Archiv des Autors: Gerhard Mersmann

Der französische Film und der amerikanische Jazz

John Coltrane. Blue World

Der französischsprachige Film der 1960iger Jahre sorgt dafür, dass die herausragenden Akteure des Modern Jazz aus den USA noch einmal mit bisher nicht vermarkteten Aufnahmen zu uns kommen, die an Qualität die Tür zu einer damals kaum bewusst wahrgenommenen neuen Qualität aufstoßen. Die Filmmusik von Miles Davis zu „Ascenseur pour l´échafaud“ (Fahrstuhl zum Schafott) fällt insofern aus dem Rahmen, als dass die Aufnahmen 1968 entstammten, quasi als letzte Sequenz anzusehen sind und sofort als eines seiner großen, bis heute unerreichten Werke beschrieb. 

In jüngster Zeit gesellten sich zu diesem bekannten Werk noch zwei dazu, die allein beim Hören gewahr werden lassen, wie sphärisch und reflektiert es im französischen Underground Film der Sechziger Jahre zuging. Vor nicht allzu langer Zeit erschienen Thelonious Monks Einspielungen zu „Les liaisons dangereuses“ (Gefährliche Liebschaften, 1960), die das Spektrum dessen, was von ihm bekannt war, noch einmal um eine weitere inspirierende Note erweiterten. 

Und nun, 2019, gesellen sich die Aufnahmen John Coltranes zu dem franco-kanadischen Film „Le chat dans le sac“ (Die Katze im Sack, 1964) hinzu. Insofern haben wir nun die großen Revolutionäre des amerikanischen Modern Jazz als Filmmusiker beisammen: Miles Davis, Thelonious Monk und John Coltrane.

Dass die Untermalung eines Filmes um eine junge Beziehung, der im Montreal der Sechziger Jahre spielt mit John Coltranes Titel Naima beginnt, zeigt, wie auch die filmische Avantgarde ihre spirituellen Eingebungen aus dem zeitgenössischen Jazz speiste. Naima selbst ist aus heutiger Sicht ein Titel, dem eine eigene Rezeptionsgeschichte gebührt. Coltrane komponierte ihn für seine erste Frau, er gehört bis heute zu den in bestimmten amourösen Situationen am meisten gespielten Titeln und reicht bis zur Namensgebung für die Tochter eines deutschen Schauspielers. Auf der hier und jetzt neu vorliegenden Aufnahme von Coltranes Label Impulse ist das Stück mit zwei Aufnahmetakes vertreten und, wie sollte es anders sein, beide Versionen überzeugen, weil ein anscheinend gut gelaunter Coltrane allein durch seinen legendären, für ihn immer noch so eigenen, nie mehr erreichten Ton eine Sphäre schafft, die das vegetative Nervensystem der Hörenden in Wallungen bringt.

Die anderen Titel, die den Film untermalend und akzentuierend bereichern, sind Village Blues, Blue World, Like Sonny und Traneing In. Keines dieser Stücke ist obsolet, alles ist stimmig, es wird beim Hören deutlich, dass sich niemand bei diesen Aufnahmen gedacht hat, es handele sich ausschließlich um schnell verdiente, immer so bitter nötige Dollars. Die Produktion fand in den legendären Rudy van Gelder Studios statt und Coltrane spielte zusammen mit großartigen Musikern wie McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones. 

Das Ergebnis liegt vor, das Einzige, was zu bedauern ist, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, die CDs aller drei genannten Akteure zusammen mit den jeweiligen Filmen zu veröffentlichen oder gar alle drei in ein Paket zu schnüren. Das wäre eine großartige Aktion, die der zwar kurzen, aber kulturhistorisch markanten Epoche einer franco-amerikanischen Kooperation die Aufmerksamkeit schenkte, die sie verdient. In den USA sind diese Projekte übrigens bis heute nahezu unbemerkt und die Rolle des französischen Films wird nahezu ignoriert.

Was bleibt, ist, John Coltranes Blue World zu empfehlen, weil es sich um großartige Aufnahmen handelt. Aber, wer Coltrane erst noch empfehlen muss, der hat schon verloren. 

