Archiv für den Monat Juli 2022

Wer nicht lernen will, muss weg!

Was anstellen mit Personal, das bestimmte Entscheidungen trifft, die sich als falsch erweisen und zu gravierenden Folgen führen? Die Entscheidung darüber, ob man sich von Menschen trennt, die solche Fehler begangen haben, hängt in der Regel davon ab, ob man davon ausgehen kann, dass sie aus Fehlern lernen und dass sie sich gegenüber der sozialen Organisation, für die sie agieren, als loyal erweisen. Ist beides nicht gegeben, d.h. wird aus Fehlern nicht gelernt und ist ihnen im Grunde genommen egal, was aus der Organisation wird, dann muss gehandelt werden und man muss sich schnell von ihnen trennen.

Denn der Weg eines weiteren Verbleibs ist in dramatischen Linien vorgezeichnet. Das Spektakel, das sich aus Sicht derer, die nicht lernfähig sind und deren Loyalität gegenüber ihren Auftraggebern nicht gegeben ist, ergeben wird, möchten sich viele nicht einmal ausdenken. Die Muster sind bekannt: Eigene Fehler werden nicht gesehen. Die eigenen Entscheidungen, die zu großem Schaden geführt haben, werden nach wie vor als richtig bezeichnet. Der einzige Grund für das Scheitern wird in der Unzulänglichkeit anderer gesucht. Nicht selten, das sei erwähnt und ist hinreichend bekannt, bei den Geschädigten selbst. Organisationen, und damit sind kleine soziale Einheiten, Clubs, Vereine, Kommunen wie Staaten gemeint, die nicht in der Lage sind, sich von Fehlleistern mit aller Konsequenz zu trennen, landen in der Zerrüttung, in der Insolvenz oder im Ruin. 

Wer nicht das intellektuelle Format besitzt, zu prognostizieren, dass, wenn man einer Großmacht, selbst wenn sie gewaltig schwächelt, nicht dreißig Jahre lang ohne Konsequenzen mit der Kanone vor der Nase herumfuchtelt kann, ist fehl am Platz. Und wer es gewusst hat, aber sich nicht getraut hat, den Mächtigsten im eigenen Verbund zu sagen, dass er bei einem solchen Unterfangen nicht dabei ist, hat nicht die Haltung, die für die Wahrnehmung solcher Mandate notwendig ist. Beides ist derzeit festzustellen und beides reicht für eine Trennung aus.

Und wer als Reaktion auf die zu erwartende Aktion dieser Großmacht versucht, das, was militärisch nicht lösbar ist, mit Sanktionen zu bewerkstelligen, die allerdings die Grundlagen der eigenen Existenz gefährden, der stellt in einer derartigen Situation zum zweiten Mal unter Beweis, dass er deplatziert ist.

Kommt dann noch die Reaktion dazu, dass für die Konsequenzen der eigenen Handlungen alle möglich Anderen ausgedeutet werden, ist es an der Zeit, so schnell wie möglich die Reißleine zu ziehen. Eine andere Möglichkeit existiert nicht. Das, was momentan zu beobachten ist, ist die chronische Überforderung des Personals in den beschriebenen Funktionen. Wer jetzt noch glaubt, dass es in dieser Konstellation eine Entwicklung zum Positiven geben kann, macht sich relativ schnell dessen schuldig, was man im Wirtschaftsrecht die Insolvenzverschleppung nennt. 

Die EU-Osterweiterung als Junktim zu der der NATO, die Gefolgschaft des bellizistischen Kurses seitens der USA gegenüber Russland, eine Sanktionspolitik, die Deutschland und die EU systemisch schwächt, die internationale Isolation des sich täglich feiernden Werte-Westens, auch in Ländern, die nicht in der Nähe der neuen Großmacht China zu suchen oder im verbliebenen Kordons Russlands angesiedelt sind, muss jedem analytisch denkenden Menschen zeigen, auf welchen Kurs uns diese Politik eines unter einer narzisstischer Störung leidenden Provinzialismus geführt hat. 

Wer nicht lernen will, muss fühlen, heißt es in einer klugen Weise. Es ist an der Zeit! 

