So macht man das. Zuerst bezichtigt man ein Land, genauer gesagt dessen Staatsoberhaupt, krimineller Taten. Dann beginnt man, vermeintliche Zeugnisse der unterstellten Machenschaften zu vernichten. Dann, in einer Nacht- und Nebelaktion, überfällt man das Land militärisch und entführt den Präsidenten und holt ihn zu sich nach Hause, um ihn in Fußfesseln einem Richter der eigenen Justiz vorzuführen. Mit den in dem anderen Land nun in der Verantwortung Stehenden, die durch die Aktion eingeschüchtert sind, beginnt man Vereinbarungen zu treffen, die sich auf die Ausbeutung der in dem Land vorhandenen Rohstoffe beziehen und den günstigen Zugriff sichern. Gleichzeitig vereinbart mit einem anderen Land, in dem die Goldreserven des überfallenen Landes liegen, dass diese dem Finanzminister des eigenen Landes zur Verfügung gestellt werden, damit dieser dann „die Hilfen“ für das überfallene Land koordinieren kann.
Was sich anhört wie eine Revolvergeschichte eines unbegabten Autors, ist die im Lager der freien Welt kaum kommentierte, geschweige den kritisierte Räuberpistole einer um den Dominanz kämpfenden Weltmacht. Präsidentenkidnapping, Ressourcen- und Goldraub. Das Golddepot Venezuelas bei der Bank of England umfasst 3,1 Tonnen. Dass die so genannten Verbündeten, denen man, wenn man bei seriöser Berichterstattung bleiben möchte, die Bezeichnung als Komplizen geben muss, nicht nur schweigen, wie die teutonischen Weltstrategen, sondern auch noch aktive Hilfe leisten wie die immer bellizistisch außer Rand und Band geratenen Nachkommen des British Empire, dokumentiert einmal mehr den Charakter des Bündnisses. Es handelt sich um ein Syndikat. Und, unabhängig, was als Grund für die Anwendung von Gewalt auch genannt wird: Es geht immer um Ressourcen und Gold. Nie um Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Selbstbestimmung oder Humanität.
Im globalen Rahmen vermitteln die zur Zeit virulenten Konflikte der USA oder ihrer Komplizen mit dem Rest der Welt den eigentlichen Sinn. Es geht um die Weltherrschaft. Und dabei geht es neben den genannten Ressourcen auch um geopolitisches Gut wie Handelswege und den Zugang zu maritimen Passagen. Nimmt man alleine das chinesische, multilaterale Projekt der neuen Seidenstraßen, dann wird deutlich, warum es in Weißrussland den Versuch eines Regime-Changes genau zu dem Zeitpunkt gab, als dort ein großer Umschlagbahnhof besagter Seidenstraße fertiggestellt war, warum man in Afghanistan einen Krieg geführt hat, warum seit langem der Iran auf dem Zettel einer militärischen Lösung steht, warum Russland filetiert werden soll, was expressis verbis immer wieder von den Agenten der EU laut und vernehmbar formuliert wird. Und letztendlich, warum die Nervosität in Sachen Taiwan so hoch ist, weil dort das Weltzentrum der Chipherstellung ist und es trotz aller andersartigen Berichte exzellente Wirtschaftsbeziehungen mit der Volksrepublik China gibt.
Gelinngt es nicht, das Konzept der neuen Seidenstraße zu konterkarieren, gelingt es nicht, Russland zu einem willenlosen Ressourcenlieferanten zu degradieren und gelingt es nicht, das BRICS-Bündnis zu torpedieren, gelingt es nicht, die arabischen Staaten am Petro-Dollar zu halten, und gelingt es nicht, Resteuropa zu einem Militärstützpunkt zu degradieren, dann sind die Träume von der alleinigen Weltherrschaft ausgeträumt.
Die Komplexität der Agenda zeigt, wie verzweifelt die Lage sein muss im transatlantischen Hauptquartier. Dass die Lage, so brisant und furchtbar sie auch ist, sich noch so im Rahmen hält, zumindest aus der Sicht der Bewohner westlicher Länder, liegt vor allem an der bis jetzt noch an den Tag gelegten Besonnenheit derer, die unisono als das Lager des Bösen bezeichnet werden. Einfach nur die verschiedenen Aktionen bilanzieren. Dann fügt sich das Mosaik zusammen.
