Archiv für den Monat Mai 2022

Joe Biden und die hiesigen Messdiener

Während einer der hiesigen Polit-Protagonisten von einer dienenden Verantwortung sprach, der man innerhalb des Bündnisses nachkommen müsse, sieht es im Zentrum des Imperiums jenseits des Atlantiks anders aus. Einmal abgesehen davon, dass die umschriebene Funktion eher der eines Messdieners entspricht als der eines Politikers, der die Interessen seines Landes wahrzunehmen hat, könnte sich der Auftrag des Dienens in absehbarer Zeit wieder ändern. Denn die Politik des Josef Biden, die als eine bellizistische Alternative zu der Donald Trumps zu sehen ist, könnte sich mangels der Ermächtigung aus dem eigenen Land in absehbarer Zeit wieder ändern. Denn die Stimmung in den USA ist, der Ausdruck sei erlaubt, freundlich umschrieben mies.

Der hier vor allem in Politik und Medien herbeigesehnte Wechsel von Trump zu Biden wird, was die praktischen Folgen anbetrifft, in den USA mittlerweile nur noch von einer Minderheit als Verbesserung erlebt. Die vielen Meinungserhebungen, die nun vor den im Herbst anstehenden Kongresswahlen im ganzen Land durchgeführt werden, sprechen eine eindeutige Sprache. Inflation, Teuerung, Insolvenzen und die tiefe Spaltung der Gesellschaft sind nach wie vor einen dramatischen Verlauf. In diesem Kontext hält eine Mehrheit den Krieg in der Ukraine nicht nur für überflüssig, viele geben der dortigen Regierung eine heftige Mitschuld und sie verurteilen die Befeuerung und das finanzielle Engagement der eigenen Regierung massiv. Es wird prognostiziert, dass die Wahlen im Herbst dem jetzigen Präsidenten jegliche Gestaltungsspielräume nehmen werden. So, wie es scheint, ist der Weg für eine Amtszeit Trump 2.0, wer sie auch immer ausfüllt, geebnet.

Die Biden-Administration setzt auf einen längeren Verschleißkrieg zwischen der Ukraine und Russland, um letzteres langfristig zu schwächen. Die dabei nachhaltige Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur und der gesellschaftlichen Institutionen wird als Kollateralschäden in Kauf genommen. Ein längerfristiger Krieg wird vor allem seitens der EU, die sich immer mehr als Synonym der NATO definiert, bezahlt werden müssen. Und zwar in finanzieller, sozialer und kultureller Hinsicht. Besonderes letzteres ist in seiner Dimension noch gar nicht abzuschätzen, wird jedoch immens sein, wenn bereits nach drei Monaten dieses unseligen Krieges die Möglichkeit eines halbwegs gesitteten Diskurses der Vergangenheit angehört. Die Kriegslüsternheit von Schreibtischtätern mit begrenzter Fantasie als Impulsgeber der öffentlichen Debatte verleitet zu ganz anderen Wunschträumen als dem der Vernichtung Russlands. Man fragt sich nur, aus welchen Höhlen diese Fantasten gekrochen sind?

Angesichts der zu erhoffenden Möglichkeit, dass der Bellizismus des Demokraten Joe Biden nicht mehr allzu lange sein Unwesen wird treiben können, bleibt die Frage im Raum stehen, wie es kommen kann, dass die Messdiener des Imperiums mit ihrer ganzen Unterwürfigkeit auf Kosten einer auf den eigenen Interessen basierenden Politik bei zugegeben radikal nach unten weisender Wahlbeteiligung eine derartige Zustimmung erhalten können? Wobei, auch das sollte jenseits des Medienwinds festgehalten werden, noch Parteien existieren, die zumindest numerisch stärker sind, allerdings mental nicht. Angesichts der tatsächlichen Wahlbeteiligung sollte man nicht dem Fehlschluss anhängen, die Favorisierung des Messdienerprofils entspräche der gesellschaftlichen Realität. Ganz im Gegenteil, ein zunehmend großer Teil der Bevölkerung wendet sich vom eigenen politischen System ab und sieht sich nicht mehr durch dieses vertreten. Das ist das eigentliche Drama, das niemand wahrhaben will. Stattdessen setzt man, wie in nahezu allen Bereichen, auf Eskalation. Der Versuch, die Ursache der systemischen Erosion als politisches Konzept der Zukunft zu verkaufen, wie er momentan auf allen Kanälen durchgeführt wird, hat tatsächlich etwas Monströses.  

