Man in 1920s suit and hat with cigar talking to medieval king wearing crown and fur cloak with nuclear explosion in background

Al Capone und die Zeichen der Zeit

Wenn die Verzweiflung groß ist, regiert der Irrsinn. Man braucht gar nicht lange zu suchen, um die ersten Belege für diese These in den Ohren zu haben. Da tönt ein Bundesverteidigungsminister beim Besuch einer Waffenfabrik, man spüre deutlich den Geist der Erneuerung. Den Kanzler, der die Sottisen am Fließband liefert, muss man erst gar nicht bemühen. Der weiß in der Regel schon fünf Minuten nach einer Aussage nicht mehr, auf was er sich bezogen hat. Bei ihm sind es eher die Taten, an denen man ihn messen muss. Und die sind aus der Räson der Bevölkerung irrsinnig genug, obwohl sie rein ökonomisch, in Bezug auf ihn selbst und ein nicht genannt wollendes Unternehmen, das ihn reich gemacht hat, durchaus sinnvoll. Die Milliarden aus der Neuverschuldung, für die bekanntlich die Bevölkerung wird aufkommen müssen, fließen in Taschen von Menschen und Organisationen, die mit dem Wohlergehen dieses Landes und seiner Bevölkerung nichts am Hut haben. 

Das Geld besorgen für die elegante Entwendung von Volkseigentum zwecks Veräußerung in der Kriegsindustrie bei systematischer Dezimierung der ukrainischen männlichen Bevölkerung besorgt hingegen wiederum ein Parteifreund des anfangs zitierten Bundesverteidigungsministers. Sie, wie die sie innerhalb der Partei noch unterstützende Entourage, haben allerdings nichts mit einem Geist der Erneuerung zu tun, sondern eher mit der Sicherung des eigenen Status, komme, was da wolle. Historisch werden sie wohl eingehen als die Sargträger ihrer traditionsreichen Partei, die einmal aus dem Willen geboren wurde, denen, die den Reichtum schaffen, auch Rechte und Sicherheiten zu erkämpfen.

Dass die beiden erwähnten Helden einer deteriorierenden Sozialdemokratie nicht alleine stehen, sei der Ehre halber gegenüber einem ehrenlosen Haufen gesagt: Alle, die den Kanzler, der jetzt mit Nonchalance und Skrupellosigkeit das Land an die Wand fährt, noch vor der Konstituierung eines bereits neu gewählten Bundestages den Segen gegeben haben, eben auch die Partei der Grünen wie die sich warum auch immer so nennende Linke, haben sich an einem Verbrechen gegen den Gedanken der Demokratie beteiligt und eine Figur Kanzler werden lassen, die agiert wie der berüchtigte Sonnenkönig aus dem benachbarten Frankreich. Der es allerdings von seiner Bezeichnung her noch weiter bringen wird als die historische Vorlage, nämlich als der König des Atompilzes, wenn ihm nicht noch in letzter Minute das Handwerk gelegt wird.

Möglich ist das alles nur, weil die Piraten einer einigermaßen kritischen Presse seit langem ein Syndikat mit Monopolcharakter gebildet haben, das das durch eine anscheinend allzu lange Friedensphase sedierte Publikum zu einer Kohorte intellektuell überfressener Untertanen hat werden lassen, denen keine einzige Dreistigkeit, keine Lüge, keine Dummheit und keine Übergriffigkeit zu undelikat zu sein scheint, als dass sie sich auch diese noch in den vollen Bauch stopfte. 

Da geht noch was, denken sich die Profiteure des Niedergangs und treiben es wie auf einem ausgelassenen Maskenball. Jetzt, da es um eine kleine Schmonzette der Doppelmoral ging, vergleicht man das Delikt mit den großen, kriegsstiftenden Vergehen, die kontinuierlich begangen werden, hat das System, so will man glauben machen, seine Integrität einmal wieder unter Beweis gestellt. Der Delinquent musste, gut gebettet, gehen. Dagegen steht der Einwand, dass die richtig großen, die Kapitalverbrecher, in der Regel immer schon über Bagatellen stolperten. Selbst ein Al Capone. Insofern stehen die Zeichen nicht schlecht! 

Al Capone und die Zeichen der Zeit
Al Capone und die Zeichen der Zeit

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