Archiv für den Monat Juni 2018

Regierung: Aufruf zum eigenen Sturz

Die großen Metropolen dieser Welt sind gleichzeitig auch gigantische Integrationsmaschinen. Die weltweite Migration findet in Städten wie Los Angeles oder Jakarta eine neue Dimension. Menschen aus anderen Regionen des eigenen Landes oder der ganzen Welt finden immer wieder den Weg dorthin. Jährlich, zu Hunderttausenden. Wer glaubt, das sei dort alles von einer Kommunalverwaltung geplant und es gebe dafür feste Strukturen, innerhalb derer sich das abspielt, mache sich den Spaß, dorthin zu fahren und es sich anzusehen. Jede Stadtverwaltung der Welt wäre mit solchen Zahlen überfordert. Nach Jakarta kommen jährlich eine halbe Millionen Menschen, und das innerhalb ein und derselben Woche, nämlich nach dem Ramadan. Organisiert wird das alles von denjenigen, die schon da sind und die Neuen nach einem Besuch zuhause in der Provinz mitbringen. Diejenigen, die es in die Metropolen bereits getragen hat, sind in der Regel die Anlaufstationen für die, die noch kommen. Geregelt wird alles in einer Art informellem Sektor, in dem sehr viel Innovation städtischen Lebens und Wirtschaftens stattfindet. Es geht so weit, dass in China versucht wird, bewusst derartige informelle Sektoren zu schaffen, um Innovation zu generieren. Dass das scheitert, ist eher eine humorvolle Randnotiz.

Migration hat viele Ursachen. Die hier beschriebene zumeist wirtschaftliche und ist eine Triebfeder der Menschheit. Die größte Massenmigration im 19. Jahrhundert war die in die USA, vor allem auch die über Deutschland. Die in diesem Zusammenhang größte – um mit den gegenwärtigen Termini zu sprechen – Schlepperorganisation war HAPAG LLOYD. 

Die anderen Ursachen für Massenmigration sind Naturkatastrophen und Kriege. Letzteres war Initial für eine große Bewegung Richtung Zentraleuropa im Jahr 2015. Ursache war der Krieg in Syrien, in dem es um den Sturz der Regierung ging, zumindest seitens einer Allianz, die nicht hinnehmen wollte, dass der Regierungschef es verboten hatte, eine Gaspipeline von Katar über sein Territorium bauen zu lassen. Der Krieg vernichtete die Existenz unzähliger Menschen, die sich auf den Weg nach Europa und Deutschland machten. Deutschland, Mitglied der kriegsführenden  Allianz, war von Anfang an auch Ursache dieser Migration. Indem dessen Regierung erzählte, man müsse die Ursachen der Massenmigration bekämpfen, rief sie zum eigenen Sturz auf. Nur hat das kaum jemand begriffen.

In diesem Kontext war die Öffnung der Grenze für eine der Fluchtwellen im Jahr 2015 nicht ausschließlich ein humanitärer Akt. Es war ein weiterer Baustein in dem Verwirrspiel um Wirkungszusammenhänge der Politik, in die man selbst verstrickt war. Von der Dimension der damals stattgefundenen Immigration wären die Megastädte dieser Welt nicht beeindruckt. Dennoch hat sich eine Front gebildet, der es zunehmend gelingt, die bedrohlichen Aspekte eines unregulierten Finanzweltmarktes auf den Aspekt von Immigration zu reduzieren.

Die ersten, denen dieses gelang, waren die Vertreter der AFD. Aufgrund der spektakulären Wahlergebnisse hat sich die bayrische CSU dem gleichen Argumentationsmuster verschrieben, um bei den bevorstehenden Wahlen erfolgreich zu sein. Es bleibt zu bedenken, dass die existenzbedrohende Wirtschaftspolitik, die von vielen Menschen geführt wird, in starkem Maße auch von der CSU betrieben wird. Es handelt sich bei der ganzen Migrationspolitik der CSU um ein ideologisches Manöver. Die Skrupellosigkeit, mit der sie dieses macht, weist sie als eine Gruppierung aus, die vom Gegner zum Feind mutiert ist.

