder Menschenmaterial für den mitteleuropäischen Arbeitsmarkt akquirieren zu wollen, so ist die Rechnung dieses mal ohne Serbien und Russland aufgestellt worden und die kriminelle Energie des Verbündeten namens Kosovo dramatisch unterschätzt worden. 

Auch wenn sich das Personalkarussell begonnen hat zu drehen: die Politik ändert sich nicht. Und es stellt sich die Frage, wer in der hiesigen politischen Landschaft in der Lage ist, sich gegen derartige aggressive und plumpe Manöver zu stellen.

Jahrzehnte der Gehirnwäsche

Irgend jemand aus den immer verzweifelter werdenden Sozialverbänden brachte es bei einem TV-Interview auf den Punkt. Er wurde gefragt, ob die Verhältnisse, in denen hier in der Republik viele Menschen leben müssten, nicht vergleichbar seien mit denen der Menschen in Frankreich, die jetzt unter dem Namen Gelbe Westen den Präsidenten Macron in seiner Existenz bedrohten. Er brachte ein einfaches Beispiel, das alle betrifft und rechnete vor, wie es um arbeitende Menschen steht, die 45 Jahre lang bei einem Durchschnittseinkommen von ca. 3250 Euro brutto ohne Unterbrechung in die Rentenkasse einzahlten, und dann mit einer Nettorente von ca. 1150 Euro in der Altersarmut ankämen. Dass sei drastisch und analog zu französischen Verhältnissen. Aber man dürfe nicht vergessen, was sich hier in den letzten Jahrzehnten getan hätte.

Wenn vor dreißig oder vierzig Jahren ein Kumpel im Ruhrgebiet seinen Job verloren hätte, wäre niemand auf die Idee gekommen, ihn als Person dafür verantwortlich zu machen. Da sei noch allen klar gewesen, dass so etwas in Vorständen entschieden wurde, dass Standortfragen etwas mit Gewinn und dessen Maximierung zu tun hat und dass es eine Frage der Organisiertheit der Arbeitenden war, auszuhandeln, wie mit Werkschließungen umzugehen sei. Heute hingegen schauten alle weg und schämten sich höchstenfalls für die Betroffenen. Man dürfe nicht vergessen, so der kluge Mann, welche systematische Gehirnwäsche in diesem Land in den letzten Jahrzehnten stattgefunden habe.

Und so, bleiben wir einmal bei den Gelben Westen und ihren Forderungen, ist es eine immer wichtigere Aufgabe, jedes ideologische Modul von Gehirnwäsche zu benennen und zu zerlegen. Bleiben wir bei einer Meldung dieser Tage. Da wurde aus der Rede eben dieses Präsidenten Macron zitiert, der den Gelben Westen versprochen hatte, dass der Mindestlohn um 100 Euro im Monat angehoben würde und dass Überstunden in Zukunft nicht mehr besteuert würden. Mit den zurück genommenen Benzinpreiserhöhungen, so rechneten die Journale schnell aus, kosteten die Zugeständnisse den französischen Staat mindestens 10 Milliarden Euro. Das mag sein und ist eine Teilwahrheit, die als Teil eben eine falsche Wahrheit als Ganzes suggeriert. Denn, haben wir einmal gehört, was den Staat die Steuererleichterungen für die Reichen kostet? Haben wir einmal in der mahnenden Diktion gehört, was die jährlichen Steuerhinterziehungen der Gesättigten die Bevölkerung kosten? Bei letzterem ist für Deutschland von 100 Milliarden die Rede, ca. 400 Milliarden liegen außerhalb des Landes auf Schwarzgeldkonten (Focus Money online). Die Moral, die hinter der Gehirnwäsche steckt, kam vor einigen Tagen zum Vorschein: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Journalisten, der gegen die Cum-Ex-Steuerhinterzieher recherchiert, letztere blieben bis heute unbehelligt.

Noch einmal Macron und die Gehirnwäsche. Der schnieke Hoffnungsträger des Wirtschaftsliberalismus hat die Gelegenheit genutzt, und im Rahmen der Fahndung nach dem Attentäter vom Straßburger Weihnachtsmarkt den Ausnahmezustand im ganzen Land wieder aktiviert. Das beinhaltet 8.000 Soldaten in Dauerbereitschaft, Versammlungs- und Demonstrationsverbot sowie nächtliche Ausgangssperren. Auf die Idee, dass sich das nun aktuell gegen die Gelben Westen wenden könnte, ist im Korpus der Berichterstattung noch niemand gekommen. Sollte es so sein, dann steht vieles auf dem Spiel. Denn dann riskiert Macron alles, was er hat. Und, das ist sicher, mit dieser plumpen Strategie, wird er bei dem jetzigen Bewusstseinsstand im eigenen Land alles verlieren.