Archiv für den Monat Juni 2023

Konflikt mit Russland: in amerikanischen Serien bereits alles abgefrühstückt!

In der Filmwelt war alles bereits längst präsent. Die NATO-Osterweiterung, die Verwerfungen mit Russland, und die russischen Reaktionen darauf. Und gar nicht mal so, wie es die Demagogen der Kampfpresse es uns heute glauben machen wollen. Nein, da ging es zwar auch immer um die politische Rivalität, aber es wurde innerhalb der einzelnen Lager durchaus differenziert. Hier wie dort gab es die Falken, die auf eine direkte, vielleicht sogar atomare Konfrontation aus waren, und die Besonnenen, vom jeweiligen Patriotismus und dem Wunsch nach einer stabilen Friedensordnung Getriebenen. Es gab Verbündete auf beiden Seiten und Gleichgesinnte im Sinne maximaler Zerstörung.

Es ist zu empfehlen, sich aus heutiger Sicht  zwei amerikanische Serien anzuschauen, die auf einen Schlag das Narrativ von dem plötzlichen, unerwarteten Angriff Russlands auf die Ukraine der Lächerlichkeit preisgeben. Mit dem forcierten Regime Change in der Ukraine im Jahr 2014 waren die Karten für den bewaffneten Konflikt gemischt. 

Zum einen handelt es sich um die bislang in drei Staffeln vorliegende, sich anfangs auf die Bücher des mittlerweile verstorbenen Schriftstellers Tom Clancy berufenen Verfilmungen unter dem Titel der fiktiven Hauptfigur Jack Ryan. Letzterer, ein immer wieder mit seiner Sendeorganisation CIA, ihrerseits auch bürokratischer Apparat, in Konflikt geratener Agent, der schlimme Entwicklungen aufspürt und versucht, mit allen möglichen Allianzen, auch auf russischer Seite, das Treiben der Falken zu verhindern, die mit der avisierten NATO-Mitgliedschaft ihre Stunde als gekommen ansehen. Vor allem in der dritten Staffel,  in der es um die Erwägung eines begrenzten russischen Atomschlags jener Falken geht, die nicht vor Morden in den eigenen Reihen zurückschrecken, ist das, was wir heute in allen Varianten erleben dürfen, antizipiert. Abschluss der Dreharbeiten: Oktober 2021. 

Eine andere, ebenso aufschlussreiche Serie war Madame Secretary, die in den Jahren 2014 bis 2019 auf dem amerikanischen Fernsehsender CBS ausgestrahlt wurde. Vom Setting her geht es darum, dass eine, oh Wunder! – früher im Geheimdienst verortet gewesene Karrierebeamtin vom amerikanischen Präsidenten, der shon dort ihr Chef war, zur Außenministerin berufen wird, um sie als seine potenzielle Nachfolgerin aufzubauen. In jeder Folge ist eine internationale Krise zu bewältigen und es wird sehr gut gezeigt, wie politische Allianzen, geheimdienstliche Netzwerke und militärische Interessen miteinander verwoben sind und dank der Politikerin zum Nutzen des Landes zu einer Lösung gebracht werden. Alle Themen, die den Regierungsalltag einer Großmacht ausmachen, haben dort ihren Platz, seien es Terroranschläge, seien es internationale Krisen, lokale Kriege, Vertragspoker, Skandalisierungen durch die Presse etc. Madame Secretary behält immer einen kühlen Kopf und letztendlich die Oberhand. Was die Ausgangsfrage anbetrifft, so sind die Passagen interessant, in der das politische Personal der Ukraine bis hin zu Terroranschlägen versucht, die amerikanische Regierung zu einem gewissen Handeln zu verpflichten. 

Betrachtet man nur diese beiden, bezeichnenderweise seit dem Regime Change in der Ukraine realisierten amerikanischen Filmprojekte, so könnte man, beschränkte man sich auf die Propagandageschichten der deutschen Leitmedien, fragen, seit wann die Filmstudios in Hollywood von abstrusen Verschwörungstheorien getrieben würden? 

Oder handelt es sich nicht um deutlich und ohne Schnörkel formulierte gewünschte Ergebnisse des eigenen politischen Handelns? Und ist das nicht so offensichtlich gewesen, dass die Verarbeitung im kommerziellen Film kaum als Geheimnisverrat angesehen werden konnte?

