Ein alter Spruch aus den Aufbruchzeiten des patriarchalischen Kapitalismus gelangt in diesen Tagen zu einer ungeahnten Aktualität: „Am Lohntag wird sich zeigen, wer gebummelt hat!“ Es bezieht sich nicht auf zuzuteilende Geldbeträge, sondern auf das Vermögen aller, die sich professionell auf dem Feld der Politik bewegen. Wenn man sich anhört, was angesichts der veränderten amerikanischen Politik aus der politischen Entität an Unsinn gestammelt wird, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass hinsichtlich der Befähigung, politisches Handeln zu verstehen und seine eigenen Verhaltensweisen den Gegebenheiten anzupassen, gewaltig gebummelt wurde. Bei der Einschätzung der eigenen Lage liegen heute manche Reichsbürger näher an der Realität als die inflationär zur Schau gestellten selbst ernannten Experten, Beobachter und Mandatsträger. Wenn Hinterbänkler glauben, Drohsalven gegenüber den Repräsentanten tatsächlich globaler Mächte machen zu können, dann ist etwas gewaltig aus dem Ruder gelaufen.
Aber es ist chic. Sich lustig zu machen über Trump, Tiraden gegen Putin oder Xi Jingping loszulassen, aber nicht im eigenen Land gegen eine mehr als dürftige Politik aufzustehen und endlich dem Treiben von Dilettanten ein Ende zu bereiten, kostet nichts, man riskiert nichts, kommt sich im Heer der Kleinmütigen richtig groß vor und steht vermeintlich auf der richtigen Seite. Es ist, nennen wir es beim Namen, eine mehr als blamable Performance. Und es nicht schwer, sich vorzustellen, wie ein Trump oder Putin auf diese Art der Meinungsäußerung reagieren werden. Wer droht, muss handeln können. Wer aber sogar Angst davor hat, die selbst bescheidenen Mittel einzusetzen, hat bereits verloren. Aber, wir sehen es täglich, man vermeint, auf der richtigen Seite zu stehen. Nur nimmt es außer dem eigenen kleinmütigen Bewusstsein niemand mehr wahr. Und gewiss ist, dass, je länger dieses Schauspiel anhält, desto schlechter werden die eigenen Zukunftsperspektiven.
Gehen wir das Spiel noch einmal durch:
Russland hat sich gegen die Ost-Erweiterung der NATO beim Überschreiten der roten Linie hinsichtlich des eigenen Sicherheitsdenkens militärisch gewehrt. Nach dem, was geschehen ist, wird sich an diesem Standpunkt nichts ändern.
In den USA dominiert nach der Wahl Donald Trumps eine andere Strategie, die gegen China gerichtet ist und nun versucht, Russland, das durch den UKraine-Konflikt und die Positionierung von EU und NATO näher an China gerückt ist, wieder zu lösen und partiell als Verbündeten zu gewinnen oder zumindest die Beziehungen mit ökonomischen Benefits zu normalisieren.
China möchte die Position als Weltpolizist nicht wahrnehmen, aber seine ökonomische Machtposition ausbauen. Dafür hat es Unsummen in globale Infrastruktur gesteckt, die genutzt werden soll und muss.
Die sich als Europa titulierende EU hat sich als Kettenhund der NATO global desavouiert und seine ökonomischen Möglichkeiten durch die Konfrontation mit Russland verschlechtert und seine Potenziale durch die Märkte, die mit der Seidenstraße verbunden sind, durch die politische Konfrontation mit China nicht genutzt. Statt eine Strategie zu entwickeln, die auf eigene wirtschaftliche Interessen setzt, wurde mit einer längst durch Doppelmoral zersetzten Vorstellung von modernem Kreuzrittertum alles zerschlagen, was an eigenen Potenzialen hätte für eine gute Entwicklung genutzt werden können.
Gegen Bushs Bellizismus zuckte ein sozialdemokratischer Kanzler noch auf, und eine christdemokratische Kanzlerin folgte der Kriegsvorbereitung eines Obamas widerwillig, aber sie folgte, und wiederum ein Sozialdemokrat ließ sich auf den dann fälligen Kampfwagen von einem Biden ohne jeglichen Widerstand binden. Was, so muss gefragt werden, wird ein Trump, der eine andere, aber eben auch imperiale Strategie verfolgt, von einem solchen Ensemble denken?
Sehen oder hören Sie sich dagegen an, was aus „unserem“ Lager an Einschätzung täglich in die Welt posaunt wird! Es ist herzzerreißend. Diese Unfähigkeit, die eigene Lage zu erkennen. Und sich mit der Identifikation als Objekt gemein gemacht zu haben. Nur das Subjekt hat in dieser Welt eine Perspektive.
Wollte man es literarisch fassen, wie unsere Nomenklatura aktuell agiert, so müsste es heißen:
„Ich bin vor dem Abgrund der Prophet, der unter der falschen Sonne steht!“

Es ist im Ausland mittlerweile peinlich geworden, zu sagen, dass man Deutscher ist. ☹