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Mit Knicks und gebeugtem Haupt

Um den Träumern gleich die weitere Lektüre zu verderben: Macht kann auch etwas Befreiendes sein und zum Wohle vieler wirken. Dass viele Menschen von dieser Seite der Macht kaum etwas mitbekommen, liegt an den Verhältnissen. Bei den Formen der Ausübung, in denen partikulares Interesse und die schlichte Lust zu herrschen eine Rolle spielen, ist ein größeres Publikum gewährleistet. Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf einen bestimmten Typus. Es handelt sich um Menschen, die mittels der ihnen zur Verfügung stehenden Macht ein Spiel veranstalten, bei dem es vor allem um das Wesen derer geht, die unter ihrem Machteinfluss stehen.

Sie probieren an den Menschen aus, wie weit sie gehen können. Sie treiben ihre Untergebenen vor sich her und werden in ihren Forderungen zunehmend maßloser. Das Kuriose an ihrer eigenen Befindlichkeit ist der Umstand, dass sie diejenigen, die tatsächlich alles mit sich machen lassen und sich ihnen auf Gedeih und Verderb ergeben, abgrundtief verachten. Und andere, die sich zur Wehr setzen, auch in dem Wissen, dass sie großen Schaden erleiden können, diesen Rebellen zollen sie Respekt und suchen ihre freundschaftliche Nähe. Das Setting hat etwas aus dem alten Rom, als existenzielle Spiele zum gesellschaftlichen Zeitvertreib zählten.

Dass ein amerikanischer Präsident unserer Tage in dieses Schema passt, ist gar nicht so verwunderlich. Wieder ist es ein Imperium, das schwächelt und an sich ein wenig zweifelt, und wieder kommt da ein Imperator, der das basale der Macht als Mittel an sich noch einmal vorexerziert. Und wer meint, er sei der erste, der dieses Spiel mit seinen Vasallen betreibt, erwacht gerade aus einem sehr langen Traum.

Aus hiesiger Perspektive geht es aber gar nicht um die charakterliche Befindlichkeit von Imperatoren und Hegemonen, sondern um uns selbst. Genauer gesagt, diejenigen, die auserkoren sind, die Interessen der deutschen Bevölkerung oder der in der EU versammelten Staaten wahrzunehmen. Schon Präsident Biden hatte ausprobiert, wie sich der damalige Kanzler Scholz verhielt, als er ankündigte, dem Land, das Scholz vertrat, die kritische Infrastruktur zu zerstören. Da dieser daneben stand und bei der Aussage nur verlegen oder einfältig lächelte, lässt sich vermuten, wie groß die Verachtung Joe Bidens in diesem Moment für Scholz und das Land, das er vertrat, war. 

Nun, sein Nachfolger Donald Trump spielt dieses Spiel noch pointierter. Was mochte er nun in Schottland gedacht haben, als die übrigens durch kein demokratisches Votum autorisierte Chefunterhändlerin der Europäischen Union bei ihm auftauchte und einen Deal wollte? Erreicht hat sie nichts, was der Rede wert wäre, außer große Summen für Fracking Gas und Kriegswerkzeug in die USA zu transferieren, dort zusätzlich massiv zu investieren und dafür Strafzölle auf EU-Produkte zu behalten. Neben einer gehörigen Portion Schadenfreude wird dem Imperator auch noch ein üppiges Kontingent an Verachtung geblieben sein.

Das großtuerische Geschrei, mit welchem hiesige Politiker in Bezug auf das Weltgeschehen auftreten, steht in diametralem Gegensatz zu ihrer Potenz und Reputation. Um es einmal unmissverständlich zu formulieren: sie reißen das Maul weit auf, haben aber nichts zu bieten. Sie lassen sich gängeln, sie lassen ihre Länder  plündern und bestehlen und sie haben, wenn es darauf ankommt, nicht die Courage, sich gegen diese Behandlung zu wehren und heftig auf den Tisch zu hauen, trotz der Gefahr, Schmerzen zugefügt zu bekommen. Mut ist ein Gut, über das sie nicht verfügen. Das einzige, was sie, wenn es darauf ankommt, zu bieten haben, ist ein tiefer Knicks und ein gebeugtes Haupt. Sich solches Personal zu leisten, ist ein kräftiges Indiz für um sich greifende Dekadenz.

Mit Knicks und gebeugtem Haupt