Oder anders herum: jeder amerikanische Serienfreak weiß seit langem mehr, als unsere Qualitätsmedien.   

Zum Konnex von Wertschöpfung und Niedergang

Eines sollte deutlich geworden sein: ohne eigene Produktivität und Wertschöpfung sind die Aussichten schlecht. Dass das nahezu die gesamte politische Entourage hierzulande nicht auf dem Schirm hat und sich weiter an einer sektiererisch begründeten gewaltigen Dekonstruktionsorgie abarbeitet, falsifiziert nicht die Kernaussage. Dort, wo auf Wertschöpfung gesetzt wird, ist die Krisenresistenz am größten. Was in der Weltwirtschaftskrise 2008 noch zum saturierten Regierungswissen gehörte, ist einer Generalamnesie zum Opfer gefallen. Damals war die Bundesrepublik noch relativ gut aus dem Schlamassel herausgekommen, während das europäische Zentrum der Finanzspekulation in London damit begann, ein flächendeckendes Netz von Hungerküchen zu installieren, das bis heute wichtiger denn je ist, weil mittlerweile fest Beschäftigte ohne diese Unterstützung nicht mehr über die Runden kommt.

Und diejenigen, die aufgrund des us-amerikanischen Machtportfolios als strategische Rivalen definiert werden, vor allem China, haben ihren Status und stetig wachsenden Wohlstand nicht irgendwelchen Räuberpistolen, sondern einer ungeheuren Anstrengung zu verdanken. Das, was dort auf den Sektoren Bildung, Infrastruktur und industrieller Wertschöpfung in den letzten Dekaden geschehen ist, wurde selbst in den Zeiten des Goldenen Westens nicht erreicht. Denn, und das war das hiesige Mantra der Globalisierung, Kostenreduktion um jeden Preis, Senkung von Lohn- und Transportkosten wo es nur ging, in der Nordsee gefangene, in Marokko gepulte Krabben, tausende Kilometer in LKWS durch Europa geschleppt, billige Fetzen, in den Feuerschuppen Bangladeshs produziert und mit Fliegern in Frankfurt eingeflogen, um hier den armen Seelen eine Möglichkeit zu bieten, nicht in Lumpen herumzulaufen. Wie traurig das alles ist, muss nicht betont werden. Und wie verlogen, wenn man sich die offiziellen Positionierungen ansieht, die zum Beispiel bei der letzten Fußball-WM ansieht. 

Dass, außer einer von einem medialen Komplex in die Nähe der Unzurechnungsfähigkeit getriebenen Masse, die Beobachter aus anderen Winkeln dieser Welt zu dem Schluss kommen müssen, dass hier die alten Quellen der Kraft versiegt sind, dürfte außer Frage sein. Wenn dann noch dazu kommt, dass ein politisches Personal, der eigenen Sprache nicht mächtig, aber mit der Chuzpe von Erleuchteten, der Welt erklären wollen, wie sie zu ticken hätte,  macht die Sache nur noch skurriler. Diejenigen, die sich weiter entwickeln wollen, orientieren sich an denen, denen etwas gelingt. So einfach ist das. Und wenn das diejenigen sind, die so gerne vom Westen beschimpft werden, dann ergibt das Ganze auch nochmal einen besonderen Sinn. Denn dann wird die Absicht klar, was hinter der schlechten Beleumundung der Konkurrenz steckt, nämlich die eigene Schwäche.

Die beschriebenen Entwicklungen sind für jeden, der es wissen und erfahren möchte, jeden Tag zu erkennen. Das hiesige Milieu, das glaubt, die Weisheit mit dem Schaumlöffel gefressen zu haben, hat sich seinerzeit seit langem vom Gedanken der Wertschöpfung abgewandt. Die große Maxime, hinter der sich die Kohorte der exklusiven Konsumenten verbirgt, lautet, die Mühen, Wohlstand zu produzieren, sollten sich doch die machen, die das für richtig hielten. Ihnen geht es um nichts anderes als Verzehr. Auch sie verfügen, wie alle historischen Eliten, die alle mehr oder weniger verkommen waren, wenn sie vergaßen, woher sie kamen, über ein ganzes Bündel von Statussymbolen. Die sind allesamt, das nur als Petitesse für das Protokoll, wenn sie auch bescheidener daher kommen, weder nachhaltig noch sonst etwas. Sie zeigen, dass sie nur eines verbürgen: den unaufhörlichen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Niedergang.