The Wire. Die zweite Staffel
Ein kompletter Kameraschwenk in einen anderen Teil von Baltimore zeitigt ein komplett anderes, nicht minder dramatisches Milieu. Nachdem der Drogenboss Avon Barksdale durch seinen Gefängnisaufenthalt etwas auf Eis gelegt wurde, konzentriert sich die Arbeit einer erneut aufgestellten Sonderkommission von Baltimores Polizei nun auf einen neuen Fall. Der Anlass für die Konstituierung der Spezialeinheit könnte allerdings profaner nicht sein. Ein hoher Polizeioffizier polnischer Provenienz erträgt es nicht, dass der Boss der Hafenarbeitergewerkschaft, Sobotka, in der katholischen Kirche ein größeres Bild in der Bleiverglasung erhält als die Polizei. Also folgert der Cop, dass dort etwas stinkt und setzt die aus der ersten Staffel bekannten Gesichter um Cedric Daniels ein, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Tatsächlich ereignet sich im Hafen Dramatisches: Bei einer Routinekontrolle wird ein Container entdeckt, in dem dreizehn Leichen entdeckt werden, die vermutlich osteuropäische Prostituierte waren. Aus den polizeilichen Untersuchungen lassen sich Aktionsketten rekonstruieren, die in verschiedene Welten führen, die allesamt dazu geeignet sind, alle Hoffnung fahren zu lassen. Da handelt es sich zum einen um den von der griechischen Mafia betriebenen Menschenhandel, bei dem quasi die Toten aus dem Container als nicht gewollter Kollateralschaden entstanden. Auf der anderen Seite ist die Hafenarbeitergewerkschaft um den Boss Sobotka tatsächlich nicht ganz unschuldig, indem sie bei diversen Aktionen den Zoll an der Nase herumführen und den einen oder anderen Container verschwinden lassen und schwarze Ware verschieben, um die leeren Gewerkschaftskassen aufzufüllen und politische Mandate zu kaufen.
Das Drama nimmt seinen Lauf, als sich die die Wege der griechischen Mafia mit denen der polnischen Gewerkschafter kreuzen. Letztere treten auf wie die letzte Bastion des organisierten Industrialismus und nicht selten wird man an die großen Tragödien beim Untergang traditioneller Industrien auch in Europa erinnert. Trotz seiner Korrumpiertheit und Verschlagenheit fällt es einem schwer, Sobotka eine emotionale Nähe zu versagen und die Szenen aus dem Hafenarbeitermilieu lassen zum Teil noch einmal die ehemalige Kraft des Proletariats aufblitzen, ehe eine global operierende, moderne griechische Mafia, vorgewarnt durch gekaufte Spitzel beim FBI, dem Protagonisten die Kehle durchschneidet und unbehelligt von der Polizei in ein neues Operationsgebiet verschwindet.
Der polnische Polizeioffizier ist zufrieden, die Sondereinheit frustriert, der im Knast sitzende Avon Barksdale bekommt nicht mit, dass sein ebenfalls einsitzender Neffe D´Angelo von Schergen seines Partners Stringer Bell stranguliert wird, weil er ein zu großes Risiko geworden ist. Aber dass es auch diesmal kein Ende geben wird, war von Anfang an klar.

so ist es.