Manche schneiden sich auch beim Bügeln. Dieser Eindruck drängt sich bei der Beobachtung der täglichen Aktionen und Äußerungen dieser Bundesregierung auf. Ob es die Verordnungen gegen russische Institutionen ohne Vorlage von belastenden Beweisen ausgerechnet an dem Jahrestag des angeblichen Angriffs auf den Sender Gleiwitz handelte, letztendlich Beginn des II. Weltkrieges, oder um das Verhalten des Finanzministers bei einem Treffen mit 20 Amtskollegen in den USA, und er sich weigerte, auf ein Gruppenfoto mit dem russischen Minister zu gehen. Bei der einen Aktion denkt man an eine sich immer mehr aufdrängende faschistische Tradition in der deutschen Außenpolitik und bei der anderen an die scharfen Kanten eines Bügeleisens. Wie man es dreht oder wendet, ob militaristische Boshaftigkeit oder infantiler Trotz, keine der immer wieder zu beobachteten Varianten der politischen Führung deutet darauf hin, dass man von einer guten Entwicklung für das Land ausgehen kann, in dessen Namen das in jedem Fall absurde Auftreten führen würde.
Nun existieren tatsächlich Stimmen, die die Überlegung zum Ausdruck bringen, dass die an den Tag gelegte Kriegsbereitschaft gegen Russland nur deshalb so unverfroren an den Tag gelegt wird, um einen Ausnahmezustand deklarieren zu können, der die bevorstehenden Wahlen in drei Bundesländern verhindern könnte. Die Gefahr, dass sich dort die AFD nicht nur als stärkste Kraft, sondern als regierungsfähige Partei erweisen könnte und damit die Demokratie insgesamt auf dem Spiel stehe, sei so groß, dass sie die Bundesregierung veranlasse, einen realen Krieg zu riskieren, um inländisch die Demokratie zu retten.
Obwohl zu konzedieren ist, dass die handelnden Personen in Verantwortung, durchaus in der Lage sind, sich beim Bügeln zu schneiden und daher durchaus zu derartigen Gedankenspielen in der Lage sind, muss entschieden zurückgewiesen werden, dass die Geisterfahrt, auf der sich diese Republik außenpolitisch befindet, durch alles Mögliche zu erklären, aber weder mit den Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung noch mit dem Erhalt der Demokratie in Einklang zu bringen ist. Vieles dieser und der ihr vorhergehenden Regierungen atmet bereits markant den Verdacht des Landesverrats, man sehe sich nur die Nord Stream-Sabotage und die Reaktion darauf an, und die Demolierung der Demokratie durch zahlreiche, putschähnliche Aktionen, wie zum Beispiel die Wahl dieses Kanzlers und die Beschlüsse zur Militarisierung durch einen bereits abgewählten Bundestag. Dass ausgerechnet die Vertreter dieser Politik für sich reklamieren, die Demokratie retten zu wollen, ist der eigentliche Affront gegen das Volk.
Insofern sei doch noch einmal und dringlich all jenen zu raten, die jetzt ihre Bühne der Popularität nutzen, um vor der Gefahr für die Demokratie im Gewand der AFD zu warnen, auch nur in einem Satz die massiven Verletzungen demokratischer Vorgehensweise, die Behinderung von Staatsanwaltschaften bei ihren Ermittlungen gegen politisches Fehlverhalten, die Liquidierung der Diplomatie, die Doppelmoral, die Legitimierung von Völkermord und die Rechtfertigung des Bruchs des Völkerrechts durch die gegenwärtig in der Verantwortung stehenden Bundesregierung mit auch nur einem Satz zu erwähnen. Es ist leicht, sich als Kämpfer für die Demokratie zu profilieren, wenn dafür das Lob der herrschenden Meinung und die Meinung der Herrschenden sicher ist. Man macht sich allerdings zum Komplizen der Doppelmoral, wenn man beide Augen bei den zur Gewohnheit gewordenen Attentaten auf die Demokratie schließt. Der Strömung die Stirn bieten! Das wäre mal was!