 

USA: Die lupenreinen Demokraten

Wie die Hunde schlagen sie an. Die Vertreter der Wahrheit und die Prediger der demokratischen Presse. Endlich, ja endlich haben sie ihn. Den, der keine politische Kultur hat und über alles mit jedem zockt. So falsch ist die Einschätzung nicht. Was jedoch dabei aus dem Blick gerät, ist das, worüber er verhandelt hat. Es geht um das Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit dem neu gewählten Präsidenten der Ukraine, Selenskyj. Trump soll bereits zugesagte Militärhilfen in Milliardenhöhe davon abhängig gemacht haben, ob Selesnkyj seinerseits kooperiere. Wobei? Bei der Untersuchungen von Verwicklungen des Sohnes des möglichen Präsidentschaftskandidten der amerikanischen Demokraten Joe Bidens, Hunter Biden, in Geschäfte, denen das Stigma der Korruption anhaftet. Die ganze Angelegenheit ist klebrig. Auf allen Seiten.

Erstens: Indem so nebenbei erwähnt wird, dass die Ukraine seitens der USA Militärhilfe in Milliardenhöhe erwarten, wird deutlich, wie tief die USA in der direkten Konfrontation mit Russland bereits stecken. Der Krieg in der Ostukraine ist also längst keine Auseinandersetzung der Ukraine mit dem Nachbarn Russland mehr, sondern eine mit US- und NATO-Beteiligung. Dass dieses nicht bemerkt wird, spricht für sich.

Zweitens: Dass Hunter Biden bereits 2014 im Vorstand einer ukrainischen Ölfirma saß, deren Geschäftsfeld die Ölgewinnung durch Fracking in der Ostukraine war, zeigt, wie sehr neben den geostrategischen auch direkte Wirtschaftsinteressen bestimmter US-Kreise in der Ukraine eine Rolle spielten. Die Entscheidung des dann geflohenen Präsidenten Janukowytschs, doch nicht der EU und der NATO beizutreten, bedeutete sein Todesurteil bei den Lobbyisten in Washington. Alles, was folgte, bis hin zu den denkwürdigen Auftritten des damaligen Senators McCain auf dem Maidan, sind Belege für eine Aggression gegen die Unabhängigkeit der Ukraine. Alles, was seitdem folgte und als Argumentation für eine harte Haltung gegen Russland hervorgebracht wurde, ist in diesem Licht eine wunderbare Beweisführung für die von Washington aus lancierte Aggression.

Drittens: Dass die us-amerikanischen Demokraten nun den Versuch Trumps anprangern, diese Tatsache ans Licht zu bringen, selbstverständlich aus der Motivation heraus, diesen auch etwas ans Zeug zu flicken, zeigt jedoch deutlich, wes Geistes Kind auch diese sind. Das hat mit dem ganzen Gerede von Menschenrechten und Völkerrecht nichts zu tun. Die Demokraten echauffieren sich nicht etwa über das Agieren eines Hunter Biden, der am Fracking in der Ostukraine verdienen wollte, sondern an einem Präsidenten, der Interventionsgelder zurückhalten wollte, um herauszufinden, was es mit der Sache auf sich hat. 

Es zeigt, dass nicht nur Präsident Trump ein rücksichtsloser Geschäftemacher, unabhängig von den Nebenwirkungen, ist, sondern auch, dass die Demokraten, die sich gerne als die moralisch Überlegenen darstellen, aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Bleibt man bei der lupenreinen demokratischen Terminologie, dann sind beide Seiten gleich frevlerisch. Der eine will von einer auch militärisch unterstützten Intervention eines Drittlandes profitieren und dort mit ökologisch fragwürdigen Methoden Profite machen. Und der andere will wissen, was es damit auf sich hat, um die eigenen Schweinereien in einem milderen Lichte erscheinen zu lassen. Da hat sich ein wunderbares Konsortium gefunden, dass nur noch durch eine dritte Partei komplettiert wurde.

Diese sitzt in der Redaktionsstuben der so genannten vierten Gewalt und übernimmt ohne Abstriche die Version der Demokraten, die ihrerseits dokumentieren, dass sie beim besten Willen keine Alternative zu der so verfluchten Trump-Administration darstellen. Wofür Joe Biden steht, sollte er denn als Präsidentschaftskandidat bestätigt werden, ist hiermit dokumentiert. Wofür die Parteinahme für ihn steht, ist auch ebenso deutlich geworden.