Passend zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft wurde nun ein Showdown inszeniert, der das Ende der gegenwärtigen Regierung sein kann. Was dann kommt, ist offen.

Iberische Delikatessen

Nicht jedes Spiel, von dem Großes erwartet wird, erfüllt diese Hoffnungen auf einem Turnier. Das kann ganz einfach daran liegen, dass vieles nicht zusammenkommt, was bei der Prognose kalkuliert wird. Und oft hängt es davon ab, zu welchem Zeitpunkt bestimmte Gegner aufeinandertreffen. Wenn es noch früh im Turnier ist, kann es sein, dass die Mannschaften noch nicht so richtig zusammengefunden haben, es kann sein, dass sie vielleicht noch etwas im Schongang sind oder es ist möglich, dass bereits ein wenig getäuscht wird. Später im Turnier gilt es, dann geht es ums Überleben. Die Highlights sind zumeist die Viertel- und Halbfinale, während das Finale oft wie ein kühles Schachspiel ermatteter Granden wirkt.

Dass ausgerechnet Spanien und Portugal im ersten Spiel aufeinandertreffen mussten, war beiden Selten wahrscheinlich nicht recht. Aber egal wie, und egal, was noch kommen wird, diese Partie bot vieles von dem, was sich die Aficionados des Fußballs wünschen: Viele Tore, extravagante Tore, ein schnelles Speil und die charakteristischen Stärken, die jeweils den beiden Mannschaften zugerechnet werden. Spanien hat eindrücklich gezeigt, dass mit ihm auf dem Turnier gerechnet werden muss und Portugal hat bewiesen, dass es nach wie vor nach dem Muster der gewonnen Europameisterschaft 2016 in der Lage ist, partielle Schwächen durch taktisches Geschick auszugleichen und immer einen Trumpf im Ärmel hat, Christiano Ronaldo.

Und für diejenigen, die nicht nur den Fußball, sondern auch die Oper lieben, zeigten sich zwei Protagonisten, die beide von ihrem Alter her am Ende ihrer Karriere sein müssten, die allerdings  unterschiedlich damit umgehen. Und wie das in solchen Fällen ist, der eine auf spanischer Seite, Andrés Iniesta, ließ mehr als einmal aufblitzen, welches geniales Spielverständnis er besitzt und mit welcher Bravour er in der Lage ist, aus einer Malaise ein Kabinettstückchen zu machen. Er hat sich bereits von seinem Verein, dem CF Barcelona, tränenreich verabschiedet und wird den Ausklang seiner Profi-Karriere in China vergoldet bekommen. Nach großen Momenten wurde er folgerichtig irgendwann ausgewechselt, weil in einem solchen Turnier mit den Kräften eines alternden Stars kalkuliert werden muss.

Der Portugiese Christiano Ronaldo hingegen machte nicht nur wieder einmal das Spiel seines Lebens, sondern er vermittelte den Eindruck, als könne das Alter ihm nichts anhaben, wie den von den Göttern Begünstigten, die der rostigen Schraube des Alterns für immer entrinnen. Er war es, der die Regie des Spiels entscheidend beeinflußte, denn er eröffnete die Partie mit einem Elfmetertor in der vierten und beschloss es mit einem Freistoßtor für die Geschichtsarchive in der letzten Minute. Damit unterstrich er, dass er die nur von Misanthropen bestrittene Weltikone des Fußballs ist. Niemand ist zählbar so erfolgreich, niemand entscheidet Spiele so wie er und niemand beherrscht die Taktik des Guerilleros so wie er. Christiano Ronaldo hat seinen Spielweise im Laufe der Jahre seinem Alter angepasst. Er hat immer das gemacht, was er am besten konnte, aber das, was er am besten kann, hat sich ständig verändert. Dass ist, neben dem rein Technischen und Athletischen die eigentliche Größe. Die Blaupause für diese Veränderungsfähigkeit war niemand anderes als Mohammad Ali. Sein Pendant im Fußball, allerdings ohne die gesellschaftliche Relevanz, ist Christiano Ronaldo.

