Etienne Comar. Django – Ein Leben für die Musik
Très difficile. Einen Film zu drehen, der eine Musik in den Fokus stellt, die trotz ihrer ungeheuer revolutionären Rolle immer am Rande der Gesellschaft stattfand, eine Persönlichkeit darzustellen, die dieser Musik zum Leben verhalf und eine Zeit zu malen, die ihre düsteren Schatten auf jeden Tag dieses kurzen Lebens warf. Ja, es ist schwer, bei einer derart komplexen Botschaft das richtige Maß zu treffen. Dem Regisseur Etienne Comar ist dieses gelungen. Der „Film Django. Ein Leben für die Musik“ demonstriert die Impulsivität und Virtuosität, die hinter der grandiosen Musik des Sinti Django, Jean, Reinhardt stand. Und der Film zeigt den großen Schatten, den die nationalsozialistische Rasseideologie auf die Sinti und Roma warf.
Allein der Anfang des Films ist grandios: Im von den Deutschen besetzten Paris sitzen in einem vollgestopften Theater an die Tausend Besucherinnen und Besucher, die auf ein Quintett warten. Nur, die Hauptattraktion, der Gitarrist Django Reinhardt ist noch nicht dort. Das Publikum wird unruhig bis ungehalten, die Bandmitglieder beginnen, den Mann zu suchen und eines findet ihn beim Angeln und dem Trinken von Weinbrand am Ufer der Seine. In der Limousine des Veranstalters wird er herbeigeschafft, in der Garderobe wechselt er in einen weißen Anzug und schon sitzt der Virtuose auf seinem Schemel und beginnt seine Sentenzen mit dem flinken Wandeln auf Skalen, die so anders sind, die Franz Liszt ungarisch nannte, die aber von den Sinti und Roma kommen und auch den Flamenco schmücken, und: die sich verhalten wie ihre schrägen Schwestern des Blues.
Die Passagen, bei denen ein hervorragender Reba Kateb die verkrüppelte Hand Django Reinhardts über den Steg jagt, haben die Zeit bereits bereichert. Doch die Schilderung des Milieus, der familiären Bande und der Art dieser Musikproduktion machen das alles zu einem Abenteuer. Da sind die fahrenden Musiker, die über Generationen ihre Grundformen beherrschen wie ein hart erlerntes Handwerk, und die mit ihren Interpretationen diesem Schliff das Herzblut und die Spiritualität ihrer jeweiligen Epoche einblasen.
Und da ist das unterdrückte Frankreich, in dem die deutschen Offiziere das Sagen haben. In dem die deutschen Offizieren die ganze französische Kultur in ihren Feldküchen vermanschen und sich dabei großartig vorkommen. Selbst den Django Reinhardt wollen sie nach Berlin holen, damit er in den Monumentalsälen des Faschismus aufspielt. Doch Reinhard hört auf eine Freundin, die ihm rät, in die Schweiz zu fliehen, weil sie befürchtet, er lande ansonsten wie alle anderen Sinti und Roma in einem Konzentrationslager.
Der gescheiterte Versuch führt zu einem Leben in Wohnwagen und zu Auftritten in billigen Kneipen. Der König des europäischen Jazz muss sich verstecken wie ein Krimineller, schließlich fliegt er auf. Django Reinhard erlebt die Verfolgung seines Volkes und er muss mitansehen, dass viele, allzu viele in der Vernichtungsmaschine verschwinden. Der Film endet mit der Aufführung einer von ihm komponierten „Zigeunermesse“ im befreiten Paris.
„Django. Ein Leben für die Musik“ liefert gleich drei Gründe, ihn anzusehen: Die grandiose Musik des Jazzpioniers Django Reinhardt, die kulturelle Disposition seines Volkes und der barbarische Umgang mit Andersartigem. Es ist ein Film, der auf die Ohren schlägt und unter die Haut geht. Eine Rarität in diesen Tagen.

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