Archiv für den Monat August 2023

Verbrennt die Narrative!

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Geschichten. Das, was man selbst erlebt hat. Unmittelbar. Nicht, was andere erzählen, sondern was selbst erfahren wurde. Die Hand auf der Herdplatte, der Sturz vom Dach, die Reise in ein fremdes Land, das Gericht mit fremden Gewürzen, die Geschichten anderer Individuen, die einem über den Weg laufen, die Anstrengungen, bis etwas erlernt wurde, seine Beherrschung, der Erfolg, der sich einstellt, wenn etwas gelungen ist. All das und vieles anderes mehr prägt einen Menschen, formt eine Persönlichkeit. Alles Vermittelte ist schönes Beiwerk, aber es kann das Fühlen, Schmecken, Leiden und Genießen nicht ersetzen, das die unmittelbare Erfahrung vermittelt.

Eigene Erfahrung sorgt für das, was so treffend als Bauchgefühl beschrieben wird. Die Summe der Erlebnisse sorgt für eine Skala im eigenen Befinden, die anzeigt, ob etwas richtig oder falsch ist, inwieweit etwas den eigenen Interessen dient oder ob es ihnen widerspricht. Menschen, die nur von vermitteltem Wissen leben, können dieses Bauchgefühl nicht entwickeln. Sie müssen entweder ein kalten Logik folgen, was sie zu einer Maschine macht, oder sie lieben das Vabanque. Vertrauen in das eigene Wesen, die eigene Kraft, kann sich nicht herausbilden. Die einzige Bestätigung, die bleibt, ist der Applaus oder das Missfallen anderer Instanzen. 

Der Mangel an Selbstvertrauen und daraus resultierender Selbstachtung verleiht dem, was Mainstream genannt wird, eine Macht, die für alle Beteiligten lebensgefährlich ist. Weil dieser Mainstream eine fremde Geschichte zur eigenen macht. Auf diese Geschichte hat das geschichtslose Individuum keinen Einfluss. Der von diesem Vulgärkonsens vorgetragene Begriff des Narrativs ist das Symptom, das dieses Defizit beschreibt. 

Ein Narrativ ist eine Geschichte synthetischen Charakters. Es ist artifiziell und wird nicht von der Lebenserfahrung der Menschen, denen es präsentiert wird, gedeckt. Man kann das Narrativ glauben, oder man lässt es sein. Mein Rat: Lassen Sie es sein!

Momentan werden heftige Diskussionen geführt über die Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz. Es ist wichtig, sich darüber Klarheit verschaffen zu wollen. Was allerdings bisher versäumt wurde, ist die Frage, inwieweit eine künstliche Sozialisation, die durch die Verabreichung von in Ideologie-Laboren gezüchteten Narrativen die Menschen zu bis zur Perversion manipulierbare Masse macht. Was du selbst nicht erlebt hast, kannst du nicht mit deinen Sinnen auf richtig und falsch überprüfen.

Angesichts der vielen missglückten Versuche, die destruktiven Kräfte dieser Welt durch einen logischen Diskurs zu entlarven, scheint der einzige Ausweg nur darin zu liegen, sich selbst wieder hinaus in die Welt zu wagen, die ganzen Assistenten, die ständig mit irgendwelchen Narrativen daherkommen und die immer wieder Betrachtungsweisen suggerieren, die zu nichts anderem führen als zu Bestätigung der Interessen der Abkocher und Plünderer. Egal, in welchem Kostüm sie daherkommen, egal, mit welcher Technik sie faszinieren, es sind Räuber, die von der Zerstörung leben. Von ihnen ist keine Erlösung zu erwarten.

Der Mensch, um den es geht, der Mensch, der überleben will, muss sich dem Leben stellen. Er muss seine eigenen Erfahrungen machen und wissen, woher er kommt und herausfinden, wohin er will. Das kann er nur alleine vollbringen. Und die beste Schule sind die eigenen Erfahrungen und die Geschichten derer, die dabei sind, ihrerseits eigene Erfahrungen zu sammeln. Verbrennt die Narrative! Vertraut dem eigenen Leben. 