Ein grandioses Spiel, grandiose Akteure, hoffen wir auf zahlreiche Zugaben! 

 

Der Absturz des deutschen Journalismus und die WM

Das Wort geht der Tat voraus. Heinrich Heine hat es, im Angesicht der von ihm erlebten Geschichte, gut auf den Punkt gebracht. Zuerst wird gedacht, dann wird gehandelt. Und unter diesem Aspekt muss ab heute etwas beobachtet werden: Wie gestaltet sich der Propagandafeldzug gegen Russland? Denn mit dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft wird die mittlerweile in Deutschland etablierte Propagandamaschine zeigen, zu was sie in der Lage ist. Schon schiebt sich ein Artikel nach dem anderen auf die Displays, in denen das Reich des Bösen angeprangert wird. Sicher ist, dass allen, die sich gerne dem Fußball widmen, ins Haus steht, die gefühlte Vorfreude ziemlich vergällt zu bekommen. Denn es wird gehetzt werden, was das Zeug hält. Ziel ist es, die Massen emotional so in Stellung zu bringen, dass ein militärisches Vorgehen zumindest nicht mehr überrascht. Und wenn es gelingen sollte, eine schlechte Weltmeisterschaft auch des deutschen Teams auf die russische Bilanz zu schieben, dann hat sich der Aufwand gelohnt. 

Es geht um den Verlust des kritischen Journalismus. Wer sich dazu herablässt, alles, was in einem Land zu bemängeln ist, auf eine Person zu reduzieren, wie dieses im Falle Putins immer wieder geschieht, der ist durch die Prüfung bereits durchgefallen. Wer sich nicht schämt, als Kronzeugen gegen Russland Oligarchen zu zitieren, die sich mit Mafia-Methoden nach dem Zusammenbruch der UdSSR Volksvermögen einverleibt haben, ist verkommen. Und wem es nicht gelingt, ganz normale Menschen vor die Linse zu bekommen, die darüber berichten, was ihnen wichtig ist, und was sie glücklich und was sie traurig macht, der hat das Motiv von Völkern nicht begriffen.

Ich werde versuchen, mir den Spaß am Fußball und der Deutung des Spiels nicht verderben zu lassen durch die Testate eines schlechten Journalismus. Ich werde versuchen, mir die Berichte über das Land anzusehen und sie nach ihrer Qualität zu beurteilen. Wie lange ich das aushalten werde, steht noch in den Sternen. Aber es wird sich lohnen, denn das daraus abgeleitete Urteil über die Leistungen der Berichterstattung werden noch wichtig sein. Denn die organisierte Einflussnahme auf deutsche Medien durch bellizistische amerikanische Think Tanks muss auf die Tagesordnung. Für die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu Staatssendern tragen die Regierungen der letzten eineinhalb Jahrzehnte die politische Verantwortung. Die Journalisten selbst, die sich durch das Netzwerk haben kaufen lassen, müssen ihre Arbeitspapiere erhalten und angeklagt werden. Wie wäre es, und es wird zu sehen sein, wie wäre es mit Volksverhetzung?

Das Land, das den höchsten Preis dafür bezahlt hat, dass der deutsche Faschismus letztendlich in die Knie gezwungen wurde, wird von den Nachfahren der Täter nicht mehr als solches gesehen.  Und das Land, ohne das es keine deutsche Wiedervereinigung gegeben hätte, wird heute als die Ursache allen Übels gesehen. Da ist etwas ganz dramatisch aus dem Ruder gelaufen. Auch unter dem Aspekt, dass der Slogan „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ wie die Maxime aller journalistischen Tätigkeiten vor sich hergetragen wird. 

Bei dieser WM geht es, leider, wenig um Fußball. Es geht um Russland, vordergründig. Mehr noch geht es um Deutschland und die Art seiner momentanen Befindlichkeit. Die Eliten haben sich bereits gegen Russland mobilisieren lassen. Der große Teil des Volkes noch(?) nicht. Wer historisch seine Lektion gelernt hat und wer nicht, ist allerdings bereits vor dieser Weltmeisterschaft klar.