No Future oder die Tendenz zur Depression — Neue Debatte

Die Jugend hat keinen Bock auf die Zukunft, die mehrheitlich als düster beschrieben wird. Das Grundgefühl, das den skeptischen Prognosen zugrunde liegt, ist die Angst. Angst vor dem Klimakollaps, vor dem Atomkrieg, vor sozialer Kälte, vor Ungerechtigkeiten und vor Vereinsamung. Der Beitrag No Future oder die Tendenz zur Depression erschien zuerst auf Neue Debatte.

No Future oder die Tendenz zur Depression — Neue Debatte

No Future?

Glaubt man den verschiedenen Studien, die sowohl in der EU als auch in den USA zur Befindlichkeit junger Menschen in Auftrag gegeben wurden, dann ist die Perspektive für diese Gesellschaften nicht berauschend. Denn die Jugend hat keinen Bock auf die Zukunft. Mehrheitlich wird sie als düster beschrieben, wenn es überhaupt noch eine geben sollte. Das Grundgefühl, das den skeptischen Prognosen zugrunde liegt, ist die Angst. Angst vor dem Klimakollaps, Angst vor dem Atomkrieg, Angst vor sozialer Kälte, Angst vor gravierenden Ungerechtigkeiten, Angst vor Vereinsamung. Was die heutige Jugend in den besagten Ländern von ihren Vorgängerinnen unterscheidet, ist die Grundstimmung. Die negativen Prognosen vergangener Tage lösten Rebellion und Protest aus, heute, das ist deutlich zu lesen, überwiegt die Tendenz zur Depression.

Das Niederschmetternde an den Erhebungen ist die Tatsache, dass über 50 Prozent der Befragten den oben gemachten Aussagen zustimmen. Bevor allerdings voreilige Schlüsse gezogen werden, sei noch angemerkt, dass es eine fatale Fehlleistung wäre, von der dargestellten Fokus-Gruppe auf die gesamte Menschheit zu schließen. Ein Fehler, der zu den westlichen Standards gehört und der zunehmend zum Niedergang des Wirtschafts- und Kulturraumes beiträgt. Quantitativ repräsentiert der Westen ungefähr ein Zehntel der Weltbevölkerung. Eine adäquate Erhebung, die China, Brasilien, Indien, Russland, Indonesien, Pakistan, den Iran, und diverse afrikanische Länder mit einschlösse, besagte etwas über eine weltweite Tendenz. Nicht, dass davon auszugehen wäre, dass der Rest der Weltjugendtag kollektiv Hurra schriee, aber ein differenzierteres Bild käme heraus, und, das meine These, von einer depressiven Grundstimmung wäre keine Rede.

Was die Zerstörung der Lebensgrundlagen, die Vereinsamung des Individuums, eklatante Ungerechtigkeiten und die soziale Kälte anbetrifft, da liegen die realen Resultate eines Siegeszuges des Wirtschaftsliberalismus, der den Westen in den letzten vier bis fünf Jahrzehnten geprägt hat, unverfälscht auf dem Tisch. Wer sich angesichts dessen über skeptische bis depressive Grundstimmungen wundert, der hat sein Dasein auf der sonnigen Seite genossen, während eine überwältigende Mehrheit in das Schattenreich migriert ist. 

Blickte man aus einer anderen Perspektive auf den Planeten, dann böten sich Prognosen an, die von der inneren Befindlichkeit des Westens her als Hochverrat gelten würden. Dann wäre nämlich zu schließen, dass der freie und Werte basierte Westen massiv an Einfluss auf der Welt verloren hätte, dass er seine eigenen Grundsätze und Prinzipien seit langer Zeit selbst demontiert hat und dabei ist, zu den Zeiten der Kreuzzüge, des Kolonialismus und des Imperialismus zurückzukehren und die innere Strahlkraft eingebüßt hat. 

Das alles ist identifizierbar, eine Abkehr von dem Weg, der die kollektive jugendliche Depression auslöst, ist nicht in Sicht. Sich an denen, die für den Kurs der hirnlosen Verramschung aller Güter auf dem ganzen Globus Verantwortung tragen, abzuarbeiten, führt zu keinem Ergebnis. Überzeugen kann man die Agenten des Imperialismus nie, und die Jugend wird dadurch auch nicht aus der Depression geführt.

Aber welches sind die Zustände, die dazu führen, neuen Mut zu schöpfen und sich auf eine wie auch immer geartete Zukunft zu freuen? Sicherlich das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können, das Vertrauen, Kontrolle über das zu bekommen, was das eigene Schicksal betrifft, ein substanzieller Begriff über das Gemeinwohl, ein Grundverständnis von notwendiger Leistung und Belohnung und ein radikales Verständnis von individueller Freiheit und kollektiver Verantwortung. Alles andere lenkt nur ab.