Der Kampf gegen die Institutionen

Wer den Schutz der demokratischen Institutionen für sich reklamiert, bewegt sich bereits auf dünnem Eis. Denn es existiert ein selbsternanntes Monopol, das alle in die Schranken verweist, die nicht zum erlauchten Kreis der erleuchteten Sektierer gehören. Das Frivole und gleichzeitig Witzige daran ist die Tatsache, dass genau diejenigen, die mit Argusaugen über gesellschaftliche Vorgänge wachen, seit einiger Zeit selbst einen radikalen Kampf gegen die demokratischen Institutionen führen. Sie pfeifen auf gesellschaftliche Konventionen und missachten Gesetze und treiben es schamlos in aller Öffentlichkeit. Der Kampf gegen die Grundfesten der Demokratie tobt und die Instanzen, die einmal dazu gedacht waren, genau darüber zu wachen, wenn demokratische Institutionen gestürmt werden, spenden johlend Beifall.

Nicht, dass das alles über Nacht und auf einmal gekommen wäre. Nein, so etwas findet schleichend statt. Da beginnen die Sprecher von Nachrichten in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten eine Sprache zu verwenden, die dem Ethos des journalistischen Gewerbes widersprechen. Es sind Worte der Vorverurteilung, der Diskriminierung und der Insinuierung. Sie benutzen zudem zum Teil eine Sprache, die allein den formalen Richtlinien der deutschen Sprache entgegenlaufen und grinsen dabei selbstbewusst in die Kamera. Und anstatt dass sie dafür gerügt würden, bekommen sie Lob und Anerkennung für ihr mutiges Auftreten.

Oder, das mittlerweile ein Massenphänomen, Menschen werden von wem auch immer eines Vergehens bezichtigt, und alles, was im großen Strom des zivilgesellschaftlichen Wohlbehagens dabei sein will, fällt über die Bezichtigten her und arbeitet eifrig an der Irreversibilität eines Urteils, das von den dafür vorgesehenen Institutionen noch gefällt werden müsste. Da ist noch keine Anzeige erstattet, da ist noch keine Ermittlung eingeleitet, da hat noch keine Staatsanwaltschaft angeklagt, und schon ist das Beil der öffentlichen Meinung bereits gefallen. Und nicht nur das. Auch die, die auf die Unschuldsvermutung und ein notwendiges rechtliches Verfahren verweisen, stehen gleich mit am Pranger. Wer sich die Frage stellt, wie das Plündern der Demokratie geht, der sehe sich diese Prozesse genau an.

Das Beunruhigende für alle, die glauben, sie lebten in einem Rechtsstaat, sind Quantität die Qualität derer, die sich an dieser Form des Kulturkampfes beteiligen. Es ist das Gros der Presse, es sind Politiker jeglicher Couleur und es sind die staatlichen Institutionen, die eingeschüchtert sind und sich mittlerweile hüten, gegen die Angriff auf sie selbst mit Konsequenz vorzugehen. 

Der Sprachmissbrauch und die kontinuierliche Parteilichkeit im Öffentlich-Rechtlichen müsste von den Kontrollräten unterbunden werden. Aber dort hütet man sich ebenfalls, weil sonst die Hatz durch die geölte Propaganda- und Kampagnenmaschine drohen würde. Und Staatsanwälte, die gegen die Vorverurteilung ohne gesetzliches Verfahren durch Presse und Politik vorgehen würden, sind bis dato nicht in Sicht. Stattdessen wird die mediale Hinrichtung als eine Errungenschaft der Pressefreiheit gefeiert!

Und, wie es so ist, wenn der Kampf tobt, sind alle Blicke verschleiert und die gravierenden Verstöße gegen den Rechtsstaat werden gar nicht mehr wahrgenommen. Da lodern die Scheiterhaufen der öffentlichen Hinrichtung gegen Individuen, während eine Ministerin Gesetzespläne ankündigt, die aufgrund von Sippenhaft jeglicher Rechtsstaatlichkeit widersprechen. Oder eine komplette Regierung weigert sich kollektiv, mit Konsequenz die Zerstörung der eigenen kritischen Infrastruktur aufzuklären, was einem Akt des Landesverrat gleichkommt.

Anfangs sieht es immer harmlos aus, aber es endet im Desaster. Die Attacken auf die demokratischen Institutionen, wie wir sie erleben, unterscheidet sich von seinen historischen Vorbildern. Aber geführt wird er, dieser Kampf, und die demokratischen Institutionen werden dabei systematisch zerstört.