Six people on a theater stage beneath a banner reading “VOICES OF THE UNHEARD DISCUSSION.”

Wenn sich die Spreu vom Weizen trennt

Nein, lustig ist es schon lange nicht mehr. Weder der Absturz des Journalismus in diesem Land noch die dennoch eherne Gefolgschaft ausgerechnet von den Lesern, die eine längere Sequenz von Bildung erfolgreich durchlaufen haben. Wie in Trance schlagen sie die Gazetten auf, die einmal als Gütesiegel die unbestochene Berichterstattung trugen. Die es wagten, den Regierenden kritische Fragen zu stellen, die sich mit nichts gemein machten und das alles in fremden Ländern gelernt hatten. Alles vorbei. Die einen lügen wie gedruckt, um im eigenen Genre zu bleiben, und die anderen glauben die erstunkenen Geschichten aufs Wort.

Der wohl erkenntnisreichste Augenblick für den kollektiven Absturz des deutschen Pressewesens und der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten war das Jahr 2014. Da wimmelte es noch von Artikeln, Funk- und Fernsehbeiträgen, die kritisch aus der Ukraine berichteten. Über das Unwesen von Faschisten im Donbas, über Terror und Mord im Auftrag der ukrainischen Regierung. Über Korruption und Menschenhandel. Und plötzlich, quasi über Nacht, erzählten die selben Journalisten und Reporter das genaue Gegenteil. Plötzlich waren alle Russen Terroristen und Russland der Aggressor. Ich habe die alten Artikel und Beiträge zu einem großen Teil archiviert. Wer eine Kostprobe will, soll sich bitte melden.

Ich habe mich immer gefragt, was in den Redaktionen und Anstalten dann geschehen ist. Wurde mit Rauswurf gedroht? Wurde bestochen? Wurde mit Schlimmerem gewunken? Ich wüsste es gerne. Ändern am Urteil wird es nichts. Die verkauften Seelen sind noch am Werk und treiben ihr Unwesen.

Natürlich muss man immer über alles berichten, was aufstösst und schlecht ist. Auch aus dem gegenwärtigen Frankreich. Da gibt es Plünderungen, Brandstiftungen und Körperverletzung. Aber, wer genau hinsieht, sieht auch die andere, dominierende Seite. Einen breiten Protest gegen Verarmung, gegen Bildungsnotstand, gegen Entsolidarisierung. Und zwar in friedlicher, phantasievoller und teilweise künstlerischer Form. Diese Seite findet im hiesigen Nachrichtenwesen schlicht nicht statt. Und auch nicht das militante, grausame Gesicht des französischen Staates, dessen Befehlshaber allen Ernstes glauben, mit roher Gewalt die gesellschaftlichen Probleme lösen bzw. die Verhältnisse befrieden zu können.

Gönnen Sie sich das zweifelhafte Vergnügen, die journalistischen Elaborate der hiesigen Qualitätspresse anzusehen. Und hören Sie sich an, wie in den gleich einem leiernden Karussell daherkommenden Talk Shows erklärt wird, um was es sich in Frankreich handelt. Außer bourgeoisen Feindbildern und völlig aus der Luft gegriffenen Plattitüden werden sie nichts erfahren. Mal ist es die Sommerhitze, mal der Talahon!

Das Erkenntnisreiche an der Übung ist die Bestätigung, dass alles, was aus diesen Quellen kommt und zu hören ist, auf keinen Fall noch in irgend einer Weise für bare Münze genommen werden darf. Wer so der Lüge, der Mystifikation, der Demagogie und der Hetze verschrieben ist, steht auf keinen Fall für einen seriös verstandenen Journalismus. Der steht auch nicht für Demokratie und schon gar nicht für Werte, die dieser angeblich entsprechen. Der steht für Betrug und Täuschung.

Alt ist die Mär vom neutralen Beobachter. Wenn es zur praktischen Kollision kommt, das wusste schon der ebenso falsch verstandene wie millionenfach verleumdete Marx, dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Dann stinken die untergehenden Klassen mit ihrem juristischen Beiwerk, mit ihren Lohnschreibern, mit ihrem multimedialen Bordell-Betrieb, mit ihren flatterhaften Sängern, Show-Sternchen und ihren tödlichen Reklameschleifen so lange zum Himmel, bis eine erlösende Kraft das satanische Feuer austritt.

Man verzeihe die Aufwallung!  Ich habe gesprochen!

Wenn sich die Spreu vom Weizen trennt

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