Seitenwechsel: Ein seltsamer Prototyp — Neue Debatte

Nach dem Ausbleiben der Revolution wurden ab den 1980er-Jahren die Grünen ein neues Sammelbecken für die am eigenen Autoritarismus Gescheiterten. Problemlos passten sie sich und ihre Einstellungen an den früheren Hauptfeind an – wenn man so will, wechselten sie die Seiten. Ihren autoritären Charakter legten sie aber nicht ab. Der Beitrag Seitenwechsel: Ein seltsamer Prototyp…

Seitenwechsel: Ein seltsamer Prototyp — Neue Debatte

Ein seltsamer Prototyp

Heute bin ich wieder über einen solchen gestolpert! Er schrieb eine Gastkolumne im Spiegel und glänzte durch ein hermetisch gepanzertes Weltbild. Da gab es nur Schwarz und Weiß, die Guten und die Bösen und selbstverständlich stand er auf Seiten der Erleuchteten. Allen, die anderer Meinung waren, bescheinigte er in den schlimmsten Tiraden moralische Verwerflichkeit, intellektuelle Minderleistung und die Komplizenschaft mit dem Teufel. Einmal unabhängig davon, worum es ging, der Duktus dieser als Gastkommentar in einem renommierten Nachrichtenorgan gekennzeichneten Beitrags hatte im wesentlichen nur eine Quelle: Hass und Hetze.

Natürlich ging es um den Krieg in der Ukraine. Und natürlich trug der Russe, oder um der sinnentleerten Personalisierung zu folgen, Putin, die Schuld an allem. NATO-Osterweiterung, amerikanische Waffenlieferungen, finanzielle Unterstützung nationalistischer Kräfte, eine korrupte Kiewer Regierung, alles das spielte keine Rolle, und diejenigen, die den Krieg nicht als ultima Ratio ansehen, nannte er kurzweg Unterwerfungspazifisten. 

Das alles kommt mir bekannt vor. Ich erinnerte mich an Pamphlete, die ich als Student in die Hand bekam und die nach dem gleichen Muster gestrickt waren. Schwarz und Weiß, Gut und Böse, hier die brillanten Köpfe und dort die dummen Nüsse. Es war die Zeit, als der Osten noch rot und glorreich erschien und der Westen als der Hort der Verwerfung galt. 

Doch dann kam vieles anders. Der Westen erlitt zwar schmerzhafte Niederlagen wie in Vietnam, aber er überlebte, der Osten brach mit der Sowjetunion zusammen und China wurde ein kapitalistisches Land mit einer kommunistischen Polizei. Für viele der Autoren der zuhauf kursierenden Schwarz-Weiß-Pamphlete wurde das nicht zum Anlass genommen, das eigene, überwiegend mental geprägte Weltbild zu überdenken. Der autoritäre Charakter, denn um nichts anderes handelt es sich, wurde beibehalten und man begab sich durch geschickte Camouflage in neue politische Projekte. Das große Sammelbecken für die am eigenen Autoritarismus Gescheiterten waren in Deutschland die Grünen. Und diese Klientel machte dort mächtig Karriere, denn kaum jemand war im Karrieretreten so geschult wie diese.

Mit der Zeit lernten sie, dass die Mächtigen sich nicht in die Karten blicken ließen und wohl vieles so war, wie man sich das zu kämpferischeren Zeiten vorgestellt hatte, aber man kannte es als Realität an und arrangierte sich. Anpassungsfähigkeit, das wissen wir seit Charles Darwin, ist der wesentliche Überlebensfaktor. Und so passten sie sich an die neuen, ungewohnten Kommunikationsformen, die neue Sprache und sogar die neue Kleidung an, aber mental blieben sie, was sie sind. Autoritär, kämpferisch und ohne Tötungshemmung, im übertragenen Sinne, versteht sich.

So verwundert es eigentlich nicht, dass der anfänglich erwähnte Autor nicht nur von seiner Haltung und seinem Weltbild an diese Zeiten erinnerte, sein Name war sogar identisch mit einem Autor jener Pamphlete, die vor mehr als vier Jahrzehnten zur Revolution aufriefen und forderten, den einen oder anderen politischen Feind zur Zwangsarbeit in einer Fischmehlfabrik in Cuxhafen zu verdonnern. 

In Bezug auf die politischen Forderungen haben sich diese Prototypen, die bei den heutigen Grünen eine entscheidende Rolle spielen und wichtige Ämter innehaben, radikal geändert, wenn man so will, haben sie die Seiten gewechselt. Sie stehen nun in Diensten des einstigen Hauptfeindes. In keiner Partei ist der autoritäre Charakter so gut angesehen. Und wie bei so vielen Konvertiten, geifern diese Charaktere wie die Hexen aus dem Moor gegen ihre alten Alliierten, als gäbe es kein Morgen. Von ihrer mentalen Disposition jedoch sind sie sich treu geblieben. Sie opfern alles auf ihrem angestammten Altar aus Hass und Hetze.  

Manche von ihnen gaben einmal vor, sie hätten Adornos Studien über den autoritären Charakter gelesen. Mag sein, aber was davon haben sie begriffen?